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Natürliche Empfängnisregelung

Nachfolgend Auszüge aus der Magisterarbeit „Die katholische Kirche als Hüterin des ungeborenen Lebens und einer menschenwürdigen Begegnung der Geschlechter“ von Christian M. Gerl(M.A.)

Nicht als eine Methode neben anderen, sondern als Lösung eines „partnerschaftlichen Weges“,161 der in der Natur der Frau begründet ist, verstehe sich die Anwendung der natürlichen Familienplanung. In begründeten, ernsten Fällen erlaubt die Kirche dieses Instrument der Regelung, denn „die Fortschritte in der Erforschung des Fruchtbarkeitszyklus der Frau in den vergangenen 40 Jahren haben das Verständnis für die Enzyklika ‘Humanae Vitae‘ deutlich verbessert. Sie haben zugleich besser erkennen lassen, dass es sich bei der Entscheidung zwischen der natürlichen Empfängnisregelung und der chemischen Empfängnisverhütung nicht nur um eine Methodenfrage, sondern um eine anthropologische und moralische Frage handelt.“162

In Wahrheit erlangen nämlich durch die Anwendung künstlicher Kontrazeptionsmittel Frauen nicht die erwünschte “Freiheit“, sondern werden zu dauernder geschlechtlicher Verfügbarkeit degradiert. Wenn sich Männer an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, „könnten sie die Ehrfurcht vor der Frau verlieren und…sie nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet“.163 Zum Schutz der Frauen und der partnerschaftlicher Liebe der Eheleute hat das Lehramt im II. Vatikanischen Konzil und in der Folge durch ‘Humanae Vitae‘ die „natürliche Familienplanung als moralisch einzig vertretbare Methode der Geburtenregelung dargestellt“.164

Die natürliche Familienplanung verzichtet auf chemische und mechanische Mittel. Durch Beobachtung des Zervikalschleims, des Muttermundes und der Temperatur kann eine Frau die sicher unfruchtbaren, die möglicherweise fruchtbaren und die maximal fruchtbaren Tage in verschiedenen Phasen des normalen Zyklus erkennen.165 Der japanische Arzt K. Ogino und der österreichische Arzt H. Knaus trugen auf diesem Gebiet viel zur Unterscheidung der fruchtbaren und der unfruchtbaren Tage der Frau bei, wenngleich diese sogenannte ´Ogino-Knaus-Methode` mit größeren Unsicherheiten verbunden war, da sie nur den Kalender aber nicht die physiologischen Vorgänge beobachtete.166 Weit zuverlässiger erweist sich laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation die Methode der Geburtenregelung(´Ovulationsmethode`) nach Billings. Das “biologische Versagen“ dieser Methode beträgt eineinhalb Schwangerschaften, das “totale Versagen“ rund zwanzig Schwangerschaften pro einhundert Frauenjahre.167 Der ´Ovulationsmethode` nach Billings wird sogar eine sehr hohe Zuverlässigkeit der Geburtenregelung attestiert, wenn eine starke Motivierung der Eheleute mit einer optimalen Instruktion einhergeht.168 Die fruchtbaren Tage betragen bei einer Frau zwischen drei und sechs Tage und sind für technisch interessierte Frauen mit Hilfe neuester Technologien, wie Temperatur- und Hormoncomputer oder Zervikalschleimgeräte messbar.

Wie in Australien, wo die Ovulationsmethode zum Lehrplan in Hochschulen, Schwesternausbildung und Erwachsenenbildung gehört,169 oder in Indien, wo dank dem emsigen Bestreben der ´Missionarinnen der Christlichen Liebe` – dem Orden der seligen Mutter Teresa – Frauen in natürlicher Familienplanung unterrichtet werden, könnte man auch an europäischen Schulen, in Anlehnung an das Lehramt der Kirche, der Jugend „biologische Grundkenntnisse“170 einer nebenwirkungsfreien, natürlichen Empfängnisregelung vermitteln, verbunden mit der Aufklärung über die verheerenden Folgen chemischer Verhütungsmittel. Damit würde man einer oberflächlich denkenden Erziehung, welche die moralische Problematik nicht ernst nimmt und vorrangig auf chemische Verhütung und Abtreibung setzt, begegnen.171Auch wenn Beobachtungen natürlich ablaufender Zusammenhänge im eigenen Körper, verbunden mit manuellen Aufzeichnungen der periodischen Zyklen, im Vergleich zu den technisierten Hormoncomputern mit einem erhöhten Aufwand verbunden sind, führt bei der Frau hinsichtlich der zyklischen Erscheinungen ein Selbst-Verstehen zum Selbst-Verständnis. Das kann wiederum zu einem Schritt in eine richtig verstandene Emanzipation hinauslaufen, wenn die weibliche Person verstehen lernt, wer sie ist, was mit ihr geschieht und wie sie sich darauf einzustellen vermag.172 So vermittelt die natürliche Familienplanung der Frau das Wissen um spezielle Körpervorgänge, wie Blutungen oder Schleimausflüsse, die meist als unangenehm empfunden werden und hilft dem Mann mit den jeweiligen Zyklussituationen seiner Ehefrau einen wichtigen Bereich seiner Partnerin besser kennen zu lernen.173 Darüber hinaus ist die Zeit der Enthaltung als „Bewährungszeit“ zu sehen, in welcher Brautleute lernen, einander zu achten und treu zu sein.174 Ein weiterer positiver Aspekt der natürlichen Empfängnisregelung ist die Möglichkeit einer besseren Überwachung der fruchtbaren Phase der Frau für nachwuchslose Ehepaare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Die Zeitwahlmethode, welche den ehelichen Verkehr auf die empfängnisfreien Zeiten beschränkt, ist nach dem Lehramt der Kirche den Gatten nur dann erlaubt, wenn gerechte Gründe, die sich aus der körperlichen oder seelischen Situation der Ehegatten oder aus äußeren Verhältnissen ergeben, dafür sprechen, dem natürlichen Menstrualzyklus der Zeugungsfunktionen zu folgen.175 Nur wenn die Zeugung von Kindern also aus triftigen Gründen, wie zum Beispiel bei schwerer Krankheit oder im Falle eines gravierenden sozialen Notstandes, unerwünscht ist, können sich die Ehepartner in Zeiten, die Fruchtbarkeit mit sich bringen, enthalten und zu den Empfängnis nicht geeigneten Zeiten den Geschlechtsakt vollziehen, um gegenseitige Liebe zu bezeugen und die einander versprochene Treue zu wahren.176 Treue kann somit sowohl durch Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage als auch durch die gegenseitige Hingabe außerhalb dieser Zeit gewährleistet sein, „denn in der Ehe wird die leibliche Intimität der Gatten zum Zeichen und Unterpfand der geistigen Gemeinschaft.“177

Wenn ein Mann und eine Frau innerhalb einer Ehe den Geschlechtsakt auf die natürlichen Tage der Unfruchtbarkeit einer Frau während des Monats beschränken, unterlaufen sie nicht den von Gott geschaffenen Zyklus. Diese Methode fördert die partnerschaftliche Beziehung dahin gehend, dass die damit ganzheitlich eingebundene Sexualität zwar einen höheren Grad der Selbstbeherrschung erfordert, gleichzeitig jedoch einen tieferen Respekt füreinander und eine beiderseitige Rücksichtnahme der Gatten fördert.

Der verstorbene Papst Johannes Paul II. erläuterte dazu: „Die Entscheidung für die natürlichen Rhythmen beinhaltet ein Annehmen der Zeiten der Person, der Frau, und damit auch ein Annehmen des Dialoges, der gegenseitigen Achtung, der gemeinsamen Verantwortung, der Selbstbeherrschung. Die Zeiten und den Dialog annehmen heißt, den zugleich geistigen und körperlichen Charakter der ehelichen Vereinigung anerkennen und die personale Liebe in ihrem Treuanspruch leben. In diesem Zusammenhang macht das Ehepaar die Erfahrung, dass die eheliche Vereinigung um jene Werte der Zärtlichkeit und der Affektivität bereichert wird, die die Seele der menschlichen Geschlechtlichkeit bilden, auch in ihrer leiblichen Dimension. Auf diese Weise wird die Sexualität in ihrer echt- und vollmenschlichen Dimension geachtet und gefördert, sie wird nicht ´benutzt´ wie ein Gegenstand, was die personale Einheit von Leib und Seele auflösen und so die Schöpfung Gottes in ihrer intimsten Verflechtung von Natur und Person verletzen würde.“178

Kalenderberechnungen, Temperaturmessungen und Schleimtests sollten auch bei der natürlichen Familienplanung nicht darauf hinaus laufen, durch eine allzu intensive Beschäftigung mit der Mechanisierung des geschlechtlichen Lebens die Grundrichtung der Seele von der Erfüllung der Liebe auf die Erfüllung des Begehrens abzulenken.179

„Der moralische Unterschied zwischen Empfängnisverhütung und natürlicher Empfängnisregelung ist sehr groß. Wer verhütet, löst die Sexualität von der Fruchtbarkeit, greift ein in den Schöpfungsplan Gottes und ändert das Ziel, auf die eheliche leibliche Hingabe hin geordnet ist; das körperliche Zeichen der personalen Hingabe wird entwertet. Wer die Empfängnis natürlich regelt, nimmt die Ordnung Gottes an und übt in der fruchtbaren Zeit sexuellen Verzicht, wenn keine Empfängnis angestrebt wird.“180

Jedoch betont die katholische Kirche, „der Gott selbst aufgetragen hat, die Unversehrtheit und Ehrenhaftigkeit der Sitten zu lehren und zu verteidigen“181 ausdrücklich: „jedweder Vollzug der Ehe, bei dessen Ausübung der Akt durch den Vorsatz der Menschen seiner natürlichen Kraft, Leben zu erzeugen, beraubt wird, bricht das Gesetz Gottes und der Natur, und diejenigen, die so etwas begehen, beflecken sich mit dem Makel der schweren Schuld.“182

Die katholische Kirche lehrt keine unbeschränkte, sondern eine verantwortete Elternschaft, welche der „ehelichen Liebe nicht schaden, sondern dienen soll“,183 um eine „liebende Gemeinschaft und Offenheit für Kinder“184 zu gewährleisten. Der Mensch muss sich dabei stets vergegenwärtigen, dass er nicht Herr über die Verbindung zwischen ehelicher Vereinigung und Fruchtbarkeit ist, sondern als kontingente Person von Gott abhängt. Jeder aktive Eingriff in die göttliche Vorsehung in Form des Zerreißens eines geheiligten Ehebandes stellt daher eine Überschreitung der wesenhaften Grenzen dessen dar, was der Mensch zu tun berechtigt ist.185 Auch wenn Mann und Frau natürliche Empfängnisregelung praktizieren dürfen, muss der eheliche Akt „zutiefst durch die (mögliche) Weitergabe des Lebens geprägt und kraft seiner ureigenen Natur darauf ausgerichtet sein“,186 denn er ist ebenso dazu geschaffen „Ausdruck und Erfüllung des unauflöslichen menschlichen und sakramentalen Bandes zwischen den Ehegatten zu sein.“187

Der Schöpfer allen Lebens beschränkte in seiner Vorsehung die Zeiten der Fruchtbarkeit der Menschen auf wenige Tage innerhalb eines Monatszyklus im Vergleich zu den zwei bis dreimal jährlichen Empfängnisperioden der Tiere, welche sich naturgemäß nur zu diesen Zeiten paaren. Hätte Gott gewollt, dass der Mensch nach terminaler Art der niederen Lebewesen an nur einzelnen Tagen im Jahr “paarungsbereit“ und zeugungsfähig wäre, hätte er es dementsprechend eingerichtet. Der menschliche Nachwuchs beansprucht nach der Geburt in wesentlich höherem und längerem Maße die Zuwendung seiner Mutter, als dies im Tierreich der Fall ist. Dadurch sind dem Menschen naturgemäß längere Zeiten der Unfruchtbarkeit, bzw. der eingeschränkten Fruchtbarkeit bestimmt, so dass bei einem völlig empfängnisoffenen Vollzug des ehelichen, allein auf die göttliche Vorsehung vertrauenden Aktes, die Geburtenfolgen entsprechend “menschengerecht“ geregelt wären. Das größte Geschenk Gottes an den zu sich abbildlich geschaffenen, liebesfähigen Menschen, ist der freie Wille und die Fähigkeit des Erkennens seines Erbauers. Das ermöglicht ihm seinen Schöpfer zum Geschehen der uneingeschränkten Weitergabe menschlichen Lebens innerhalb eines gottgewollten- und gewirkten Bandes einzuladen. Mit der Hilfe Gottes, vereint mit dem eigenen guten Willen, der eine tägliche Selbstverleugnung und ein Streben nach Keuschheit unabdingbar macht, erreichen die Ehepartner das angestrebte Ziel.

„Verantwortete Elternschaft erfordert ein ständiges asketisches Bemühen um Mäßigung und Selbstbeherrschung. Sie besteht nicht nur im Beachten einer sittlich erlaubten Empfängnisregelung, sondern ist Teil einer umfassenden Ehespiritualität und damit Bestandteil der den Eheleuten spezifischen Berufung zur christlichen Vollkommenheit“.188

Mit einem freien Willen ausgestattet und durch die Vernunft befähigt, kann der beseelte, aber durch die Erbsünde belastete Mensch von einem Leben der “Biologie des Triebes“ zur “Theologie des Leibes“ gelangen.

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161 J. Piegsa, Ehe als Sakrament – Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 2012.

162 M. Spieker, Menschenwürdige Sexualität, in Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 34. Jahrgang, 1/2012, S. 21.

163 Hv 17.

164 J. Piegsa, Ehe als Sakrament-Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 209.

165 E./U. Meier-Vismara, Natürliche Familienplanung, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?, Vallendar 1982, S. 328 f.

166 Vgl., M. Spieker, Humanae Vitae-Menschenwürdige Sexualität, in: Medizin & Ideologie, Informationsblatt der Europäischen Ärzteaktion, 34. Jahrgang, 1/2012, S. 21.

167 Vgl., E./U. Meier-Vismara, Natürliche Familienplanung, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?, Vallendar 1982, S. 332.

168 Vgl. ebd., S. 333.

169 N./R. Martin, Verantwortliche Elternschaft in der sakramentalen Ehe, in: J. Bökmann(Hrsg.), Befreiung vom objektiv Guten?, Vallendar 1982, Fußnote 28, S. 359.

170 Ebd., S. 354.

171 Vgl., J. Piegsa, Ehe als Sakrament – Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 40.

172 Vgl. ebd. S. 353.

173 Vgl., P. C. Düren, Plädoyer für Natürliche Empfängnisregelung, Buttenwiesen 2001, S. 26.

174 Vgl. KKK 2350.

175 Vgl., Hv 16.

176 Ebd.

177 KKK 2360.

178 Fc 32.

179 Vgl., Freundeskreis Maria Goretti, Die Erfahrung eines jungen Ehepaares mit der Enzyklika“ Humane Vitae“, FMG Information 94, Juli 2008.

180 Vgl., P. C. Düren, Plädoyer für Natürliche Empfängnisregelung, Buttenwiesen 2001, S. 29-30.

181 DH 3717.

182 Ebd.

183 J. Piegsa, Ehe als Sakrament – Familie als “Hauskirche“, Band I, St. Ottilien 2001, S. 210.

184 P. C. Düren, Plädoyer für Natürliche Empfängnisregelung, Buttenwiesen 2001, S. 28.

185 Vgl., J. Seifert, Der sittliche Unterschied zwischen natürlicher Empfängnisregelung und künstlicher Empfängnisverhütung, in: R. Süßmuth(Hrsg.), Empfängnisverhütung, Holzgerlingen 2000, S. 909.

186 Ebd. S. 904.

187 Ebd.

188 Johannes Paul II., Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan – Eine Theologie des Leibes, N./R. Martin(Hrsg.), Vallendar-Schönstatt, 3. Auflage 2011, S. 71.