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Ausblick in das 21. Jahrhundert

Nachfolgend Auszüge aus der Magisterarbeit „Die katholische Kirche als Hüterin des ungeborenen Lebens und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter“ von Christian M. Gerl(M.A.)

Die schleichende und getarnte Aufhebung fundamentaler christlicher Werte und Normen durch eine nach außen vorgetäuschte Toleranz und einer oberflächlichen Meinungsmache seitens der Medien und Öffentlichkeit höhlen die göttlichen Gesetze mehr und mehr aus. Es regiert eine Welt des Zynismus, des Rationalismus und Relativismus. Besonders letzterer wird unter anderem von Papst Benedikt XVI. immer wieder öffentlich aufgezeigt und angeprangert.

Vorrangig auf Naturschutz und Ökologie sind die Augen der Welt zu Beginn des 21. Jahrhunderts gerichtet. Der Mensch fühlt sich bedroht durch Naturkatastrophen und Kriege. Besorgniserregender als der Wertewandel der Gesellschaft und der Angriff auf das unschuldige Leben im Mutterleib scheinen Klimawandel und Terrorismus.

Bild1Als gleich zu Beginn des neuen Jahrtausends von fanatischen Selbstmördern gesteuerte Flugzeuge in die Gebäude der beiden “Twin Tower“ in New York gewaltsam eindrangen, explodierten und sie dadurch zum Einsturz brachten, beweinte die ganze Welt – zurecht – die dabei ums Leben gekommenen dreitausend Personen. Gleichwie diese unschuldigen Menschen sicher und geschützt hinter den starken Betonwänden angeblich einsturzsicherer Hochhäuser schienen, fühlen sich auch ungeborene Kinder ungefährdet und geborgen im Bauch ihrer Mütter. Auf brachiale Weise in den Schoß der Frau eindringende “Arztinstrumente“ beenden jedoch – unter anderem – auf grausamste Art und Weise das Leben der unschuldigsten und wehrlosesten menschlichen Geschöpfe millionenfach hinter den “schweigenden“ Wänden der Abtreibungskliniken. Laut dem Lebensschutzpionier Monsignore P. J. Reilly, der sich auch am 11.9.2001 betend und beratend vor einer Abtreibungsstätte am ´Ground Zero` befand, stellten alle Geschäfte und Büros im allgemeinen Chaos der Trümmerstadt New York sofort alle Arbeiten ein, nur der Betrieb in der Abtreibungsanstalt, vor der er sich befand, lief ununterbrochen weiter.

Wenngleich unübersehbare Veränderungen von Klima und Natur nicht außer Acht zu lassen sind, da die Erde dem Menschen von Gott anvertraut ist, damit er sie hüte, sie bebaue und sich auf ihr vermehre(vgl. Gen 1,28), hat er sich aber auch nur diese untertan zu machen und lediglich über Tiere und Pflanzen zu herrschen(vgl., ebd.). Der, mit den Folgen der Erbschuld belastete Mensch, neigt im Gegensatz mehr denn je dazu über seinesgleichen zu regieren, sich nach eigenen Regeln und ohne jegliche Gottesfurcht über die Gebote Gottes und das natürliche Sittengesetz hinweg zu setzen. Künstliche Befruchtung und künstliche Empfängnisverhütung widersprechen eindeutig dem Sinn und Ziel inniger Verbundenheit von Mann und Frau, die sich nicht als Herren über die Quellen des Lebens ausgeben sollen,271 sondern als Diener am Werk der Schöpferliebe teilnehmen, indem sie die Gabe der Weckung neuen Lebens nicht missbrauchen.272

Wir stellten heraus, dass es in der Auseinandersetzung speziell mit ‘Humanae Vitae‘ zu einer regelrechten Rebellion gegen, aber auch innerhalb der Kirche kam, durch zum Teil widersprüchliche Erklärungen mancher Bischofskonferenzen und die ablehnende Haltung und abweichende Lehre vieler Theologen. 20 Jahre nach der Enzyklika Pauls VI. ermahnte Papst Johannes Paul II. die Dozenten der Moraltheologie sich für die Verteidigung und Vertiefung der von ‘Humanae Vitae‘ gelehrten ethischen Wahrheit einzusetzen, denn die Verantwortung der Lehrtätigkeit auf die Bildung des Gewissens der Gläubigen und die Heranbildung der künftigen Hirten der Kirche ist groß.273 Ein viertel Jahrhundert nach diesem Aufruf des seligen Papstes, der bereits damals auf offene Formen der Ablehnung der Enzyklika seitens der Dozenten hinwies, scheint der Appell Johannes Paul II. mit Blick auf das von dreihundertelf Theologen im Jahre 2011 unterzeichnete Memorandum mehr denn je aktuell: „Die unkritische Übernahme von Forderungen einzelner philosophischer Richtungen sowie die einseitige Verwendung von Daten, die die Wissenschaft bietet, können trotz aller guten Absichten einige Ausleger des päpstlichen Dokumentes(>Humanae Vitae>) auf Abwege geführt haben…Wenn ihr euch vom Lehramt der Kirche entfernt, setzt ihr euch der Vergeblichkeit des Irrtums und der Sklaverei der Meinungen aus.“274

Es stellt sich die Frage: Werden die Menschen – darunter auch Katholiken – unserer technisierten Länder wieder zur Übereinstimmung mit der klar vorgetragenen Lehre der Kirche zurückfinden? Kann der moderne Mensch >Leben< überhaupt noch verkraften oder zieht er sich wie in vielen anderen Bereichen das Alltags sicherheits- und bequemlichkeitshalber auf Konserven, Retorten und Technik zurück, sogar dann, wenn sie erwiesenermaßen schaden?275

Massive Geburtenrückgänge bis weit unter die Bestandserhaltungsmarke sowie alarmierend rückläufige Eheschließungszahlen, auf anderer Seite das massive Ansteigen freier und homosexueller Lebensgemeinschaften, zeigen eine in erschreckendem Maße zunehmende “Entkirchlichung“ auf. Die dazu kommende, sich wie ein Flächenbrand ausbreitende Seuche der Abtreibung, macht deutlich, „wie gefährdet Theorie und Praxis einer christlichen Anthropologie am Anfang des dritten Jahrtausends christlicher Geschichte sich darstellen.“276

Absichtlich unfruchtbar gemachte eheliche Akte und vor allem der direkte Abbruch einer begonnenen Zeugung, speziell die Abtreibung, verwirft die Kirche streng277 und wird niemals aufhören dieses Unrecht anzuklagen. Je lauter die Stimme der Abtreibungslobbyisten und Befürworter Menschenrecht entwürdigender Ideologien ertönen, umso stärker muss die katholische Kirche als Mutter und Hüterin des Lebens auftreten und alle ihre Kinder unablässig zur Läuterung und Erneuerung ermahnen, „damit das Zeichen Christi auf dem Antlitz der Kirche erstrahle.“278

vigilbildLebensschützer sehen sich bei Gebetszügen für das Leben einer anwachsenden Gegnerschaft vorwiegend linksliberaler Feministinnen gegenüber, wenn sie friedlich betend durch die Großstädte der Welt vor Abtreibungsanstalten ziehen, um schweigend aber offenkundig auf das Verbrechen der Tötung ungeborener Kinder hinzuweisen. Dabei hetzen Linksradikale gegen Lebensrechtler, indem sie den Abtreibungsgegnern unterstellen, dass diese die Frauen „zu Gebärmaschinen degradieren und ihnen das Recht auf eigene Bedürfnisse, Überzeugungen und ein selbstbestimmtes Leben absprechen.“279

“Kein Gott! Kein Staat! Kein Patriarchat!“ Mit diesen und anderen, wegen ihre Schwere an dieser Stelle nicht erwähnten Hetzparolen, und unter Verwendung von Trillerpfeifen und aufgeblasenen Kondomen als Wurfgeschosse, versuchen Abtreibungsbefürworter öffentlich nicht nur ältere Menschen und Eltern mit Kindern von den Gebetszügen abzuhalten, sondern “outen“ durch obszöne Handlungen mitunter offen ihre homosexuelle Gesinnung. Auch wenn bei diesen Auseinsandersetzungen die Zahl der Fanatiker relativ gering scheint, so wird doch deutlich, dass der moderne Mensch sich jeglichen Gesetzen und Geboten am liebsten gänzlich widersetzen würde, um frei und unbestimmt sein Leben zu gestalten. Der “aufgeklärte“ Mensch will selbst wählen, ob er männlich oder weiblich, hetero-, bi- oder homosexuell ist, ob er in einer gültigen Ehe lebt oder nicht, ob er sich scheiden lässt, ob und auf welche Weise er Kinder bekommt oder nicht, usw. Der Feminismus will die Natur der Frau nicht akzeptieren, „weil er in den Wahn verfallen ist, diese Natur würde die Frau zu einem unterdrückten Wesen machen.“280 Es wird sogar so weit gegangen, das wahre Bild des Lebensschutzes dahingehend zu verzerren, dass die Lebensrechtbewegung mit der Feststellung “Schwangerschaftsabbruch“ komme einem Mord gleich und abgetriebene Embryos seien bereits Kinder, angeblich versuchen würde, manipulativ moralischen Druck auf schwangere Frauen auszuüben und damit gesellschaftliche Empörung zu schüren. So wehrt sich der eigentliche die Gebote Gottes verachtende Provokateur gegen friedlich abgehaltene Gebetszüge, indem er die Empörung und Provokation jenen anlastet, die deshalb betend auf die Straßen ziehen, um deutlich zu machen, wem der Bauch der unschuldigen Babys eigentlich gehört. Denn den Frauen dieser Generation wird mehr und mehr eingeimpft, sie müssten unabhängig, selbstbewusst und selbstverwirklicht leben, nach dem Motto: “Mein Bauch gehört mir!“.

In einem Aufruf der linksradikalen Gruppierung ´Antifa` gegen die ´1000-Kreuze-Gebets- Aktion` in Münster im März 2012 wird den Abtreibungsgegnern unter anderem vorgeworfen, durch eine „ultrakonservative Anschauung“ eine „Reproduktion der eigenen Rasse“ anzustreben, indem sie >Sündern< die Existenzberechtigung absprechen…Homosexualität und Schwangerschaftsabbruch…würden zudem zum Aussterben des europäischen Volkes führen.“281 Wie in dieser Arbeit(siehe Punkt 1.4. “Was steckt noch dahinter“) versucht wurde aufzuzeigen, verdrehen solche Behauptungen feministischer Abtreibungsbefürworter die tatsächlichen Fakten. Diabolos(griechisch: Verwirrer, Verdreher) scheint sein wahres Gesicht zu zeigen, indem er, verborgen hinter der Maske der antichristlichen Abreibungslobby, behauptet, christliche Lebensrechtsverbände würden den Homosexuellen und Abtreibern durch einen Absolutheitsanspruch des eigenen Glaubens die Existenzberechtigung absprechen.282 Doch in Wahrheit wird unschuldigen, wehrlosen Geschöpfen im Mutterleib ihre Existenzberechtigung versagt, indem man sie willkürlich, zumeist aus egoistischen Gründen, vernichtet.

Zur Abtreibung bereite Schwangere sind in den Augen der Kirche aber nicht immer nur Täter, sondern häufig Opfer, weil sie den Machenschaften der Ideologen erliegen und in ihrer oft verzweifelten Lage nicht nur allein gelassen, sondern leider nicht selten zu einem Verbrechen geradezu animiert werden. Diese Situationen überfordern viele Frauen. Sie können weder klar denken, noch einen inneren Abstand zu ihrer eigen Situation nehmen.283 In dieser Überforderung reagieren die Betroffenen oft sehr gereizt. Meist werden Abtreibungsgegner deshalb wüst beschimpft, verhöhnt und verflucht, wenn sie sich mit Faltblättern und sonstigen Materialien den Schwangeren und ihren Begleitungen vor den Kliniken oder öffentlichen “Beratungsstellen“ nähern, um die Mütter vor den verheerenden Folgen einer Abtreibung für sie und das Kind zu warnen. Gerade jenen sich zur Wehr setzenden Müttern in Not versuchen Lebensschützer besonders barmherzig und in Nächsten liebender Gesinnung zu begegnen, denn die Erfahrung zeigt, dass gerade diese Frauen durch ihre heftigen Reaktionen signalisieren, dass sie innerlich mit ihrem noch nicht gänzlich abgestorbenen Gewissen ringen. Den Worten des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Folge leistend, bemühen sich engagierte Kinder der Kirche „mit klarer und fester Überzeugung allen ihre Entschlossenheit zu zeigen, das menschliche Leben, ganz gleich, in welcher Lege und in welchem Stadium der Entwicklung es sich befindet, mit allen Mitteln zu fördern und gegen alle Angriffe zu verteidigen,.“284 denn „das Menschenleben hat jedermann als heilig zu gelten.“285

Schwangerschaftskonfliktberater werden dabei auch von Abtreibungsbetreibern und, wie in Wien geschehen, von einem eigens zum “Schutz“ schwangerer Frauen engagierten Sicherheitspersonal teils handgreiflich zur Aufgabe ihrer Beratungstätigkeit beim Einsatz vor den Kliniken gezwungen. Aktive Lebensschützer werden in ihrem Dienst, der in erster Linie einen dringend notwendigen „Wandel der Herzen“286 im Inneren der Menschen zu Bewirken sucht, öffentlich und medienpolitisch bekämpft, um sie in den Augen einer scheinbar “zivilisierten“ und “modernen“ Welt als Fundamentalisten und religiöse Fanatiker erscheinen zu lassen.

Man wird bei diesen Szenarien an die Offenbarung des heiligen Evangelisten Johannes erinnert, wenn man in der Apokalypse liest: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Sie war gesegneten Leibes und schrie in Wehen und Schmerzen des Gebärens. Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Siehe ein Drache, feurig und gewaltig groß, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Der Drache stellte sich vor die Frau, die daran war zu gebären, damit er ihr Kind verschlinge, wenn sie gebären würde…doch die Erde kam der Frau zu Hilfe: die Erde öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Maul geschleudert hatte. Da wurde der Drache zornig über die Frau und machte sich auf Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Kinder, mit denen, die Gottes Gebote erfüllen und festhalten am Zeugnis Jesu“(Offb 12,1-4.16-18).

Nicht anders ist die boshafte Reaktion und steigende Aggression einer “Gender-Generation“ gegen die Bemühungen der Kirche zu erklären, die als „Lehrerin und Mutter niemals aufhört, aufzurufen und zu ermutigen“,287 um den Blinden und Tauben die Augen und Ohren zu öffnen(vgl. Mt 13,9) und gegen ein Unrecht vorzugehen, das zum Himmel schreit. Leider geschieht dies exakt fünfzig Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils in Rom hauptsächlich durch Laienbewegungen. Glaubt man den Worten des seligen Papstes Johannes XXIII., die er bei seiner Eröffnungsrede am 11. Oktober 1962 an die damaligen Mitbrüder im bischöflichen Dienst, welche er als „Sterne, die mit ihrer Klarheit die Majestät dieses Heiligtums mehren“,288 richtete, dann scheinen viele dieser “Sterne“ heutiger Zeit bereits vom Himmel gefallen zu sein.

Mit den Worten des Propheten Jesaja rufen an der Lehre der Kirche festhaltende Gläubige durch Mahnwachen, Gebetsvigilien und Gehsteigberatungen dem Volk Gottes, den Heiden und Atheisten gleichermaßen zu: „Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor meinen Augen Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten!“(Jes 1,16-17).

Die katholische Kirche, deren Urbild Maria, die Mutter des Herrn Jesus Christus und damit die „neue Eva“289 darstellt, kämpft für und mit ihren Kindern gegen ihre Kontrahenten, denn Gott stiftete nach dem Sündenfall Feindschaft zwischen der Frau und ihren Kindern und der Schlange und deren Nachwuchs(vgl. Gen 3,15). Es handelt sich hierbei immer noch um dieselbe Schlange, die bereits das erste Menschenpaar verführte, indem sie ihr, und auch dem Menschen heute, „eine sittliche Autonomie“ suggerierte und das vernunftbegabte Geschöpf zum Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer animierte;290 denn wenn er sich aufgerafft hat, „auf seinem Weg zur absoluten Autonomie das Verbot Gottes und damit die Schranken einer ihm als Geschöpf vorgegebenen Ordnung zu ignorieren, er selber Elohim sein wird, mit der allein in ihm begründeten Vollmacht, der Welt seinen Willen als Gesetz aufzuerlegen(…) Mit anderen Worten: Die Aufforderung der Schlange, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, ist geistesgeschichtlich gesehen, die Anleitung zu einem humanistischen Atheismus.“291

Doch diese Frau wird der Schlange, die ihr nach der Ferse schnappt, schließlich den Kopf zertreten(vgl. Gen 3,15). Dieses Untier, das zuerst den ganzen Erdkreis verführt, um dann die Sünden der Menschen Tag und Nacht bei Gott anzuklagen(vgl. Offb 12,9-10), wird von den treuen Kindern der Kirche gestürzt werden, denn „sie besiegten ihn kraft des Blutes des Lammes und kraft des Wortes ihres Zeugnisses und sie hingen nicht an ihrem Leben – bis in den Tod“(ebd. 12,11).

Dem Trend zur “Kultur des Todes“ stellt die Hüterin Kirche die christliche Lehre von der “Kultur des Lebens“ gegenüber, die „eingebettet ist in die >Zivilisation der Liebe<“,292 und wird dies bis zur Wiederkunft Christi fortführen, denn die Pforten der Unterwelt werden die Kirche nicht überwältigen(vgl. Mt 16,18).

Die Vision des heiligen Don Bosco über die Verfolgung der Kirche bestätigt diese “Endzeitstimmung“. Am 30. Mai 1862 erklärte er seinem späteren Nachfolger als Generaloberer der Salesianer Don Michael Rua, den ihm in einer prophetischen Schau offenbarten Kampf und schlussendlich errungenen Sieg der katholischen Kirche gegen eine große Zahl – dargestellt in feindlichen Schiffen – von Angreifern: „…Die feindlichen Schiffe bedeuten die Verfolgungen. Äußerst schwere Zeiten stehen der Kirche bevor. Was bis jetzt geschah, ist fast nichts im Vergleich zu dem, was kommen wird. Die Feinde der Kirche werden versinnbildlicht durch die Schiffe, die das Hauptschiff versenken wollten. Nur zwei Mittel bleiben, um sich in dieser stürmischen Zeit zu retten: die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria und der Glaube, die Ehrfurcht, die Anbetung des Allerheiligsten und der häufige Empfang der heiligen Kommunion. Tun wir unser Bestes, um diese beiden Mittel selbst zu gebrauchen, aber auch zu erreichen, dass sie überall und von allen angewandt werden!“293

Aufgrund all dieser Verheißungen darf kein Versuch unterlassen und kein Opfer gescheut werden, um mit Hilfe der aufgezeigten Mittel an der Seite des schützenden “Mutterschiffes Kirche“ Ungeborene zu retten, Schwangeren und Müttern in Not beizustehen, sowie Ehepartnern und Familien die Schönheit sich schenkender, uneigennütziger Liebe zu vermitteln, selbst wenn der Kampf ums Lebensrecht des Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter, wie einst bei David gegen Goliath, zu Beginn des 21. Jahrhunderts ungleich und gerade in diesen Zeiten wenig aussichtsreich erscheinen mag.

Achte, verteidige, liebe das Leben, jedes menschliche Leben und diene ihm! Nur auf diesem Weg wirst du Gerechtigkeit, Entwicklung, echte Freiheit, Frieden und Glück finden.“294
Dieser Appell des seligen Papstes Johannes Paul II. richtet sich nicht nur an „alle Söhne und Töchter der Kirche“,295 sondern an alle Menschen guten Willens, die um das Schicksal der Gesellschaft besorgt sind.

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271 Vgl., Hv 13.

272 Vgl., ebd.

273 Vgl., Johannes Paul II., “Humanae Vitae“- Zwanzig Jahre danach, Ansprache des Papstes an die Teilnehmer des internationalen Kongresses für Moraltheologie, 12.11.1988, Art. 6.

274 Ebd. Art. 8.

275 Vgl., N./R. Martin, Verantwortliche Elternschaft in der sakramentalen Ehe, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?, Vallendar 1982, S. 352.

276 Johannes Paul II., Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan – Eine Theologie des Leibes, N./R. Martin(Hrsg.), Vallendar-Schönstatt, 3. Auflage 2011, S. 29.

277 Vgl. Hv 14.

278 GS 43.

279 M. von Gersdorf, Der Kampf ums Leben, Aktion “SOS-LEBEN“ CVCK e.V., Frankfurt am Main 2012, S. 13.

280 Ebd., S. 14.

281 Vgl., ebd., S. 12.

282 Vgl., ebd., S. 16.

283 Vgl., ebd., S. 140.

284 Fc 30.

285 MeM 194.

286 J. Piegsa, Der Mensch – Das moralische Lebewesen, Band I, St. Ottilien 1996, S. 364.

287 Fc 33.

288 Quelle: Uni-Freiburg, unter: http://www.ub.uni-freiburg.de/fileadmin/ub/referate/04/semapp/konzil.html, (abgerufen am 30.09.2012).

289 Vgl. KKK 2853.

290 Vgl., J. Piegsa, Ehe als Sakrament – Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 87.

291 Ebd.

292 Vgl., ebd., S. 227.

293 Süddeutsche Provinz der Salesianer Don Bosco, Die Vision des heiligen Don Bosco über die Verfolgung der Kirche in der Endzeit, Kirchliche Druckerlaubnis, München am 21.5.1980.

294 Ev 5.

295 Ebd.