Die Kirche als Mutter und Hüterin

Nachfolgend Auszüge aus der Magisterarbeit „Die katholische Kirche als Hüterin des ungeborenen Lebens und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter“ von Christian M. Gerl(M.A.)

Papst Johannes XXIII. betitelte die katholische Kirche in der gleichnamigen Enzyklika aus dem Jahre 1961 mit Mater et Magistra‘. Als „Mutter und Lehrmeisterin der Völker“ hat sie die Aufgabe ihrem heiligen Gründer Jesus Christus Kinder zu schenken; „sie soll sie lehren und leiten. Dabei soll sie sich in mütterlicher Fürsorge der einzelnen und der Völker annehmen in ihrem Leben, dessen erhabene Würde sie stets hoch in Ehren hielt, über das sie wachte und das sie beschützte.“125 Ein Jahr später wird derselbe Papst bei seiner Eröffnungsrede zum Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzil auf die „sehr liebevolle, gütige und geduldige Mutter“ Bezug nehmen, die „voller Erbarmung und Wohlwollen zu ihren Kindern, die sie verlassen haben“ unermüdlich spricht, „in  wachsamer Sorge“ um die Entwicklung der Weltgeschichte.126

 Wie die Jungfrau und Gottesmutter Maria Christus, dem Haupt der Kirche, das Leben schenkte, ihn aufzog und bis unter das Kreuz begleitete, gebiert gleichsam die Kirche als Marias Urbild den mystischen Leib, die aus Gott geborenen Kinder, durch Taufe und Predigt.127 Auch sie folgt in ihren Gläubigen den Unschuldigen bis auf das „Golgotha der Moderne“(Monsignore P. J. Reilly), bis vor die Türen der Abtreibungseinrichtungen.  

Gerade in Zeiten rigoroser Anwendungen künstlicher Empfängnisverhütungsmittel und einer verstärkt auftretenden Abtreibungsmentalität tritt unsere Kirche als Beschützerin und Mutter des Menschen in den Vordergrund. Rechtzeitig in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Menschheit nach einer Befreiung sexueller und ideeller Werte schrie, setzte die Lehrerin Kirche mit der von Papst Paul VI. veröffentlichten Enzyklika ‘Humanae Vitae ein entscheidendes, prophetisches Zeichen. Vom Volk als “Pillenenzyklika“ bezeichnet, verwirft die Kirche darin die Anwendung von Hormonpräparaten zum Zweck der Empfängnisverhütung, genauso wie Abtreibung und Sterilisation,128 weil sie dem ehelichen Akt seiner Natur beraubt, Zeichen der Ganzhingabe zu sein. Was die Kirche als unsittlich und damit unerlaubt ablehnt und in ‘Humanae Vitae verurteilt, sorgte nicht nur extern für Empörungsrufe, sondern wurde selbst von vielen Bischöfen kirchenintern als für Familien nicht lebbar beurteilt, woraufhin von der Bischofskonferenz in Deutschland die ´Königsteiner Erklärung`(30.8.1968) und in Österreich die ´Maria-Troster Erklärung`(21.9.1968) veröffentlicht wurden. Ein Ignorieren von ‘Humanae Vitae‘ war die Folge dieser bischöflichen Erklärungen, welche eigentlich, nach Meinung der Bischöfe, zu einem besseren Verständnis der Enzyklika Pauls VI. hätten beitragen sollen.   

Wenn ein Kind nicht auf die Mahnrufe seiner Mutter hört und die angebotenen Hilfen von sich weist, muss es zwangsläufig die Folgen – wie wir sie heute vielerorts sehen –  tragen und erleiden. Papst Paul VI. versuchte eindringlich ein Fortschreiten und sich Ausbreiten der “Kultur des Todes“ zu verhindern, indem er genau jene Auswirkungen empfängnisfeindlicher Einstellungen der Partner prognostizierte, welche in den vergangenen vier Jahrzehnten die Welt dramatisch veränderten. Die Kirche wird als liebes- und leibfeindlich kritisiert, obwohl sie gerade diese Bereiche in mütterlicher Sorge zu schützen versucht. Weil sie ihre Kinder liebt, will sie vor allem Frauen vor einer sexuellen und moralischen Ausbeutung bewahren.  

Durch viele Hilfsprojekte streckt die Hüterin Kirche ihre Arme verstärkt jenen “Unglücklichen“ entgegen, welche sich nach Geschlechtsvereinigungen mit nachfolgenden, unvorhergesehenen “Problemen“ konfrontiert sehen, wenn aus dieser Verbindung ein Kind entstanden ist. Vor und nach Abtreibungen sind es vor allem katholische Lebensschützer, die es sich zum Ziel gesetzt haben, einerseits ‘Humanae Vitae‘ bekannter zu machen, andererseits aber auch im Einsatz vor Abtreibungskliniken und in Pro-Life-Lebenszentren Müttern in Not und Verzweiflung beizustehen.  

Neben solchen – auch überkonfessionellen – Hilfsorganisationen, wie ´ALFA`, ´Pro Vita`, ´Aktion Leben e.V.`, ´Jugend für das Leben`, ´Euro Pro Life`, etc. ist besonders die Gründung eines katholischen Priesters zu nennen, der am 7.10.1989 die ´Helfer für Gottes kostbare Kinder` ins Leben rief. Der aus Irland stammende Priester P. J. Reilly kämpfte beinahe zwei Jahrzehnte auf politischer Ebene für den Lebensschutz. Nachdem Protestmärsche und Sitzblockaden vor Abtreibungseinrichtungen ohne gewünschten Erfolg blieben, zog Monsignore Reilly in Brooklyn am Rosenkranzfest 1989 vor die damals größte Abtreibungsklinik der westlichen Welt. Was mit einer Handvoll katholischer Männer und Frauen begann, entwickelte sich in 20 Jahren zum größten Weltapostolat Pro-Life und wurde 1993 durch die amerikanische Bischofskonferenz in einem Empfehlungsschreiben an alle katholischen Gemeinden der USA als „nachahmenswertes Apostolat“ gewürdigt.129 Reilly fordert die Menschen auf, die Liebe an die finstersten Orte(den Abtreibungsstätten) der Städte zu bringen, dort für die ungeborenen Babys zu beten, sie mit Liebe in den Himmel zu verabschieden, wenn Sie getötet werden oder sie herzlich aufzunehmen, wenn die Mutter sich für das Leben ihres Kindes entscheidet.  

In einhundert zwanzig amerikanischen und dreiundzwanzig deutschen Städten finden mittlerweile aufgrund dieser Initiative Gebetszüge statt. Weltweit verbreitete sich das Apostolat in vierzig Ländern.130 Von zunächst dreiundvierzig Abtreibungsstätten in Brooklyn sind derzeit nur noch achtzehn übrig; in Deutschland wurde die Abtreibung bereits an sechs Orten eingestellt.131 Monsignore Reilly erklärt dazu: „Wir helfen der Mutter. Das ist die einzige Lösung. Wir dürfen Frauen, die abtreiben wollen, nicht als böse Menschen betrachten, sondern müssen uns ihnen in Liebe zuwenden. So stehen wir in derselben Haltung wie Maria und der heilige Johannes unter dem Kreuz, beten in derselben Gesinnung, wie Jesus am Kreuz: >Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun<(Lk 23,34).“132  
Ebenso wenig wie Priester Reilly Frauen kritisiert, die sich für eine Abtreibung entschieden haben, verurteilt die Mutter Kirche ihre Kinder. Der selige Papst Johannes Paul II. wandte sich in der Enzyklika ‘Evangelium Vitae` speziell an die, an Folgeschäden leidenden Frauen, denn „die Kirche weiß, wie viele Bedingtheiten auf eure Entscheidung Einfluss genommen haben können, und sie bezweifelt nicht, dass es sich in vielen Fällen um eine leidvolle, vielleicht dramatische Entscheidung gehandelt hat. Die Wunde in eurem Herzen ist wahrscheinlich noch nicht vernarbt. Was geschehen ist, war und bleibt in der Tat zutiefst  unrecht. Lasst euch jedoch nicht von der Mutlosigkeit ergreifen, und gebt die Hoffnung nicht auf. Sucht vielmehr das Geschehene zu verstehen und interpretiert es in seiner Wahrheit…Der Vater allen Erbarmens wartet auf euch, um euch im Sakrament der Versöhnung seine Vergebung und seinen Frieden anzubieten. Ihr werdet merken, dass nichts verloren ist, und werdet auch euer Kind um Vergebung bitten können, das jetzt im Herrn lebt.“133   

Mehr als für jene aufgrund eines natürlichen Todes verstorbener Ungeborener, für die eine berechtigte Hoffnung besteht, dass sie, auch ohne das Sakrament der Taufe empfangen zu haben, auf dem Heilswege sind,134 gilt für die vorsätzlich getöteten, unschuldigen Kinder im Mutterleib eine größere Gewissheit, dass sie bei Gott sind. Dies täusche aber nicht über die Tatsache hinweg, dass der Mensch, als „freier Mitarbeiter des Schöpfergottes“135, nicht nur für das irdische Wohl der Nachkommen besorgt zu sein hat, sondern vor allem über das geistige, ewige Heil der ihm von Gott anvertrauten Seelen einmal Rechenschaft wird ablegen müssen.  

Da „die Weitergabe des Lebens ein personaler Akt…und Vorrecht der Familie ist,136 trachtet die Kirche danach den Eltern zu einer glücklichen ehelichen Verbindung zur Seite zu stehen, denn sie weiß, dass eine Weitergabe menschlichen Lebens heroische Opfer aller Glieder Christi angesichts der gegenwärtigen Lebensverhältnisse fordern kann.137 Eine verantwortungsbewusste Elternschaft gelingt nur durch Wille und Vernunft. Alleinerziehende und Gatten müssen ihre Pflichten gegenüber Gott, sich selbst, gegenüber ihrer Familie und der menschlichen Gesellschaft im Bezug auf die Weitergabe des Lebens anerkennen.138   

Im Gegensatz zu vielen Menschen schützen im Tierreich die Muttertiere und die ganze Sippschaft ihren Nachwuchs oft durch das Auf-Spiel-Setzen der eigenen Gesundheit. Den Wert und die Unantastbarkeit menschlichen Lebens verteidigt die katholische Kirche als Hüterin ihres “Nachwuchses“ durch unzählige Enzykliken und Apostolische Schreiben der letzten Jahrzehnte. Sie spürt das Nahen des Feindes in Form Menschenleben verachtender Ideologien und Regimes, die wie brüllende Löwen umhergehen und versuchen, wen sie verschlingen können(vgl. 1 Petrus 5,8-9). Im Gegensatz zu Nietzsche, der behauptete das Christentum hätte dem Eros Gift zu trinken gegeben, zeigt Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika “Deus Caritas est“ vom 25.12.2005, dass die Kirche „>nicht dem Eros als solchen eine Absage erteilt, sondern seiner zerstörerischen Einstellung den Kampf ansagt<“.139  

Unermüdlich ruft die katholische Kirche in ihren Kindern den Großen und Kleinen der Welt zu, wie unter anderem am Beispiel der seligen Mutter Teresa von Kalkutta deutlich wird. Anlässlich der Verleihung des Friedennobelpreises 1979 in Oslo warnte sie davor das menschliche Leben nicht als reines Objekt zu missbrauchen, über das man willkürlich verfügt, sondern „als die heiligste und unantastbarste Wirklichkeit, die auf der Bühne der Welt auftritt.“ Weiter die Selige: „Es kann keinen Frieden geben, wenn der Schutz dieses grundlegenden Gutes Schaden nimmt. Man kann nicht den Frieden fordern und das Leben missachten.“140

12. Woche 2

Bilder eines 12 Wochen alten Babys (Quelle: priestsforlife.com)

12. Woche 3 12. Woche 4 12. Woche   

Ein Mensch besitzt in seiner vorgeburtlichen Existenz dieselbe Würde und dasselbe Lebensrecht wie nach der Geburt. Zur katholischen Kirche gesellte sich 1973 auch die evangelische Kirche, als sie in einer gemeinsamen Erklärung zur Änderung des §218a StGB festhielten, dass „das sittliche Gebot durch eine im Gesetz eingeräumte Straffreiheit nicht aufgehoben ist.“141 Im ´Gemeinsamen Hirtenwort zur ethischen Beurteilung der Abtreibung` rüttelten die deutschen Bischöfe 1996 am öffentlichen Bewusstsein, indem sie erklärten, dass „>grundlegende Wahrheiten oft ausgeblendet, leicht verdrängt oder durch pragmatische Aspekte überlagert wurden<“ und stellen – unter Berufung auf die Enzyklika Evangelium Vitae‘ – fest, „dass als vorsätzliche Tötung eines unschuldigen Menschen die Abtreibung ein schweres Unrecht darstellt, das niemals gerechtfertigt werden kann(…), auch nicht durch Berufung auf eine persönliche Gewissensentscheidung“.142  

Indem die künstliche Empfängnisverhütung eine “moralische Unordnung“ darstellt, weil sie gegen die „Wahrheit des Geschlechtsaktes“ verstößt, und Abtreibung generell eine Zerstörung des „Lebens eines Menschen“ bewirkt, müssen beide Arten nach ihrer moralischen Schwere unterschieden werden.143 Neben den subjektiven Beweggründen sind auch die unterschiedlichen Lebensumstände „>und in erster Linie alle Ursachen, die ihr Gewissen und ihre Willensfreiheit beeinträchtigen können<“ in Betracht zu ziehen.144    

Bei der Berufung auf das Gewissen ist insbesondere jeder Katholik verpflichtet, bei seiner Gewissensbildung die Glaubens- und Morallehre der Kirche, die allein Lehrerin und Hüterin der Wahrheit ist, zu beachten. Das Gewissen ist an eine objektive Norm gebunden, welche die Kirche kraft des ihr eigenen apostolischen Amtes auslegt. Ein Gewissen, das sich selbst die sittliche Norm schafft zerschneidet das Band des Gehorsams gegen den heiligen Willen des Schöpfers, in dem gerade die Würde des Menschen besteht, radikal.145 Darum ist es wichtig, auf die katholische Kirche, wie sie sich durch den Papst und die mit ihm verbundenen Bischöfe äußert, zu hören, denn die Kirche besitzt Autorität über unser Gewissen.146 Dieses ist zwar die letzte subjektive Norm des sittlichen Verhaltens, aber keineswegs autonom, sondern an das Gesetz Gottes gebunden. „Die höchste Norm des menschlichen Lebens ist das göttliche Gesetz selber, das ewige, objektive und universale Gesetz, durch das Gott nach dem Ratschluss seiner Weisheit und Liebe die ganze Welt und die Wege der Menschengemeinschaft ordnet, leitet und regiert.“147 Besonders Gläubige sind deswegen dazu angehalten ihr Gewissen am göttlichen Gesetz auszurichten und auf das kirchliche Lehramt zu hören, „das dieses göttliche Gesetz im Lichte des Evangeliums authentisch auslegt.“148

UnbenanntWenn ein Schwangerschaftskonfliktberater- oder Beraterin bei dem Versuch noch in letzter Minute vor einem geplanten Abtreibungstermin das Gewissen einer Schwangeren anzuregen, ihr Kind unter allen Umständen zu behalten und ihr dabei die Risiken einer Entscheidung “Contra-Kind“ und die Konsequenzen daraus über den gewaltsamen Tod ihres Nachwuchses aufzeigt, argumentiert er/sie dabei sachlich, klar und aufrichtig gegen jeden Rechtfertigungsversuch seitens der Mutter, aber niemals verurteilend oder unbarmherzig. Die ´Helfer für Gottes kostbare Kinder` brandmarken Frauen, die abtreiben wollen nicht als Sünderinnen, sondern unterstützen und stärken durch ihre Ermunterung in einer vermeintlichen Krisensituation einer Schwangeren das Ja zum Kind. Sie bieten geistige und finanzielle Hilfeleistungen an und helfen den Betroffenen durch ihre Lebenszentren in vielen Nöten sowohl vor als auch nach einer Abtreibung. Sie retten dadurch weltweit nicht nur viele Babys vor dem sicheren Tod, weil sie von Vater und Mutter “verlassen“ wurden(vgl., Ps 27,10), sondern bewahren damit gleichzeitig vor allem Frauen vor den gravierenden, bereitsaufgezeigten Abtreibungsfolgeschäden.   

Die Kirche eilt in ihren gläubigen und überzeugten Dienern den “verirrten Schafen“ bis zum Rande des Abgrundes hinterher, weil es zu ihrer Aufgabe gehört den Menschen gegen das zu verteidigen, was ihn zerstören und entehren kann. Sie kann folglich dieses Problem nicht schweigend übergehen.149 Ebenso wenig das Thema Homosexualität. Laut dem Katechismus der Katholischen Kirche fühlen sich nicht wenige Menschen vom gleichen Geschlecht angezogen. Da jedoch beim Geschlechtsakt dieser Form die Möglichkeit zur Weitergabe des Lebens ausgeschlossen ist, verstößt jeglicher Beischlaf gleichgeschlechtlicher Paare gegen das natürliche Gesetz und ist demzufolge in keinem Fall zu billigen.150 In keiner Weise sind Menschen homosexueller Gesinnung jedoch ungerecht zurück zu setzen; mit „Achtung, Mitleid und Takt“ ist ihnen zu begegnen, denn auch jene sind dazu berufen „in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen“.151    

Wie eine gute Mutter sorgt sie sich um das Wohl ihrer Kinder, ohne Wahrheiten zu verschleiern oder Unrecht gutzuheißen, immer die einmalige Würde des Menschen vor Augen, denn Gott liebt den Menschen, aber er verabscheut die Sünde. Mit Liebe und Barmherzigkeit trachtet sie danach Sünder in die verzeihenden Arme Gottes zu führen, wobei sie erklärt, dass das Evangelium vom Leben nicht ausschließlich für  Gläubige zu gelten hat, sondern für alle Bevölker der Erde. Dabei sei bemerkt, dass, gemäß den Worten des hl. Cyprian von Karthago, niemand Gott zum Vater haben kann, der die Kirche nicht zur Mutter hat.152 Als solche erhebt die Kirche die unbedingte Achtung vor dem Recht auf Leben jedes unschuldigen Menschen – von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod – zu einer Säule, „auf die sich jede bürgerliche Gesellschaft stützt und will damit gleichzeitig einen humanen Staat fördern. Einen Staat, der die Verteidigung der Grundrechte der menschlichen Person, besonders der schwächsten, als ihre vorrangige Pflicht anerkennt(…). Nur die Achtung vor dem Leben kann die wertvollsten und notwendigsten Güter der Gesellschaft, wie die Demokratie und den Frieden, stützen und garantieren.“153   

Als Hüterin der Reinheit verwirft die Kirche nicht nur künstliche Verhütungsmethoden, Sterilisation und jede Art des “Schwangerschaftsabbruches“, sie missbilligt auch alle pestartig um sich greifenden Formen der Wollust, hierbei besonders die Pornographie. Auf über
vierhundertzwanzig Millionen Internetseiten, über Fernsehen, Handy und Video und in unzähligen Zeitschriften werden die Menschen global zu Ausschweifung und Unzucht animiert. Kinder werden – wie bereits mehrfach erwähnt – im Kindergarten und in der Grundschule bereits zu sexuellen Praktiken inspiriert und durch sexuelle Aufklärung für den Umgang mit Empfängnisverhütungsmitteln sensibilisiert. In Wien scheut ein führender Abtreibungsspezialist nicht davor zurück Schulklassen in sein Abtreibungsmuseum zu führen, um die Kinder durch den aufgezeigten Vergleich zwischen antiquarischer und moderner Abtreibungsmethodik die “positive“ Entwicklung in diesem Bereich vor Augen zu führen und sie damit gleichzeitig als vermeintlich zukünftige “Kunden“ mit den Räumlichkeiten seiner Klinik vertraut zu machen. Die Gesellschaft, allen voran die Jugend, leidet in dieser Zeit geistig und körperlich unter einem Angriff auf die Intimsphäre und die einzig der Ehe vorbehaltene Sexualität.  

In Humanae Vitae‘ verteidigt die katholische Kirche das hohe Gut der personalen Liebe zwischen Mann und Frau. Sie schützt durch Verbote wie außerehelichen Geschlechtsverkehr, zu Hilfe nehmender chemischer Empfängnisverhütungsmittel, Abtreibung und künstlicher Befruchtung die eheliche Sexualität und die Würde der Fortpflanzung sowohl vor einer sittenlos gewordenen Familien- und Bildungspolitik als auch vor einer „Reproduktionsindustrie, deren Verfahren zur  fahrlässigen Tötung von Embryonen und zum Verlust der Würde führen.“154 Der Kirche ist ein besonderer Erziehungsauftrag zueigen, weil sie nicht nur eine zur Erziehung fähige Gemeinschaft ist, sondern weil sie vor allem den Auftrag hat allen Menschen den Heilsweg zu verkünden und ihnen mit unablässiger Sorge zu helfen, dass sie zur Fülle des Lebens gelangen. „Diesen ihren Kindern hat daher die Kirche gleichsam als Mutter jene Erziehung zu schenken, die ihr ganzes Leben mit dem Geist Christi erfüllt; zugleich aber bietet sie ihre Hilfe allen Völkern an zur Vervollkommnung der menschlichen Persönlichkeit, zum Wohl der irdischen Gesellschaft und zum Aufbau einer Welt, die menschlicher gestaltet werden muss.“155  

Nicht aus Willkür, sondern in Auslegung des natürlichen Sittengesetzes, das in den Bereich des kirchlichen Lehramtes fällt,156 ist die Lehrmeisterin Kirche darum bemüht einer „kurzsichtigen Politik“157 die Stirn zu bieten und zu verhüten, dass durch gotteswidrige Gesetze Praktiken in die Familien eindringen, welche die Menschheit langsam aber sicher zerstören. „Niemals darf die Kirche etwas für erlaubt erklären, was in Wirklichkeit unerlaubt ist“.158 Sie fungiert als „Hüterin und Auslegerin“ des natürlichen und evangelischen Sittengesetzes, als „Garant der wahren Werte des Menschen“,159 denn die Familie stellt in den Augen der Kirche die erste Schule der sozialen Tugenden dar, „deren kein gesellschaftliches Gebilde entraten kann.“160  

In der Sorge um das Wohl der Menschen verbietet die katholische Kirche nicht unmoralische Verhaltensweisen künstlicher Empfängnis verhütender und abtreibender Mittel ohne einen klaren Weg dem sittlichen Naturgesetz entsprechend aufzuzeigen. 

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125  MeM 1.

126 Quelle: Uni-Freiburg, unter: http://www.ub.uni-freiburg.de/fileadmin/ub/referate/04/semapp/konzil.html, (abgerufen am: 30.09.2012).

127  Vgl., LG 64.

128  Vgl., Hv 14.

129  Vgl., W. Skowronska, Beter am Straßenrand, Jetstetten 2009, S. 204.

130  Vgl., ebd.

131  Vgl., ebd.

132  Ebd., S. 203.

133 Ev 99.

134  Vgl., KKK 1261.

135  Hv 1. 

136  MeM 193.

137  Hv 3.

138  Vgl., ebd., 10.

139 Vgl., M. Spieker, Humanae Vitae-Menschenwürdige Sexualität, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der    Europäischen Ärzteaktion, 34. Jahrgang, 1/2012, S. 16.

140  W. Skowronska, Beter am Straßenrand, Jetstetten 2009, S. 185.

141   J. Piegsa, Ehe als Sakrament – Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 224-225.

142  Vgl., ebd., S. 228-229.

143  Vgl., ebd., S. 218-219.

144  Ebd.

145  Vgl., Johannes Paul II., “Humanae Vitae“- Zwanzig Jahre danach, Ansprache des Papstes an die Teilnehmer   des internationalen Kongresses für Moraltheologie, 12.11.1988. 

146  Vgl., Glaubensbuch der belgischen Bischöfe, Unser Glaube, Herder Verlag, Freiburg/Br. 1988, S. 63. 

147  DiH 3.

148  GS 50.

149  Vgl. DH 4550.

150  Vgl., KKK 2357.

151  Ebd., 2358.

152  Vgl., Quelle: der hl. Cyprian von Kathago, unter: http://www.praedica.de/Heilige-Feste/0916_Cyprian_Karthago.htm, (abgerufen am:  30.09.21012).

153  Ev 101.

154  Vgl., M. Spieker, Menschenwürdige Sexualität, in Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 34. Jahrgang, 1/2012, S. 18. 

155  Ge 3.

156  Vgl., Hv 4.

157  Ebd., 23.

158  Ebd., 18.

159  Ebd.

160  Ge 3.