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Gebetsleben

Das Gebet ist Sprechen mit Gott. ABER NICHT NUR!

Gebet bedeutet außer der mündlichen, also gesprochenen Form:

Vereinigung des Geistes mit Gott – inneres Beten!

Jesus fordert uns auf(und auch heraus), Gott, den Vater, im Geist und in der Wahrheit anzubeten(vgl. Joh 4,23-24). Das heißt: im und mit dem eigenen Geist und in JESUS CHRISTUS, der von sich selbst sagt:

„ICH bin der Weg, die WAHRHEIT und das Leben!…Niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“(Joh 14,6)

Die franziskanisch-karmelitische Spiritualität unserer Gemeinschaft versucht Aktion und Kontemplation miteinander zu verbinden. Wie der „stille“ Schnee auf den Gletschergipfeln nur passiv dazuliegen scheint, so bringt doch gerade dieser die flüssige Nahrung für alles Leben der Erde. Wie Sonne und Eis dabei miteinander verschmelzen, um „flüssiges Gold“ zum Fließen zu bringen, vereinigt sich der „passive“ Geist des Menschen mit dem Geist Gottes.

Vergleicht man die Heiligste Dreifaltigkeit mit einer Sonne, dann könnte man das sichtbare Rund jenes Planeten mit dem Vater, die Strahlen mit dem Sohn und die Wärme mit dem Heiligen Geist vergleichen. Wie in der Theologie die drei göttlichen Personen unvermischt und ungetrennt erklärt und ausgelegt werden, sind auch Kreis, Strahlen(Licht) und Wärme der Sonne drei voneinander verschiedene, aber zugleich untrennbare Erscheinungsformen.

Dieser angestellte Vergleich wird zwar einer dogmatischen Betrachtung und Auslegung nicht standhalten – ist als solcher weder angedacht noch soll er ein pantheistisches Weltbild vermitteln -, aber er möge versinnbildlichen, wie man sich eine Vereinigung des Geistes des Menschen mit dem Geist seines Schöpfergottes vorstellen könnte.

An dieser Stelle sollen auch keine Gebetstiefen einer hl. Teresa von Avila oder eines hl. Johannes von Kreuz ausgelotet und im einzelnen überdacht oder mit diesem Bild interpretiert werden, sondern es wird angestrebt eine Vereinfachung zu bewirken, wie wir uns GEBET vorstellen bzw. greifbar machen können. Es sei aber dennoch nicht verheimlicht, dass es sich hierbei um die höchste Form des kontemplativen Gebetes nach der Meinung der Mystiker handelt.

wasAuf den Höhen der Berge liegt dieser „träge“ Schnee scheinbar tatenlos und unbedeutend als „Kleid“ eines Felsens und lässt sich von der Sonne bestrahlen. Er selbst ist passiv, sucht nicht, aber wartet, spricht oder gestikuliert nicht, aber „hört“, schweigt, aber ist stets bereit „los zu fließen“. Er wird gefunden, bestrahlt, erwärmt, verflüssigt, ohne dass dieses Element offensichtlich selbst viel dazu beigetragen würde.

So sollen auch wir uns vom Geist Gottes „anfassen“, anreden, bearbeiten, umformen und letztlich weich und „flüssig“ werden lassen. Es ist der Geist des Vaters, der Geist der Wahrheit, der vom Vater im Himmel ausgeht und von dem auch wir Zeugnis geben wollen, wie Jesus Seinen Jüngern sagt(vgl. Joh 15,26-27); denn jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf Seine Stimme(vgl. Joh 18,37) .

Je höher man einen Berg hinauf steigt, umso reiner und weißer ist der Schnee dort anzutreffen, umso stiller wird es. Je mehr man sich allerdings dem Boden – der irdischen Welt, im geistigen Sinne gedacht – nähert, desto beschmutzter und schwärzer wird die helle Pracht. Viele Quellen entspringen in den Höhen eines Bergmassives, auch sie werden vom Schnee gespeist. Sie sind klar, frisch, erquickend und rein.

Den flüssigen, lebendigen Strom eines „zerronnenen Geistwassers“ aus den Höhen der Stille gespeist, gilt es in diese Welt zu bringen, zu verteilen, damit das Leben der irdischen Welt gewaschen, gereinigt und belebt wird.

Ist Eis oder Schnee erst einmal flüssig geworden, braucht es lange Zeit, bis es seine Konsistenz wieder verändert. Es wird zwar schnell trüb oder gar schmutzig in der Berührung mit dem Tiefen Tälern des Lebens, aber es sollte nicht mehr gefrieren.

Damit das nicht geschieht, muss man in ständiger Vereinigung mit der Wärme der „Sonne“, dem Geist Gottes stehen. Diese vermag zwar einen schmutzigen Fluß oder See nicht mehr zu säubern, wenn sich dieser mit dem Schlamm der Welt zu sehr verbunden hat, aber der Heilige Geist kann es dennoch erwärmen, das „Wasser“ wenigstens weich, sanft und warm halten. Wo der Geist nicht erstarrt, das Herz nicht erkaltet ist, dort gibt es wahres LEBEN bzw. lebendiges Wasser, wie es einst der Märtyrerbischof Ignatius von Antiochien auf seiner Todesfahrt nach Rom beschrieb: „Meine Liebe ist gekreuzigt. In mir ist nicht mehr Feuer, das nach Irdischem brennt, sondern lebendiges Wasser, das in meinem Innern spricht und in meinen Tiefen mir zuflüstert: Auf, heim zum Vater!“(Ignatius ad Rom. 7.2, Bibliothek der Kirchenväter, Apostolische Väter, S.140).

Kein natürliches Wasser vermag auf unserer Erde, in unserer Welt, ganz ursprünglich klar, rein und unberührt zu bleiben, dennoch erneuert und produziert gleichsam Gottes Geist – die Sonne in unserem veranschaulichtem Bild – ständig sauberes „Quellwasser“ und sorgt ununterbrochen für  (geistige) Nahrung.

Es gilt also „flüssig“ zu werden, aufnahmebereit für das Licht, für die Strahlen von oben, die sich uns nie verwehren. Diesen „verflüssigten Sonnenstrahl im Wassertropfen“, diese „Tauperle der Gnade“: den Herrn JESUS CHRISTUS, müssen wir als Geist- oder „Wasser“träger Gottes in die Welt ergießen LASSEN!

LASSEN ist dabei der springende Punkt. Zuerst Ausharren in Stille – Kontemplation, dann gesendet, „verflüssigt“ werden, in Aktion treten, um sich danach erneut zu sammeln, zu schweigen, bis ein ständiges, unaufhaltsames Einswerden mit der „Sonne des Lebens“ – mit unserem Vater im Himmel eimagesrreicht ist, Der uns nach Seinem Belieben bestrahlt oder auch mal in Trockenheit und Kälte beläßt, bis genug sauberer „Schnee“ angereichert ist, um damit die Täler erneut reichlich und gründlich zu überfluten.

Diese Quelle des Lebens ist in der katholischen Tradition die Heiligste Eucharistie, in und durch welche wir mit JESUS CHRISTUS, aber auch Er mit uns, verbunden wird:

„Wer in Mir bleibt und in wem Ich bleibe, der bringt reiche Frucht!“(Joh 15,5)

sagt unser Herr.

Wer auf die Sonne warten kann,  auch wenn sie sich hinter Wolken zu verbergen scheint, wer still und geduldig der Gnade harrt, wird auch von ihr getroffen werden. Er wird – um es an der These der sel. Mutter Teresa festzumachen(siehe Gebetsordnung) – beten, glauben, lieben, dienen, dadurch Frieden erfahren und diesen Frieden der Welt bringen.

JESUS CHRISTUS im Allerheiligsten Sakrament des Altares ist Die Sonne für unsere Seele, Speise und Nahrung für unseren Geist(siehe dazu auch die Rubrik: Anbetung).

ER ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist(vgl. Joh 6,41), die Quelle, die uns ewiges Leben schenkt. Wenn wir dürsten, wird ER es sein, der uns sättigt und labt(vgl. Joh 7,37f). Er dürstet aber gleichzeitig nach uns(vgl. Joh 19,28), nach unserer Hingabe, nach unserer Liebe und nach unserem Mitleiden und- Sühnen. Wenn wir an Ihn glauben, haben wir nicht  nur das ewige Leben, sondern aus uns werden Ströme lebendigen Wassers fließen(vgl. Joh 7,38).

Das ist unser Anliegen!

                                                                                                                                                                                                               Und so beten wir zusammen mit der Gottesmutter Maria, der Frau aller Völker(siehe auch hier):

Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters, sende jetzt Deinen Geist über die Erde. Lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker, damit sie bewahrt bleiben mögen vor Verfall, Unheil und Krieg. Möge die Frau aller Völker, die selige Jungfrau Maria, unsere Fürsprecherin sein. Amen (Imprimatur: 6.1.2009 Haarlem-Amsterdam)