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Was steckt noch dahinter?

Nachfolgend Auszüge aus der Magisterarbeit „Die katholische Kirche als Hüterin des ungeborenen Lebens und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter“ von Christian M. Gerl(M.A.)

Nathanson

Dr. Bernhard Nathanson (1926 – 2011)

Dr. B. Nathanson setzte sich nach seiner “Bekehrung“ für das Recht ungeborener Kinder ein, indem er aufzeigte, wie er als führendes Mitglied der ´Amerikanischen Liga für das Recht auf Abtreibung`(NARAL) die Zahl der illegalen Abtreibungen fälschte. Nach eigenen Angaben wusste dieser Verein von der Gesamtzahl von einhundert tausend illegalen Abtreibungen jährlich in den USA, gab sie aber in der Öffentlichkeit wiederholt mit einer Million an. Ferner fälschten sie die Sterbequote der Frauen bei einer illegal vorgenommenen Abtreibung, die sich auf ca. zweihundertfünfzig jährlich belief, auf zehntausend.61 Dr. Nathanson wörtlich: „Die wichtigste und wirkungsvollste Taktik, die wir(NARAL) zwischen 1968 und 1973 benutzten, war die >katholische Karte<“. Auf diese Weise wurde die eigene Verfahrensweise als ethisch korrekt, die der katholischen Kirche hingegen als verwerflich, menschenfeindlich und nicht verantwortbar hingestellt.62  

Man trachtete danach die Kirche anzuklagen, dass sie durch ihre Morallehre für die hohe Anzahl von illegalen Abtreibungen verantwortlich wäre und Mitschuld an den tausenden dabei sterbenden Frauen hätte. Vorreiter und Protagonist dieser verdrehten Auslegung im internationalen “Kulturkampf“ ist dabei unter anderem der ´Dachverband privater Familienplanungsträger`, im Englischen: ´International Planned Parenthood Federation`(IPPF). Gründerin der ´American Birth Control League`(ABCL) im Jahre 1921 war Margaret Sanger. Margaret Sanger1932 veröffentlichte ABCL einen “Friedensplan“, worin die Feministin, Ku-Klux-Klan Anhängerin und Hitler-Verehrerin Sanger eine Geburtenkontrolle durch Zwangssterilisation, Haft und Umerziehungslager für alle nicht-weißen Rassen und ebenso für Katholiken forderte.63 Die Liga wurde 1942 in die bereits erwähnte Institution IPPF unbenannt. Sanger finanzierte auch die Gründung und den Aufbau des deutschen Zweiges ´Pro Familia`. Mit dieser entstanden die österreichischen und schweizerischen “Ableger“: ´Österreichische Gesellschaft für Familienplanung`(ÖGF), bzw. ´Schweizerische Stiftung für sexuelle und reproduktive Gesundheit`(PANeS).
                                                
Unter dem Deckmantel einer familienfreundlichen Bevölkerungspolitik setzt sich ´Pro Familia` vor allem für eine „Anerkennung von Lebensformen, die anders sind als die herkömmliche Familie“64 ein. Darunter sind hauptsächlich gleichgeschlechtliche Beziehungen, Sexualerziehung von Kindern und „Schwangerschaftsregulierungen in organisierter Weise“65 zu verstehen.  

“Free Choice“ und “Gender“ sind Schlagworte und “Markenzeichen“  des internationalen Dachverbandes, der mit dem anfangs erwähnten Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zusammenarbeitet. ´International Planned Parenthood Federation`, deren Budget zu 40% von amerikanischem Steuergeldern bezahlt wird, kooperiert mit neunzig angegliederten Organisationen in der ganzen Welt im „Krieg gegen die ungeborenen Kinder“.66 In ihrem Jahresbericht von 1989 spricht ´Pro Familia` im “Programm Schwangerschaftsabbruch“ auf  Seite 7 unter anderem von so genannten „Nach-Verhütungskampagnen“ und „Internationalen Expertentreffen zu Methoden des Frühaborts“. Eine “Nach-Verhütung“, wie von diesem Verein gefordert, reicht dort offensichtlich über den Zeitpunkt der Empfängnis hinaus und schließt somit Tötung im Mutterleib bewusst mit ein.67  

Auch bei den Vereinten Nationen stößt man in den ´Bevölkerungsstudien Nr. 110` auf die Ansicht, dass „Abtreibung eine Methode der Familienplanung“ darstelle.68 Moderne Methoden der Familienplanung werden in dieser Studie in der Reihenfolge: „Sterilisation, Pille, Kondom, Abtreibung“ aufgeführt.69 Eine der privaten Organisationen, die der IPPF zugeordnet wird ist der Bevölkerungsrat ´Popullation Council`(PC). Dieser Rat, der im Jahre 1952 in New York vom Freidenker J. D. Rockefeller III. gegründet worden war, spielte zu Beginn der 1960er Jahre eine große und entscheidende Rolle bei der “Bevölkerungskontrolle“, indem er die Erforschung von “Pille“ und Spirale weltweit förderte und wesentlich zu ihrer Einführung beitrug.70 In Zeiten anhaltender, fälschlich  prognostizierter “Bevölkerungsexplosionen“, suchen IPPF und PC auch heute noch verstärkt nach Methoden zur Einschränkung des Bevölkerungswachstums. Unter dem Stichwort “Verhütung“ verfolgt der ´Population Council` gezielt die Herstellung der Abtreibungspille ´RU 486` und forscht darüber hinaus  nach geeigneten  Verhütungsimpfstoffen.71  

Milliarden von Dollar wurden seit den 1950ern bis heute durch öffentliche und private Gelder in “Bevölkerungskontroll-Einrichtungen“ investiert. „Für das Budget der Familienplanungsgesellschaft kommen etwa 64 Millionen Dollar von Staatsregierungen: 15 Millionen von Japan, 13 Millionen von Schweden, 11 Millionen von England, 7 Millionen von Norwegen, etwa 7 Millionen von Kanada, usw.…

Viele Millionen fließen auch hierzulande in  neue Formen der “Bevölkerungspolitik“, wobei nahezu alle Staatsregierungen der Welt direkt oder indirekt mit an den Zielen der “Weltbevölkerungskontrolle“ arbeiten.73 Abtreibungen werden zum Beispiel von den Krankenversicherungsträgern finanziert, die sich die dafür aufgewendeten Ausgaben vom Staat zurück erstatten lassen. Somit trägt jeder krankenversicherte Steuerzahler an Abtreibungen einen indirekten Anteil.  

In den letzten Jahrzehnten grassierte nahezu die „Lüge der Eindämmung der Überbevölkerung“74 auf allen Kontinenten, obwohl sich leicht errechnen ließe, dass bei einem angenommenen Aufenthalt aller Menschen dieser Erde(derzeit über 6 Milliarden) in der Schweiz jeder Einzelne noch in etwa 5qm Platz hätte.  

Was ursprünglich zur Bevölkerungsregulierung in den Entwicklungsländern vorgesehen war, verbreitete sich in ungeahnter Weise flächendeckend auf dem gesamten Erdball, denn auch Frauen westlicher Industrienationen akzeptierten zunehmend orale und chirurgische Verhütungs- bzw. Abtreibungsmethoden, was dann – wie wir heute sehen – zu einer “Bevölkerungsimplosion“ statt “Explosion“ führte. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes stellte 2010 fest, dass Deutschland mit 1,3 Kindern pro Familie das kinderärmste Land Europas ist und damit den “point of no return“ längst überschritten hat.   

Mit Verhütung und Abtreibung lässt sich viel Geld verdienen. Zwei Mitarbeiterinnen der IPPF, R. Trevino und A. Johnson, verließen diese Institution, als sie erkannten, dass dem Unternehmen nicht die Schwangeren wichtig seien, sondern lediglich die Umsätze durch Abtreibungen, der „>Haupt-Einnahmequelle< dieser Organisation“.75  

Eine, „unter meist zynisch-lügnerischer Vorgabe >sozialer< oder >medizinischer< Gründe“,76 dezimierte und “gesäuberte“ Menschenmenge ist durch die angestrebte “Eine-Neue- Weltordnung“ besser kontrollier- und manipulierbar, zudem leistungsstärker und effizienter. Lebende, menschliche Embryonen werden wiederum als Versuchsobjekte missbraucht, „sei es als zu verwertendes >biologisches Material< oder als Lieferanten von Organen oder Geweben zur Transplantation für die Behandlung bestimmter Krankheiten.“77  

Eine unannehmbare Handlung stellt in den Augen der Kirche auch die jüngst legalisierte ´Präimplantations-Diagnostik`(PID) zur Feststellung von Erbschäden bei Kleinstkindern – die im Reagenzglas “gezeugt“ wurden – dar, bevor diese in die Gebärmutter eingepflanzt werden. Sinn und Zweck der PID ist die Selektion von Kindern zur “Aussonderung lebensunwerten Lebens“, obwohl das Grundrecht eines jeden Menschen auf Leben78 gerade unter dem Eindruck nationalsozialistischer Vernichtungsmaßnahmen in das Grundgesetz aufgenommen worden ist. Ein entscheidender und auslösender Moment der jüngsten Geschichte war dabei der Prozess ´Roe gegen Wade`. Am 22. Januar 1973 entschieden Richter des obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, dass alle staatlichen Regelungen, die ein Verbot der Abtreibung im ersten Schwangerschaftstrimester vorsahen, mit der amerikanischen Verfassung nicht vereinbar seien. Erst nach der 12. Woche sind demnach Abtreibungsregelungen zu erlassen und frühestens, wenn das Kind – es wird natürlich nicht als solches, sondern lediglich als “Fötus“ bezeichnet – außerhalb des Mutterleibes lebensfähig ist, darf der Gesetzgeber „den Schwangerschaftsabbruch verbieten, um sein Interesse am Schutz des werdenden Lebens zu realisieren.“79 Man beachte, dass nach dieser höchstrichterlichen Entscheidung es den Bundesstaaten der USA freigestellt worden ist die Abtreibung eines Kindes, solange es sich noch mit dem Kopf im Mutterschoß befindet, zu gestatten, um, wie es heißt, das gesundheitliche Wohl der schwangeren Frauen zu gewährleisten. Ungeborene fanden seither – gleich verschiedener ethnischer Randgruppierungen – als sogenannte “Nicht-Personen“ Eingang in die amerikanische Gesetzgebung.

Partial Birth Abortion

Partial Birth Abortion

Das Resultat daraus sind unter anderem Verfahren vorgeburtlicher Diagnostik, „um die Geburt von Kindern zu verhindern, die von Missbildungen und Krankheiten verschiedener Art betroffen sind.“80 Nach Papst Johannes Paul II. ist eine solche Selektion jedoch „niederträchtig und höchst verwerflich, weil sie sich anmaßt, den Wert eines menschlichen Lebens einzig und allein nach Maßstäben wie >Normalität< und physisches Wohlbefinden zu beurteilen und auf diese Weise auch den Weg der Legitimation der Kindestötung und der Euthanasie bahnt.“81   „Ärzten wird sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, wenn sie ein >anormales< Kind auf die Welt kommen lassen“, daher stehen Mütter vermeintlich behinderter zur Welt kommender  Kinder unter dem Druck von Ärzten, die sie nach festgestellten Gründen(so genannter “Indikationen“), zu einer Abtreibung zu überreden versuchen.82 „Wenn aber die schwächsten und hilflosesten Glieder der Gesellschaft derartige Grausamkeiten erleiden, wird dem auf den Werten der Person, des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung und Hilfe beruhenden Begriff der Menschheitsfamilie schwerer Schaden zugefügt.“83  

Nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Familienberatungsstellen und medizinischen Abtreibungszentren funktioniert reibungslos.84 Auch Wirtschaft und Staat – die “Mächtigen dieser Welt“ – kollaborieren in Fragen der internationalen Abtreibungslobby unter dem Deckmantel einer frauenfreundlichen Familienpolitik mit dem Ziel der bewussten “Bevölkerungskontrolle“; jedoch nicht um der Menschheit scheinheilig eine friedliche und sichere Zukunft durch erhaltene Nahrungsmittel und eine Eindämmung von gefährlichen Krankheiten wie HIV zu gewährleisten, sondern um durch neue Menschenrechtserklärungen – selbst Abtreibung soll als Frauen- und somit Menschenrecht gelten – Familien als „Keimzellen der Gesellschaft“85 zu zerstören. Denn gerade in jenen geeinten Familien gehört es, neben dem vorrangigsten Recht auf Leben, zum wesentlichen Recht des Menschen nach der Zeugung im Mutterschoß heranzuwachsen und in einem „sittlichen Milieu zu leben, das für die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit geeignet ist.“86   Die bewusst angestrebte Zerstörung dieses Milieus scheint zu gelingen, betrachtet man die Folgen der Verhütungs- und Abtreibungsmentalität einmal genauer.

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61 R. Rösler, Familienplanung – eine politische Betrachtung, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S. 587-588.

62 Vgl., ebd. S 588.

63 Vgl., Quelle: katholisches.info vom 23.02.2012, Die rassistische Wurzel der Abtreibungslobby, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 34. Jahrgang, 1/2012, S. 29.  (Jahresbericht der IPPF 1989-90, S. 22)“.72  

64 R. Rösler, Familienplanung – eine politische Betrachtung, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S. 604.

65  Ebd., S. 576. 

66  J. Bökmann, Fragwürdige“Steuerung der Bevölkerungsbewegung“, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?,  Vallendar 1982, S. 289.  

67 R. Rösler, Familienplanung – eine politische Betrachtung, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S. 575.

68  Population Studies, No. 110, Levels and Trends of Contraceptive Use, United Nations, New York 1989, S.  127ff.

69  Vgl., ebd.

70  Vgl., O. Maier, Die Bevölkerungskontrolle als Bedrohung der Menschenwürde, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S.  636.

71  Vgl. ebd., S. 637.

72  Ebd., Fußnote 23, S. 638.

73  Ebd., S. 639. 

74  Vgl., O. Döpper/R. Ehmann, Verhütung und Demographie, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S. 680. 

75  Vgl., J. Jalsevac, Quelle: LifeSiteNews.com vom 01.09.2011, Vierfache Mutter, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 33. Jahrgang, 4/2011, S. 29.

76  J. Bökmann, Ärztliches Ethos in der Krise, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?, Vallendar 1982, S. 250.

77  Ev 63.

78  Vgl., Deutsches Grundgesetz, Artikel 2, Absatz 2, unter:   http://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html, (abgerufen am 03.07.2012).

79 Quelle: Tolmain, Roe gegen Wade und das Recht auf Abtreibung, unter:   http://www.tolmein.de/bioethik,recht,81,roe-wade.html, (abgerufen am 24.09.2012).

80  Ev 63.

81  Ebd.

82 Vgl., Dom A. Marie OSB, Nec timoribus, nec laudis -…”, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 31. Jahrgang, 4/2009, S. 36.

83  Papst Johannes Paul II., Weihnachtsbotschaft Urbi et Orbi vom Jahr 2000, in: W. Skowronska, Beter am Straßenrand, Jetstetten 2009, S.  186.

84  Vgl., ebd., M. Löhr, Die Todesspirale, S. 14.

85  Hv 23.

86  Ca 4