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Mit Maria – der Rosenkranzkönigin

Beitrag von Msgr. Doeme, Nigeria

Zeugnis von S. E. Bischof Oliver Doeme, Maiduguri, Nigeria

 

Die Macht des Rosenkranzes zur Bekämpfung des Bösen in unserer Zeit

Ich möchte Gott preisen und Ihm danken, dass Er uns allen die Möglichkeit gibt, hier bei diesem schönen Gebetstag zu Ehren der Mutter aller Völker zu sein. Ich danke und ehre unsere liebste Mutter, die ihren Kindern stets ihre mütterliche Fürsorge erweist. Möge Maria auch weiterhin ihre barmherzige Liebe auf euch alle als ihre Kinder ausweiten.

Meine lieben Gläubigen, ich stehe jetzt nicht hier, um mich mit euch in irgendeine theologische Abhandlung oder Exegese über Maria einzulassen. Ich bin auch nicht hier, um irgendeine theoretische Debatte darüber zu führen, ob Maria die Gottesmutter ist oder nicht. Ich bin vielmehr hierhergekommen, um einfach mit euch meine Erfahrung über Maria als unsere Mutter zu teilen. Ich bin hier, um euch ein wenig Anteil zu schenken, wie sehr Maria sich als Mutter für uns Katholiken in meiner Diözese von Maiduguri in Nigeria erwiesen hat. Möge mein Zeugnis für euch eine Ermutigung sein, liebe Brüder und Schwestern, dass Maria sich um uns als ihre Kinder kümmert. Möge es helfen, dass auch ihr mehr und mehr in eurer Liebe zur Gottesmutter wachst. Die Gottesmutter hat mich hierher geführt, um zu bekräftigen, dass der Rosenkranz, die am weitestverbreitete marianische Andachtsform, sehr mächtig ist!

Die katholische Diözese Maiduguri und die Boko-Haram-Angriffe

Die Kirche hat in der katholischen Diözese von Maiduguri furchtbar unter der Hand der islamischen Sekte namens Boko Haram gelitten. Während der vergangenen sechs Jahre, seit der Aufstand begonnen hat, haben die Anhänger dieser islamistischen Terrorgruppierung riesigen Schaden und gewaltige Zerstörung angerichtet, sowohl bei den Menschen als auch bei deren Hab und Gut.

Mehr als 70 000 Katholiken wurden allein letztes Jahr vertrieben, als die islamistische Sekte die Kontrolle über mehr als drei Viertel unseres Diözesangebietes übernahm. Auch wenn der Großteil der Gläubigen jetzt wieder zurückkehren konnte, nehmen immer noch über 20 000 Menschen Zuflucht in einigen anderen Teilen Nigerias oder in Kamerun.

Im selben Jahr waren über 30 Priester gezwungen, ihre Pfarreien zu verlassen, und über 40 Ordensschwestern wurden aus ihren Klöstern verjagt. Mehr als 200 Katecheten wurden vertrieben und mussten zusammen mit anderen Christen fliehen. Auch die Schule, aus der die Chibok-Schulmädchen von Boko Haram entführt wurden, liegt innerhalb unserer Diözese. Von den 270 verschleppten Mädchen konnten später nur 56 entkommen und zurückkehren. Vom Rest der Mädchen wissen wir nicht, wo sie sich befinden.

Ganz unabhängig von den Chibok-Schulmädchen wurden aber auch viele andere unserer Frauen und Mädchen entführt, manche vor den Schülerinnen, andere nach ihnen. Auch einige unserer jungen Männer wurden gewaltsam den Truppen von Boko Haram einverleibt. Viele von der Sekte verschleppte Frauen und Mädchen werden zu Selbstmord-Bombenanschlägen gezwungen.

Erneut haben wir über 500 Katholiken, die allein um ihres Glaubens willen das Martyrium erlitten haben. Die Diözese trägt auch Sorge für über 5000 (!) Witwen, deren Männer zum großen Teil von Boko Haram getötet worden sind. Zusätzlich bemüht sich die Diözese, sich um nicht weniger als 15 000 Waisenkinder zu kümmern, deren Eltern zum Teil von Boko Haram getötet worden sind.

Viele Bauten haben wir an Boko Haram verloren. Allein über 200 Kirchen in den Außenstationen wurden von den militanten Islamisten niedergebrannt. Mehr als 20 Pfarrkirchen und ebenso viele Pfarrhäuser wurden ein Fraß des Feuers. Über 20 Schulen und zudem unser Kleines Seminar sind zerstört und somit funktionsuntüchtig.

Ähnlich traurig sieht es bei zahlreichen Einfamilienhäusern, Geschäften, persönlichem Besitz, Tieren und Essensvorräten aus. All das wurde zerstört oder von den Boko-Haram-Leuten gestohlen.

Unsere Beziehung zu Maria, unserer Mutter

Nachdem ihr jetzt von all diesen Dingen gehört habt, wundern sich vielleicht einige unter euch, was das mit Maria, unserer Mutter, zu tun hat. O ja, das alles hat sehr viel mit Maria, unserer Mutter, zu tun! Ich möchte damit beginnen, dass trotz all dieser dramatischen und schrecklichen Ereignisse der Glaube unserer Leute gefestigter wird. Er wächst mehr und mehr. Die Gläubigen in der Diözese – unsere Priester und Ordensleute und auch die Laien – sind sehr mutig und stark. Tapfer praktizieren sie ihren Glauben inmitten aller Verwüstung. Sie scheuen sich nicht, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren, am Sonntag und auch an den Werktagen zur Hl. Messe zu gehen und andere Glaubensaktivitäten vor aller Augen fortzusetzen.

Der ein oder andere mag sich nun vielleicht fragen, woher diese Menschen den Mut für ihr Handeln nehmen. Maria, unsere Mutter, ist der Grund für ihr beherztes Handeln. In unserer Diözese haben wir viele marianische Pastoralprogramme eingeführt, um unser aller Beziehung zur Gottesmutter zu vertiefen. Wir haben ein großes Feld für unser zukünftiges Marienheiligtum bekommen. Auch wenn wir dort aufgrund der momentanen Krise noch nichts gemacht haben, haben wir die Hoffnung, in naher Zukunft jene Unterstützung zu bekommen, die es uns ermöglichen wird, das Grundstück für unsere Marienverehrung zur Entfaltung zu bringen. In den letzten vier Jahren erneuerten wir alljährlich die feierliche Weihe an das Makellose Mutterherz. Und ich schrieb einen Hirtenbrief über die Wichtigkeit der Rosenkranz-Prozession. Seitdem führten wir die Rosenkranz-Prozession überall in den Diözesanpfarreien, den Außenstationen und bei den Familien ein. Auch wird jeden Samstag in allen Pfarreien die Morgenmesse zu Ehren der Gottesmutter aufgeopfert. Und die vielen Rosenkränze, die wir von auswärts geschenkt bekommen, werden eifrig unter die Gläubigen verteilt.

Als Kirche sind wir in unserer Diözese vollkommen davon überzeugt, dass wirklich unsere Mutter – Mama Maria – die Lösung für die Krise ist. Sie hat uns bewiesen, dass sie den Krieg an unser statt weiterführen wird. Wie aber wissen wir, dass Maria den Krieg an unser statt führen wird? Es ist eine vielfach dokumentierte und erwiesene Tatsache, dass Boko Haram sechs Angriffsversuche machte, um in unsere Stadt Maiduguri einzudringen. Doch vergeblich! Jeder Versuch schlug fehl! Wir haben viele Christen in Maiduguri. Und wir sind fest überzeugt, dass es Maria war, die sie blockierte, in die Stadt hereinzukommen. Zudem wurde seit dem Beginn der Auseinandersetzungen kein einziger Priester und keine einzige Ordensfrau angefasst. Maria hat ihre Söhne und Töchter vor den Terroristen beschützt.

Ende 2014 waren mehr als drei Viertel unserer Diözese in der Gewalt von Boko Haram. Aber dank unserer vielfältigen und innigen Marienverehrung war es der Gottesmutter möglich, sich unserer Sicherheitskräfte zu bedienen, um Boko Haram in die Wälder zurückzudrängen. Mittlerweile konnten die meisten unserer Pfarrkinder wieder heimkehren, um Gott aufs Neue in ihren Kirchen zu ehren.

Beispiele der außergewöhnlichen Hilfe Mariens für jene, die den Rosenkranz beten

Über die eben erwähnten erfreulichen Tatsachen hinaus gibt es einige Beispiele, bei denen mehrere von Boko Haram entweder verschleppte oder eingekesselte Personen durch das Beten des Rosenkranzes fliehen oder aus der Hand der Sekte befreit werden konnten.

a. Ein junger Mann war z. B. gemeinsam mit anderen in die Wälder entführt worden. Doch die ganze Zeit im Wald betete er seinen Rosenkranz und sang ein bekanntes Kirchenlied. Am vierten Tag brachten ihn die Sektenmitglieder zur Hauptstraße und ließen ihn frei.

b. Auch eine Mutter von drei Kindern wurde zusammen mit einigen muslimischen Frauen in den Wald entführt. Als einzige Katholikin unter ihnen betete sie still den Rosenkranz. Und nach etwa einer Woche war sie es, die als Einzige von den Terroristen in ihr Dorf zurückgebracht und dort auf freien Fuß gesetzt wurde.

c. Eine Großmutter wurde in ihrer Pfarrei von Boko Haram gefangengenommen, nachdem die anderen Dorfbewohner geflohen waren und sie allein zurückgelassen hatten. Die alte Christin aber betete ununterbrochen den Rosenkranz. Als die Männer der Sekte sie fanden und sie aufforderten, Muslimin zu werden, weigerte sie sich. Da begannen Einzelne der Terrorgruppe sie zu schlagen, um sie dann halbtot zurückzulassen. Als die alte Frau jedoch später das Bewusstsein wiedererlangte, nahm sie ihren Stock und humpelte zum Führer von Boko Haram in diesem Gebiet. Während sie ihm die Wunden zeigte, die seine Leute ihr zugefügt hatten, erklärte sie ihm, dass sie sie zwingen wollten, Muslimin zu werden, dass sie aber niemals zustimmen werde, Muslimin zu werden. Dem Anführer wurde die alte Frau sympathisch. Darum wies er seine Leute aufgebracht zurecht und versetzte sie sofort in ein anderes Gebiet. Er ließ andere kommen, denen er befahl, der Großmutter zu essen zu geben. So wurde die Großmutter monatelang mit Essen versorgt, bis die Regierungstruppen kamen und das Gebiet zurückeroberten.

d. Es gab auch eine Familie, die bei der Einnahme der Stadt Mubi durch Boko Haram gänzlich von der Außenwelt abgeschlossen wurde. Die Boko-Haram-Truppen hatten nämlich ihre Wagen direkt vor dem Haus der Familie geparkt, ohne zu wissen, dass sich dort noch ein Mann mit seiner Frau und den Kindern befand. Gemeinsam betete die Familie den Rosenkranz am Morgen, am Nachmittag und am Abend. Niemand konnte das Haus verlassen, denn sofort hätte man sie entdeckt und gefasst. Aber die Essensvorräte im Haus gingen nicht zu Ende und auch nicht der Wasservorrat. Monatelang lebte die Familie unter diesen Bedingungen, bis Soldaten kamen und auch diese Gegend zurückeroberten. Maria hat ihre Kinder beschützt und vor der Sekte abgeschirmt. Welch ein Wunder!

Auch mir persönlich hat die Gottesmutter trotz meiner Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit so viel Gutes getan! Ich sehe mich als ihr Letztgeborener. Es gibt nichts, um was ich die Gottesmutter zur Ehre ihres Sohnes bitte, was sie mir nicht gewähren würde. Deshalb gebe ich mein Bestes, um sie immer tiefer zu verehren und zu lieben. Und ich ermutige alle um mich herum, dasselbe zu tun. Beinahe jeden Tag weihe ich mich dem Makellosen Herzen Mariens. Und ich schätze die Novene zur Immerwährenden Hilfe, gerade auch im Blick auf das, was wir in unserem Land durchmachen. Zudem bete ich täglich, wenn es möglich ist, alle vier Rosenkränze.

Ja, ich hatte eine Begegnung mit unserem Herrn, Ende Oktober 2014. Aber lasst es mich nochmals sagen: In dieser Vision ging es nicht um mich, denn ich bin ein Sünder. Diese Vision betraf Jesus und Seine Mutter und die Gläubigen. Jesus, der mir in der Vision ein Schwert in die Hand gab, das sich sogleich in einen Rosenkranz verwandelte, gibt uns dadurch eine klare Botschaft: Wenn wir den Rosenkranz innig beten, werden wir das Böse in der Welt besiegen. Boko Haram ist dämonisch, und der Rosenkranz ist dabei, die Terrorgruppe zu besiegen. Noch andere Dämonen gibt es in anderen Teilen der Welt. Der Rosenkranz kann sie besiegen!

So lasst uns also fest zusammenstehen und treu den Rosenkranz beten und die Gottesmutter lieben. Nochmals bedanke ich mich für das Privileg, dass ich hierherkommen und mit euch meine Erfahrungen austauschen durfte. Möge Gott euch alle segnen!