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Wer wird abgetrieben?

Zellklumpen oder MenschNachfolgend Auszüge aus der Magisterarbeit „Die katholische Kirche als Hüterin des ungeborenen Lebens und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter“ von Christian M. Gerl(M.A.)

Bei allen aufgezeigten Verhütungs- und Abtreibungsmethoden stellt sich die Frage, ab wann man von einem Menschen als Person sprechen kann. Der bereits erwähnte, von Forschung und Medizin fakultativ festgesetzte Schwangerschaftsbeginn ab einer erfolgten Einnistung des Embryos in der Gebärmutter nach ungefähr vierzehn Tagen, bzw. von politischer Seite ab der zwölften Woche nach der Zeugung, ist die Ursache vieler Unstimmigkeiten und Unsicherheiten bei allen Betroffenen. Wann beginnt nun wirklich neues menschliches Leben?  

Verschiedene Thesen dazu wurden von Wissenschaftlern aller Jahrhunderte aufgestellt. Sprach man in früheren Zeiten noch von neuem Leben ab der Geburt, so können aufgrund moderner Möglichkeiten die verschiedenen Phasen der Entwicklung eines Kindes besser analysiert werden. Entscheidend ist jedoch die Feststellung, dass sich ein Mensch nicht zu einem solchen entwickelt, sondern a l s Mensch mit Leib und Seele verschiedene Stadien des “Erwachsens“ durchläuft.  

Ende des 19. Jahrhunderts entstand als Folge der darwinschen Evolutionstheorie die Auffassung, das menschliche Wesen würde tierähnliche Stadien durchlaufen. Diese These verbreitete sich rasch auf dem gesamten Globus und hält sich hartnäckig bis in die heutige Zeit. Ernst Haeckels biogenetisches Grundgesetz besagt hierzu, dass die „Ontogenese eine Rekapitulation der Phylogenese sei“, also „die Entwicklung des Einzelwesens im Mutterleib eine(…) Wiederholung der Stammesentwicklung“ sei.51  

Erich Blechschmidt

Erich Blechschmidt (1904 – 1992)

Der Göttinger Embryologe E. Blechschmidt widerlegte diese Hypothese anhand von zweihunderttausend embryonalen Schnitten, womit er nachweisen konnte, dass ein Mensch von Anfang an Mensch ist, höchst wahrscheinlich durch die Einzigartigkeit der steuernden Geistseele als Träger aller seiner Entwicklungsbewegungen. Demzufolge gibt es keine tierischen Stadien. Blechschmidt konnte unter allen untersuchten Aborten keine zwei sich gleichenden menschlichen Wesen feststellen. Sein Fazit lautet: „Der Mensch ist von Anfang an typisch Mensch in einzigartiger persönlicher Ausprägung.“52 Chemiker wie B. Vollmert, Biologen wie E. Schargaff, W. Kuhn, V. Herzog oder Quantenphysiker wie W. Heitler, M. Thürkauf bezeugen ebenfalls, dass es einem Steuerungsprinzip – der Seele – bedarf, weil das Leben allein durch Gesetze der Physik und Chemie nicht erklärbar ist. Eine Seele muss vorausgesetzt werden, wenngleich diese naturwissenschaftlich nicht fassbar, sondern nur an ihren Wirkmerkmalen erkennbar ist. Somit kann sie nicht unberücksichtigt bleiben, will man ein realistisches Menschenbild vermitteln(E. Blechschmidt). Auch der Nobelpreisträger J. Eccles bestätigt Erich Blechschmidt. „Auch wenn das Vorhandensein einer Geistselle von keiner experimentellen Beobachtung ausgemacht werden kann, liefern die Schlussfolgerungen der Wissenschaft über den menschlichen Embryo einen wertvollen Hinweis, um das Vorhandensein einer Person von diesem ersten Erscheinen eines menschlichen Lebens an rationell zu erkennen…eben deshalb hat die Kirche jenseits der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen und selbst der philosophischen Aussagen, auf die sich das Lehramt nicht ausdrücklich eingelassen hat, stets gelehrt und lehrt noch immer, dass der Frucht der menschlichen Zeugung vom ersten Augenblick ihrer Existenz an jene unbedingte Achtung zu gewährleisten ist, die dem Menschen in seiner leiblichen und geistigen Ganzheit und Einheit moralisch geschuldet wird.“ 53  

 
Kirche und moderne Wissenschaft sind sich einig: Das Menschsein beginnt mit der Befruchtung, also mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle. Das menschliches Leben „ist, wie jedes andere menschliche Wesen im Rahmen des Möglichen zu erhalten, zu pflegen und zu heilen“,54 denn „in dem Augenblick, wo das Ei befruchtet wird, beginnt ein Leben, das nicht das des Vaters oder der Mutter ist, sondern eines neuen menschlichen Geschöpfes ist.“55    

Neueste Forschungsmethoden zeigen eindeutig, dass sich der Mensch nicht aus einer fischähnlichen Kaulquappe

11. Woche

11 Wochen altes Baby

oder einem Zellklumpen entwickelt, denn mit Hilfe genetischer Forschung und unter modernsten Mikroskopen können inzwischen sogar augenscheinlich menschliche und tierische Eizellen eindeutig unterschieden werden. Das einzige, was sich daher bei der Entstehung eines menschlichen Wesens ändert ist das äußere Erscheinungsbild, das sich wandelt. Bereits mit der Befruchtung werden Geschlecht, Aussehen, Größe, Begabung und Charakter in 46 Chromosomen festgelegt. „Mit der Befruchtung hat das Abenteuer eines Menschenlebens begonnen, von dessen großen Fähigkeiten jede einzelne Zeit braucht, um sich zu organisieren und funktionsbereit zu sein.56  

Das heißt, diesen einen Menschen gab es vorher noch nicht und wird es auch nie mehr geben; er ist einzigartig, ausgestattet mit einer gottebenbildlichen Seele(vgl. Gen 1,27), die mit dem Leib zusammen eine Einheit bildet.57 Die menschliche Geistseele ist nicht mit Körperorganen wie Herz oder Hirn zu verwechseln und auch kein „entstandener tiefenpsychischer Komplex“58, sondern sie ist „vielmehr das unzerstörbare Ich jedes Menschen“59, von Gott vorhergesehen, im Mutterleib von ihm bei der Zeugung gebildet(vgl. Jer 1,5; Hiob 31,15) und unsterblich.60   

Die fadenscheinige Festlegung einer Schwangerschaft mit einem “echten Kind“ ab dem dritten Monat und der bis dahin straffreien Abtreibungsmöglichkeit lässt den Verdacht aufkommen, diese Fristenlösung sei in vielen Ländern von den Gesetzgebern nur deshalb festgesetzt worden, weil bis zu diesem Zeitpunkt das Kind noch relativ klein und eine Abtreibung leichter durchführbar ist. In der neunten Schwangerschaftswoche – in dieser Zeit werden die meisten Abtreibungen vorgenommen – beträgt die Größe eines Babys jedoch bereits mehrere Zentimeter und, wie man auf Bildern abgetriebener Ungeborener in diesem Alter unschwer erkennt, sind Gliedmaßen und Sinnesorgane bereits deutlich ausgebildet. Frauen nach einer Abtreibung bestätigen häufig, dass die Personen, welche die Abtreibung ihres Nachwuchses durchführten oder ihr assistierten, Wörter wie Kind, Baby, menschliches Wesen, etc. vermeiden und stattdessen dem Kind “Namen“ geben würden, wie Zellklumpen, – haufen, -gewebe, Fötus oder Zygote. Damit wird das tatsächliche Töten einer Person in den meisten Fällen bewusst verschleiert, um nicht die abtreibungsbereiten Schwangeren durch die Existenz eines bereits vorhandenen Babys(oder mehrerer) in ihrem Leib zu beunruhigen.  

Nachher

10 Wochen altes abgetriebenes Baby

Dass ein solches Kind bereits in diesem Alter über Reizempfindungen und Sinneswahrnehmungen verfügt, beweist das Video des ehemaligen amerikanischen Abtreibungsarztes Dr. B. Nathanson aus dem Jahre 1976 mit dem Titel ´Der stumme Schrei`. Nachdem er  – nach eigenen Angaben –  selbst an die fünfundsiebzigtausend Abtreibungen vorgenommen hatte, erkannte er dank der neuen Ultraschalltechnologie, wie ein Baby bei der Abtreibung mit einem Pulsschlag von zweihundert um sein Leben kämpfte. Er realisierte, dass es sich bei diesem Eingriff nicht um die “Entfernung eines Gewebes“ handelt, sondern dass dabei in Wirklichkeit ein Mensch getötet wird, ein Mensch mit Leib und Seele, den Gott gewollt und gebildet hat gemäß den Worten des Psalmisten: „Denn du hast mein Inneres erschaffen, mich gewoben im Schoß meine Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen. Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war(Ps 139, 13-16).“  


51 Quelle: Entwicklung des Menschen im Mutterleib, unter: http://www.pro-leben.de/abtr/entstehung.php, (abgerufen am: 06.08.2012). 

52   A. von Stockhausen, Vortrag in Wigratzbad beim IV. Internationalen Welt-Gebets-Kongreß für das Leben, 11.10.2009, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 34 Jahrgang, 1/2012 ,S. 25.

53  Ev  60.

54  KKK 2274.

55  Ev  60.

56  Ebd.

57  Vgl., KKK 365.

58 R. Ortner, Körper, Psyche,(Geist-) Seele, der Beginn des persönlichen Lebens, in: Schriftreihe der Aktion Leben e.V., Abtsteinach 2008, Nr. 28, S.15.

59 Ebd. 60 Vgl., KKK 366.

60  Vgl., KKK 366.