Weihevorbereitung

Säule II: Weihe an Maria(entnommen unserem Familienbuch, das wir auf Wunsch gerne zusenden)

Ludwig Maria Grignion von Montfort, Das Goldene Buch,

  1. Auflage, Freiburg 1966

 

Vorbereitung auf die Weihe

 

Der heilige Ludwig Maria von Montfort forderte eine dreiunddreißigtägige Vorbereitung auf die Weihe an Maria. Diese Vorbereitung ist mit der Erfüllung der Alltagspflichten durchaus vereinbar. Er schreibt:

„Seelen die sich dieser Form der Marienverehrung anschließen wollen, sollen zwölf Tage darauf verwenden, sich vom Geiste dieser Welt freizumachen, da er dem Geiste Jesu Christi entgegengesetzt ist. In diesen zwölf Tagen betet man täglich >>Komm. Heiliger Geist<< und >>Meerstern, ich dich grüße<<. Dann sollen sie drei Wochen darauf verwenden, sich durch die Gottesmutter mit Jesus Christus zu erfüllen. Während der ersten Woche des zweiten Abschnittes sollen sie alle ihre Gebete und Frömmigkeitsübungen aufopfern, um Selbsterkenntnis und Reue über ihre Sünden zu erflehen; und sie sollen alles im Geiste der Demut tun. Sie sollen zum Heiland und zu seinem Heiligen Geist um Erleuchtung beten mit den Worten: >>Herr, dass ich sehe<<, oder >>Herr, schenke mir Selbsterkenntnis<<, oder >>Komm, Heiliger Geist<<. Ferner sollen sie täglich die Litanei zum Heiligen Geist mit dem darauf folgenden Gebet beten. Sie mögen sodann ihre Zuflucht zur Mutter Gottes nehmen und sie um diese große Gnade bitten, die ja die Voraussetzung für alle anderen Gnaden ist. Zu diesem Zweck sollen sie täglich >>Meerstern, ich dich grüße<< und die Lauretanische Litanei beten.

Während der zweiten Woche sollen sie sich in allen ihren Gebeten und täglichen Werken bemühen Maria kennen zu lernen, Sie sollen den Heiligen Geist um diese Erkenntnis bitten. Wie in der ersten Woche sollen sie die Litanei zum Heiligen Geist und >>Meerstern, ich dich grüße<< täglich beten, dazu in dieser Meinung täglich drei Rosenkränze oder wenigstens einen zusätzlichen.

Die dritte Woche sollen sie dazu verwenden, Jesus Christus zu erkennen. Als Stoßgebete für diese Woche eignen sich: >>Lass mich dich erkennen, o Herr!<< oder >>Herr, dass ich sehe, wer du bist!<<. Wie in den vorhergehenden Wochen sollen sie täglich die Litanei zum Heiligen Geist beten, sowie >>Meerstern, ich dich grüße<<, und die Litanei zum Heiligsten Herzen Jesu hinzufügen.“

Zur Vorbereitung auf die Weihe geben wir nach den Angaben des Heiligen Hinweise für die geistliche Lesung und Betrachtung jeden Tages. Aus Lesung und Betrachtung ergibt sich die besondere Aufgabe der Gewissenserforschung und Tugendübung für jeden Tag.

Während der ganzen Zeit soll man, wenn immer möglich, täglich folgendes tun.

  1. Treu und andächtig die vorgeschriebenen Gebete verrichten
  2. Aufmerksam die empfohlenen Abschnitte lesen und die darin enthaltenen Wahrheiten zum Gegenstand liebevoller Betrachtung machen. Das täglich betrachtende Gebet(von 10-30 Minuten) ist notwendig; nur durch aufrichtiges Bemühen können wir mit der Gnade Gottes zu einem wirklichen Fortschritt kommen. Am besten wird man am Abend die angegebenen Abschnitte lesen und dann am Morgen die darin enthaltenen Wahrheiten und Geheimnisse betend betrachten. Die Betrachtung schließe man immer mit einem liebenden Zwiegespräch mit Jesus und Maria und einem festen Entschluss.
  3. Eifrig eine oder mehrere Tugenden üben und auch darüber bei der Gewissenserforschung Rechenschaft geben.
  4. Dem heiligen Messopfer beiwohnen und die heilige Kommunion empfangen. Wer dies nicht wirklich tun kann, tue es wenigstens auf geistige Weise durch das Verlangen danach, um so mit Maria in innigster Vereinigung mit Jesus zu leben.

 

Von dieser Vorbereitung hängen die Aufrichtigkeit und das Verständnis unserer Weihe ab und damit auch ihr Einfluss auf unser Leben.

 

Erster Abschnitt

Zwölf Tage lang machen wir uns frei vom Geist der Welt

 

„Der Geist der Welt ist dem Geist Jesu Christi entgegengesetzt“, sagt der Heilige von Montfort. „Wir dürfen den falschen Grundsätzen der Welt nicht folgen; wir dürfen nicht denken, reden und handeln wie die Weltmenschen…Diese Loslösung vom Geist der Welt ist viel wichtiger als man annimmt“.

Gehen wir darum ans Werk und verwenden wir diese zwölf Tage, um unsere Seele von allen Gedanken, Worten und Handlungen, die den Geist der Welt atmen, freizumachen.

Tagesordnung für die ersten zwölf Tage:

Tägliche Gebete:

>>Komm, Schöpfer Geist<< (siehe S. 240)

>>Meerstern, ich dich grüße<<(siehe S. 239)

Geistliche Übungen:

Betrachtung und Gewissenserforschung über den Geist der Welt. Tugendübungen: Selbstverleugnung, Liebe zur Armut, Verborgenheit, Demut, Reinheit, Wahrhaftigkeit und Gehorsam.

 

Tägliches Gebet vor der Betrachtung in den ersten zwölf Tagen:

O Maria, unbefleckte Braut des Heiligen Geistes, Mutter Jesu und meine Mutter, meine Herrin und Königin! Dir will ich mich ganz hingeben, durch dich ganz Jesus gehören. Erflehe mir Licht und Kraft vom Heiligen Geist und reinige mich vom Geist der Welt. Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.

  1. Tag

Anruf Christi zur Nachfolge

 

Wir schauen im Geiste unseren Herrn und Heiland Jesus Christus. Er fordert uns auf zur Ganzhingabe an ihn durch die Hände seiner heiligsten Mutter; denn das ist der sicherste und schönste Weg, um ein echter Jünger Jesu Christi zu werden.

 

Betrachtung:

Gedenket, dass unser guter Heiland uns ansieht und zu jedem einzelnen von uns spricht:

„Siehe, fast die ganze Welt lässt mich allein auf dem königlichen Weg des Kreuzes. Die verblendeten Götzendiener verspotten mein Kreuz als Torheit, die starrsinnigen Juden stoßen sich daran, es flößt ihnen Abscheu ein; die Irrlehrer zertrümmern und stürzen es als verächtlich. Aber – und das kann ich nur mit Tränen in den Augen und mit leiddurchbohrtem Herzen sagen – auch die Kinder, die ich in meinem Herzen großgezogen und in meiner Schule gelehrt habe, die Glieder meines Leibes, denen ich meinen Geist eingehaucht habe, sie haben mich verlassen und verachtet und sind zu Feinden des Kreuzes geworden. Wollt auch ihr andern mich verlassen und mein Kreuz fliehen wie die Weltkinder, die sich so wider mich stellen? Wollt auch ihr es mit der Welt halten und die Armut meines Kreuzes verachten, um den Reichtümern nachzulaufen? Wollt ihr dem Schmerz meines Kreuzes entgehen, um dem Vergnügen nachzujagen, die Demut meines Kreuzes hassen, um nach Ehren zu geizen? Ich habe viele Scheinfreunde, die mir ihre Liebe beteuern und mich doch im Grunde hassen, weil sie mein Kreuz nicht lieben. Viele wollen die Freuden meiner Tafel teilen, aber wenige mein Kreuz.“

Erheben wir uns bei diesem liebenden Anruf Jesu über uns selbst! Lassen wir uns nicht wie Eva von unseren Sinnen verführen! Betrachten wir nur den gekreuzigten Jesus, den Urheber und Vollender unseres Glaubens! Fliehen wir die sündige Begierlichkeit der verderbten Welt! Lieben wir Jesus Christus auf die rechte Art, nämlich durch alle Kreuze hindurch.

Betrachten wir die wunderbaren Worte unseres geliebten Herrn und Meisters, die die ganze Vollkommenheit des christlichen Lebens in sich bergen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz und folge mir!“

Die ganze christliche Vollkommenheit besteht in der Tat in vier Dingen:

  1. Im festen Willen, heilig zu werden –„Wer mein Jünger sein will“;
  2. in der Entsagung – „der verleugne sich selbst“;
  3. im Leiden – „er nehme sein Kreuz“;
  4. im Handeln – „und folge mir“.

 

„Wer mein Jünger sein will“ – d.h. er muss wahrhaftig den ungeteilten, entschlossenen Willen dazu haben. Er darf es nicht aus natürlicher Neigung, Selbstliebe, Eigennutz oder Menschenfurcht wollen, sondern nur durch eine alles besiegende Gnade des Heiligen Geistes, die nicht allen verliehen wird. Die Erkenntnis des Kreuzgeheimnisses im praktischen Leben ist nur wenigen geschenkt. Wer den Kalvarienberg seines eigenen Lebens ersteigen will, um sich dort mit Jesus kreuzigen zu lassen, muss ein Held sein, mutig und entschlossen, ein vergöttlichter Mensch, der Welt und Hölle, seinen eigenen Leib und Willen für nichts achtet, ein Mensch, der entschlossen ist, für Jesus Christus alles zu verlassen, alles zu wagen und alles zu leiden.

Seid euch bewusst, meine lieben Freunde des Kreuzes, dass jene unter euch, denen diese Entschlossenheit abgeht, nur mit einem Fuße voranschreiten, nur mit einem Flügel fliegen. Sie sind nicht wert, eurer Gemeinschaft anzugehören, weil sie den Namen eines Kreuzesfreundes nicht verdienen. Denn das Kreuz muss man wie Jesus Christus großmütig und willigen Herzens lieben. Ein einziges, halbes Wollen genügt schon, um wie ein räudiges Schaf die ganze Herde anzustecken. Und hat sich ein solcher durch die verruchte Pforte der Welt schon in euren Schafstall eingeschlichen, dann soll man ihn im Namen des gekreuzigten Christus hinaus jagen wie einen Wolf, der unter die Schafe geraten ist.

„Wer mir nachfolgen will“ – sagt Jesus. Ich habe mich so sehr verdemütigt und entäußert, dass ich mehr einem Wurm glich als einem Menschen. Ich kam nur in die Welt, um das Kreuz zu umfangen. Ich habe es mitten in mein Herz gepflanzt und es von meiner Jugend an geliebt. Ich habe mich mein Leben lang nach ihm gesehnt, es mit Freuden getragen und es allen Wonnen des Himmels und der Erde vorgezogen. Und ich hatte keine Ruhe, bis ich in seiner göttlichen Umarmung starb.

Wer mir also nachfolgen will, der ich so erniedrigt und gekreuzigt bin, der rühme sich so wie ich nur in der Armut, den Verdemütigungen und Leiden meines Kreuzes und verleugne sich selbst. Hinweg aus der Gemeinschaft der Kreuzesfreunde mit all jenen, die das Kreuz mit Hochmut tragen! Hinweg mit den Weisen dieser Welt, den großen Geistern und aufgeblasenen Freidenkern, die sich auf ihre Geistesblitze und Talente etwas einbilden! Hinweg mit jenen großen Schwätzern, die nur viel Lärm machen und keine andere Frucht bringen als die ihrer Eitelkeit! Hinweg mit jenen hochnäsigen Frömmlern, die überall die Vornehmtuerei des stolzen Luzifers an sich tragen – >>Ich bin nicht wie die andern!<<, die sich niemals tadeln lassen, ohne sich zu entschuldigen, sich niemals angreifen lassen, ohne sich zu verteidigen, sich niemals erniedrigen lassen, ohne sich zu erheben! Hütet euch wohl, in eure Gemeinschaft jene zimperlichen Sinnenmenschen aufzunehmen, die den kleinsten Nadelstich schon fürchten, die beim geringsten Schmerz schreien und klagen, die sich niemals Bußwerke auferlegt haben und die genug durchtrieben sind, ihre Zimperlichkeit und ihren Mangel an Abtötung unter ihren Modeandachten zu verbergen.

„Er nehme sein Kreuz auf sich“ – Wie selten ist ein Mensch, der sein Kreuz auf sich nimmt! Die ganze Welt wiegt seinen Wert nicht auf. Mit Freuden soll er es empfangen, mit Eifer es umfangen und voll Mut es auf seinen Schultern tragen – aber s e i n Kreuz und nicht das Kreuz eines andern. Sein Kreuz, das ich in meiner Weisheit ihm nach Zahl, Gewicht und Maß zugerichtet habe, dem ich mit eigener Hand und mit peinlichster Genauigkeit seine vier Eigenschaften verliehen habe, nämlich Stärke, Länge, Breite und Tiefe. Sein Kreuz, das ich ihm aus wohlwollender Liebe aus einem Teil jenes Kreuzes herausgeschnitten habe, das ich auf Golgotha trug. Sein Kreuz, das das größte Geschenk ist, welches ich meinen Auserwählten auf Erden machen kann. Die Stärke dieses Kreuzes sind die materiellen Verluste, Demütigungen, Schmerzen, Krankheiten und seelischen Leiden, die meine Vorsehung ihm täglich bis zu seinem Tode zustoßen lässt. Die Länge, das ist die Dauer von Tagen und Monaten, während deren er von Verleumdung niedergedrückt, auf ein Krankenlager gestreckt, auf Almosen angewiesen, von Versuchungen, Trockenheit, innerer Verlassenheit und anderen seelischen Leiden bedrängt ist. Die Breite besteht aus all dem Harten und Bitteren, das er von seinen Freunden, Hausgenossen und Verwandten erfährt. Die Tiefe aber liegt in jenen verborgenen Leiden, mit denen ich ihn heimsuchen werde, ohne dass er in den Geschöpfen Trost finden kann. Ja, auf meinen Befehl werden die Geschöpfe ihm den Rücken kehren und sich mit mir vereinen, um ihm Leiden zu bereiten.

Er soll es tragen; er soll es nicht nachschleppen, nicht abschütteln, nicht wegwerfen und nicht verbergen, sondern er soll es aufrecht und offen tragen, ohne Ungeduld und Übellaunigkeit, ohne Furcht und vorsätzliche Auflehnung, ohne es teilen zu wollen, ohne sich zu schonen, ohne Scheu und Menschenfurcht. Er soll es vor sich her tragen und wie der hl. Paulus sagen: „Fern sei von mir, mich eines anderen zu rühmen als im Kreuze meines Meisters Jesus Christus!“ Wie Jesus soll er es auf den Schultern tragen, damit dieses Kreuz ihm zu einer Waffe der Eroberung und zu einem königlichen Zepter werde. Und schließlich soll er es aus Liebe in seinem Herzen tragen, damit es dort zu einem brennenden Dornbusch werde, der Tag und Nacht von reiner Gottesliebe brennt, ohne sich zu verzehren.

Jesus an seine Jünger: „Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und so folge er mir! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei seine Seele verliert? Was kann der Mensch als Entgelt für seine Seele geben? Denn der Menschensohn wird kommen mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters und dann jedem vergelten nach seinen Werken“(Mt 16,24-27).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 1):

„Wer mir nachfolgt, der wandelt nicht im Finstern“, spricht der Herr(1 Joh 8,12).

Dies sind Worte aus dem Munde Christi, die uns Mut zusprechen, seinem Leben treu nachzufolgen und es nachleben, wenn wir wahrhaftig erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens geheilt werden wollen. Wir sollen also unser erstes Geschäft daraus machen, in dem Leben Jesu Christi zu forschen. Denn die Lehre Christi übertrifft ohne Ausnahme alles, was die Heiligen gelehrt haben, und wer den Geist Christi hätte, der müsste in ihm ein verborgenes Himmelsbrot finden. Da geschieht es aber, dass viele das Evangelium oft hören und dabei fast ohne alle Rührung des Herzens bleiben, weil ihnen die Hauptsache, der Geist Christi, fehlt.

Wer die Lehre Christi in ihrer Fülle kennen lernen und daran Geschmack finden will, der muss mit allem Ernst darauf dringen, dass sein ganzes Leben gleichsam ein zweites Leben Jesu werde. Was nützt es dir doch, über die Dreieinigkeit hochgelehrt streiten zu können, wenn du die Demut nicht hast, ohne die du der Dreieinigkeit nie angenehm werden kannst?

Wahrhaftig, hohe Worte machen den Menschen nicht heilig und gerecht; ein Leben voll Tugend, das macht uns bei Gott angenehm. Es ist mir ungleich lieber, Reue und Leid im zerschlagenen Herzen zu empfinden, als aus dem Kopfe eine schulgerechte Erklärung davon geben zu können. Hättest du die ganze Bibel und die Sprüche aller Weisen im Gedächtnis, hättest aber dabei die Liebe Gottes – seine Gnade – nicht im Herzen: wozu hülfe dir all jenes, ohne dieses einzige? „O Eitelkeit der Eitelkeiten!“(Koh 1,2) Alles ist Eitelkeit, außer Gott zu lieben und ihm allein zu dienen.

Das ist die höchste Weisheit, sein Herz zu göttlichen Dingen erheben und durch Verschmähung der Welt zum himmlischen Reiche hindurch zu dringen. Also ist es Eitelkeit, vergängliche Reichtümer sammeln und darauf seine Hoffnungen bauen. Also ist es Eitelkeit nach hohen Ehrenstellen trachten und sich gern obenan setzen. Also ist es Eitelkeit, sich den Lüsten des Fleisches überlassen und nach Freuden jagen, die uns einst die empfindlichen Strafen zuziehen werden. Also ist es Eitelkeit, nur immer zu wünschen, dass man lange lebe und sich wenig darum bekümmern, dass man fromm lebe. Also ist es Eitelkeit, das Auge stets hin heften auf das gegenwärtige und nie hinaus blicken auf das kommende Leben. Also ist es Eitelkeit, sein Herz an das hängen, was so schnell und unaufhaltsam vorüber eilt und nicht dorthin eilen, wo ewige Freude wohnt.

Erinnere dich doch oft an den Spruch des Weisen: „Das Auge kann sich nicht satt sehen, nicht satt hören das Ohr“(Koh 1,8). Reiß also dein Herz von den sichtbaren Gütern los und erhebe es zu den unsichtbaren. Denn, die ihrer Sinnlichkeit blind folgen, beflecken ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes.

 

Gebet:

Gott, du willst, dass alle Menschen das Heil erlangen und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wir bitten, sende Arbeiter in deine Ernte und gib, dass sie voller Zuversicht dein Wort verkünden, damit es eilends sich verbreite und weithin leuchte, und damit alle Völker dich erkennen, den einen wahren Gott, und Jesus Christus, den du gesandt hast, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen

 

 

  1. Tag

Die beiden Parteien

 

Zwei Heerlager stehen einander gegenüber; für eines von ihnen müssen wir uns entscheiden. Wollen wir auf der Seite Christi oder auf der Seite Luzifers stehen?

 

Betrachtung:

Seht, das sind die beiden Parteien, die täglich in Erscheinung treten: die Partei Jesu Christi und die Partei der Welt.

Die Partei unseres lieben Heilands erklimmt den schmalen Weg zur Rechten, den die Schlechtigkeit der Welt mehr denn je eingeengt hat. Der Herr schreitet nackten Fußes voran, das Haupt mit Dornen gekrönt, den Leib voller Wunden, beladen mit einem schweren Kreuz. Nur eine Handvoll Menschen folgt ihm, aber es sind die Tapfersten. Denn im Trubel der Welt vernimmt man seine leise Stimme nicht, oder man hat nicht den Mut, ihm in die Armut, die Schmerzen, die Verdemütigungen und anderen Leiden zu folgen, die man in seinem Dienst das ganze Leben lang ertragen muss.

Zur Linken ist die Partei der Welt und des Teufels, die viel zahlreicher und in ihrer Erscheinung viel großartiger und glänzender ist. Die ganze vornehme Welt läuft ihr nach und es herrscht ein Gedränge trotz der breiten Wege, die von den Menschenmassen ausgetretener sind als je. Die Wege sind mit Blumen bestreut, mit Freuden und Kurzweil gesäumt, mit Gold und Silber gepflastert.

Die kleine Herde, die Jesus Christus zur Rechten folgt, spricht nur von Tränen, Bußübungen, Gebeten und Weltverachtung. Immer wieder hört man die Worte, die sie unter Tränen wiederholen: „Lasst uns leiden, weinen, fasten und beten, uns verbergen, verdemütigen, entäußern und abtöten; denn wer nicht den Geist Jesu Christi, den Geist des Kreuzes besitzt, der gehört dem Heiland nicht an. Die Jesus Christus gehören, haben ihr Fleisch mit seiner Begierlichkeit gekreuzigt. Wer dem Bilde Jesu nicht gleichförmig ist, der ist verloren. „Nur Mut“, so rufen sie einander zu, „nur Mut“; wenn Gott für uns, in uns und vor uns ist, wer ist gegen uns? Der in uns lebt, ist größer als der in der Welt lebt; der Diener ist nicht über dem Meister. Ein wenig kurzer Trübsal bringt uns ewige Herrlichkeit. Nur wer mutig ist und Gewalt anwendet, reißt das Himmelreich an sich. Nur der wird dort gekrönt, der den guten Kampf gekämpft hat im Geiste des Evangeliums und nicht, weil es die Mode so wollte. Lasst uns darum kraftvoll kämpfen, lasst uns hurtig laufen, damit wir ans Ziel kommen, damit wir die Krone erringen.“

Mit diesen und anderen göttlichen Worten ermutigen die Kreuzesfreunde sich gegenseitig.

Die Weltenkinder hingegen ermuntern einander, in ihrer gewissenlosen Bosheit zu verharren und rufen täglich: „Leben, Leben, Friede, Friede, Freude, Freude! Lasst uns essen, trinken, singen, tanzen, spielen! Gott ist gut, Gott hat uns nicht erschaffen, um uns zu verdammen, Gott verbietet nicht, vergnügt zu sein. Dafür werden wir nicht verdammt; nur kein Skrupel, ihr werdet nicht sterben!“

Jesus spricht: „Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“(Mt 6,24).

„Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“(Mt 12,30).

Der heilige Paulus über die beiden Heerlager: „Die Werke des Fleisches sind: Unzucht, Unkeuschheit, Schamlosigkeit, Wollust, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zwietracht, Spaltungen, Parteiungen, Mord, Trunksucht, Schwelgerei, und dergleichen. Die solches treiben, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Früchte des Geistes sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Treue, Sanftmut, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit. Die Jesus angehören, haben ihr Fleisch mit seien Lüsten und Begierden ans Kreuz geschlagen“(Gal 5,19-24).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch II, Kap. 11):

Jesus hat jetzt viele Jünger, die im himmlischen Reiche gern mit ihm herrschen möchten, aber wenige, die sein Kreuz auf Erden tragen wollen. Viele, die gern seine Seligkeit mit ihm teilen möchten, aber wenige, die in der Trübsal mit ihm aushalten wollen. Viele, die mit ihm essen und trinken möchten, aber wenige, die mit ihm fasten wollen. Alle möchten mit ihm Freude haben, aber wenige wollen für ihn leiden. Viele folgen Jesus nach bis zum Brotbrechen am Abendmahle, aber wenige bis zum Trinken aus dem Leidenskelche. Viele ehren seine Wunder, die er getan, aber wenige teilen mit ihm die Schmach des Kreuzes, die er gelitten hat. Viele lieben Jesus, solange sie nichts zu leiden haben, loben und preisen ihn, solange sie Tröstungen von ihm empfangen. Aber wenn er sich verbirgt und sie auch nur eine kurze Weile allein lässt, da klagen sie gleich oder verlieren gar allen Mut.

Die aber Jesus seinetwegen und nicht ihres Trostes wegen lieb haben, die loben ihn in den Tagen der heißesten Angst wie in den Stunden des höchsten Jubels. Und wenn er ihnen auch nie eine himmlische Tröstung senden wollte, so würden sie ihn doch immer loben, ihm allzeit danken. O du reine Liebe zu Jesus, die kein Eigennutz und keine Eigenliebe trübt, wie viel vermag sie nicht? Wie kann man die, die nur immer nach Tröstungen haschen, anders nennen als Lohnknechte? Wenn sie immer auf ihren Nutzen, auf ihren Gewinn sinnen, beweisen sie denn nicht selbst, dass sie sich mehr als Jesus lieben, nicht seine, sondern ihre Freunde sind? Wo findest du doch einen Menschen, der seinem Gott umsonst dienen will, der in Gott nichts als Gott, in dem Guten nur das Gute sucht?

Ein Mensch, der noch im Leibe wallend so ganz nach dem Geiste lebt, dass er nackt und bloß von allem, was die Eigenliebe suchen kann, Gott allein anhängt, ist der seltenste Fund auf Erden. Das heißt, recht arm im Geiste sein und frei von aller Anhänglichkeit an irgendein Geschöpf. Und wo findest du einen solchen? Er ist wie eine kostbare Perle, die nur von den fernsten Ländern mit dem größten Aufwande herbeigeschafft wird(vgl. Spr 31,10). Wenn der Mensch alle seine Habe daran gibt, so ist es noch so viel als nichts im Vergleich mit der Perle. Wenn er die strengste Buße tut, so ist es noch sehr gering. Wenn er alle Wissenschaften erfasst hätte, so wäre er noch fern davon. Und wenn er große Tugend und brennende Andacht hätte, so fehlte ihm noch immer das eine Notwendige.

Dieses ist: nachdem du alles andere schon verlassen hast, so musst du dich selbst auch verlassen, ganz aus dir selbst herausgehen und alle Eigenliebe ohne Erbarmen ans Kreuz schlagen. Und: wenn du alles getan hast, was du nach deiner Erkenntnis tun solltest, so musst du doch so gesinnt sein, als hättest du nichts getan.

Nichts von allem dem, was der Mensch tut, solle er groß achten, wenn es gleich groß geachtet werden könnte, sondern sich in Wahrheit für einen unnützen Knecht halten, wie uns die Wahrheit lehrt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch geboten ist, so saget weiter nichts als: wir sind unnütze Knechte“(Lk 17,10). Dann kann der Mensch recht arm und bloß im Geiste sein und mit dem Propheten sprechen: „Ich bin arm und allein“(Ps 24,16).

Dessen ungeachtet ist niemand reicher, niemand mächtiger, niemand freier als der Mann, der sich und alle Dinge verlassen, sich an die unterste Stelle hinsetzen kann und dabei ruhig und eins mit der Wahrheit und Liebe bleibt.

 

Gebet:

Wir haben die Speise der Unsterblichkeit empfangen und bitten nun, Herr: Da wir mit Stolz unter der Fahne des Königs Jesus Christus Kriegsdienste tun, lass uns einst auch mit ihm auf dem himmlischen Thron ewig herrschen. Amen

 

  1. Tag

Geld und Besitz

 

Das Streben der Welt geht vor allem nach Geld und Besitz. Sie wähnt, man könnte damit das Glück erkaufen. Der Jünger Christi weiß zwar, dass auch die irdischen Güter eine Gabe Gottes sind: doch kennt er auch ihren Trug und ihre Vergänglichkeit. Er weiß um das Herrenwort: „Wie schwer ist es für die Reichen, in das Reich Gottes einzugehen(Mk 10,23)!“

 

Betrachtung:

Die Weisheit, so heißt es in der Heiligen Schrift, findet sich nicht bei denen, die ein bequemes Leben führen, die ihren Leidenschaften und ihren Sinnen jedes Verlangen erfüllen. „Denn wer nach dem Fleische wandelt, der kann Gott nicht gefallen; die Klugheit des Fleisches ist Gott feind.“

Alle jene, die Christus gehören, der menschgewordenen Weisheit, kreuzigen ihr Fleisch mit seinen Begierden und tragen stets die Abtötung Jesu in ihrem Leibe. Um daher die menschgewordene Weisheit, Jesus Christus, zu besitzen, müssen wir Abtötung üben und der Welt und uns selbst entsagen. Soll die Weisheit sich jemandem mitteilen, dann will sie keine halbe Abtötung, kein Entsagen für wenige Tage, sondern eine allseitige und ständige Abtötung, die zugleich entschieden und maßvoll ist.

Um die Weisheit zu erlangen, müssen wir erstens den Gütern dieser Welt entsagen; entweder tatsächlich, wie es die Apostel, die Jünger und die ersten Christen taten und wie es noch heute die Ordensleute tun; das geht am schnellsten, ist am besten und ist auch das sicherste Mittel, um die Weisheit zu erlangen; oder wir müssen wenigstens unser Herz von den Gütern lösen, sie besitzen, als besäßen wir sie nicht; wir dürfen keineswegs zu sehr auf ihren Erwerb erpicht sein, uns keine Sorgen machen um ihre Bewahrung und uns nicht beklagen, noch ungeduldig werden, wenn wir sie verlieren. Das ist freilich sehr schwer durchzuführen. Wir dürfen sodann das äußere Gehabe der Weltkinder uns nicht zum Vorbild nehmen; nicht ihre Art, sich zu kleiden, zu wohnen, zu essen und die anderen Obliegenheiten des Lebens zu verrichten. Und dies ist wichtiger, als man meint. Wir dürfen ferner die falschen Grundsätze der Welt weder glauben, noch ihnen folgen; wir dürfen nicht denken, reden und handeln wie die Weltkinder. Ihre Grundsätze sind so verschieden von der Lehre der Ewigen Weisheit wie die Nacht vom Tage und der Tod vom Leben. Prüft doch einmal deren Gesinnung und Worte: Wie übel denken und reden doch diese Weltmenschen von allen großen Wahrheiten! Sie lügen zwar nicht offen; sie verbergen ihre Lügen unter dem Anschein der Wahrheit. Sie meinen, sie lögen nicht und tun es doch. Meist befürworten sie die Sünde nicht offen, aber sie behandeln sie, als wäre sie gut oder anständig, oder aber als wäre sie gleichgültig und von keiner Bedeutung. Die Welt hat vom Teufel die Wendigkeit gelernt, mit der sie die Hässlichkeit der Sünde und der Lüge zu bemänteln weiß; und darin liegt ihre Bosheit, von der Johannes der Evangelist spricht: „Die ganze Welt liegt im argen.“ Und das gilt heute mehr denn je.

Wir müssen weiterhin die Gesellschaft der Menschen so viel als möglich fliehen, und zwar nicht nur jene der Weltleute, die verderblich und gefährlich ist, sondern selbst jene von manchen Frommen, soweit sie nicht nützlich ist und soweit wir nur unsere Zeit damit vergeuden.

Um die Weisheit zu erlangen, müssen wir sodann die leibliche Abtötung üben; wir müssen nicht nur die Krankheiten, die Unbilden der Witterung und alles Unangenehme, das der Leib in dieser Welt von Seiten der Geschöpfe erleidet, geduldig ertragen, sondern uns selbst gewisse Mühen und Abtötungen auferlegen, wie Fasten, Nachtwachen und andere Bußübungen. Dazu gehört Mut, denn von Natur aus vergöttert der Leib sich selbst und die Welt lehnt ja jede körperliche Abtötung als unnütz ab.

Damit nun schließlich diese äußere freiwillige Abtötung fruchtbar werde, müssen wir sie notwendigerweise mit der Abtötung des eigenen Urteils und des Willens verbinden durch den heiligen Gehorsam. Denn ohne diesen Gehorsam ist jede Abtötung vom Eigenwillen befleckt und freut oft den Teufel mehr als Gott. Darum dürfen wir uns keine größere Buße auferlegen, ohne weisen Rat einzuholen. „Wer sich auf sich selbst verlässt, traut einem Toren“(Spr 28,26). „Wer bereuen will, was er getan hat, der darf nichts unternehmen, ohne einen Weisen um Rat zu fragen“(Spr 13, 16).

Durch diesen Gehorsam treiben wir die Eigenliebe aus, die alles verdirbt; unsere kleinste Handlung wird verdienstlich; wir sind gefeit gegen die Täuschungen des Teufels; wir werden siegen über alle unsere Feinde und wir werden den Hafen des Heiles sicher erreichen.

Jesus drängt zur Entscheidung: „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost sie vernichten, wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie vernichten, wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz…

Seid nicht ängstlich besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib nicht mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht mehr wert als sie? Wer von euch vermag mit seinen Sorgen seine Lebenszeit auch nur um eine Spanne zu verlängern? Und was seid ihr so ängstlich besorgt um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sage ich euch: Selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht so gekleidet wie eine einzige von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Felde steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen! Seid also nicht ängstlich besorgt und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Womit sollen wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß ja, dass ihr all das nötig habt. Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit und dies alles wird euch hinzugegeben werden“(Mt 6, 19-21; 25-33).

 

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 31):

Gnade, noch größere Gnade habe ich nötig, o Herr, wenn ich dahin kommen soll, wo mich im Umgang mit dir kein Geschöpf mehr hindern kann.

Denn solange mich noch irgendein Geschöpf bindet, so lange kann ich nicht frei zu dir auffliegen. Freien Flug zu dir wünschte sich der, welcher sprach: Wer gibt mir Taubenflügel? Dann will ich fliegen und Ruhe finden in dir(vgl. Ps 54,7). Was ist ruhiger als ein einfältiges Auge? Was ist freier als ein Herz, das von allen Dingen der Erde nichts mehr verlangt? Wer darum diese Ruhe und Freiheit erringen will, der muss sich über jedes Geschöpf erheben, muss sich von sich selbst vollkommen losmachen und feststehen in dieser Erhabenheit über alle Geschöpfe und über sich und schauen und sehen, dass du, der Schöpfer aller Dinge, unvergleichbar höher und herrlicher bist als alle deine Geschöpfe. Und wer sich noch nicht von allen Geschöpfen losgemacht hat, der kann nicht mit freiem Blick betrachten und schauen, was göttlich ist. Eben deswegen kommen so wenig Menschen zu dieser himmlischen Anschauung, weil sich so wenige von dem Vergänglichen, von allen Geschöpfen vollkommen losmachen können.

Zur vollen Abgeschiedenheit von allem Vergänglichen bedarfst du einer großen Gnade, die den Geist erhebt und über sich selbst hinausführt. Und hat der Mensch diese Geisteshöhe noch nicht erreicht, ist er noch nicht von allen Geschöpfen frei und los und mit Gott eins geworden: so hat alles, was er weiß und alles, was er besitzt, kein sonderlich großes Gewicht.

Wer noch etwas anderes hochschätzt als das eine, das unermessliche, ewige Gut, wird immer kleinlich in seinen Gedanken und Absichten und tief unten liegenbleiben.

Denn alles, was nicht Gott ist, alles das ist in Hinsicht auf die volle Befriedigung unseres Geistes nichts und muss für nichts gehalten werden. Es ist aber zwischen der Weisheit einer erleuchteten und gottgeweihten Seele und zwischen der Wissenschaft eines gelehrten und im Bücherwesen erfahrenen Geistlichen ein himmelweiter Unterschied. Die Weisheit, die durch göttliche Einflüsse von oben kommt, ist viel edler als die Wissenschaft, welche sich der menschliche Kopf durch mühsames Forschen selbst schafft.

Man findet viele Menschen, die sich die Gabe der Beschauung wünschen; aber auf der rauen Bahn, die dazu führt, mögen sie sich nicht üben lassen. Auch dies ist ein großes Hindernis, dass sie so fest an Zeichen, Buchstaben und sinnlichen Dingen hängen und das Werk der vollkommenen Selbstverleugnung so nachlässig betreiben. Ich weiß nicht recht, was uns eigentlich für ein Geist treibt und was wir im Grunde wollen. Wir hätten es gern, dass man uns für Geistesmänner ansähe und doch wenden wir so viele Mühe und Sorgen auf vergängliche, schlechte Dinge und erforschen so selten in völliger Sammlung des Geistes unser Innerstes. Und wenn wir uns auch auf eine kurze Zeit in uns gesammelt haben, so zerstreuen wir uns doch bald wieder in die äußeren Dinge und untersuchen unsere Handlungen nicht mehr so strenge vor dem Richterstuhl unseres Gewissens. Wir haben nicht acht, wie unsere Neigungen überall nur auf der Erde kriechen und beweinen das Elend nicht, dass sie alle so unrein sind.

Alles Fleisch hatte einst seinen Weg verdorben und eben deswegen musste die große, strafende Flut über das Geschlecht der Menschen hereinbrechen. Da nun unsere Neigung durch und durch verdorben und befleckt ist, so muss alles, was wir nach dem Trieb dieser Neigung tun, auch verdorben und befleckt sein, muss die Spur der zerrütteten inneren Kraft an sich tragen. Es muss aus der inneren Unordnung eine ganze Sündflut äußerer Unordnung entstehen.

Das gute Leben ist eine Frucht, die nur aus dem reinen Herzen hervor wächst. Man fragt zwar hie und da, was und wie viel ein Mensch getan habe, aber wie groß und rein die innere Tugendkraft ist, die diese äußere Handlung hervorgebracht hat, das wird nicht so fleißig in Erwägung gezogen. Ob einer stark am Leibe, reich, schön, geschickt, ein guter Schriftsteller, ein geschickter Sänger, ein berühmter Künstler ist, danach fragen die Leute. Ob aber einer die rechte Armut des Geistes besitzt, geduldig, sanftmütig, andächtig und in das geheime, gottselige Leben des Geistes eingeweiht ist, darüber wird nicht viel Nachfrage gehalten.

Wo die Natur des Menschen sich selbst gelassen ist, da sieht er nur auf das Äußere an sich und an anderen Menschen; wo aber die Gnade Gottes im Herzen wohnt, da kehrt sich der Blick einwärts und durchforscht das Innere. Die Natur tut auch sehr viele Fehlgriffe in ihren Urteilen, die Gnade aber hält sich mit Zuversicht an Gott, damit sie vor Fehlgriffen bewahrt werden möge.

 

Gebet:

Schirmherr derer, die auf dich hoffen, Gott, ohne den nichts stark, nichts heilig ist: Vermehre an uns deine Barmherzigkeit und lass uns, von dir geleitet und geführt, so durch die zeitlichen Güter gehen, dass wir die ewigen nicht verlieren. Amen

 

 

  1. Tag

Macht und Ruhm

 

Die Welt giert nach Macht und Ruhm. Sklavisch kriecht sie vor den Machthabern und treibt einen wahren Kult mit den Größen des Tages. Man geht über Leichen, um an die Macht zu kommen und scheut vor keiner Niedertracht zurück, um flüchtigen Ruhm zu erhaschen. Der Jünger Christi aber weiß, dass der Herr die Mächtigen vom Throne stürzt(vgl. Lk 1,52) und dass aller Erdenruhm ein Nichts ist. Denn nur das Ewige gilt.

 

Betrachtung:

Sie bleiben daheim bei ihrer Mutter; das heißt, sie lieben die Zurückgezogenheit, sie sind verinnerlicht und obliegen dem Gebet, jedoch nach dem Beispiel und in Gegenwart ihrer Mutter. Mariens ganze Herrlichkeit liegt ja im Innern und ihr ganzes Leben lang hat sie das Gebet und die Zurückgezogenheit geliebt. Wohl treten die Kinder des Lichtes manchmal auch nach außen in der Welt auf; das geschieht aber aus Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes und ihrer geliebten Mutter. Sie tun es nur, um ihre Standespflichten zu erfüllen. Was immer sie äußerlich großes leisten mögen, viel wichtiger ist ihnen das Wirken in der eigenen Seele im Verein mit der Gottesmutter; denn dort vollbringen sie das große Werk ihrer Heiligung, neben dem alle anderen Taten nur Kinderspiel sind. Während darum ihre Brüder und Schwestern manchmal mit viel Krafteinsatz, Geschicklichkeit und Erfolg, unter der Anerkennung und dem Beifall der Menge, äußere Werke vollbringen, erkennen sie im Licht des Heiligen Geistes, dass es viel ehrenvoller, nützlicher und schöner ist, sich mit ihrem Vorbild Jesus Christus zurückzuziehen, in gänzlicher und vollkommener Unterwerfung unter ihre Mutter. Lieber bleiben sie in der Stille und Verborgenheit, als aus eigener Kraft in der Welt großes zu wirken, wie Esau und seine Nachkommen. Die Ehre Gottes aber und den wahren Reichtum des Menschen findet man, in Anlehnung an ein Psalmwort, nur im Hause Mariens.

O Herr Jesus, wie lieblich sind deine Wohnungen! Der Sperling fand ein Haus, darin er wohnen kann, und die Turteltaube ein Nest, um ihre Jungen darin zu bergen. Wie selig ist doch der Mensch, der im Hause Mariens wohnt, wo du zuerst deine Wohnung aufgeschlagen hast! Ja, in diesem Haus der Auserwählten empfängt er von dir allein seine Hilfe(vgl. Ps 83).

Die Auserwählten lieben die heiligste Jungfrau innig und verehren sie wahrhaftig als ihre gute Mutter und Herrin. Sie lieben sie nicht nur in Worten, sondern in Wahrheit; sie ehren sie nicht nur äußerlich, sondern im Innersten ihres Herzens. Wie Jakob vermeiden sie alles, was ihr mißfallen könnte und machen sich mit Eifer an alles, was nach ihrer Auffassung ihnen das Wohlwollen Mariens erwirbt. Sie bringen und übergeben ihr anstelle der beiden Zicklein, die Jakob seiner Mutter Rebekka brachte, ihren Leib und ihre Seele und alles, was sie sind und haben. Dies ist versinnbildlicht durch die beiden Zicklein Jakobs. Maria soll sie als ihr Eigentum annehmen und sie der Sünde und sich selbst absterben lassen. Sie soll sie von ihrer Eigenliebe befreien, damit sie ihrem Sohne Jesus gefallen; denn der göttliche Heiland will nur solche Menschen zu Freunden und Jüngern haben, die sich selbst abgestorben sind. Durch Mariens Fürsorge und Fürsprache sollen dieser Leib und diese Seele ganz geläutert von jedem Makel, ganz abgetötet und entäußert zu einer köstlichen Gabe werden, würdig, dem himmlischen Vater dar gebracht und von ihm gesegnet zu werden. Ist das nicht der Fall bei den auserwählten Seelen, die die von uns gelehrte Ganzhingabe an Jesus Christus durch die Hände Mariens schätzen und üben, um Jesus und Maria ihre tatkräftige und mutige Liebe zu beweisen?

Die Gotteskinder sind Maria, ihrer guten Mutter, Untertan und gehorsam, nach dem Vorbild Jesu Christi, der von den dreiunddreißig Jahren seines Erdenlebens dreißig dazu verwandte, Gott Vater durch gänzliche und vollkommene Unterwerfung unter seine heiligste Mutter zu verherrlichen. Sie gehorchen ihr und befolgen genau ihre Ratschläge, so wie der junge Jakob, zu dem Rebekka sprach: „Folge meinem Rate“, oder wie die Gäste auf der Hochzeit zu Kana, zu denen die Gottesmutter sprach: „Tut alles, was mein Sohn euch sagt.“ Jakob empfing als Lohn für den Gehorsam gegenüber seiner Mutter wie durch ein Wunder den Segen, der ihm natürlicherweise nicht zustand. Die Gäste auf der Hochzeit zu Kana, die dem Rat der Gottesmutter folgten, durften dafür das erste Wunder Jesu Christi erleben, der auf die Bitten seiner heiligsten Mutter das Wasser in Wein verwandelte. So werden auch bis zum Ende der Welt alle jene, die den Segen des himmlischen Vaters empfangen und der Wunder Gottes gewürdigt werden, diese Gnaden nur für ihren vollkommenen Gehorsam gegenüber Maria erhalten. Die Kinder Esaus hingegen verlieren ihren Segen, weil sie Maria nicht Untertan sind.

Die Auserwählten haben großes Vertrauen auf die Güte und Macht der heiligsten Jungfrau, ihrer guten Mutter. Ohne Unterlass rufen sie ihre Hilfe an; sie sehen auf zu ihr wie zu einem Leitstern, der sie heil in den Hafen führt. Mit der größten Offenherzigkeit enthüllen sie ihr ihre Nöte und Schwierigkeiten; sie klammern sich an ihr barmherzige und süße Mutter, um durch deren Fürsprache die Verzeihung ihrer Sünden zu erlangen und in ihren Nöten und Unannehmlichkeiten Mariens mütterliche Milde zu erfahren. Ja, auf eine wunderbare Weise versenken, verbergen und verlieren sie sich sogar in dem jungfräulichen Schoß ihrer Liebe, um darin auch vom kleinsten Makel gereinigt zu werden und die Fülle Jesu Christi zu finden, der in Maria seinen herrlichsten Thron aufgeschlagen hat. Welche Seligkeit! Wie hat doch Abt Guerrikus gesagt: „Glaube nicht, es sei ein größeres Glück, im Schoße Abrahams zu wohnen, als im Schoße Mariens, in der der Herr selbst thront.“

Die Kinder dieser Welt hingegen vertrauen nur auf sich selbst. Sie lieben nur die sichtbaren und äußeren Dinge und so wissen sie die mütterliche Milde und Güte Mariens nicht zu schätzen. Sie wissen nichts von dem sicheren Halt, den Maria gibt und dem festen Vertrauen, das die Auserwählten für ihre eigene Mutter empfinden. In ihrem Elend lieben sie noch den Hunger nach äußeren Dingen, wie der heilige Gregor sagt, weil sie die Süßigkeit nicht verkosten wollen, die man nur im Innern und in den Herzen Jesu und Mariens findet.

Die Kinder des Lichtes wandeln schließlich in den Spuren Mariens. Sie ahmen sie nach; und gerade darin liegt ihre wahre Seligkeit und Frömmigkeit ebenso wie das untrügliche Zeichen ihrer Auserwählung. Sagt doch die liebe Gottesmutter selbst: „Selig, die auf meine Wege achten!“ das heißt: „Selig sind, die meine Tugenden üben, die mit göttlicher Hilfe und Gnade auf den Spuren meines Lebens wandeln. Selig sind sie während ihres Erdenlebens, weil ich ihnen aus meiner Fülle überströmende Gnaden und Tröstungen mitteile, viel mehr als den andern, die mir nicht so treu nachfolgen. Selig sind sie in ihrem Tod, der sanft und friedlich ist und bei dem ich meist selbst anwesend bin, um sie zu den ewigen Freuden zu führen. Und selig sind sie in der Ewigkeit, denn keiner meiner treuen Diener, der im Leben meine Tugenden nachgeahmt hat, ist je verloren gegangen.“

Die Kinder der Finsternis hingegen sind unglücklich während ihres Lebens, in ihrem Sterben und in der Ewigkeit, weil sie den Tugenden der Gottesmutter nicht nacheifern. Hie und da sind sie zwar Mitglieder marianischer Vereine, verrichten ein paar Gebete oder äußere Andachtsübungen; aber dabei bleibt es auch.

O Maria, du meine Mutter, mit der ganzen Glut meines Herzens sage ich es noch einmal: selig, ja selig sind, die sich nicht von einer falschen Verehrung für dich irreführen lassen, die deinen Wegen, deinen Ratschlägen und Befehlen treu folgen! Aber unselig sind jene, deren Marienverehrung nur ein Hohn ist, weil sie die Gebote deines Sohnes nicht halten!

Jesus warnt uns: „Da er bemerkte, wie die Geladenen sich die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: ´Wenn du von jemand zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du geladen sein und dein und sein Gastgeber könnte kommen und zu dir sagen: Mach diesem Platz! Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Nein, wenn du geladen bist, so geh und setz dich an den letzten Platz. Dann mag dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir zur Ehre gereichen vor allen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden`“(Lk 4,7-11).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 4):

Mein Kind, wandle immer in Wahrheit vor mir und suche mich in Einfalt des Herzens. Wer in Wahrheit vor mir wandelt, den wird die Allmacht vor bösen Anfällen schützen und die Wahrheit von Verführern und den Lästerungen der Gottlosen freimachen. Und hat dich die Wahrheit einmal freigemacht, dann hast du die wahre Freiheit, und die leidige Wortmacherei der Menschen wird dich nicht mehr darum bringen können.

Wahr ist, o Herr, was du lehrst und es soll auch in mir wahr werden. Deine Wahrheit soll mich lehren, sie soll mich behüten, sie mich bis zum Ziele des ewigen Heils begleiten. Deine Wahrheit mache mich los von aller bösen Neigung, von aller ungeordneten Liebe und ich werde mit dir Wandeln in großer Freiheit des Herzens. So will ich denn, spricht die Wahrheit, dich lehren, was Recht ist und mir wohlgefällig.

Denke mit großem Abscheu und inniger Traurigkeit an deine Sünden und lass dir deine guten Werke den Kopf nicht mit Dunst füllen, als wenn du deshalb etwas wärest, da du doch im Auge der Wahrheit nichts bist. Wahrhaftig, du bist Sünder, bist vielen Leidenschaften unterworfen und in dein Elend tief verwickelt. Dir selbst gelassen und von dir aus gehst du immer auf Torheit und Nichtigkeit los, wirst leicht überworfen, leicht überwunden, leicht verwirrt, leicht zerstreut. Nichts hast du, was dir ein recht zum Selbstruhm gäbe; aber vieles, das dich in deinen Augen gering und schlecht machen muss; denn du bist viel schwächer, als du begreifen kannst. Von all dem, was du tust, soll in deinem Auge nichts groß, nichts köstlich, nichts wunderbar, nichts achtungswert erscheinen. Denn wahrhaft groß, wahrhaft lobens- und wünschenswert ist nichts, als was ewig ist. Gefallen soll dir über alles die ewige Wahrheit; missfallen soll dir stets deine Nichtswürdigkeit, die du, ohne einen Rechnungsfehler zu begehen, für übergroß ansetzen darfst. Nichts sollst du so sehr fürchten, so sehr verachten, so sehr fliehen als deine Sünden und Laster; sie sollen dir mehr missfallen, tiefer zu Herzen gehen als jeder zeitliche Verlust.

Einige wandeln nicht aufrichtig vor mir. Von Neugierde und Stolz geführt, wollen sie nur meiner Geheimnisse innewerden, wollen die Tiefen der Gottheit durchforschen und dabei vernachlässigen sie sich selbst und ihr eigenes Heil. Menschen dieser Art fallen oft in große Versuchungen und Sünden; denn Neugier und Stolz verbinden ihnen die Augen und ich bin wider sie. Lass die Furcht vor Gottes Gerichten tief graben in dein Herz; erzittere vor dem Zorne des Allmächtigen; lass dich’s nicht gelüsten, die Werke des Allerhöchsten aus zu forschen; forsche lieber in dem Abgrunde deines Verderbens und zähle, wenn du’s zählen kannst, wie viel Böses du getan, wie viel Gutes du unterlassen hast.

Manche tragen ihre Andacht bloß in Büchern, andere in Bildern, wieder andere in äußerlichen Zeichen und Vorstellungen. Einige haben mich im Munde, aber in ihrem Herzen ist wenig von mir. Es gibt aber auch einige, die himmlisches Licht im Verstande und himmlische Reinheit im Herzen haben, immer nach dem Ewigen die Hände ausstrecken, ungern von Irdischen reden hören, ihre natürlichen Bedürfnisse mit Unlust befriedigen und diese nehmen freudig wahr, was der Geist der Wahrheit in ihnen spricht. Denn er lehrt sie das Irdische verschmähen und das Himmlische lieben, das Vergängliche außer Acht lassen und dem Unvergänglichen Tag und Nacht mit ungeteiltem Herzen nachhängen.

 

Gebet:

Gott, du widerstehst den Stolzen und gewährst den Demütigen deine Gnade; verleihe uns die Tugend wahrer Demut, als deren Vorbild dein eingeborener Sohn sich selbst den Gläubigen vor Augen gestellt hat und lass uns niemals durch Hochmut deinen Unwillen herausfordern, vielmehr durch Unterwürfigkeit die Geschenke deiner Gnade erlangen. Amen

  1. Tag

Erotik

 

Die Welt will heute alles vom Geschlechtlichen aus deuten. Nichts ist mehr heilig und selbst das Edelste wird in den Schmutz gezerrt. Unablässig sucht man durch Bild, Schrift und Wort die niedrigste Lust im Menschen an zu stacheln.

Der Jünger Christi aber weiß, dass alle wahre Liebe von Gott kommt und darum heilig sein muss und rein. „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“(Mt 5,8).

 

Betrachtung:

Bei unserer Schwachheit und Gebrechlichkeit ist es schwer für uns, die Gnaden und Gaben, die wir von Gott erhalten haben, zu bewahren.

Wir tragen nämlich diesen Schatz, der mehr wert ist als Himmel und Erde, in zerbrechlichen Gefäßen: in einem verweslichen Leib, in einer schwachen und unbeständigen Seele, die sich von jeder Kleinigkeit verwirren und entmutigen lässt.

Die bösen Geister sind schlaue Diebe und wollen uns unversehens überraschen, um uns zu bestehlen und auszuplündern. Tag und Nacht lauern sie auf eine günstige Gelegenheit; unaufhörlich umschwirren sie uns, um uns zu verschlingen und uns in einem Augenblick durch eine Sünde alles zu entreißen, was wir im Laufe von Jahren an Gnaden und Verdiensten erringen konnten. Sie sind so boshaft, so gerissen, so listig und so zahlreich, dass wir ein solches Unglück wirklich sehr fürchten müssen. Sind doch Seelen, die reicher an Gnaden und Tugenden, erfahrener und heiliger waren als wir, überrascht und kläglich bestohlen und ausgeraubt worden. Wie viel Zedern vom Libanon und Sterne vom Himmel hat man jämmerlich fallen sehen! In kurzer Zeit haben sie all ihre Größe und ihren Glanz verloren. Und woher diese überraschende Wendung? Nicht aus Mangel an Gnade, denn die fehlt niemanden, sondern aus Mangel an Demut. Sie glaubten, ihre Schätze allein bewahren zu können; sie vertrauten und bauten auf sich selbst; sie wähnten ihr Haus sicher genug, um den kostbaren Schatz der Gnade zu bewahren. Wegen dieses versteckten Eigendünkels – sie selbst glaubten sich nur auf die Gnade Gottes zu stützen – hat der allgerechte Herr sie sich selbst überlassen und so wurden sie bestohlen. Wäre ihnen die wunderbare Andachtsübung bekannt gewesen, die ich im Folgenden kundtun werde, dann hätten sie ihren Schatz der mächtigen und getreuen Jungfrau anvertraut, die ihn für sie bewahrt hätte wie ihr eigenes Gut. Maria hätte dies als Pflicht der Gerechtigkeit erachtet.

Bei der großen Verderbnis der Welt ist es schwer, in der Gnade zu verharren. Die Welt ist heutzutage so verdorben, dass fast unmerklich selbst fromme Herzen befleckt werden, wenn schon nicht von ihrem Schmutz, dann doch zumindest von ihrem Staub. Es ist beinahe ein Wunder, wenn jemand inmitten dieser heftigen Strömung standhält und nicht mitgerissen wird; wenn er in diesem stürmischen Meere nicht untergeht oder von räuberischen Piraten ausgeplündert wird; wenn er in dieser verpesteten Luft nicht angesteckt wird. Und wer vermag dieses Wunder zu wirken? Nur Maria, die einzig getreue Jungfrau, an der die Schlange niemals einen Anteil hatte; sie wirkt es für jene, die sich ihr ganz hingeben.

Jesu Forderung an uns: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn also dein rechtes Auge dir zum Ärgernis wird, so reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand dir zum Ärgernis wird, so hau sie ab und wirf sie weg. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder geht verloren, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird“(Mt 5,27-30).

Jesus über das Leben nach der Auferstehung(zu deren Leugnern): „Ihr seid im Irrtum! Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. Denn bei der Auferstehung nehmen sie nicht mehr zur Ehe und werden nicht mehr zur Ehe genommen, sondern sie leben wie die Engel Gottes im Himmel“(Mt 22,29-30).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 6):

Sobald irgendeine Begierde des menschlichen Herzens aus der Ordnung tritt, so ist Unfriede im Hause – der Mensch uneins mit sich. Der Hochmütige und der Geizige haben nie Ruhe; wer aber die wahre Demut und die rechte Armut des Geistes besitzt, der hat einen unerschöpflichen Reichtum des Friedens in sich. Wer sich noch nicht ganz abgestorben ist, der ist schnell versucht und schnell überwunden: jede Kleinigkeit wirft ihn zu Boden und geringe, schlechte Dinge überwinden ihn.

Wer noch schwach im Geiste ist, noch unter dem Gebote des Fleisches steht, noch von dem Hange zu sinnlichen Dingen gemeistert wird, für den ist es ein schweres Stück Arbeit, sich von irdischen Begierden ganz und auf immer losmachen. Deshalb macht er ein finsteres Gesicht, wenn er sich selber etwas Angenehmes versagen soll und bricht leicht in Zorn aus, wenn ihm ein anderer Widerstand leistet. Sobald er aber seine Lust befriedigt hat, so straft ihn das Gewissen auf der Stelle und die Hand des Richters liegt schwer auf ihm. Denn er hat nun seine Leidenschaft befriedigt und diese Befriedigung kann ihm nicht im Geringsten behilflich sein zum Frieden, den er gesucht hat.

Also nicht dadurch, dass du deinen Begierden wie ein Knecht nachgibst, sondern dadurch, dass du ihnen wie ein gebietender Herr Widerstand leistest, findest du den wahren Frieden des Herzens.

Kein Friede also in einem Herzen, das dem Gesetze des Fleisches dient oder in äußerlichen Dingen Ruhe sucht, sondern nur in dem Menschen ist Friede, welcher dem Gesetze des Geistes dient und das heilige Feuer auf seinem Herde nicht ausgehen lässt.

 

Gebet:

Allmächtiger, mildreicher Gott, sieh gnädig auf unsere Bitten und befreie unsere Herzen von den Versuchungen böser Gedanken, auf dass wir eine würdige Wohnung des Heiligen Geistes werden mögen. Herr, durchglühe mit dem Feuer des Heiligen Geistes unsere Sinne und unser Herz, auf dass wir dir mit keuschem Leibe dienen und mit reinem Herzen gefallen. Amen

 

 

 

 

 

 

 

  1. Tag

Geistesstolz

 

Wie fällt die Welt doch auf jeden Trug herein, wenn er nur im Gewand der Wissenschaft erscheint! Man will zu den Gebildeten gehören und vermisst sich, im Namen einer sogenannten Wissenschaft, Gottes Offenbarungen lächerlich zu machen.

Der Jünger Christi aber weiß, dass zwischen Glauben und echter Wissenschaft niemals ein Gegensatz bestehen kann; und gläubig beugt er sich in Demut vor den Geheimnissen Gottes.

 

Betrachtung:

Mein liebster Meister, ist es da nicht verwunderlich und traurig, wenn man sieht, mit welcher Unwissenheit, in welch geistigem Dunkel die Menschen hier auf Erden deiner heiligen Mutter gegenüber stehen? Ich spreche da nicht einmal von Götzendienern und Heiden, die deine Mutter nicht zu erkennen suchen, weil sie dich ja nicht kennen. Ich spreche auch nicht von den Irrgläubigen, die sich nicht um die Verehrung deiner heiligen Mutter kümmern, weil sie sich von dir und deiner Kirche getrennt haben. Nein, ich spreche von den katholischen Christen, sogar von den Lehrern unter den Katholiken, deren Aufgabe es ist, andere in die Wahrheit einzuführen und die doch dich und deine heilige Mutter überhaupt nicht kennen. Sie haben höchstens eine rein verstandesmäßige, trockene und unfruchtbare Vorstellung von ihr, die sich nicht auf ihr Leben auswirkt. Diese Herren sprechen nur selten von deiner heiligen Mutter und von der Verehrung, die man ihr schuldet, weil sie angeblich fürchten, dass es zu Missbräuchen führt und dass man Abbruch tut, wenn man deine heiligste Mutter zu viel ehrt. Wenn sie sehen und hören, wie ein Marienverehrer häufig mit Innigkeit, Kraft und Überzeugung von der Verehrung dieser guten Mutter spricht; wenn er darin ein sicheres, untrügliches Mittel erblickt, einen kurzen Weg ohne Gefahr, einen makellosen Pfad ohne Fehl, ein wundervolles Geheimnis, um dich zu finden und dich vollkommen zu lieben, dann protestieren sie sofort aus vollem Halse. Sie führen tausend falsche Gründe an, um ihm zu beweisen, dass er nicht so viel von der heiligen Jungfrau sprechen dürfe; denn in dieser Andachtsübung gebe es große Missbräuche, die man entschieden ausrotten müsse. Daher solle man lieber von dir sprechen und die Völker nicht zur Verehrung der heiligen Jungfrau aneifern, die sie ohnehin schon genug lieben.

Manchmal kann man diese Herren zwar von der Marienverehrung reden hören, aber nicht, um sie zu verbreiten und zu empfehlen, sondern um die Missbräuche auszurotten, die damit getrieben werden. Dabei sind sie selbst ohne Frömmigkeit und ohne innige Verehrung für dich, eben weil sie keine für Maria haben. Den Marienpsalter, das Skapulier, den Rosenkranz betrachten sie als Altweiberandachten, typisch für die Unwissenden, unnötig zur Erlangung des Heiles; und wenn ihnen ein Marienverehrer in die Hände fällt, der seinen Rosenkranz betet oder irgendeine andere marianische Andacht übt, dann werden sie bald dafür sorgen, dass er seine Einstellung und Neigung ändert. Sie werden ihm raten, statt des Rosenkranzes die sieben Bußpsalmen zu beten und statt der Marienverehrung werden sie ihm die Verehrung Jesu Christi empfehlen.

O mein liebster Jesus, haben diese Menschen denn wirklich deinen Geist? Machen sie dir Freude, wenn sie so handeln? Kann man dir denn gefallen, wenn man sich nicht bemüht, deiner Mutter zu gefallen? Steht denn die Verehrung deiner heiligen Mutter deiner eigenen Verehrung im Wege? Beansprucht Maria vielleicht die Ehre, die man ihr zollt, für sich selbst? Sondert sie sich etwa von dir ab? Ist sie etwa eine Fremde, die mit dir gar keine Verbindung hat? Missfällt man dir etwa, wenn man ihr gefallen will? Trennt oder entfernt man sich vielleicht gar von deiner Liebe, wenn man sich ihr hingibt und sie liebt?

Die überheblichen Marienverehrer sind meist hochmütige Gelehrte, eingebildete Rationalisten, die zwar im Grunde die Gottesmutter ein bisschen verehren; doch bekritteln sie fast alle Formen der Marienverehrung, die das einfache Volk schlicht und fromm seiner Mutter erweist. Diese Formen sind nicht nach ihrem Geschmack. Sie ziehen alle Wunder und Erzählungen in Zweifel, die von glaubwürdigen Schriftstellern berichtet oder den Chroniken der Ordenshäuser entnommen sind und die von der Barmherzigkeit und Macht der Gottesmutter Zeugnis ablegen. Sie sehen es nur ungern, wenn einfache und demütige Menschen vor einem Altar oder Bild Mariens knien, vielleicht in einem Straßenwinkel, um dort zu Gott zu beten. Sie bezichtigen sie geradezu des Götzendienstes, als beteten sie Holz oder Stein an. Sie erklären, dass sie ihrerseits solch äußere Andachtsübungen nicht mögen und dass sie zu aufgeklärt sind, um all die Legenden und Geschichten zu glauben, die man von Maria erzählt. Wenn man ihnen die wunderbaren Lobeserhebungen vorhält, die die heiligen Kirchenväter der Mutter Gottes spenden, dann erwidern sie, die Väter hätten als Prediger übertrieben, oder aber sie deuten deren Worte falsch.

Vor diesen falschen Marienverehrern, vor diesen überheblichen Weltmenschen müssen wir uns wohl hüten, denn sie schaden der Marienverehrung sehr. Unter dem Vorwand, Missbräuche abzustellen, bringen sie die Leute tatsächlich von der Verehrung der Mutter Gottes ab.

Paulus über den Geistesstolz: „Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit erwiesen? Weil nämlich die Welt mit ihrer Weisheit Gott in seiner göttlichen Weisheit nicht erkannt hat, hat es Gott gefallen, durch die Torheit der Predigt(von Jesu Leiden und Sterben am Kreuz) die zu retten, die daran glauben…Denn das ´Törichte`, das von Gott kommt, ist weiser als die Menschen und das ´Schwache`, das von Gott kommt, ist stärker als die Menschen.

Seht nur auf eure Berufung, Brüder. Da sind nicht viele Gebildete im Sinne der Welt, nicht viele Einflussreiche, nicht viele Vornehme. Nein, was der Welt töricht erscheint, hat Gott auserwählt, um die Gebildeten zu beschämen. Was der Welt niedrig und verächtlich erscheint, ja, was ihr nichts gilt, hat Gott erwählt, um das, was etwas gilt, zunichte zu machen. So soll sich niemand vor Gott rühmen können. Durch ihn seid ihr in Gemeinschaft mit Christus Jesus. Dieser ist von Gott her zur Weisheit, zur Rechtfertigung, Heiligung und Erlösung geworden“(1 Kor 1,20-21; 24-30).

 

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 43):

Mein Kind, wenn dein Friede auf irgend einen Menschen beruht und davon abhängt, dass er denkt wie du und immer um dich ist, so wird dein Friede sehr wandelbar und dein eigen Herz bald uneins mit sich selber sein. Wenn du dir aber überall den Rückweg zur Wahrheit, die immer dieselbe bleibt und ewig lebt, offen behältst, so wirst du nicht sonderlich betrübt werden, wenn dich gleich dein Freund verlässt oder dir von der Seite weg stirbt.

Die Liebe zu deinem Freunde soll eigentlich in mir ihre Wurzel haben und jeder, den du für gut hältst und vorzüglich lieb hast, soll dir um meinetwillen vorzüglich lieb sein. Denn ohne mich hat der Bund der Freundschaft keine Gültigkeit und keinen Bestand und alle Liebe, deren Bande ich nicht knüpfe, ist weder wahr noch rein. So solltest du aller Anhänglichkeit an geliebte Menschen abgestorben sein, dass du, insofern es auf dich ankäme, Mut genug hättest, allen Umgang mit Menschen zu entbehren. Um so viel näher kommt der Mensch seinem Gott, je weiter er sich von allem irdischen Troste entfernt. Er steigt auch um so viel höher aufwärts zu Gott, je tiefer er zuvor abwärts in sich gestiegen, je geringer er sich in seinem Auge geworden ist. Wer aber sich selbst etwas Gutes zuschreibt, der richtet eine Scheidewand auf zwischen sich und der Gnade Gottes, dass sie nicht zu ihm herein kann; denn die Gnade des Heiligen Geistes sucht zu ihrer Herberge immer nur ein demütiges Herz.

Könntest du dich selbst, d.h. alles Böse in dir und alle eitle Anhänglichkeit an das Gute in dir vollkommen vernichten, könntest du dich von aller Liebe zu irgend einem Geschöpf leer machen, so müsste ich meine Gnadenfülle in dich einströmen und die leere Stätte in dir ausfüllen lassen. Sobald du aber auf die Geschöpfe abwärts schaust, so wird dir die Anschauung des Schöpfers genommen.

So lerne denn, dich in allen Dingen um deines Schöpfers willen überwinden, dann wird dir in deiner Seele eine neue Türe zur göttlichen Erkenntnis aufgehen. Was man wider die heilige Ordnung der Liebe achtet und liebt, es sei so gering, als es wolle, das schlägt uns auf dem Wege zum höchsten Gute zurück und befleckt uns.

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, lass in uns Glauben, Hoffnung und Liebe wachsen und, damit wir zu erlangen verdienen, was du verheißen hast, mach, dass wir lieben, was du befiehlst. Amen

 

 

  1. Tag

Massenmenschentum

 

Wie geht doch heute alles in der grauen Masse unter! So leicht verrät man seine Überzeugung, um nur nicht aufzufallen. Man plappert jedes Schlagwort nach und folgt den dümmsten Moden, bloß weil’s die andern auch so machen.

Das Christentum aber will Persönlichkeiten formen, die den Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen.

 

Betrachtung:

Das ist genau das Verhalten der Weltkinder: Sie vertrauen ihrer Kraft und Gewandtheit in allen zeitlichen Belangen. In weltlichen Dingen sind sie sehr stark, sehr geschickt und sehr aufgeklärt, dafür aber sehr schwach und unwissend in den himmlischen Dingen. Darum bleiben sie nicht oder nur wenig daheim in ihrem eigenen Haus, nämlich in ihrer Seele, die das innere und eigentliche Haus ist, das Gott einem jeden Menschen gegeben hat, damit er nach seinem göttlichen Beispiel darin wohne; denn Gott lebt immer in sich selbst. Die Weltmenschen mögen die Zurückgezogenheit, die Innerlichkeit und die Frömmigkeit des Herzens nicht leiden. Die innerlichen Seelen, die sich von der Welt zurückziehen und mehr innerlich als äußerlich wirken, gelten bei ihnen als Schwachköpfe, Betbrüder und Eigenbrötler.

Jesus über die Pharisäer: „…Sie sind blind und Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube“(Mt 15,14). – „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer. Ihr verschließt das Himmelreich vor den Menschen. Ihr selbst tretet nicht ein und ihr lasst auch die nicht hinein, die hinein wollen“(Mt 23,13).

Der Apostel Petrus mahnt zu starker christlicher Haltung mitten in der Welt: „…so wappnet euch mit der gleichen Gesinnung(wie Christus)…Lange genug habt ihr in der vergangenen Zeit den Willen der Heiden erfüllt und in Ausschweifungen, Lüsten und im frevelhaften Götzendienst dahin gelebt. Nun kommt es ihnen sonderbar vor, dass ihr euch nicht mehr in denselben Strudel der Sittenlosigkeit stürzt. Deswegen lästern sie euch. Aber sie werden dem Rechenschaft geben müssen, der bereit ist, die Lebendigen und die Toten zu richten“(1 Petr 4,1-5).

 

 

 

 

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 36):

Mein Kind, lege dein ganzes Herz mit fester Zuversicht in meine Hand und fürchte kein menschliches Gericht da, wo dich dein innerer Richter, das Gewissen, frei spricht. Es ist gut und heilsam für dich, dass du auch in dieser Leidensschule hart mitgenommen wirst. Und wenn du ein demütiges Herz hast und mehr auf Gott als auf dich vertraust, so wird dir dies schwere Leiden nicht sonderlich beschwerlich sein.

Wo mancherlei Menschen sprechen, da muss es mancherlei Gespräche geben. Und diese mancherlei Gespräche verdienen eben deswegen nicht viel Glauben. Und hernach ist es ganz und gar unmöglich, allen alles recht zu machen. Ist doch Paulus allen alles geworden(vgl. 1 Kor 9,22) und hätte es gern allen recht gemacht, um alle dem Herrn zu gewinnen. Und doch musste auch Paulus allerlei harte Urteile über sich ergehen lassen. Er bekümmerte sich aber nicht darum, dass ihn die menschlichen Gerichte verdammten(vgl. 1 Kor 4,3).

Was er zur Erbauung oder Errettung der Menschen tun konnte, das hat er mit aller Treue getan. Aber dass ihn die Menschen hart richteten oder gar verdammten, das konnte er bei all seiner Treue nicht verhindern. Deshalb stellte er seine ganze Sache dem anheim, der die ganze Sache am besten wusste, seinem Gott. Und seine Verteidigung gegen die harten Lästerungen, ungerechten Urteile und stolzen Anmaßungen seiner Gegner bestand eigentlich doch nur in Demut und Geduld. Denn wenn er auch hie und da eine Antwort gab, so geschah es meistens nur um der Schwachen willen, damit sie an seinem Stillschweigen kein Ärgernis nähmen.

Was ist es denn, dass du dich vor einem Menschen fürchtest(vgl. Jes 51, 12)? Heute ist er und morgen findest du seine Stätte nimmer. Fürchte du deinen Gott, dann werden die Menschen nicht mehr so viel Furchtbares für dich haben. Was kann auch ein Mensch mit all seinen Lästerworten, wenn sie dir auch noch so viel Unrecht nachsagen, wider dich ausrichten? Im Grunde schadet er sich mehr als dir und er sei, wer er wolle; dem Gerichte Gottes kann er doch nicht entgehen.

Behalte du stets deinen Gott im Auge und klage nicht und lass dich in keinen Wortkrieg ein. Und wenn du auch in den Augen der Menschen unterliegen und eine unverdiente Schmach erdulden müsstest, so solltest du deshalb nicht zürnen noch durch die Ungeduld dir den schönsten Stein aus deiner Krone rauben lassen.

Schau vielmehr zu mir auf, ich habe Macht, dich von aller Schmach und Unrecht zu erretten und einem jeden nach seinen Werken zu vergelten(vgl. Röm 2,6; Mt 16,27).

 

Gebet:

Gott, du lässt die Herzen der Gläubigen eines Sinnes sein; gib deinem Volke, das zu lieben, was du befiehlst, das zu ersehnen, was du versprichst, damit in dem wechselnden Vielerlei der Welt dort unsere Herzen fest verankert seien, wo die wahren Freuden sind. Amen

 

 

 

 

 

 

  1. Tag

Vergnügungssucht

 

Ein Taumel der Vergnügungssucht hat die Welt erfasst. Sie kann sich nicht genug tun an Lärm und Lustbarkeit, um sich über die eigene innere Leere hinweg zu täuschen.

Der Christ verachtet die echte Freude nicht; aber seine Freude kommt aus dem Innern. Darum hat er es nicht nötig, sich durch immer neue Reize zu betäuben.

 

Betrachtung:

Die Weltmenschen kümmern sich nicht um die Verehrung Mariens, der Mutter der Gotteskinder. Wohl hassen sie sie nicht direkt, manchmal zollen sie ihr sogar ein gewisses Lob und behaupten, sie zu lieben, ja sie verrichten sogar irgendeine Andachtsübung ihr zu Ehren. Im Übrigen aber können sie es nicht leiden, wenn man Maria zärtlich liebt, weil sie eben nicht die Zärtlichkeit Jakobs für sie empfinden. An den Andachtsübungen, denen Mariens gute Kinder und Diener treu obliegen, um die Liebe ihrer Herrin zu gewinnen, finden sie immer etwas auszusetzen; sie glauben nämlich nicht, dass die Marienverehrung für das Seelenheil notwendig ist. Sie meinen, es genüge, keinen ausdrücklichen Hass gegen die Gottesmutter zu hegen und ihre Verehrung nicht offen zu missachten. Sie glauben, sie hätten sich die Gunst der heiligen Jungfrau genugsam erworben und seien ihre Diener, wenn sie ihr zu Ehren irgendwelche Gebete her sagen und ohne Innigkeit herunter leiern; auch ihr Leben bessern sie keineswegs.

Die Kinder Esaus verkaufen ihr Erstgeburtsrecht, nämlich die Freuden des Paradieses, um das Linsengericht der irdischen Freuden. Sie lachen und trinken, sie essen und unterhalten sich, sie spielen und tanzen, ohne sich Mühe zu geben, der Segnungen des himmlischen Vaters würdig zu werden, genau wie Esau. Kurz, sie denken nur an die Welt, sie lieben nur die Welt und ihre Freuden. Für einen kurzen Augenblick der Lust, für einen eitlen Dunst der Ehre, für goldenen oder silbernen Tand verkaufen sie ihre Taufgnade, ihr Unschuldskleid, ihr himmlisches Erbteil. Schließlich verfolgen und hassen die Weltmenschen täglich die Kinder Gottes offen oder im Geheimen. Sie belästigen, verachten und kritisieren sie; sie äffen sie nach, sie beschimpfen, bestehlen und betrügen sie, bringen sie in Not und Armut, vertreiben sie und treten sie in den Staub. Sie selbst aber machen ihr Glück, lassen es sich gut gehen, sind angesehen, bereichern sich, machen Karriere und führen ein angenehmes Leben.

Jesus über die Vergnügungssucht: „Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feines Leinwand und hielt alle Tage glänzende Gelage. Vor seiner Tür lag ein Armer mit Namen Lazarus…Gern hätte er sich mit den Brotsamen gesättigt, die vom Tisch des Reichen fielen…Da starb der Arme. Er wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen. Auch der Reiche starb…Als er in der Hölle inmitten seiner Qualen seine Augen erhob, sah er von Ferne Abraham und in seinem Schoße Lazarus. Da rief er: `Vater Abraham! Erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er seine Fingerspitze ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide große Qual in dieser Feuersglut.` Abraham erwiderte: ´Gedenke, mein Sohn, dir ist es in deinem Leben gut ergangen, Lazarus dagegen schlecht. Jetzt wird er hier getröstet, du aber wirst gepeinigt`“(Lk 16,19-26).

Mahnung des Apostels Jakobus: „Wohlan, ihr Reichen, weint und wehklagt über die Drangsale, die über euch kommen! Euer Reichtum vermodert! Eure Gewänder werden von Motten zerfressen! Euer Gold und Silber verrostet! Ihr Rost wird gegen euch zeugen und wie Feuer euer Fleisch verzehren“(Jak 5,1-5).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 24):

In allem, was du tust, schau auf das Ende und frage dich: Wie werde ich vor dem strengen Richter bestehen, dem nichts verborgen ist, den keine Gabe bestechen kann, der keine Ausflüchte gelten lässt, der richtet nach der Gerechtigkeit? Elender, törichter Sünder! Siehe, du zitterst vor dem Angesicht eines zornigen Menschen; wie wirst du dich nun vor Gott verantworten, vor Gott, der alle deine Sünden weiß? Wie magst du doch so gar unvorsichtig und ohne alle Vorbereitung auf den Tag des Gerichtes dahin leben, auf einen Tag, an dem keiner den andern entschuldigen oder verteidigen kann, an dem jeder genug mit sich selbst zu tun haben wird?

Jetzt, jetzt kann deine Arbeit Früchte bringen, deine Tränen Gnade finden, dein Seufzen Hilfe erflehen, deine Buße der Gerechtigkeit Genüge tun und dir zur Reinigung dienen. Wer Geduld übt, d.h., wem an der Kränkung seiner Ehre mehr die Sünde des andern, der ihn kränkt, als die Kränkung selbst wehe tut; wer für seine Gegner gern betet und ihnen das Unrecht, die sie an ihm getan haben, von ganzem Herzen verzeiht; wer selbst zuerst um Vergebung bittet; wer sich leichter zur Erbarmung als zum Zorne bewegen lässt; wer sich selbst recht oft Gewalt antut und die Sinnlichkeit der Herrschaft des Geistes vollkommen zu unterjochen strebt: ein solcher Mann hat schon in diesem Leben, hat schon in sich sein Reinigungsfeuer, das wahrhaftig nicht gering ist und großen Segen schafft. Es ist doch besser schon in diesem Leben die Bande des Lasters zu lösen und von der Sünde rein werden, als die Reinigung in die Ewigkeit hinüber zu sparen. Wir täuschen uns nur selbst, so oft wir eine ungeordnete Liebe zu dem, was sinnlich ist, in unserem Herzen aufkommen lassen. Was wird doch jenes verzehrende Feuer anderes zu verzehren haben als deine Sünden? Je mehr du jetzt deiner schonst, je mehr du deiner Sinnlichkeit nachgibst, desto empfindlicher wirst du einst dafür gestraft werden, desto mehr Stoff wirst du für jenes verzehrende Feuer mit hinüber bringen. Worin die Sünde ihre größte Lust suchte, darin wird sie auch die schwerste Strafe finden. Brennende Stacheln werden die Trägheit nie ruhen lassen, Hunger und Durst die Unmäßigkeit peinigen, siedendes Pech und Schwefel die Wollust züchtigen. Jedes Laster wird seine eigene Plage haben: der Neid vor Schmerzen heulen, gleich einem tollen Hunde; Schande und Schmach wie Berge über die Hoffart fallen; die Armut mit ihrer schwersten Last den Geiz zerdrücken. Dort schmerzt eine Stunde Pein mehr, als hier Jahrhunderte in strengster Buße durch gelebt. Der Ungebesserte, der Verdammung hingegebene Sünder, wird dort keine Ruhe, keinen Trost finden können, indessen es für uns hier doch Feiertage zum Ausruhen und Stunden des Trostes in dem Schoße der Freundschaft gibt. So traure denn, lieber Freund, um deiner Sünden willen; sorge jetzt für die Zukunft, damit du am Tage des Gerichtes kühn und froh dein Haupt mit allen Heiligen emporheben darfst.

Dann werden die Gerechten mit Zuversicht auftreten und mutvoll dastehen gegen die, von welchen sie in diesem Leben sind geängstigt und niedergedrückt worden(vgl. Weish 5,1). Dann wird jeder, der sich den Urteilen der Menschen in Demut und Gelassenheit unterworfen hat, sich erheben, nicht um zu schweigen, sondern um zu richten. Dann wird der Arme und Demütige mit edler Zuversicht dastehen und der Hochmütige, der ehemals auf ihn mit verachtenden Blicken herabgesehen hatte, zitternd vor ihm nieder sinken. Dann wird der als ein weiser und großer Mann erscheinen, welcher die seltene Kunst verstand, sich um Christi willen für einen Toren und für Auskehricht der Welt halten zu lassen. Dann wird alle Trübsal, mit Geduld ertragen, eine heitere Gestalt für uns gewinnen und alle Bosheit, die in diesem Leben den Mund weit aufgetan hat, verstummen müssen(vgl. Ps 106,42). Dann wird die Andacht, die ihren Gott nie aus den Augen ließ, ihr Jubelfest feiern und der irdische Sinn, der ohne Gott in der Welt war, trauern müssen. Dann wird dir die Kreuzigung des Fleisches um des Geistes willen mehr Jubel einbringen als alle Verzärtelung und die ausgesuchteste Pflege des Leibes. Dann wird der Zwilch der Gottseligen glänzen und das Seidengewand des Gottlosen allen Farbenglanz verloren haben. Dann wird die niedere Hütte des guten Tagelöhners in größerer Achtung stehen als der goldene Palast, in dem das Laster wohnte. Dann wird die standhafte Geduld größere Eroberungen machen als alle Herrlichkeit und Macht der Welt. Dann wird der Gehorsam des einfältigen Herzens über alle Arglist des feinen Kopfes triumphieren. Dann wird uns ein gutes, reines Gewissen mehr Seligkeit verschaffen als alle Weltweisheit der Gelehrten. Dann wird die Verschmähung des Reichtums alle Schätze der Welt weit aufwiegen. Dann wird dir ein Gebet, das dir aus dem Herzen strömte, mehr Trost schaffen als ein Freudenmahl, das den Magen mit Leckerbissen überfüllte. Dann wird das fromme Stillschweigen eines Augenblicks mehr Freude einernten als das geistlose Geschwätz eines Jahrhunderts. Dann werden die guten Taten mehr gelten als die schönen Worte. Dann werden sich die Tage in ernster Selbstverleugnung und strenger Buße durchlebt, mehr erfreuen als alle Freuden der Erde. Lerne jetzt geringere Leiden tragen, damit du dir einst größere ersparst. Versuche jetzt, was du einst wirst leiden können. Wenn dir jetzt ein so kurzes Leiden schon zu lange ist, wie wirst du einst endlose Leiden aushalten können? Wenn dich jetzt ein geringes Leiden so ungeduldig macht, wie wirst du das Leiden der Hölle ertragen können?

Siehe, zwei Paradiese gibt es nicht für dich; hier die törichten Freuden der Welt töricht mit genießen und dort mit Christus herrschen, das kannst du nicht. Hättest du bis auf diesen Tag im steten Genusse der Ehre und Wollust gelebt und müsstest in diesem Augenblick sterben: sage mir, was hättest du nun von all diesem Genuss? So ist denn alles lauter Eitelkeit, nur eines nicht: Gott lieben und ihm alleine dienen. Denn wer Gott von ganzem Herzen liebt, der fürchtet Tod und Strafe, Gericht und Hölle nicht.

Die vollkommene Liebe bahnt ihm einen freien, furchtlosen Zutritt zu Gott. Wer aber noch an der Sünde Freude hat, der hat eben darum noch Furcht vor Tod und Gericht. Doch, kann dich die Liebe noch nicht von allem Bösen abhalten, so ist es Gewinn für dich, dass wenigstens die Furcht der Hölle dich zurückschreckt und den weiteren Ausbrüchen der Sünde einen Damm setzt. Wer aber die heilige Furcht verlässt, der wird nicht lange mehr im Guten feststehen können, sondern gar bald in die Stricke Satans fallen.

 

Gebet:

Gib, wir bitten, allmächtiger Gott, dass wir stets auf Geistiges sinnen und, was dir wohlgefällig ist, in Wort und Tat vollführen. Amen

  1. Tag

Unwahrhaftigkeit

 

Wahrhaftigkeit gilt nichts mehr in der Welt. Lüge, Verstellung und Heuchelei beherrschen das Leben. Jeder will scheinen, was er nicht ist. Listige Verschlagenheit und skrupelloses Übervorteilen wird allgemein als Tüchtigkeit gepriesen, so dass selbst die Gläubigen von diesem Übel angesteckt werden.

Christus war so klar wie ein Kristall. Es war kein Trug und Falsch an ihm. Wahrhaftigkeit in Wort und Haltung um jeden Preis – das ist das Ziel, das der Christ sich setzt.

 

Betrachtung:

Wir dürfen sodann das äußere Gehabe der Weltkinder uns nicht zum Vorbild nehmen; nicht ihre Art, sich zu kleiden, zu wohnen, zu essen und die anderen Obliegenheiten des Lebens zu verrichten. Und dies ist wichtiger, als man meint. Wir dürfen ferner die falschen Grundsätze der Welt weder glauben, noch ihnen folgen; wir dürfen nicht denken, reden und handeln wie die Weltkinder. Ihre Grundsätze sind so verschieden von der Lehre der Ewigen Weisheit wie die Nacht vom Tage und der Tod vom Leben. Prüft doch einmal deren Gesinnung und Worte: Wie übel denken und reden doch diese Weltmenschen von allen großen Wahrheiten! Sie lügen zwar nicht offen; sie verbergen ihre Lügen unter dem Anschein der Wahrheit. Sie meinen, sie lögen nicht und tun es doch. Meist befürworten sie die Sünde nicht offen, aber sie behandeln sie, als wäre sie gut oder anständig oder aber als wäre sie gleichgültig und von keiner Bedeutung. Die Welt hat vom Teufel die Wendigkeit gelernt, mit der sie die Hässlichkeit der Sünde und der Lüge zu bemänteln weiß; und darin liegt ihre Bosheit, von der Johannes der Evangelist spricht: „Die ganze Welt liegt am argen.“ Und das gilt heute mehr denn je.

Wir müssen weiterhin die Gesellschaft der Menschen so viel als möglich fliehen und zwar nicht nur jene der Weltleute, die verderblich und gefährlich ist, sondern selbst jene von manchen Frommen, soweit sie nicht nützlich ist und soweit wir nur unsere Zeit damit vergeuden.

Jesu Forderung an uns: „Eure Rede sei: Ja, ja – nein, nein.

Alles Weitere ist vom Übel“(Mt 5,37).

Jesus entlarvt Satan als den Vater der Lüge: „Wenn Gott euer Vater wäre, würdet ihr mich lieben; denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen…Warum versteht ihr meine Redeweise nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt nach den Gelüsten eures Vaters tun. Er war ein Menschenmörder von Anbeginn und steht nicht in der Wahrheit, weil in ihm keine Wahrheit ist. Wenn er lügt, spricht er nach seinem eigenen Wesen. Denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“(Joh 8,42-44).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch II, Kap. 4):

Zwei Flügel erheben den Menschen über das Irdische: Einfalt und Lauterkeit; Einfalt in der Absicht, Lauterkeit in der Liebe.

Die Einfalt sucht Gott, die Lauterkeit findet ihn. Die Einfalt zielt nach Gott, die Lauterkeit genießt ihn. Das Gute, das du im Äußern zu tun hast, kann dich nicht um die Freiheit bringen, wenn dich im Innern keine ungeordnete Neigung darum gebracht hat. Suchst du nichts anderes, als nur Gott zu gefallen und deinem Nächsten zu nützen, dann wirst du die rechte Freiheit des Geistes genießen können. Wäre dein Herz ohne Falsch, dann würde jedes Geschöpf ein Spiegel des Lebens und ein Buch heiliger Lehre für dich sein. Denn es ist kein Geschöpf so klein und unbedeutend, dass es nicht eine Spur von der Güte Gottes an sich trüge. Wärest du im Innern gut und rein, dann hättest du einen hellen, ungetrübten Blick und würdest alles recht sehen und leicht verstehen. Ein reines Herz dringt durch Himmel und Hölle.

Wie jeder in sich selbst beschaffen ist, so urteilt jeder von den Dingen außer sich. Ist irgendeine wahre Freude auf Erden, so ist sie nirgends als in einem reinen Herzen zu finden. Und gibt es Angst und Plage auf Erden, so weiß ein böses Gewissen am besten, was Angst und Plage ist.

Wie Eisen im Feuer seinen Rost verliert und ganz glühend wird, so verliert ein Mensch, der sich ganz zu Gott bekehrt, das Erdhafte seiner Natur und wird in einen neuen Menschen umgewandelt. Wenn der Mensch anfängt, lau zu werden, so scheut er auch eine geringe Mühe und hat es gern, wenn ihm etwas Trost von den fünf Sinnen gereicht wird. Aber wenn er einmal angefangen hat, sich zu überwinden und wie ein Held auf dem Wege Gottes zu wandeln, dann ist ihm alles leicht, was er vorher noch so schwer gefunden hat.

 

Gebet:

Wir bitten, Herr: Der Tröster, der von dir ausgeht, erleuchte unseren Geist und führe uns, wie dein Sohn versprochen hat, in alle Wahrheit ein. Amen

 

 

  1. Tag

Ungeordneter Freiheitsdrang

 

Seit Jahrhunderten geht ein Schrei nach Freiheit durch die Welt. Alle Bindungen lockern und lösen sich in Beruf und Familie, in Gesellschaft und Staat. Aber wird hier die Freiheit nicht missverstanden? Jedem Gelüste nachgeben, sich über alle Schranken hinwegzusetzen, ist nicht Freiheit, sondern Zügellosigkeit. Gott dienen heißt herrschen; sich Gott aus freien Stücken hinzugeben, ist die höchste Freiheit für den Christen.

 

Betrachtung:

Wer die Ganzhingabe treu übt, dem verleiht sie eine große innere Freiheit, die Freiheit der Kinder Gottes. Hat sich jemand durch diese Hingabe Jesus Christus ganz geweiht und zu eigen gegeben, dann belohnt ihn der Herr in seiner Güte auf dreifache Weise für seinen liebenden Verzicht auf den eigenen Willen: erstens befreit er ihn von aller knechtischen Furcht, die ihn nur einengen, fesseln und verwirren könnte; zweitens weitet er ihm das Herz in heiligem Vertrauen auf Gott, den er als seinen Vater erkennt; drittens flößt er ihm eine zärtliche Kindesliebe ein.

Ich will mich nicht damit aufhalten, diese Wahrheit ausführlich zu begründen, sondern nur eine Begebenheit anführen, die ich in der Lebensbeschreibung der Mutter Agnes von Jesus gelesen habe, einer Dominikanerin im Kloster von Langeac in der Auvergne, die dort im Jahre 1634 im Rufe der Heiligkeit gestorben ist. Sie war erst sieben Jahre alt und schon in große seelischer Not; da hörte sie eine Stimme ihr sagen, sie solle sich möglichst bald dem Heiland und seiner heiligsten Mutter als Eigentum weihen, um von all ihrer Not befreit und vor all ihren Feinden beschützt zu sein. Kaum war sie daheim angekommen, da schenkte sie sich sofort dem Heiland und der Gottesmutter als Eigentum, obwohl sie früher nichts von dieser Hingabe gewusst hatte. Dann suchte sie eine eiserne Kette, gürtete sie um ihre Hüften und trug sie bis zum Tod. Von diesem Augenblick an hörten all ihre Nöte und Skrupel auf, sie war in tiefem Frieden und ihr Herz ward von Freude erfüllt. Diese Erfahrung bewog sie, die Ganzhingabe vielen anderen zu empfehlen, die darin große Fortschritte machten. Unter ihnen waren auch Olier, der Gründer des Seminars von St. Sulpice und mehrere andere Priester und Kleriker dieses Seminars. Eines Tages erschien die heiligste Jungfrau der Mutter Agnes und legte ihr eine goldene Kette um den Hals, um so ihre Freude darüber zu bezeugen, dass sie sich dem Dienste Jesus und Mariens geweiht hatte.

Und die heilige Cäcilia, die mit der Gottesmutter erschienen war, sprach zu ihr: „Selig sind die treuen Diener der Himmelskönigin, denn sie werden die wahre Freiheit genießen!“

Jesus über echte und falsche Freiheit: „Wenn ihr in meiner Lehre verharrt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“…“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, ist der Sünde Sklave“(Joh 8,31. 32. 34).

Paulus lehrt Freiheit in Christus: „Zur Freiheit hat uns Christus geführt. So steht denn fest und lasst euch nicht aufs Neue das Joch der Knechtschaft aufbürden…Brüder, ihr seid zur Freiheit berufen, aber missbraucht die Freiheit nicht zum Dienst des Fleisches“(Gal 5,1. 6. 13).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 32):

Mein Kind, die vollkommene Freiheit des Geistes kannst du nicht erringen und nicht behalten, wenn du dich nicht zur vollkommenen Verleugnung deiner selbst durcharbeitest. Sklavenfesseln tragen alle, die eigensüchtig an irgend einem Ding hängen, die sich selbst lieben, die lüstern, neugierig, außer sich umher schwärmen, nur suchen, was ihren Sinnen schmeichelt und nicht was das Reich Christi erweitert, die immer das bauen und befestigen wollen, was keinen Grund und Bestand haben kann, denn zu nichts wird alles, was nicht aus Gott geboren ist. Halte dich an das kurze, aber alles sagende Wort: Verlass alles, dann findest du alles; gib Abschied der Begierde, dann kommt dir die Ruhe entgegen. Dies Wort lass dir nie aus dem Sinne kommen; dies Wort durchforsche Tag und Nacht und wenn du dieses Wort in Erfüllung gebracht hast, dann wirst du alles verstehen.

Mein Herr, das ist keine Arbeit für einen Tag und kein Spiel für Kinder. In dieser Schale liegt ja der ganze Kern der Vollkommenheit für alle, die Gott den Herrn suchen.

Mein Kind, das soll dich nicht zurückschrecken, noch mutlos machen, wenn du von dem Wege der Vollkommenheit reden hörst, das soll dich vielmehr reizen, nach dem höheren Ziele empor zu glimmen oder wenigstens ein herzliches Sehnen nach diesem Ziele in dir zu unterhalten. O stünde es doch so gut mit dir und wärest du doch schon so weit gekommen, dass du selbst frei von der blinden Liebe zu dir selbst, bereit und gefasst wärest auf meinen Wink und auf den Wink meines Vaters, den ich dir geoffenbart habe! Dann könnte mein Auge mit Wohlgefallen auf dir ruhen; dann würde dein ganzes Leben in Friede und Freude vorübergehen. Aber, liebes Kind, du hast in dir noch viel, viel zu verleugnen und wenn du dieses Viele nicht verleugnest, wenn du nicht alles mir ganz allein anheimstellst, so wirst du nicht finden, was du suchst: den Frieden des Geistes. Lass dir meinen Rat heilig sein: kauf dir von mir ein geläutertes Gold(vgl. Offb 3,18), das dich reich macht, d.h. die himmlische Weisheit, die alles Irdische mit Füßen tritt. Und um diese Weisheit zu kaufen, gib alle irdische Weisheit, alle Menschen- und Selbstgefälligkeit daran. Ich wollte sagen, du sollst das, was im Auge des Menschen hoch und köstlich ist, daran geben und etwas, das im Auge der Menschen schlecht und gering ist, dafür erkaufen. Denn unbedeutend und schlecht im Auge der meisten Menschen und fast ganz aus ihrem Andenken gerückt ist die wahre, himmlische Weisheit, die gering von sich selbst denkt und auf Erden nicht groß scheinen, nicht groß heißen will; eine Weisheit, die viele mit ihrer Zunge rühmen, aber mit ihrem widersprechenden Wandel lästern, die aber dessen ungeachtet die köstliche Perle ist, verborgen(vgl. Mt 13,46) vor den Augen der Menschen, aber hell schimmernd im Auge Gottes und seiner Kinder.

 

Gebet:

Herr, lass dich versöhnen und dränge unseren Willen, wenn er auch widerspenstig ist, gnädig hin zu dir. Geleite dein Volk, auf dass es die vollkommene Freiheit erlangen möge und fortschreite zum ewigen Leben. Amen

 

 

 

  1. Tag

Lebensangst

 

Trotz aller äußeren Ausgelassenheit sind die Menschen von Angst gepackt. Mit allen Mitteln will man sich sichern vor jeglicher Not und Gefahr. Man schließt Versicherungen ab gegen jedes nur erdenkliche Übel und meint, damit gegen alle Schicksalsschläge gefeit zu sein.

Aber wie sagt die Heilige Schrift? „Verflucht der Mensch, der auf die Menschen baut und dessen Herz vom Herrn abweicht.“ Denn nur in Gott ruht die wahre Sicherheit.

 

 

Betrachtung:

Durch die Ganzhingabe bringen wir unsere Gnaden, Verdienste und Tugenden in Sicherheit; denn wir machen Maria zu deren Verwalterin, indem wir zu ihr sprechen: „Nimm hin, meine geliebte Herrin, was ich durch die Gnade deines lieben Sohnes an Gutem getan habe. Ich bin nicht fähig, es zu bewahren, denn ich bin zu schwach und unbeständig; zu viele und bösartige Feinde bedrohen mich Tag und Nacht. Täglich sieht man, wie Zedern vom Libanon in den Staub fallen und wie Adler, die sich bis zur Sonne erhoben, zu Nachtvögeln werden. So fallen auch tausend Gerechte zu meiner Linken und zehntausend zu meiner Rechten. Du aber, meine mächtige, meine unendlich mächtige Fürstin, halte mich, damit ich nicht falle; verwahre all mein Gut, damit es mir nicht geraubt werde. Alles, was ich habe, vertraue ich dir zur Verwahrung an. Ich weiß, wer du bist, darum bringe ich mich dir ganz dar. Du lässt nichts von dem verloren gehen, was ich dir anvertraue. Du bist mächtig und niemand kann dir schaden, niemand kann dir entreißen, was du in Händen hast.“

Folge ihr und du verirrst dich nicht. Wenn sie dich hält, fällst du nicht. Wenn sie dich schützt, hast du nichts zu fürchten. Wenn sie dich führt, dann kommst du ans Ziel.

„Sie hält ihren Sohn zurück, damit er nicht strafe; sie hält den Teufel zurück, damit er nicht schade; sie hält die Tugenden fest, damit sie nicht verderben; sie hält die Gnaden fest, damit sie nicht verwehen.“ Das sind die Worte des heiligen Bernhard, die im Wesentlichen all das ausdrücken, was ich eben gesagt habe. Gäbe es auch nur diesen einen Beweggrund, um mich in der Gnade Gottes zu erhalten und diese Gnade in mir zu vermehren, ich müsste Feuer und Flamme dafür sein.

Diese Ganzhingabe macht die Seele wahrhaft frei mit der Freiheit der Kinder Gottes. Da wir uns aus Liebe zu Maria freiwillig in die Abhängigkeit begeben, macht diese gute Herrin aus Dankbarkeit unser Herz groß und weit, so dass wir mit Riesenschritten auf dem Weg der Gebote Gottes voranschreiten. Überdruss, Traurigkeit und Skrupel hält sie von uns fern. Der Heiland lehrte Mutter Agnes von Jesus diese Hingabe als ein sicheres Mittel, den großen Qualen und Zweifeln zu entgehen, in denen sie sich befand. „Schenke dich meiner Mutter“, sprach er zu ihr. Sie tat es und im gleichen Augenblick hörten ihre Qualen auf.

Zur Beglaubigung dieser Hingabe müsste man hier alle Verlautbarungen und Ablässe der Päpste aufzählen, ihre Empfehlungen durch die Bischöfe, ferner die Bruderschaften, die ihr zu Ehren errichtet wurden, sowie das Beispiel vieler großer Persönlichkeiten, die sie geübt haben; doch übergehe ich dies alles.

Jesus warnt vor trügerischer Sicherung des Lebens: „Ein reicher Mann hatte einen Acker, der ihm reichlich Ertrag brachte. Da dachte er bei sich: Was soll ich tun? Ich habe nicht Platz, wo ich meine Früchte unterbringen kann. So will ich’s machen, sagte er: Ich breche meine Scheunen ab und baue größere. Darin kann ich all meinen Ertrag und alle meine Güter unterbringen. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Meine Seele, du hast großen Vorrat an Gütern auf viele Jahre. Setz dich zur Ruhe. Iß und trink und lass dir’s wohl sein. Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern! Wem wird dann das gehören, was du auf gespeichert hast? So geht es dem, der für sich Schätze aufhäuft, statt reich zu werden bei Gott“(Lk 12,16-21).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 17):

Ein Gespräch zwischen Jesus und seinem Jünger:

Mein Kind, lass mich mit dir schalten, wie ich will, denn ich weiß, was dir gut ist. Du denkst wie ein Mensch und urteilst von vielen Dingen, wie es dir deine menschliche Neigung eingibt.

Herr, es ist, wie du sagst. Du sorgst weit mehr für mich, als ich selbst für mich sorgen kann. Und wer nicht all sein Sorgen in deinen Schoß niederlegt, der steht auf einem Grunde, der unter seinen Füßen gar zu sehr schwankt. Herr, wenn mein Wille nur immer gerade zu dir hingerichtet ist und in dieser geraden Richtung fest bleibt – alles Übrige sei dir anheimgestellt.

Mache mit mir, wie es dir gefällig ist. Denn was du mit mir machst, das kann nicht anders als gut sein. Wenn du willst, dass Finsternis um mich her werde, so preise ich dich im Finstern und wenn du willst, dass Licht um mich her werde, so preise ich dich auch im Lichte.

Ich preise dich, wenn du mich eines Trostes würdigst und wenn du Trübsal über mich kommen lässt, so preise ich dich auch in der Trübsal.

Mein Kind, so musst du gesinnt sein, wenn du mit mir wandeln willst. Gleich schnell zum Leiden musst du sein wie zur Freude; so willig zur Armut und Dürftigkeit wie zur Fülle und zum Reichtum.

Herr, ich will um deinetwillen gern leiden, was du über mich kommen lassen wirst. Gleichmütig will ich von deiner Hand annehmen Gutes und Böses, Süßes und Bitteres, Freudiges und Trauriges und dir danken für alles, was mir begegnet.

Bewahre mich vor aller Sünde. Dann fürchte ich Tod und Hölle nicht. Wenn nur du mich nicht weg wirfst, du mich nicht auslöschest aus dem Buche des Lebens – und das tust du nicht -, so kann mir von allen Trübsälen, die über mich kommen mögen, keine schaden.

 

Gebet:

Wir bitten, Herr, behüte deine Familie mit immer währender Vaterliebe und da sie allein auf die Hoffnung himmlischer Gnade sich stützt, so schirme sie allezeit und beschütze sie.

Deinen heiligen Namen, Herr, lass uns fürchten zugleich und allezeit lieben; denn nie entziehst du denen deine Führung, die du in deiner Liebe fest begründest. Amen

 

 

 

 

  1. Tag

Die letzten Dinge

 

Die Welt will nicht erinnert werden an die letzten Dinge, die doch für jeden die einzig unausweichliche Gewissheit sind. „Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben und darauf folgt das Gericht“(Hebr 9,27). Wie notwendig ist es darum, an diese Dinge zu denken, damit man ihnen gefasst entgegensehen kann und nicht unvorbereitet von ihnen überrascht wird!

 

Betrachtung:

„Das Kreuz“ – er soll es tragen, denn nichts ist so notwendig, so nützlich und so süß, nichts ist so ruhmreich, als für Jesus Christus zu leiden. Tatsächlich seid ihr alle Sünder, meine lieben Kreuzesfreunde. Nicht einer ist unter euch, der nicht die Hölle verdient und ich noch mehr als die anderen. Geschieht es in dieser, dann bleibt es uns in der anderen erspart.

Wenn Gott in dieser Welt unsere Sünden mit unserem Einverständnis bestraft, dann wird es eine Strafe der Liebe sein. Nicht die strenge Gerechtigkeit, sondern die Barmherzigkeit wird in dieser Welt walten und die Strafe bestimmen. Sie wird leicht und vorübergehend sein, sie wird uns Süßigkeit und Verdienste bringen und der Lohn wird ihr folgen in Zeit und Ewigkeit. Wenn aber die notwendige Strafe für die andere Welt aufgespart wird, dann wird Gottes rächende Gerechtigkeit die Sünder mit Feuer und Schwert heimsuchen und die Strafe vollziehen. Schrecklich wird diese Strafe sein, ohne Linderung, ohne Verdienst, ohne Grenzen und ohne Ende. Ja, ohne Ende! Diese Todsünde, die du ein einem Augenblick begangen hast, dieser vorsätzlich böse Gedanke, an den du dich nachher kaum mehr erinnert hast, dieses Vergehen gegen Gottes Gesetze, das von so kurzer Dauer war, all das wird eine Ewigkeit lang bestraft werden, so lange Gott noch Gott ist. Leiden auf immer, ohne Verdienst, ohne Erbarmen, ohne Ende!

Denken wir wohl daran, meine lieben Brüder und Schwestern, wenn wir in dieser Welt irgendein Weh erdulden? Wie sind wir doch glücklich, durch das geduldige Tragen dieses Kreuzes die ewige, fruchtlose Pein für eine vorübergehende und verdienstliche eintauschen zu dürfen! Wie viele unbezahlte Schulden haben wir? Wie viele Sünden haben wir begangen, die wir trotz bitterer Reue und ehrlicher Beichte lange Zeit im Fegefeuer werden sühnen müssen, weil wir uns in dieser Welt mit ein paar nichtssagenden Bußwerken begnügt haben! Bezahlen wir doch in dieser Welt unsere Schulden freiwillig und tragen wir unser Kreuz. In der anderen Welt muss alles, selbst noch jedes müßige Wort, genauestens bis zum letzten Heller bezahlt werden. Könnten wir dem Satan nur das Buch des Todes entreißen, in dem er alle unsere Sünden vermerkt hat und die Strafen, die sie verdienen; welch ein gewaltiges Soll fänden wir in unserer Rechnung und wie würden wir lieber jahrelang hienieden leiden als nur einen Tag in der anderen Welt!

Erhebt euren Blick zu der herrlichen Krone, die euch im Himmel erwartet, wenn ihr euer Kreuz gut tragt. Diese Belohnung war es, die die Patriarchen und Propheten in ihrem Glauben und inmitten aller Verfolgungen aufrechterhielt, die den Aposteln und Märtyrern Mut gab in ihren Mühen und Qualen. „Lieber wollen wir mit dem Gottesvolk leiden, um ewig mit ihm glücklich zu sein, als auch nur einen Augenblick lang eine sündige Freude zu genießen“, so sagten die Patriarchen mit Moses. Die Propheten sprachen mit den Worten Davids: „Wir erleiden große Drangsal in der Hoffnung auf den Lohn.“ Die Apostel und die Märtyrer aber sprachen mit dem heiligen Paulus: „Wir sind todgeweihte Schlachtopfer, ein Schauspiel für die Welt, für Engel und Menschen durch unsere Leiden, der Abschaum und Auswurf der Welt, wegen des unendlichen Gewichtes der ewigen Herrlichkeit, das ein Augenblick leichter Leiden in uns wirkt.“

Blicken wir nach oben, wo die Engel uns zurufen: „Gebt acht, dass ihr nicht die Krone verliert, die euch bestimmt ist, wenn ihr das euch auferlegte Kreuz gut tragt. Wollt ihr es nicht auf euch nehmen, dann wird ein anderer es tun und euch so die Krone rauben.“ – „Kämpft tapfer und leidet geduldig“, so rufen uns alle Heiligen zu, „und ihr werdet das ewige Königreich erlangen.“ Und hören wir schließlich noch Jesus Christus, der uns gesagt hat: „Ich werde meinen Lohn nur dem geben, der geduldig leidet und durch die Geduld siegt.“

Dann blicken wir auch hinab in die Hölle, an den Platz, den wir verdient haben und der uns dort erwartet zur Seite des bösen Schächers und der Verdammten, wenn wir leiden wie sie, mit Gedanken der Auflehnung, des Trotzes und der Rache. Und dann rufen wir wie der heilige Augustinus: „O Herr, brenne, schneide, kreuzige in diesem Leben zur Strafe für meine Sünden, doch schone meiner in der Ewigkeit.“

Jesus mahnt zum Bereitsein: „Wie in den Tagen des Noes, so wird es sein bei der Wiederkunft des Menschensohnes. In den Tagen vor der Sintflut schmausten und tranken sie, nahmen zur Ehe und gaben zur Ehe bis zu dem Tage, da Noe in die Arche ging; und sie kamen nicht zur Einsicht, bis die Sintflut herein brach und alle hinwegraffte. Gerade so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird aufgenommen, der andere bleibt zurück. Zwei Frauen werden auf einer Mühle mahlen: die eine wird aufgenommen, die andere bleibt zurück. Seid also wachsam; denn ihr wisst nicht den Tag, an dem euer Herr kommt. Das aber beachtet: Wenn der Hausvater wüsste, zu welcher Stunde der Nacht der Dieb kommt, so würde er sicher wachen und ließe ihn nicht in sein Haus einbrechen. Darum haltet auch ihr euch bereit; der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet“(Mt 24,36-44).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 23):

Schnell und schneller als du es glaubst, wird es mit dir hienieden geschehen sein. Darum sei nicht mit dir zufrieden, bis du ein anderer Mensch geworden bist. Denn siehe, heute noch ist der Mensch, und morgen ist er nicht mehr. Und ist er einmal aus den Augen der Welt, so ist er auch schnell aus ihrem Andenken dahin. Wie ist doch das Herz des Menschen so verstockt, so abgestumpft sein Gefühl, dass er, angeklammert an die Gegenwart, nicht hinaus blicken mag auf die Zukunft! Alles, was du denkst und tust, alles soll so gedacht und so getan werden, als wenn du heute noch sterben müsstest. Wenn du wirklich ein gutes Gewissen hättest, so würdest du nicht sonderlich vor dem Tode zittern. Immer besser, die Sünde meiden, als den Tod fürchten. Und wenn du heute nicht bereitet bist, wie wirst du es morgen sein? Der morgige Tag ist ein ungewisser Tag und wer hat es dir denn verbürgt, dass du ihn noch erleben wirst? Was nützt es dir, lange zu leben, wenn dein Eifer, besser zu werden, von so kurzer Dauer und so geringer Wirkung ist? Ach, ein langes Leben macht den Menschen nicht immer besser, macht die Zahl seiner Schulden nur größer. Hätten wir doch hier auf Erden auch nur einen Tag recht gut gelebt! Es gibt Leute, die von ihrer ersten Bekehrung an die Jahre fleißig zählen; aber so groß diese Jahreszahl immer sein mag, die Frucht der Bekehrung ist doch sehr gering. Wenn es für dich so schrecklich ist, jetzt zu sterben, so ist es vielleicht noch gefährlicher, länger zu leben. Selig, wer die Stunde des Todes immer vor Augen hat und sich täglich zum Sterben rüstet! Wenn du einen Menschen sterben siehst, so sprich zu dir: Diesen Weg muss ich auch gehen. Wenn die Morgenstunde kommt, so rechne darauf, dass du vielleicht die Abendstunde nicht mehr erlebst. Und wenn die Abendstunde da ist, so wage es nicht, dir noch die Morgenstunde zu versprechen. So sei denn immer bereitet und lebe so, dass dich der Tod nie unvorbereitet finden, nie überraschen kann.

Es sterben doch so viele, ehe sie es vermuten und recht ungefragt dahin. Der Menschensohn kommt auch in dem Sinne zur Stunde, wo man es nicht glaubt. Wenn deine letzte Stunde wird gekommen sein, dann wirst du dein vergangenes Leben ganz in einem andern Lichte sehen, und es wird dir dein Herz zerreißen, dass du im Guten so nachlässig und lau gewesen bist.

Wie selig und klug ist doch der Mensch, der keine andere Sorge kennt, als so zu leben, wie er im Tode wünschen wird, gelebt zu haben! Denn die Lüste der Welt standhaft verschmähen, in allen Tugenden mit Eifer vorwärts dringen, Zucht und Ordnung lieb haben, in strenger Buße und in hurtigem Gehorsam, in Verleugnung seiner selbst und in Erduldung alles Widrigem aus Liebe zu Jesus ausharren, das gibt Mut und Zuversicht, selig zu sterben. In gesunden Tagen kannst du viel Gutes tun; was du aber in kranken Tagen ausrichten wirst, davon habe ich keinen Begriff; krank sein macht wenig Menschen besser, viel Wallfahrten selten heilig.

Baue doch dein Heil nicht auf die ungewisse Zukunft und verlass dich nicht auf deine Freunde und Verwandten; denn die Menschen werden deiner ungleich früher und schneller vergessen haben, als du jetzt glauben kannst. Es ist besser, jetzt, da du noch Zeit dazu hast, dein Geschäft mit aller Vorsicht in Ordnung bringen und gute Werke vorausschicken, als auf fremde Hilfe warten.

Wenn du jetzt für dich selbst so unbesorgt dahin lebst, wer wird in Zukunft für dich besorgt sein? Jetzt ist köstliche Zeit, jetzt sind Tage des Heiles, jetzt ist Zeit der Gnade(vgl. 2 Kor 6,2).

Aber wehe, wenn du diese Zeit, in der du dir einen Schatz sammeln könntest, von dessen Früchten du die ganze Ewigkeit zu leben hättest, nicht besser anwendest! Du wirst vielleicht bald um die Frist eines Tages, einer Stunde bitten, um nicht ungebessert dahinsterben zu müssen und wer weiß, ob du sie erbitten wirst. Siehe doch, lieber Bruder, fass‘ es dir doch zu Herzen, wie groß die Gefahr, wie peinlich die Furcht ist, von der dich nur die sorgsame, stete Vorbereitung zum Tode freimachen kann! So lerne denn jetzt leben und so leben, dass dir die Todesstunde lieblich wird und mehr Freude als Schrecken für dich mitbringt. Lerne jetzt der Welt sterben, damit du im Tode mit Christus zu leben anfangen kannst. Lerne jetzt alles Vergängliche verschmähen, damit du alsdann, frei von allen Banden, zu Christus heimgehen kannst. Lass jetzt deinen Leib die Züchtigung der heiligen Buße fühlen, damit du ihn einst mit Zuversicht verlassen darfst. O du Tor! Was schmeichelst du dir mit der Hoffnung, lang zu leben, da du auch nicht auf einen Tag sichere Rechnung machen kannst? Wie viele haben sich mit falscher Hoffnung betrogen und mussten zur Stunde, die sie schon gar nicht für ihre letzte hielten, von dieser Welt abtreten! Wie oft hast du erzählen hören: dieser ist erstochen worden, jener ertrunken; dieser fiel vom Dach und brach sich den Nacken, jener starb bei Tisch, der beim Spiel; einen tötete das Feuer, den andern das Schwert, einen dritten die Seuche, einen vierten die Mörder! So sterben alle dahin und das Leben des Menschen geht wie ein Schatten vorüber. Wer wird deiner nach dem Tode noch gedenken? Wer für dich beten? O Freund! Jetzt, jetzt lege die Hand ans Werk und tue, was du tun kannst. Denn du weißt nie, wann du stirbst und was mit dir nach dem Tode geschieht. Jetzt, da du noch Zeit hast, jetzt sammle dir unsterbliche Reichtümer. Dein Heil sei dein liebster, dein einziger Gedanke, Gottes Reich deine erste Sorge. Jetzt mache dir die Heiligen Gottes zu Freunden, das heißt, verehre sie und lebe wie sie, damit sie dich in der Stunde deines Scheidens aus diesem Leben in die ewigen Hütten aufnehmen(Lk 16, 9). Sei du immer wie ein Fremdling und Gast auf Erden und sieh die Angelegenheiten der Welt für auswärtige Geschäfte an, die dich nichts angehen. Behalte dein Herz frei und in steter Richtung nach oben zu Gott; denn es ist für dich hienieden keine bleibende Stätte(vgl. Hebr. 13,14).

Dorthin, in dein Vaterland, sende täglich deine Tränen, Gebete und Seufzer voraus, damit ihnen einst dein Geist nach dem Tode selig nachfolge und zum Herrn heim geholt werden möge. Amen

 

 

 

 

 

Gebet:

Herr Jesus Christus, du bist aus dem Schoße des Vaters vom Himmel zur Erde gestiegen und hast dein kostbares Blut vergossen zur Vergebung unserer Sünden. Wir bitten dich demütig: Lass uns am Tage des Gerichtes zu deiner Rechten stehen und die Worte vernehmen: Kommet, ihr Gesegneten! Amen

 

 

Zweiter Abschnitt

Drei Wochen lang suchen wir, uns durch Maria mit Jesus Christus zu erfüllen

 

Erste Woche

Wir trachten nach Selbsterkenntnis

 

Der heilige Ludwig Maria sagt: „Während der ersten Woche sollen sie alle ihre Gebete und Frömmigkeitsübungen aufopfern, um Selbsterkenntnis und Reue über ihre Sünden zu erflehen; und sie sollen alles im Geiste der Demut tun.“

„Unsere besten Handlungen sind gewöhnlich verdorben durch unseren schlechten Kern…. durch die Erbsünde und die persönlichen Sünden…Wollen wir daher die Vollkommenheit erlangen, die man nur durch die Vereinigung mit Jesus Christus erringen kann, dann müssen wir das abstreifen, was in uns schlecht ist…

Wir beten zum Heiligen Geist um Erleuchtung mit den Worten: „Herr, mache, dass ich sehe“, oder „Herr, schenke mir Selbsterkenntnis“.

Dann nehmen wir unsere Zuflucht zur Mutter Gottes und bitten sie um diese große Gnade, welche die Voraussetzung für alle anderen Gnaden ist. Wir beten täglich das ´Meerstern`, die ´Lauretanische Litanei` und die `Litanei vom Heiligen Geist´.

Die Betrachtungen dieser Woche sollen die Verheerungen aufzeigen, welche die Sünde in unserer Seele angerichtet hat. Die Ganzhingabe an Maria ist zwar ein leichter, kurzer, sicherer und vollkommener Weg zur Vereinigung mit Jesus Christus, doch können wir diesen herrlichen Gnadenweg gar nicht betreten, ohne von unserem Elend und unserer Ohnmacht überzeugt zu sein.

 

Tagesordnung für die erste Woche:

Tägliche Gebete:

>>Litanei vom Heiligen Geist<<(siehe S. 244)

>>Meerstern, ich dich grüße<<(siehe S. 239)

>>Lauretanische Litanei<<(siehe S. 241)

Geistliche Übungen:

Betrachtung, Gewissenserforschung, Tugendübungen: Akte der Reue über unsere Sünden, Akte der Selbstverachtung; wir entsagen unserem Eigenwillen. Alles tun wir in Vereinigung mit Maria. Von ihr erhoffen wir das Licht der Selbsterkenntnis und zu ihren Füßen können wir unser tiefes Elend erkennen, ohne entmutigt zu werden.

 

Tägliches Gebet vor der Betrachtung in der ersten Woche:

O Maria, unbefleckte Braut des Heiligen Geistes, Mutter Jesu und meine Mutter, meine Herrin und Königin! Dir will ich mich ganz hingeben, durch dich ganz Jesus gehören. Erflehe mir Licht und Kraft vom Heiligen Geist, damit ich mich selbst erkenne und alle meine Sünden aus reiner Liebe zu Gott von Herzen bereue.

Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.

 

 

 

 

  1. Tag

Gewissenserforschung

 

Wir können den Weg zu Gott nicht ohne Selbsterkenntnis betreten. Wer sich Gott ganz hingeben will, muss zunächst wissen, was er in Wahrheit selber ist.

 

Betrachtung:

Meine lieben Freunde des Kreuzes, ist euer Tun, was euer erhabener Name sagt? Habt ihr wenigstens das wahre Verlangen und den festen Willen, mit der Gnade Gottes echte Kreuzesliebhaber zu werden im Schatten des Kreuzes auf Golgota und an der Seite der schmerzhaften Mutter? Macht ihr Gebrauch von den Mitteln, deren man zu diesem Zweck bedarf? Habt ihr den wahren Weg des Lebens betreten, den engen und dornigen Weg nach Golgota? Seid ihr nicht vielleicht unbewusst auf den breiten Weg der Welt geraten, der ins Verderben führt? Wisst ihr denn, dass es einen Weg gibt, der dem Menschen gerade und sicher erscheint und doch zum Tode führt? Unterscheidet ihr auch die Stimme Gottes und seiner Gnade von der Stimme der Welt und der Natur? Vernehmt ihr wohl die Stimme Gottes, unseres guten Vaters, der seinen dreifachen Fluch auf alle schleudert, die der Begierlichkeit der Welt folgen? Hört ihr, wie er euch mit ausgebreiteten Armen liebend entgegen ruft: „Sondere dich ab, mein erwähltes Volk, ihr geliebten Freunde des Kreuzes Christi. Sondert euch ab von den Weltkindern, die meine Allgewalt verflucht, die mein Sohn aus seiner Gemeinschaft ausgestoßen, die mein Heiliger Geist verdammt hat. Hütet euch wohl, ´dem Rate der Frevler zu folgen, den Weg der Sünder zu gehen und in ihrer Runde zu sitzen`(Ps 1,1). Entflieht aus dem großen und ruchlosen Babylon. Hört nur auf die Stimme meines geliebten Sohnes und folget seinen Spuren. Er ist für euch der Weg, die Wahrheit und das Leben. Er ist euer Vorbild, auf ihn sollt ihr hören. „Vernehmt ihr nicht den Heiland, der kreuzbeladen euch zuruft: „Folget mir nach; wer mir folgt, wandelt nicht in der Finsternis; habt Vertrauen, ich habe die Welt überwunden.“

Jesus Mahnung: „Richtet nicht! So werdet ihr nicht gerichtet. Denn das Urteil, das ihr fällt, wird über euch gefällt und mit dem Maße, mit dem ihr messt, wird euch gemessen werden. Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders und den Balken in deinem eigenen Auge beachtest du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken. Du Heuchler, zieh erst den Balken aus deinem Auge! Dann magst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst“(Mt 7,1-6).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch II, Kap. 5+6):

Wir dürfen uns selbst nicht zu viel trauen; denn oft fehlt uns die Gnade und der gerade Blick für die Dinge. Es flimmert ein kleines Licht in uns und dieses kleine Licht ist bald ausgelöscht, wenn wir es nicht mit besonderer Treue pflegen. Oft nehmen wir’ s auch nicht einmal wahr, dass wir im Innern gar so blind sind. Oft tun wir böses und machen das Böse, das wir getan haben, durch Entschuldigung noch böser. Oft treibt uns Leidenschaft und wir glauben, es sei frommer Eifer, was uns bewege. Geringe Fehler strafen wir an anderen sehr scharf und lassen große Fehler an uns ungestraft. Was wir von anderen aus zu stehen haben, das empfinden wir schnell genug und rechnen es hoch an. Aber was andere von uns aus zu stehen haben, das fassen wir nicht zu Herzen. Wer Lust hätte, das seine immer genau abzuwägen, dem würde alle Lust vergehen, das Fremde hart zu richten. Wer in sich für Gott zu leben weiß, der setzt die Sorge, in sich für Gott zu leben, allen anderen Sorgen vor. Und wer auf sich selbst ein wachsames Auge hält, dem wird es nicht schwer, bei fremden Fehlern stumm zu sein. Du wirst nie in dir für Gott leben lernen, nie ein innerer, andächtiger Mensch werden, wenn du nicht bei allem, was dich nicht angeht, stumm und für alles Fremde blind werden kannst, wenn du nicht immer auf dich siehst. Wenn aber dein ganzes Gemüt am liebsten nur in sich hinein und von da zu Gott aufschaue, dann würde das, was du von außen wahrnimmst, einen schwachen Eindruck auf dich machen. Sage mir, wo bist du denn, wenn du nicht bei dir selbst daheim bist? Und wenn du alle Welt durchlaufen und dein Heil versäumt hättest, was nützte dir all dies Laufen und Rennen? Wenn du Frieden haben und wahrhaftig eins mit dir und deinem Gott werden willst, so musst du alles Übrige gehen lassen und dich allein im Auge behalten. Du wirst viel, viel gewinnen, wenn du allen zeitlichen Sorgen Abschied geben und dich in dieser Abgeschiedenheit von allen zeitlichen Sorgen festhalten kannst. Wenn du aber etwas Zeitliches deiner Sorge würdig achtest, so wirst du krüppelig und ohnmächtig zum Guten werden. Arbeiten für das Zeitliche, das Zeitliche gebrauchen, vorsichtig, klug, sparsam mit dem Zeitlichen haushalten dürfen wir und nicht nur dürfen, wir sollen auch nach den Forderungen unseres Standes und Berufes für das Zeitliche arbeiten, dasselbe gebrauchen, mit demselben haushalten; aber das Gemüt soll sich nie in die stechenden Sorgen für das Zeitliche verwickeln, soll nur das Ewige seine höchste Angelegenheit sein und bleiben lassen. Ja, der Mensch darf, soll für das Zeitliche arbeiten, das Zeitliche gebrauchen; aber gerade in diesem Blumenkorb liegt die Schlange verborgen. Indem wir die Hand an den Pflug der Zeitlichkeit anlegen, legt sich das Herz mit an das Zeitliche und klammert sich immer fester daran und wird am Ende eins mit ihm, wird ganz zeitlich. Nichts soll in deinen Augen groß, nichts erhaben, nichts lieblich, nichts angenehm sein, außer Gott allein, oder was Gott nicht ist, nur um Gottes willen, von dem alles Gute kommt. Halte allen Trost, den dir ein Geschöpf darreichen kann, für eitel, für nichtig.

Eine Seele, die ihren Gott lieb hat, hält im Blick auf ihren Gott alle Dinge für nichts. Gott allein, der Ewige, der Unermessliche, der Allerfüllende, Gott allein ist der wahre Seelentrost, er allein die wahre Freude des Herzens.

Der Ruhm des guten Menschen ist das Zeugnis seines guten Gewissens(vgl. 2 Kor 1,12). Habe immer ein gutes Gewissen und du wirst immer Freude haben. Ein gutes Gewissen kann viele Lasten tragen und dann auch mitten in Trübsälen heiter sein. Aber ein böses Gewissen ist immer voll Furcht und Unruhe. Nie wird es dir an einem sanften Ruhekissen fehlen, wenn dich dein Herz nicht straft. Suche keine Freude außer im Recht tun, kein Wohlsein außer im Gutsein. Denn die Bösen haben keine wahre Freude und genießen nichts von dem inneren Frieden. Kein Friede den Gottlosen(vgl. Jes 57,21) spricht der Herr. Und wenn sie es noch so oft sagen: O ja, wir haben Frieden, über uns kommt kein Übel, wer sollte es wagen dürfen, uns wehe zu tun(vgl. Jer 5,12)? So glaube du ihnen nicht. Denn siehe! Schnell bricht der Zorn des Herrn herein und zu nichts wird all das Tun der Gottlosen und verloren auf immer sind alle ihre Anschläge. Wer die Liebe hat, wird es nicht schwer finden, sich sogar seiner Trübsal zu rühmen. Denn das heißt eigentlich seinen Ruhm im Kreuze Christi suchen. Flüchtig und unstet ist alle Ehre, die Menschen voneinander nehmen und Menschen einander geben. Die Ehre, die Menschen einander nehmen und Menschen einander geben. Die Ehre der Welt hat immer Angst und Traurigkeit in ihrem Gefolge.

Die Guten haben ihre Ehre in sich, in ihrem Gewissen, nicht außer sich in dem Munde der Menschen. Die Gerechten freuen sich nur in Gott und um ihres Gottes wegen; sie haben ihre Herzenslust an der Wahrheit. Wer die wahre, die unvergängliche Ehre sucht, der bekümmert sich nicht viel um die vergängliche. Und wer noch vergängliche Ehre sucht oder sie noch nicht von ganzem Herzen verschmäht, der beweist eben dadurch, dass ihm die unvergängliche Ehre noch nicht über alles lieb und teuer ist.

Große Seelenruhe hat der, welcher sich weder die Lobsprüche noch die Schmähworte nahe ans Herz gehen lässt. Wer ein reines Gewissen hat, der ist mit wenigem zufrieden und leicht zu begnügen. Du bist nicht besser, wenn man dich lobt und nicht schlechter, wenn man dich lästert. Was du bist, das bist du und alle Worte der Menschen können dich nicht größer reden, als du in dem Urteil Gottes wirklich bist. Wenn du nur darauf siehst, was du im Innern wirklich bist, so wird es dich nicht sonderlich kränken, was die Menschen von außen gern aus dir machen. Der Mensch sieht auf das Gesicht, Gott in das Herz(vgl. 1 Kg 16,7). Der Mensch legt nur auf die Waage, was die Menschen tun; Gott hat eine Waage für die Absicht, welche die Menschen treibt, das zu tun, was sie wirklich tun. Immer recht tun vor Gottes Auge und doch gering in seinem eigenen Sein, das ist der rechte Probestein einer demütigen Seele. Wenn du dir keinen Trost mehr von den Geschöpfen holen magst, so ist es ein sicheres Zeichen, dass dein Herz große Lauterkeit in sich hat. Wer kein Zeugnis von außen für sich aufsucht, der gibt zu verstehen, dass er sich ganz in die Hand Gottes gelegt hat. Denn nicht der ist ein bewährter Mann, der von sich selbst gut spricht, sondern der, für den sein Gott gut spricht, der ist wahrhaftig gut, wie der hl. Paulus lehrt(vgl. 2 Kor 10,18).

Im Innern mit Gott freien Umgang haben und in diesem freien Umgang sich durch keine Neigung nach außen stören lassen, darin besteht das Leben des innerlichen Menschen.

 

Gebet:

O Gott, jedes Herz liegt vor dir offen, jedes Wollen spricht laut zu dir und kein Geheimnis ist dir verborgen; läutere durch die Eingießung des Heiligen Geistes die Gedanken unseres Herzens, auf dass wir die Gnade erlangen, dich vollkommen zu lieben und gebührend zu loben. Amen

 

 

  1. Tag

Unsere Verderbtheit

 

Im Lichte des Heiligen Geistes erkennen wir unsere Sündhaftigkeit. Vergessen wir aber nicht, dass diese Erkenntnis auch eine Gnade ist, um die wir ständig beten müssen.

 

 

 

Betrachtung:

Unsere besten Handlungen werden gewöhnlich befleckt und verdorben durch den schlechten Kern, der in uns steckt. Wenn man reines und klares Wasser in ein übel riechendes Gefäß gießt, oder Wein in ein Fass, dessen Innenwände verunreinigt sind von einem anderen Wein, der darin war, dann wird das klare Wasser und der gute Wein dadurch verdorben und nimmt leicht den schlechten Geruch an. Ebenso geht es, wenn Gott in unsere von der Erbsünde und von persönlichen Sünden verdorbene Seele seine Gnaden und seinen himmlischen Tau oder den köstlichen Wein seiner Liebe gießt: seine Gaben werden gewöhnlich verdorben und verunreinigt durch den üblen Bodensatz und schlechten Kern, den die Sünde bei uns zurückgelassen hat; unsere Handlungen, ja selbst die erhabensten Tugenden kranken daran. Wollen wir daher die Vollkommenheit erlangen, die man nur durch die Vereinigung mit Jesus Christus erringen kann, dann müssen wir das abstreifen, was in uns schlecht ist. Sonst wird der Heiland, der unendlich rein ist und den kleinsten Makel in der Seele unendlich verabscheut, uns aus seinen Augen verstoßen und sich nicht mit uns vereinigen.

Um leer zu werden von uns selbst, müssen wir im Lichte des Heiligen Geistes zunächst erkennen, wie schlecht wir im Grunde sind, wie unfähig zu allem, was unserem Heile dient, wie schwach in allen Dingen, wie unbeständig zu allen Zeiten, wie unwürdig jeder Gnade und wie böse überall. Die Sünde unseres Stammvaters hat uns fast gänzlich verdorben, sie hat uns durchsäuert, aufgebläht und unser Wesen verändert, so wie die Hefe den Teig durchsäuert, aufgebläht und innerlich verändert. Die persönlichen Sünden, die wir begingen, haben unsere Begierlichkeit, unsere Schwachheit, unsere Unbeständigkeit und Verderbtheit noch erhöht und üble Spuren in unserer Seele zurückgelassen. Unser Anteil ist nichts als Hochmut und Verblendung im Geiste, Verhärtung im Herzen, Schwachheit und Unbeständigkeit in der Seele, Begierlichkeit, rebellische Leidenschaften und Krankheiten im Leib. Soll man sich da wundern, wenn der Heiland gesagt hat, wer ihm folgen wolle, müsse sich selbst entsagen und die eigene Seele hassen? Wer seine Seele liebe, der werde sie verlieren und wer sie hasse, der werde sie retten.

Der Apostel Paulus über die menschliche Verderbtheit: „Wir wissen, dass das Gesetz geistig ist: Ich aber bin fleischlich, an die Sünde verkauft. Ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will(das Gute), sondern ich vollbringe, was mir verhasst ist(das Böse). Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so gebe ich damit dem Gesetz Recht, dass es gut ist. Dann aber handle nicht mehr ich, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Ich bin mir ja bewusst, dass in mir, das heißt in meinem Fleische, nicht das Gute wohnt. Der Wille zum Guten ist zwar da, aber es fehlt am Vollbringen. Ich tue eben nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Und so finde ich das Gesetz vor: wenn ich das Gute tun will, liegt mir das Böse näher. Dem inneren Menschen nach habe ich zwar Freude am Gesetz Gottes. Aber ich nehme in meinen Gliedern ein anderes Gesetz wahr, das im Streite liegt mit dem Gesetz meines Geistes. Es macht mich zum Gefangenen unter dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern herrscht.

Ich unglückseliger Mensch! Wer erlöst mich von diesem todgeweihten Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Somit diene ich für mich dem Geiste nach dem Gesetz Gottes, dem Fleische nach aber dem Gesetz der Sünde“(Röm 7,14-25).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 20):

Ich will wider mich selbst ein Zeugnis ablegen, will mein Unrecht gestehen(vgl. Ps 31,5), will meine Schwachheit vor dir, o Gott, bekennen.

Oft ist es eine Kleinigkeit, die mich mutlos und traurig macht. Jetzt fasse ich den Entschluss, mich tapfer zu wehren wider alles Böse; aber siehe, gleich darauf tritt eine geringe Versuchung herein und ich bin schon in großem Gedränge. Manchmal ist es etwas Unbedeutendes, woraus eine heftige Anfechtung für mich entsteht. Und wenn ich mich ein wenig sicher glaube, so rauscht, ehe ich mich’s versehe, ein leichter Windstoß daher und wirft mich samt all meiner Sicherheit zu Boden. So siehe denn herab, o Herr, auf meine Niedrigkeit und Gebrechlichkeit, die dir noch besser als mir bekannt ist. Erbarme dich meiner und reiß mich heraus aus dem Schlamm, dass ich nicht noch tiefer hinein sinke und vollends darin versinke(vgl. Ps 68,5). Ach, das ist es eben, was mich so oft vor deinem Auge zu Schanden macht und tief verwundet, dass ich so gar gebrechlich bin, so ohnmächtig, den bösen Neigungen Widerstand zu tun. Und wenn ich auch dem Reize zum Bösen die volle Einstimmung meines Willens versage, so ist es für mich doch lästig und peinlich, dass der Reiz zum Bösen mich immer und immer verfolgt und in die Enge treibt. Es ist doch verdrießlich, täglich in lauter Zank und Streit leben müssen mit mir selbst und wider mich selbst. Auch dadurch offenbart sich mir meine Schwachheit, dass die schändlichen Vorstellungen von verbotener Lust viel leichter in meine Einbildungskraft eindringen, als sich wieder daraus vertreiben lassen.

Gott Israels, du starker, du heiliger Freund aller Seelen, die mit treuer Liebe dir anhängen! Ach, dass du herunter sähest auf die Arbeiten und Kämpfe deines Knechtes und ihm in allem, was er unternimmt, zur Seite stündest!

Salbe mich mit himmlischer Kraft, damit der alte Mensch, das Fleisch, das der Geist noch nicht vollkommen unter das Joch gebracht hat, nicht wieder die Oberherrschaft erlange – das Fleisch, gegen das mein Kampf nicht früher aufhören darf als mein Aufenthalt in diesem Lande des Jammers. Was ist doch das für ein Leben, wo es nie an Trübsal und Elend fehlt, wo überall Schlingen und Feinde genug auf unsern Untergang lauern? Denn wenn eine Trübsal oder Versuchung fortgeht, so zieht schon wieder eine andere auf den Kampfplatz und oft, indem wir noch mit einer im Streite liegen, fallen uns schon mehrere andere in den Rücken, ehe wir uns ihrer versehen konnten.

Und wie ist es möglich, ein Leben lieb zu haben, das uns mit so viel Bitterkeit, Trübsal und Jammer überschüttet? Wie kann man auch ein Leben, das so mancherlei Seuchen und Tod und wieder Tod erzeugt, ein Leben nennen? Und doch verlieben sich so viele Menschen in dieses Leben und suchen ihre ganze Freude darin. Zwar fehlt es nicht an Menschen, die die Welt tapfer ausschelten, dass sie voll Lug und Trug stecke. Allein ihr Herz bleibt doch an der lug- und trugvollen Welt hängen, weil es die herrschenden Lüste des Fleisches so fest daran klammern. Es treibt sie nämlich etwas anderes zur Weltliebe und wieder etwas anderes zur Weltverachtung. Zur Weltliebe treiben sie Fleischeslust, Augenlust und Hoffart des Lebens(vgl. 1 Joh 2,16). Der Jammer aber und die Strafen, womit die Weltliebe ihre Freunde nach dem Gesetze der Gerechtigkeit züchtigt, treiben sie zum Hasse der Welt und zum Überdruss an der Welt. Doch dauert dieser Hass und Überdruss nicht lange. Eine schnöde Lust söhnt ein Herz, das im Grunde doch noch an der Welt hängt, wieder mit der Welt aus und es meint, der Aufenthalt in diesem Dorngestrüpp sei ein Vergnügen(vgl. Job 30,7), weil es die Süßigkeit, die Gott seinen Freunden gewährt, noch nie gekostet und die innere Schönheit der Tugend noch nie erblickt hat.

Die aber die vergänglichen Dinge vollkommen verschmähen und in heiliger Zucht ihrer Sinne und Neigungen ihrem Gott allein zu leben suchen, diese kennen die innere Süßigkeit des göttlichen Friedens, welcher der wahren Selbstverleugnung verheißen ist, aus Erfahrung; diese sehen es heller als andere ein, wie schrecklich die Täuschungen der Welt und wie mannigfaltig ihre Blendungen sind.

 

Gebet:

Gewähre, wir bitten, allmächtiger Gott, dass die Würde der menschlichen Natur, die durch die Unmäßigkeit verletzt ist, durch den Eifer in der heilsamen Enthaltsamkeit wiederhergestellt werde. Dein Erbarmen, Herr, tilge alles aus, was noch vom alten, sündigen Menschen heimlich in uns steckt und mache uns fähig und bereit, das neue heilige Leben aufzunehmen. Amen

 

 

 

 

 

  1. Tag

Inneres Sterben

 

So notwendig und heilsam das innere Sterben ist, seien wir uns bewusst, dass es nicht Selbstzweck ist. Das Schlechte und Sündhafte in uns soll vernichtet werden, um Raum zu schaffen für das Bessere, nämlich für den neuen Menschen, der nach dem Bilde Christi geschaffen ist.

 

Betrachtung:

Seid überzeugt, dass alles in uns verderbt ist durch die Sünde Adams und durch unsere persönlichen Sünden und zwar nicht nur die körperlichen Sinne, sondern auch alle unsere seelischen Kräfte. Wenn daher unser sündiger Geist irgendeine Gabe Gottes in uns mit Überlegung und Selbstgefälligkeit betrachtet, dann wird diese Gabe, diese Handlung, diese Gnade ganz befleckt und verdorben und Gott wendet seine Augen davon ab. Wenn schon Gedanken des menschlichen Geistes so die besten Werke und die göttlichsten Gaben verderben, was sollen wir da erst von den Äußerungen des Eigenwillens sagen, die noch verderbter sind als bloße Gedanken? Darum darf man sich nicht wundern, wenn es Gott gefällt, die Seinen „im Schirm seines Angesichtes“ zu verbergen, damit sie nicht von den Blicken der Menschen noch von ihrer eigenen Erkenntnis befleckt werden. Und was tut dieser eifersüchtige Gott nicht alles, um sie zu verbergen! Wie viele Demütigungen schickt er ihnen! In wie viele Fehler lässt er sie fallen! Von welchen Versuchungen lässt er sie überfallen, so wie den hl. Paulus! In welcher Unsicherheit, in welchem Dunkel, in welcher Ratlosigkeit lässt er sie! Wie wunderbar ist doch Gott in seinen Heiligen und in den Wegen, die er einschlägt, um sie zur Demut und zur Heiligkeit zu führen!

Der heilige Paulus über das innere Sterben mit Christus: „Wir wissen ja, dass unser alter Mensch ans Kreuz geschlagen wurde, damit der sündige Leib vernichtet wird und wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. Wer gestorben ist, ist von der Sünde befreit. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, auch an seinem Leben teilzunehmen. Wissen wir doch, dass Christus, von den Toten auferstanden, nicht wieder stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Mit seinem Tod ist er ein für allemal tot für die Sünde, mit seinem Leben aber lebt er nur für Gott. So betrachtet auch ihr euch als solche, die tot sind für die Sünde, die aber leben für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn. Darum darf nicht mehr die Sünde in eurem sterblichen Leib herrschen, dass ihr seinen Gelüsten folgt. Stellt eure Glieder nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit in den Dienst Gottes als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind. Gebt eure Glieder Gott als Werkzeuge der Gerechtigkeit hin. Denn die Sünde darf keine Macht über euch haben…“(Röm 6,6-14).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 50):

Mein Gott und Herr! Heiliger Vater! Dir sei Lob und Preis jetzt und in alle Ewigkeit, denn wie du wolltest, so geschah es und was du tust, ist alles wohl getan. In dir suche dein Knecht seine Freude, nicht in sich und in keinem andern Geschöpfe; denn du allein bist die wahre Freude, du meine Hoffnung und Krone, du meine Ehre und Seligkeit. Was hat doch dein Knecht, das er nicht von dir empfangen(vgl. 1 Kor 4,7) und auch ohne sein Verdienst empfangen hätte? Dein ist alles, was du gegeben und was du getan hast. Arm bin ich und Plag und Mühe wuchs mit mir von Jugend auf(vgl. Ps 87,16). Oft habe ich tiefen Kummer im Herzen und Tränen im Auge; oft machen mich herannahende Leiden uneins mit mir. Mein ganzes Herz sehnt sich jetzt doch nur nach einer Freude, sie heißt Ruhe und Friede. Ich flehe um eine Gnade zu dir, sie heißt Ruhe und Friede deiner Kinder, die in deinem Lichte und auf der Weide deines Trostes wandeln. Wenn du mir diesen Frieden, diese heilige Freude schenkst, o dann wird die Seele deines Dieners, zu deinem Liebe geweiht, lauter Lobgesang sein. Aber wenn ich dich aus dem Herzen, dein Licht aus dem Auge verliere, wie es oft geschieht, dann bin ich ohnmächtig, kann nicht mehr auf dem Wege deiner Gebote so munter fortlaufen(vgl. Ps 118,32), muss nur hin sinken auf meine Knie und an meine Brust schlagen. Dann ist es in meinem Herzen ganz anders, als es gestern und vorgestern war, da noch dein Licht über meinem Haupt glänzte, da mich noch der Schatten deiner Flügel vor den eindringenden Versuchungen schützte(vgl. Hiob 29,3). Vater, gerechter, ewig alles Lobes würdiger Vater! Sie ist gekommen, die Prüfungsstunde für deinen Knecht. Vater, ewig aller Anbetung würdiger Vater! Sie ist gekommen, die Stunde, die du von Ewigkeit her voraus sahst, die du kommen ließest, damit dein Knecht im Äußerlichen auf eine kurze Zeit unterliege, im Innwendigen aber sich stets aufrecht halte, aufrecht vor dir, in deinem heiligen Auge! Eine kurze Weile soll dein Knecht von Menschen gering geachtet, erniedrigt, in den Staub gedrückt und von Leiden und Schwachheiten gleichsam zu Staub zermalmt werden, damit er, wenn das Morgenrot deines Lichtes anbricht, mit dir wieder herrlich auferstehe und in dem himmlischen Vaterlande neu verherrlicht werde. Vater, heiliger Vater! Du hast es so geordnet, dein Wille hat es so geboten und es ist geschehen, was du geordnet, was du geboten hast. Denn dein Freund sieht es als eine Gnade an, in dieser Welt um deines Namens willen sich drücken und drängen zu lassen, so oft und durch wen er immer gedrückt und gedrängt werden mag. Denn aller Druck und Drang steht unter deiner Zulassung. Ohne deinen Ratschluss, ohne deine Vorsehung und ohne Ursache geschieht doch nichts auf Erden(vgl. Hiob 5,6). Und ich kann mit David sagen: Herr, es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine gerechten Führungen kennen lerne(vgl. Ps 118,71) und alle hochmütigen Anschläge, alle Anmaßungen meines eitlen Herzens wegwerfe. Wohl mir, dass Schande mein Angesicht bedecke(vgl. Ps 68,8). Denn das nötigte mich, mehr bei dir als bei Menschen Trost zu suchen. Ich habe noch etwas aus dieser Trübsal gelernt, dies nämlich: im heiligen Schauer auf zu schauen zu deinen unerforschlichen Gerichten, denn deine Züchtigung schlägt den Gerechten wie den Ungerechten, aber jeder Schlag ist Gerechtigkeit und Liebe. Ich danke dir, dass du meiner Sünden nicht geschont, sondern meinen harten Sinn mit herben Schlägen weich und mürbe gemacht hast, indem du viele schmerzhafte Leiden über mich und mich selbst in ein Angstgedränge von innen und außen hast kommen lassen. Es ist doch von allen Dingen unter der Sonne keines, das mich trösten könnte. Du allein, mein Gott, du allein kannst mich trösten; du bist der himmlische Seelenarzt, du schlägst und heilst, du führst in die Grube hinab und wieder herauf(vgl. 1Kg 2,6. Tob 13,2); deine Hand, die mich züchtigte, schwebt noch über mir, und deine Zuchtrute wird meine beste Lehrmeisterin sein(vgl. Ps 17,36).

Lieber Vater! Siehe hier, ich bin in deiner Hand; tief gebeugt unter deiner Rute unterwerfe ich mich deiner Züchtigung. Schlage, schlage auf meinen Rücken und Nacken zu, bis sich mein starrsinniger, unbeugsamer Wille endlich ganz an deinen Willen ergeben hat. Lass nicht ab, an mir zu bilden, bis du mich zu einem frommen, demütigen Schüler ausgebildet hast, der dir auf jeden Wink gehorcht; denn das ist deine Weise, die Menschen zu erziehen. Ich gebe mich und all das Meine ohne Ausnahme in deine Schule, damit du alles besser machst, als es ist. Denn es ist wahrhaft besser, hier in deine Zucht genommen werden als dort in der Ewigkeit. Du weißt alles und jedes und das Verborgenste im Gewissen der Menschen ist unverborgen vor dir. Was kommen wird, das liegt hell vor deinem Blick, ehe es kommt und du hast nicht nötig, dass dir jemand etwas von dem, was auf Erden geschieht, erzähle oder in dein Andenken bringe. Du weißt, was mir im Guten weiter fort hilft und wie viel die Trübsal beiträgt, den Rost meiner Sünden aus zu fegen. So mach es denn mit mir nach deinem heiligen Wohlgefallen und siehe mit dem Blicke deiner Gnade auf mein Leben, das voll Sünden und in seiner ganzen Sündhaftigkeit dir am besten bekannt ist. Lehre mich, o Herr, das wissen, was ich wissen, das lieben, was ich lieben soll, das leben, was deinen Beifall, das oben ansetzen, was bei dir den ersten Platz hat, das hochachten, was in deinen Augen hochachtungswert, das verachten, was in deinem Auge verächtlich ist. Lass mich nicht nach dem bloßen Augenschein urteilen und auch nicht nach dem Hörensagen unerfahrenen Leuten irgendein Urteil nachsprechen(vgl. Jes 11,3); lehre mich vielmehr das Sichtbare von dem Unsichtbaren, das Sinnliche von dem Geistigen nach der Wahrheit unterscheiden und vor allem deinem heiligen Willen überall nachforschen. Denn der Sinn der Menschen täuscht sich oft, und sein Urteil, das er für reine Wahrheit hält, ist eitel Wahn. Die Freunde der Welt sind aber unter allen Menschen am meisten der Täuschung preisgegeben, weil sie nur das Sichtbare lieben und diese Liebe des Sichtbaren über das Unsichtbare urteilen lassen. Ist der Mensch deshalb besser, weil ihn andere höher schätzen? Der Falsche betrügt den Falschen, der Eitle den Eitlen, der Blinde den Blinden, der Kranke den Kranken, wenn er ihn lobt und oben ansetzt. Ein falscher Lobspruch, den die Eitelkeit ausspricht, ist weiter nichts als eine wahre Beschimpfung des Menschen. Kurz, was der Mensch in Gottes Augen ist, das ist er und mehr ist er nicht, sagt der demütige hl. Franziskus.

 

 

Gebet:

Wir bitten dich Herr, säubere uns von allem, was noch vom alten Menschen in uns ist und wandle uns um in eine neue Schöpfung. Wir bitten dich, o Herr, suche uns heim und reinige unser Inneres, damit unser Herr Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Kommen eine Wohnstätte in uns für dich bereitet finde. Amen

 

 

 

  1. Tag

Eigenliebe

 

Wenn ich mich hinwenden will zu Gott, muss ich mich notwendigerweise abwenden von mir selbst. Wie stark hängen wir doch an unserem eigenen Ich und wie schwer ist es, sich von ihm zu lösen! Wer aber den ernsten Willen dazu hat, dem hilft Gott mit seiner Gnade.

 

Betrachtung:

Seid überzeugt, dass alles in uns verderbt ist durch die Sünde Adams und durch unsere persönlichen Sünden und zwar nicht nur die körperlichen Sinne, sondern auch alle unsere seelischen Kräfte. Wenn daher unser sündiger Geist irgendeine Gabe Gottes in uns mit Überlegung und Selbstgefälligkeit betrachtet, dann wird dieses Gabe, diese Handlung, diese Gnade ganz befleckt und verdorben und Gott wendet seine Augen davon ab. Wenn schon Gedanken des menschlichen Geistes die besten Werke und die göttlichsten Gaben verderben, was sollen wir da erst von den Äußerungen des Eigenwillens sagen, die noch verderbter sind als bloße Gedanken? Darum darf man sich nicht wundern, wenn es Gott gefällt, die Seinen im „Schirm seines Angesichtes“ zu verbergen, damit sie nicht von den Blicken der Menschen noch von ihrer eigenen Erkenntnis befleckt werden. Und was tut dieser eifersüchtige Gott nicht alles, um sie zu verbergen! Wie viel Demütigungen schickt er ihnen! In wie viele Fehler lässt er sie fallen! Von welchen Versuchungen lässt er sie überfallen, so wie den hl. Paulus! In welcher Unsicherheit, in welchem Dunkel, in welcher Ratlosigkeit lässt er sie! Wie wunderbar ist doch Gott in seinen Heiligen und in den Wegen, die er einschlägt, um sie zur Demut und zur Heiligkeit zu führen!

Worte des Herrn: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es für sich allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht. Wer sein Leben lieb hat, verliert es; wer dagegen sein Leben in dieser Welt hasst, wird es für das ewige Leben retten. Wer mir dienen will, der folge mir. Wo ich bin, da soll auch mein Diener sein. Wer mir dient, den wird mein Vater verherrlichen“(Joh 12,24-26).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 27):

Mein Kind, du musst alles für alles hingeben, musst nichts mehr für dich und alles für mich sein. Glaube doch meinem Worte: Kein Ding auf Erden schadet dir mehr als du selbst mit deiner Liebe zu dir. Denn eine jede Sache hängt nur insofern an dir, insofern du mit Neigung und Liebe an ihr hängst.

Ist deine Liebe rein, einfältig und wohlgeordnet, so kann dich kein Ding gefangen nehmen. Nähre keine Begierde nach dem, was du nicht besitzen darfst und ringe nicht nach dem Besitze dessen, was dir zum Anstoß werden und die innere Freiheit rauben kann. Es ist doch sonderbar, dass du nicht dich und alles, was du hast oder haben willst, in meinen Schoß wirfst und mit dem tiefsten Grundes deines Herzens darin ruhen magst. Warum lässt du eitlen Kummer an deinem Herzen nagen, warum unnütze Sorgen dein Herz drücken? Steh wie ein Mann bereit, dich nur nach meinem Wohlgefallen zu bewegen, dann wird dir in aller Welt nichts schaden können. Wenn du aber bald dies, bald jenes Gut suchst, bald da, bald dort sein möchtest und überall nur auf deinen Nutzen, auf Befriedigung deiner Neigung siehst, so wirst du niemals ruhig werden, vielmehr die Sorge, die dich unruhig macht, mit dir überall hinbringen. Denn an jeder Sache wirst du einen Fehler und an jedem Ort einen Menschen finden, der sich deiner Neigung wiedersetzt. Also das hilft dir nicht zum inneren Frieden, dass du irgendeine Sache außer dir bekommen oder vermehrt hast; sondern das hilft zum Frieden, dass du diese Sache verschmäht und die Neigung dazu aus deinem Herzen mit der Wurzel ausgerissen hast. Und dies gilt nicht nur von Geld und Reichtum, sondern auch von jedem ehrgeizigen Streben nach Ansehen und eitlem Lobe und von allem, was mit dieser vergänglichen Welt vergeht.

Die Abgeschiedenheit des Ortes schützt dich nicht, wenn dich die heilige Flamme des Geistes nicht bewahrt. Und der Friede, den du im Äußern suchst, wird nicht lange währen, wenn der äußere Friede seine Grundfeste nicht in deinem Herzen und dein Herz seine Grundfeste nicht in mir hat. Außer dieser einzigen Grundfeste magst du den Wohnort ändern, so oft du willst; aber dich selbst bessern, das wirst du nie. Denn was du an einem Orte fliehst, das wirst du am andern, beim nächst kommenden Anlasse wiederfinden und vielleicht mehr Unangenehmes finden, als du verlassen hast.

Weil ich denn, o mein Gott, so unstet bin, so befestige du mich durch die Gnade des Heiligen Geistes. Gib mir Kraft, die den inwendigen Menschen in mir zu Recht setze und unwandelbar mache, dass mein Herz von aller unnützen Angst und Sorge leer und frei wird. Gib mir festen Sinn, dass ich weder von dem, was in den Augen der Welt köstlich, noch von dem, was in den Augen der Welt gering ist, in törichte Begierden verwickelt werde, sondern alle Dinge für das anzusehen lerne, was sie sind, wie sie nur so vorüber gehen und ich mit ihnen. Denn es ist nichts Bleibendes unter der Sonne; alles ist Eitelkeit und Bekümmernis des Geistes(vgl. Prd 1,14; 2,11). O wie ist der so weise, der die Dinge aus diesem Gesichtspunkt ansehen kann!

Gib mir himmlische Weisheit, dich vor allen andern zu suchen und in allem zu finden, dich über alles zu lieben und in allem zu genießen und die übrigen Dinge an jene Stelle zu setzen, die ihnen deine Weisheit angewiesen hat. Lehre mich den glatten Schmeicheleien des falschen Freundes klug ausweichen und die harten Worte meines Gegners geduldig tragen. Denn große Weisheit ist, weder die scharfe Zugluft des Tadels noch das sanfte Gelispel des Lobes auf dein Herz wirken zu lassen. Und nur diese Weisheit führt zwischen Abwegen links und rechts sicher hindurch.

 

Gebet:

Gott, du hast unsichtbare Güter denen bereitet, die dich lieben; gieße unseren Herzen eine tiefe Liebe zu dir ein, auf dass wir dich in allem und über alles lieben und deine Verheißungen erlangen mögen, die alle Wünsche übersteigen. Amen

 

 

  1. Tag

Stolz

 

Stolz war die Ursünde der Engel und der Menschen. Stolz hält auch heute noch die Menschen fern von Gott. „Gott widersteht den Stolzen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade“(Jak 4,6).

 

Betrachtung:

„Wer mir nachfolgen will“, – sagt Jesus. Ich habe mich so sehr verdemütigt und entäußert, dass ich mehr einem Wurme glich als einem Menschen. Ich kam nur in die Welt, um das Kreuz zu umfangen. Ich habe es mitten in mein Herz gepflanzt und es von meiner Jugend an geliebt. Ich habe mich mein Leben lang nach ihm gesehnt, es mit Freuden getragen und es allen Wonnen des Himmels und der Erde vorgezogen. Und ich hatte keine Ruhe, bis ich in seiner göttlichen Umarmung starb.

Wer mir also nachfolgen will, der ich so erniedrigt und gekreuzigt bin, der rühme sich so wie ich nur der Armut, den Verdemütigungen und Leiden meines Kreuzes und verleugne sich selbst. Hinweg aus der Gemeinschaft der Kreuzesfreunde mit allen jenen, die das Kreuz mit Hochmut tragen! Hinweg mit den Weisen dieser Welt, den großen Geistern und aufgeblasenen Freidenkern, die sich auf ihre Geistesblitze und Talente etwas einbilden! Hinweg mit jenen großen Schwätzern, die nur viel Lärm machen und keine andere Frucht bringen als die ihrer Eitelkeit! Hinweg mit jenen hochnäsigen Frömmlern, die überall die Vornehmtuerei des stolzen Luzifers an sich tragen – „ich bin nicht wie die andern!“ -, die sich niemals tadeln lassen, ohne sich zu entschuldigen, sich niemals angreifen lassen, ohne sich zu verteidigen, sich niemals erniedrigen lassen, ohne sich zu erheben! Hütet euch wohl, in eure Gemeinschaft jene zimperlichen Sinnenmenschen aufzunehmen, die den kleinsten Nadelstich schon fürchten, die beim geringsten Schmerz schreien und klagen, die sich niemals Bußwerke auferlegt haben und die genug durchtrieben sind, ihre Zimperlichkeit und ihren Mangel an Abtötung unter ihren Modeandachten zu verbergen.

Jesus spricht: Zu einigen, die sich voll Selbstvertrauen für gerecht hielten und die andern verachteten, sagte er folgendes Gleichnis: „Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie der Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe. Der Zöllner aber blieb von ferne stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn wer sich erhöht, wird erniedrigt, wer sich erniedrigt, wird erhöht werden“ (Lk 18,9-14).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 8):

Ich will doch wieder einmal den Mund auftun vor meinem Herrn, ob ich gleich Staub und Asche bin(vgl. Gen 18,27). Hielt ich mich für mehr als Staub und Asche: siehe, Herr, du stündest auf wider mich und meine Sünden bezeugten die Wahrheit, dass ich Staub und Asche bin und ich könnte diesem Zeugnisse nicht widersprechen.

Sobald ich mich aber gering achte vor mir selbst und wie nichts vor dir, o Gott; sobald ich alle eitle Schätzung meiner selbst an das Kreuz schlage und mich zu Staub erniedrige, wie ich auch Staub bin, dann eilt mir deine Gnade mit ihrem holden Blick entgegen und dein Licht naht sich meinem Herzen. Und wenn ich mich mit diesem neuen Lichte betrachte, o dann ist alle eitle Wertschätzung meiner selbst, sei sie noch so geheim und leise, in dem Tale meines Nichts verschlungen und für alle Ewigkeit dahin. In diesem deinem Lichte zeigst du mich mir, was ich bin und was ich war, woher ich kam und wohin ich mich verirrte. Da zeigst du mir’s recht hell, dass ich nichts bin und nichts weiß(vgl. Ps 72,21). Werde ich mir selbst überlassen, siehe, so bin ich nichts, nichts als Schwäche und Gebrechlichkeit. Aber wenn du mich wieder anblickst, so strömt mit deinem Blick neue Kraft in meine Seele, neue Freude in mein Herz. Wahrhaftig, ein großes Wunder, so schnell hebst du mich zu dir empor, so zärtlich umarmst du mich wieder, mich, den seine eigene Schwere stets hinunter und in die Tiefe abwärts zieht!

Das ist das Werk deiner Liebe, die ohne all mein Verdienst meinen Bedürfnissen zuvorkommt, die mich in mancherlei Nöten unterstützt, die mich vor drohenden Gefahren bewahrt und, um die ganze Wahrheit zu sagen, von unzähligem Jammer erlöst. Denn dadurch, dass ich mich töricht liebte, habe ich mich selbst verloren; da ich aber dich allein suchte und dich allein um deinetwillen liebte, siehe, da habe ich mich und dich miteinander gefunden und mich aus Liebe zu dir noch tiefer in mein Nichts versenkt. Denn du, die Liebe selbst, süßer als jede andere Süßigkeit, handelst an mir über all mein Verdienst und gibst mir weit mehr, als ich mir je zu hoffen oder zu bitten getraute. Gelobt, gelobt, seist du, mein Gott, denn ob ich gleich alles Guten unwert bin, so kann doch deine unbegrenzte Güte, welche die Majestät deines Wesens ausmacht, nimmer aufhören, wohl zu tun auch den Undankbaren, auch denen, die sich von dir weit entfernt haben.

O bekehre du uns alle zu dir, damit wir alle dankbar, demütig und andächtig werden, denn du bist unser Heil, du unsere Kraft und unsere Stärke!

 

 

Gebet:

Gott, du schaust den Niedrigen an und blickst nur von ferne auf den Stolzen: verleihe deinen Dienern, reinen Herzens die Demut der seligen, allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria nachzuahmen, die in ihrer Jungfräulichkeit dein Wohlgefallen fand und dank ihrer Demut empfangen durfte unseren Herrn Jesus Christus. Amen

  1. Tag

Trägheit

 

Die Trägheit wird fast immer übersehen oder nicht ernst genommen, obwohl sie doch eine von den sieben Hauptsünden ist. Wir sind zu bequem, uns ernstlich zu mühen um das eigene Heil, ganz zu schweigen vom Heil der Mitmenschen, deren Seele Gott doch von uns fordern wird. Das Himmelreich aber leidet Gewalt und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich(vgl. Mt 11,12).

 

Betrachtung:

Ihr habt euch vereinigt, Verehrer des Kreuzes, um als gekreuzigte Gotteskämpfer die Welt zu bekriegen und zwar nicht durch Flucht, wie es selbst bei eifrigen Christen geschieht, aus Angst von ihr besiegt zu werden, sondern als mutige und tapfere Streiter, die nicht wanken noch weichen. Seid mutig und kämpft unerschrocken! Schließt euch fest zusammen; denn die Einheit eurer Herzen und Seelen ist für die Welt und Hölle unbezwinglicher und schrecklicher, als die Verteidigungstruppen eines wohl geeinten Reiches es für den Feind sind. Die Teufel schließen sich zusammen, um euch zu verderben; so eint euch, um sie nieder zu werfen. Die Geizhälse bilden Gemeinschaften, um Gold und Silber zu erhandeln; so eint auch ihr eure Mühen, um die Schätze der Ewigkeit zu gewinnen, die im Kreuz verborgen sind! Ihr nennt euch Verehrer des Kreuzes. Welch großer Name! Ich gestehe, er entzückt und blendet mich; denn er ist strahlender als die Sonne, erhabener als der Himmel. Ehrenvoller und glorreicher als die großartigsten Titel der Könige und Kaiser. Es ist der Name Jesu Christi, des Gottmenschen; es ist die unzweideutige Bezeichnung eines Christen.

Der faule Knecht im Evangelium: „Endlich trat auch der mit dem einen Talent heran und sagte: ´Herr, ich weiß, dass du ein strenger Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast. Darum fürchtete ich mich, ging hin und vergrub dein Talent in der Erde. Hier hast du dein Eigentum.´ Da erwiderte der Herr: ´Du böser und fauler Knecht, du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe! Dann hättest du mein Geld bei den Wechslern anlegen sollen und ich hätte bei meiner Heimkehr das Meinige mit Zinsen anheben können.´ Nehmt ihm darum das Talent und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird noch genommen werden, was er hat. Den unnützen Knecht aber werft hinaus in die Finsternis draußen! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“(Mt 25,24-30).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 49):

Mein Kind, wenn sich ein höheres Leben in dir regt und das Verlangen nach der ewigen Seligkeit sich in dir entzündet, wenn du wirklich aus der Hütte des Lebens ausgehen möchtest, um meine Klarheit in jenem Lichte ohne Schatten anzuschauen, o dann erweitere deine Seele und lass dies heilige Feuer den tiefsten Grund deines Herzens durchglühen! Danke, so viel du danken kannst, der höchsten Liebe, die so freundlich mit dir umgeht, dich so gütig besucht, dich so mächtig entzündet und dich über dich so hoch erhebt, damit du nicht wieder, von eigener Schwere gezogen, zur Erde fallen möchtest. Dies lebendige Verlangen nach dem Himmlischen, dies Heimweh ist keine Folge deiner Betrachtungen, kein Lohn deiner Bemühungen, sondern eine unverdiente Gabe Gottes, der dich mit Vaterhuld anblickte und milde zu sich aufwärts zog, damit du in allen Tugenden und besonders in der Demut zunehmen, dich auf kommende Streittage rüsten, mir mit ungeteilter Liebe anhängen und mit einem nie erkaltenden Eifer dienen möchtest.

Mein Kind, oft brennt das Feuer auf deinem Herde; aber die Flamme, die vom Herde aufsteigt, ist nicht ohne Rauch, der auch mit aufsteigt. So brennen in vielen Herzen viele Begierden nach dem Himmlischen; aber die Flamme dieser Begierden ist nicht rein vom Rauche der sinnlichen Neigung. Deshalb begehren sie von mir mit heißem Flehen bald dies, bald jenes; aber es ist nicht reiner, ganz lauterer Eifer für die Ehre Gottes, der sie zu diesem heißen Flehen treibt. So ist auch dein Verlangen gar oft beschaffen, es ist so ungestüm, um ganz rein zu sein. Denn wer seinen eigenen Nutzen sucht, sucht sich selbst und wer sich selbst sucht, befleckt mit der Eigenliebe, die sich selbst sucht, alles, was er sucht. Alles, was mit Eigenliebe befleckt ist, ist befleckt, also nicht rein, nicht vollkommen.

Begehre nie von mir, was dir Freude und Vorteil gewähren kann, sondern was mir gefällig ist, was meine Ehre befördert. Denn wenn dein Urteil vernünftig ist, so sollst du ja meinen Willen und was er ordnet, bei dir mehr gelten lassen als all dein Verlangen und mehr als alles, was du verlangst. Ich kenne dein Verlangen und habe alle deine Seufzer gehört. Du möchtest jetzt schon in der Freiheit sein, die den Kindern Gottes im Lande der Herrlichkeit aufbehalten ist. Jetzt schon hast du Freude an dem unzerstörlichen Hause, an dem himmlischen Vaterlande, das mit lauter Freude ausgefüllt ist. Aber diese deine Stunde ist noch nicht gekommen. Jetzt ist noch eine andere Stunde für dich, die Stunde des Streites, der Arbeit, der Prüfung. Du wünschest das höchste Gut jetzt schon zu besitzen, aber du magst es noch nicht erlangen.

Ich lebe und komme. Warte meiner, spricht der Herr, bis das Reich Gottes kommt(vgl. Lk 22,18).

Du musst noch viele Prüfungen durchlaufen, mancherlei Übungen hier auf Erden aushalten. Trost wird dir in dieser Prüfungsschule gereicht werden; aber ein Genuss, der dein ganzes Herz sättigt, kann dir nicht gegeben werden. Fasse also neuen Mut und sei Mann(vgl. Joh 1,7), stark zum Leiden und stark zum Handeln, wenn sich gleich deine Natur noch so sehr dagegen sträubt. Du musst noch in einen neuen Menschen umgewandelt(vgl. Eph 4,24) und noch ganz „ein anderer Mann“ werden. Du musst tun lernen, was du nicht willst und verlassen, was du behalten möchtest. Was andere wollen, wird zustande kommen; was du willst, ins Stocken geraten. Was andere sprechen, wird Gehör und Beifall finden; was du redest, für nichts geachtet werden. Andere werden mancherlei begehren und erhalten, was sie begehren; du wirst auch anhalten, aber nichts erhalten. Andere werden berühmte Männer werden, von denen sich die Leute nicht satt reden können; aber von dir wird es überall so stille sein, als wenn du nicht einmal auf Erden wärest. Andern wird man diesen oder jenen wichtigen Auftrag geben; du aber wirst in dem Urteile der andern zu nichts taugen. Darüber wird sich dann dein Herz bekümmern und es wird viel sein, wenn du diesen Kummer still leidend wirst tragen können. Durch diese und andere Erfahrungen muss nun der treue Knecht des Herrn geläutert werden, damit er sich selbst verleugnen und allen seinen Eigensinn und Eigenwillen brechen lerne. Es ist das Bedürfnis, dir selbst ab zu sterben, für dich fast in keinem Stücke so groß als in dem, was du täglich wider deinen Willen sehen und leiden musst, besonders wenn dir Dinge befohlen werden, die unschicklich sind und dir minder nützlich zu sein scheinen. Und weil du, unter deinen Oberen gesetzt, es nicht wagen willst, der höheren Gewalt zu widerstehen, so wird es dir schwer, sehr schwer, immer nur nach dem Winke eines andern zu wandeln und stets deine eigenen Empfindungen zu verleugnen.

Aber denke, mein Kind, dass dies alles bald ein Ende nehmen und auf die Aussaat eine schöne Ernte, auf die Arbeit ein großer Lohn(vgl. Gen 15,1) folgen wird, und es wird dir leichter werden und deine Geduld einen unbeweglichen Trostgrund finden. Denn dafür, dass du jetzt deinen Willen heran gibst, dafür wirst du einst im Himmel deinen Willen in allem wiederfinden. Alle deine Wünsche werden dort in Erfüllung gehen. Dort wird dir alle Kraft zum Genuss alles Gutem gegeben und die Furcht, es wieder zu verlieren, auf ewig von dir genommen werden. Dort wird dein Wille ein Wille mit dem meinigen sein und nichts wollen, was fremd und einem anderen zugehörig ist. Dort wird dir niemand widerstehen, niemand sich über dich beklagen, niemand deine Macht hemmen, niemand deinen Willen beschränken; alles, was du verlangst, wird auch da sein, wird all dein Verlangen befriedigen und dein ganzes Vermögen, zu wünschen, vollkommen ausfüllen. Dort werde ich dir alle Schmach mit Ehre, alle Traurigkeit mit Freude(vgl. Jes 61,3) und die letzten Plätze, die du auf Erden eingenommen hast, mit den ersten Stellen in meinem Reiche vergelten(vgl. 1 Makk 2,57) und dieser Lohn wird kein Ende nehmen. Dort wird der Gehorsam die schönsten Früchte ernten, der Schmerz der Buße in jauchzendes Wohlsein verwandelt und der Demut, die sich unter alle gesetzt hat, die Krone der Herrlichkeit aufgesetzt werden. So neige dich denn aus edlem Triebe der Demut unter alle und lass dich’s nicht ängstigen, wer das gesagt, wer jenes befohlen hat. Aber das lass deine Sorge sein, dass du, es mag ein Oberer oder ein Jüngerer oder einer deinesgleichen im gebietenden Tone oder mit freundlichem Winke etwas von dir fordern, alles, was sie wollen, so gut wie möglich deutest und ohne falsch zu Stande bringest.

Einer wird das, ein anderer etwas anderes erobern wollen; dieser in diesem, jener in jenem Reich suchen und tausendmal tausend Lobsprüche erhalten; du aber musst weder in jenem noch in diesem deine Freude suchen, sondern das allein lass deine Freude sein, dass mein Wohlgefallen vollbracht und meine Ehre gefördert werde, wenn du gleich um des guten Willen tapfer gelästert und als Auskehricht weggeworfen werden solltest. Denn das ist für dich allein wünschenswert, dass Gott in dir allzeit verherrlicht werde, durch dein Leben oder durch dein Sterben(vgl. Phil 1,20).

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Wohlgefallen, damit wir im Namen deines geliebten Sohnes von guten Werken überfließen. Lenke zu dir die Herzen deiner Diener und entflamme sie mit der Glut deines Geistes, damit sie fest im Glauben und fruchtbar an guten Werken werden. Amen

 

 

 

  1. Tag

Lieblosigkeit

 

Wie leicht gleiten wir über die Lieblosigkeiten des alltäglichen Lebens hinweg! Unfreiwillige Zerstreuungen beim Gebet bauschen wir auf und bekennen sie in der Beichte; aber über die groben Verstöße gegen das Hauptgebot der Liebe schweigen wir. Und doch will der Herr an der Liebe erkennen, ob wir seine Jünger sind oder nicht(vgl. Joh 13,35).

 

 

Betrachtung:

Ein weiterer Ansporn, uns diese Form der Marienverehrung zu Eigen zu machen, ist der große Nutzen, der unserem Nächsten daraus erwächst, denn sie ist eine hervorragende Übung der Nächstenliebe. Wir schenken nämlich dem Nächsten durch die Hände Mariens unseren teuersten Besitz: den Sühnewert und den fürbittenden Wert aller unserer guten Werke. Nicht einmal den kleinsten guten Gedanken oder das geringste Leiden nehmen wir aus. Alles, was wir an Sühnewerten erworben haben und bis zum Tode noch erwerben werden, überlassen wir der Gottesmutter, damit sie es zur Bekehrung der Sünder oder zur Befreiung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer verwende.

Ist das nicht vollkommene Nächstenliebe? Heißt das nicht, ein wahrer Jünger Jesu Christi zu sein, den man an der Nächstenliebe erkennt? Heißt das nicht, ohne Angst vor Selbstgefälligkeit Sünder bekehren und die Armen Seelen aus dem Fegefeuer befreien, ohne dass man dazu viel anderes tut als seine Standespflicht? Um die Bedeutung dieses Beweggrundes recht einzuschätzen, muss man sich bewusst werden, was die Bekehrung eines Sünders oder die Befreiung einer Seele aus dem Fegefeuer wert ist. Es ist eine Tat von unendlichem Wert, größer als die Schöpfung des Himmels und der Erde, weil man damit einer Seele den Besitz Gottes schenkt. Und befreite man durch seine Hingabe in einem ganzen Leben auch nur eine Seele aus dem Fegefeuer, bekehrte man auch nur einen einzigen Sünder, es müsste hinreichen, um jeden wahrhaft barmherzigen Menschen zur Ganzhingabe zu bewegen. Wenn aber unsere guten Werke durch die Hände Mariens gehen, gewinnen sie außerdem an Reinheit und darum auch an Verdienst, an sühnendem und fürbittendem Wert. Dadurch lindern sie viel wirksamer die Pein des Fegefeuers und tragen mehr zur Bekehrung der Sünder bei, als wenn sie nicht durch die jungfräulichen und freigebigen Hände Mariens gingen. Das Wenige, das man ohne Eigenwillen, aus gänzlich uneigennütziger Nächstenliebe durch die Gottesmutter her schenkt, gewinnt in Wahrheit große Macht, Gottes Zorn abzuwenden und sein Erbarmen herab zu ziehen. Und vielleicht wird es sich beim Tode eines Menschen, der diese Hingabe recht treu geübt hat, herausstellen, dass er dadurch viele Seelen aus dem Fegefeuer befreit und viele Sünder bekehrt hat, obwohl er nur seine gewöhnlichen Standespflichten erfüllte. Welche Freude für ihn bei seinem Gericht! Welche Glorie in der Ewigkeit!

Der Apostel Johannes über Liebe und Lieblosigkeit: „Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott; ebenso wenig, wer seinen Bruder nicht liebt.

Das ist ja die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben. Nicht wie Kain, der vom Bösen herkam und seinen Bruder erschlug. Und warum erschlug er ihn? Weil sein Tun böse war, das seines Bruders aber gerecht. Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch hasst. Wir wissen, dass wir aus dem Tod zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder. Ihr wisst, dass kein Mörder das ewige Leben in sich trägt. Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, dass er sein Leben für uns dahin gegeben hat. So müssen auch wir das Leben für die Brüder hingeben. Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes wohnen? Kinder, lasst uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!…Das aber ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben. So hat er es geboten. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm“(1 Joh 3,10-18.23.24).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 15+16):

Böses tun darfst du um keines Menschen willen und wenn du die ganze Welt gewinnen könntest. Aber aus Liebe zu deinem Nächsten, der Hilfe nötig hat, darfst du hier und da ein gutes Werk kühn und frei unterlassen, oder vielmehr das geringere in ein besseres verwandeln. Denn wenn du deinen Nächsten zu Hilfe kommst, so wird dadurch das gute Werk nicht zerstört, sondern in ein besseres verwandelt. Ohne innere Liebe ist alles äußere Tun – nichts nütze. Was aber aus Liebe geschieht, das ist groß, das bringt große Frucht, so gering und ungeachtet es im Auge des Menschen immer sein mag. Denn auf der Waage Gottes wiegt das, was dich zum Tun treibt, ungleich mehr als die Tat selber.

O, wer viel Liebe hat – der hat viel getan! Wer e i n e s recht tut, hat viel getan. Wer lieber der Gemeinschaft als seinem Eigenwillen dient, hat viel und wohl getan. Oft scheint es Liebe zu sein, was uns treibt und drängt und ist doch eitel Fleisch und Blut. Denn natürliche Zuneigung, Eigenwille, Hoffnung der Wiedervergeltung, Trieb zur Bequemlichkeit – mischen sich fast immer in unsere guten Werke. Wer die wahre, vollkommene Liebe hat, der sucht in keiner Sache sich selbst; nur die Ehre seines Gottes will er in allen Dingen befördert sehen.

Er sieht auch keinen Menschen scheel an, weil er nach keiner Freude jagt, die nur er für sich und kein anderer mit ihm genießen könnte. Auch ist das, was ihm Freude macht, nicht er selbst; sondern hoch über alle Güter und über sich selbst schwingt sich sein Geist hinauf und will nur in Gott selig sein. Er schreibt keinem Geschöpfe etwas Gutes zu, sondern führt alles Gute ungeteilt und so ganz, wie es von Gott kam, wieder auf Gott zurück. Denn Gott ist ihm die Brunnquelle, aus der alles Gute quillt und Gott ist ihm der Endpunkt, in dem alle Heiligen Ruhe finden und den höchsten Genuss, der sie selig macht. O, wenn jemand aus uns nur ein Fünklein der wahren Liebe in sich hätte, er empfände, dass alles Irdische voll Eitelkeit ist.

Was der Mensch an sich oder an anderen nicht verbessern kann, das muss er mit Geduld tragen, bis es Gott anders macht. Denke nur, dass es so vielleicht besser ist, indem es wenigstens dabei helfen kann, deinen Sinn zu bewähren und dich in der Geduld zu üben, ohne welche unsere guten Werke nicht sonderlich viel Gutes in sich haben. Indes musst du doch bei allem, was dir so im Wege liegt und du nicht heben kannst, zu Gott bitten, dass er dir zu Hilfe komme und du mit stillem, sanftem Gemüte tragen lernest, was sich nicht ändern lässt. Hast du deinen Nachbar ein- oder zweimal ermahnt, so lass dich mit ihm in keinen Zank ein, sondern stelle die ganze Sache Gott anheim, dass ein Wille geschehen und seine Ehre in allen seinen Dienern befördert werden möge. Denn er weiß ja auch das, was böse ist, zum Guten um zu lenken. Lerne Geduld haben mit fremden Fehlern und alle Schwachheiten, wie sie immer heißen, tragen. Denn sieh, du hast auch viel an dir, was andere tragen müssen. Du kannst aus dir selbst nicht den Menschen schaffen, den du gern aus dir machen möchtest; wie wirst du denn einen anderen nach deinem Sinne und Gefallen umschaffen können? Wir sähen es gern, dass die andern keine Fehler hätten; aber unsere eigenen, die lassen wir ungebessert. Wir sähen es gern, dass andere in strenge Zucht genommen würden; an uns aber soll die strenge Zucht keine Hand anlegen dürfen. Wir haben großes Missfallen daran, dass andere so vieles, was sie wider die Ordnung begehren, gestattet wird und können es nicht leiden, dass uns auch nur das Geringste, das wir haben wollen, versagt wird. Wir wünschen, dass andere durch schärfere Verordnungen im Zaume gehalten werden und können es nicht ertragen, dass unsere Freiheit auch nur im Geringsten beschränkt wird. Da wird’s denn offenbar, wie selten wir unsere Nächsten mit demselben Auge ansehen, mit dem wir uns anschauen. Und wenn alle Menschen um dich her vollkommen wären, was hätte dann einer von dem andern für die Sache Gottes zu leiden? Nun aber, für dieses Leben, hat es Gott so und nicht anders geordnet, dass einer die Bürde des andern solle tragen lernen(vgl. Gal 6,2). Denn ohne Fehler – ist keiner, keiner ohne Bürde, keiner sich selbst genug; keiner weiß sich in allem selbst zu raten; einer muss den andern ertragen, einer den andern trösten, stützen, unterweisen, ermahnen. Wie groß aber die Stärke deines Geistes ist, wird durch die Schwachheit deines Nächsten, die dich plagt und drückt, nur mehr an den Tag gebracht, als sie schon war. Denn die Gelegenheiten machen den Menschen nicht erst schwach und gebrechlich, sondern sie zeigen nur, wie schwach und gebrechlich er schon ist.

 

Gebet:

Gott, du hast die seligste Jungfrau Maria uns als Mutter der schönen Liebe zur Verehrung gegeben; gewähre gnädig, dass wir unter ihrem Schutz dich in allem und über alles auf Erden lieben und uns der seligen Gemeinschaft deiner Heiligen erfreuen dürfen. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Abschnitt

Zweite Woche

 

Wir suchen Maria zu erkennen

 

„Während der zweiten Woche“, sagt der heilige Ludwig Maria, „sollen wir uns in allen unseren Gebeten und täglichen Werken bemühen, Maria kennen zu lernen. Wir sollen den Heiligen Geist um diese Erkenntnis bitten und können lesen und betrachten, was in der ´vollkommenen Hingabe` und im ´Geheimnis Mariens` darüber gesagt ist.“

Wir müssen durch Maria zu Jesus gehen; das ist der Sinn unserer Hingabe. Maria ist unser Weg zu Jesus.

Tagesordnung für die zweite Woche:

Tägliche Gebete:

>>Litanei vom Heiligen Geist<<(siehe S. 244)

>>Meerstern, ich dich grüße<<(siehe S. 239)

Stoßgebet des heiligen Ludwig Maria zur Gottesmutter(s.u.)

3 Rosenkränze(oder wenigstens einen, bzw. einen zusätzlichen)

Geistliche Übungen:

Betrachtung, Gewissenserforschung, Tugendübungen: Nachahmung der Tugenden Mariens. Stoßgebet, empfohlen vom heiligen Ludwig Maria: „Ich schenke mich ganz dir, o Maria; dein Eigen will ich sein:“

 

 

 

 

Tägliches Gebet vor der Betrachtung in der zweiten Woche:

O Maria, unbefleckte Braut und Gottesmutter! Du bist die auserwählte Tochter des Vaters, die treue Braut des Heiligen Geistes und die reinste Mutter Jesu. Weil du die Mutter Jesu bist, bist du auch unsere Mutter, meine Herrin und Königin! Erflehe mir Erleuchtung und Liebe vom Heiligen Geist, damit ich dich immer besser erkenne und mehr liebe. Wenn ich ganz dir gehöre, werde ich auch ganz Jesus gehören. Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.

 

 

  1. Tag

Maria und die Allerheiligste Dreifaltigkeit

 

Kein Geschöpf ist so in das Geheimnis des Dreieinigen Gottes hinein genommen wie Maria. Wer sich liebend in ihre Beziehungen zu jeder der drei göttlichen Personen versenkt, der wird durch Gottes Gnade immer neue Tiefen und Schönheiten entdecken.

 

Betrachtung:

Gott Vater hat die Welt seinem eingeborenen Sohn nur durch Maria geschenkt. Wie sehr sich auch die Patriarchen nach dem Erlöser gesehnt, wie sehr die Propheten und Gerechten des Alten Bundes viertausend Jahre lang um ihn gefleht hatten, Maria allein war es, die ihn verdient hat. Nur sie hat durch die Kraft ihrer Gebete und ihre hohe Tugend Gnade gefunden vor Gott. Der heilige Augustinus sagt uns, die Welt sei unwürdig gewesen, den Sohn Gottes unmittelbar aus den Händen des Vaters zu empfangen. Darum habe Gott ihn Maria geschenkt, damit die Welt ihn durch sie empfange.

Gott Sohn ist Mensch geworden um unser Heiles willen, aber in Maria und durch Maria.

Gott der Heilige Geist hat Jesus Christus in Maria gebildet. Doch ließ er zuvor durch einen seiner höchsten Engel ihr Jawort erbitten.

Schriftworte, von der Kirche auf Maria bezogen: „Der Herr besaß mich schon im Anfang seiner Wege, bevor er etwas schuf, von Anbeginn. Von Ewigkeit her bin ich eingesetzt, von Urbeginn, bevor die Erde ward…Als er die Himmel bereitete, war ich zugegen….Als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich bei ihm, alles ordnend. Und ich ergötzte mich Tag für Tag, spielend vor ihm allezeit, spielend auf dem Erdenrund. Und meine Wonne war es, bei den Menschenkindern zu sein. Wohlan denn, Kinder, höret mich: Selig, die auf meine Wege achten. Vernehmt die Lehre, werdet weise und verwerft sie nicht. Selig der Mensch, der mich hört und an meinen Türen wacht alle Tage…Wer mich findet, findet das Leben und schöpft das Heil vom Herrn“(Aus der Epistel vom 8. Dez., Spr 8,22-35).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; Bedeutung der Ganzhingabe:

Du auserwählte Seele, vernimm ein Geheimnis, das der Allerhöchste mir geoffenbart hat und das ich in keinem alten oder neuen Buche finden konnte. Im Heiligen Geist vertraue ich es dir an, aber unter drei Bedingungen:

1) Du darfst es nur solchen Menschen mitteilen, die es verdienen durch ihr Gebetsleben, durch Almosen und Abtötung, durch die Verfolgungen, die sie erleiden, durch Selbstentäußerung und Seeleneifer.

2) Du musst es benützen, um heilig zu werden und dich vom Irdischen zu lösen; denn die Größe dieses Geheimnisses wächst in dem Maße, als eine Seele davon Gebrauch macht. Darum hüte dich wohl, untätig die Hände in den Schoß zu legen; denn mein Geheimnis würde dir zum Gift und wäre dein Verderben.

3) Alle Tage deines Lebens sollst du Gott danken für die Gnade, die er dir erwiesen hat; denn er hat dir ein Geheimnis eröffnet, das zu kennen du nicht verdienst. Und je mehr du bei deinen alltäglichen Handlungen von diesem Geheimnis Gebrauch machst, desto besser wirst du seinen Wert und seine Vorzüge erkennen, wenn auch anfangs nur unvollkommen infolge deiner vielen und schweren Sünden und deiner geheimen Selbstgefälligkeit.

 

Ehe du nun in deinem natürlichen, ungestümen Drang nach Erkenntnis der Wahrheit weiter liest, knie nieder und bete andächtig >>Meerstern, ich dich grüße<<(siehe S. 239) und dann >>Komm, Schöpfer Geist<<(siehe S. 240). Dadurch sollst du von Gott die Gnade erflehen, dieses göttliche Geheimnis verstehen und schätzen zu lernen.

Seele, du lebendiges Abbild Gottes, erkauft mit dem kostbaren Blute Jesu Christi, Gott will von dir, dass du in diesem Leben heilig wirst wie er und im ewigen Leben selig wie er. Das Streben nach der Heiligkeit Gottes ist deine eindeutige Berufung. Alle deine Gedanken, Worte und Werke, deine Leiden, ja jede Regung deines Lebens muss darauf ausgerichtet sein; sonst arbeitest du gegen Gott, denn du tust nicht das, wofür er dich geschaffen hat und wofür er dich jetzt am Leben erhält. Welch wunderbares Werk ist doch das! Staub wandelt sich in Licht, Unlauterkeit in Reinheit, Sünde in Heiligkeit, der Mensch in Gott! Fürwahr, ein wunderbares Werk!

Aber auch ein schweres Werk, das der Natur allein gar nicht möglich ist. Nur Gott kann es zu Ende führen durch die Gnade und zwar durch eine überreiche und außerordentliche Gnade. Selbst die Erschaffung des ganzen Weltalls ist kein so großes Meisterwerk wie dieses.

Seele, was willst du nun tun? Welches Mittel wirst du wohl wählen, um dich dahin zu erheben, wohin Gott dich ruft? Die Mittel des Heiles und der Heiligung sind ja allen bekannt. Das Evangelium gibt sie an, die Lehrer des geistlichen Lebens erläutern sie, die Heiligen üben sie und alle, die sich retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen, gebrauchen sie. Es sind: Demut des Herzens, unaufhörliches Gebet, allseitige Abtötung, Hingabe an die göttliche Vorsehung und Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.

Um alle diese Mittel des Heiles und der Heiligung nützen zu können, braucht man unbedingt die Gnade Gottes. Diese Gnade wird in größerem oder kleinerem Maße allen geschenkt, daran ist nicht zu zweifeln. Ich sage: in größerem oder kleinerem Maße. Denn Gott ist zwar unendlich gut, aber er gibt doch nicht allen gleich viel Gnade, obwohl er jedem genug gibt. Eine treue Seele verrichtet mit einer großen Gnade ein großes Werk und mit einer kleinen Gnade ein kleines Werk. Wert und Größe der von Gott geschenkten und von der Seele treu angenommenen Gnade bestimmen Wert und Größe unserer Handlungen. Diese Grundsätze sind unbestreitbar. Alles läuft daher darauf hinaus, ein Mittel zu finden, um leicht von Gott die zur Selbstheiligung nötige Gnade zu erlangen; und gerade das will ich dir eröffnen. Um diese Gnade Gottes zu finden, muss man Maria finden.

Maria allein hat Gnade vor Gott gefunden, sowohl für dich selbst wie auch für jeden einzelnen Menschen. Die Patriarchen, die Propheten und alle Heiligen des Alten Bundes haben diese Gnade nicht gefunden. Maria hat dem Urheber aller Gnade das Leben geschenkt; darum heißt sie Mutter der Gnade. Gott Vater, wesenhafte Quelle jeder vollkommenen Gabe und jeder Gnade, hat ihr seinen Sohn und damit alle seine Gnaden geschenkt. In ihm und mit ihm ist ihr also der Wille Gottes übergeben, so lehrt der heilige Bernhard.

Gott hat Maria zur Hüterin, Verwalterin und Ausspenderin seiner Gnaden erwählt: alle seine Gnaden und alle seine Gaben gehen also durch ihre Hände. Und der heilige Bernardin lehrt, dass sie aufgrund der ihr von Gott verliehenen Macht die Gnaden des Ewigen Vaters, die Tugenden Jesu Christi und die Gaben des Heiligen Geistes verteilt an wen sie will, wie sie will, wann sie will und in welchem Maße sie will.

Wie in der Ordnung der Natur ein Kind einen Vater und eine Mutter haben muss, so muss in der Ordnung der Gnade ein wahres Kind der Kirche Gott zum Vater und Maria zur Mutter haben. Wenn einer sich rühmt, er habe Gott zum Vater, aber dabei keine rechte Kindesliebe für Maria hegt, dann ist er ein Lügner und hat nur den Teufel zum Vater.

Da Maria das Haupt der Auserwählten, Jesus Christus, gebildet hat, ist es auch ihre Aufgabe, die Glieder am Leibe dieses Hauptes zu bilden, nämlich die wahren Christen. Eine Mutter bringt ja nicht das Haupt ohne die Glieder zur Welt, noch die Glieder ohne das Haupt. Wer darum ein Glied Jesu Christi sein will, der voll der Gnade und der Wahrheit ist, der muss mittels der Gnade Jesu Christi in Maria gestaltet werden. Denn in ihr wohnt der Heiland in seiner Fülle, damit sie ihn in seiner Fülle weitergeben kann an die wahren Glieder Jesu Christi und an ihre wahren Kinder. Der Heilige Geist hat sich Maria anverlobt und in ihr, durch sie und aus ihr sein Meisterwerk hervor gebracht, Jesus Christus, das Mensch gewordene Ewige Wort. Niemals hat er Maria verstoßen und darum bringt er täglich in ihr und durch sie auf geheimnisvolle, aber durchaus wirkliche Weise die Auserwählten hervor.

Maria hat von Gott eine besondere Macht erhalten, die Seelen zu nähren und ihr Wachstum in Gott zu fördern. Der heilige Augustinus sagt sogar, alle Auserwählten seien auf Erden im Schoß Mariens eingeschlossen und kämen erst dann ans Licht, wenn diese gute Mutter sie zum ewigen Leben gebiert. Wie darum das Kind seine ganze Nahrung von der Mutter erhält und zwar in einer seiner Schwäche angepasster Form, so empfangen die Auserwählten ihre ganze geistige Nahrung und ihre ganze Kraft von Maria.

Zu Maria hat Gott Vater gesprochen: Meine Tochter, schlage deine Wohnung in Jakob auf, nämlich in meinen Auserwählten, die durch Jakob versinnbildlicht sind.

Zu Maria sprach Gott Sohn: Meine geliebte Mutter, in Israel soll dein Erbe sein, das heißt in den Gotteskindern.

Zu Maria hat schließlich der Heilige Geist gesprochen: Meine getreue Braut, schlage Wurzeln in meinen Auserwählten. Wer darum erwählt und vorherbestimmt ist, der hat die Gottesmutter bei sich in seiner Seele. Er lässt sie darin die Wurzeln einer tiefen Demut, einer glühenden Gottesliebe und aller Tugenden schlagen.

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast durch die Mitwirkung des Heiligen Geistes den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau Maria zu einer würdigen Wohnstätte deines Sohnes bereitet: gib uns, die wir uns ihres Andenkens erfreuen, dass wir durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Übeln befreit werden. Amen

 

 

 

 

 

 

 

  1. Tag

Braut des Heiligen Geistes

 

Das ganze Leben Mariens stand unter der Überschattung des Heiligen Geistes. Die Heilige Schrift berichtet nicht viel von ihr; aber es ist kennzeichnend, dass ihre erste und ihre letzte Erwähnung im Neuen Testament sie in Verbindung mit dem Heiligen Geist zeigt. Echte Marienliebe und Verehrung des Heiligen Geistes gehören aufs engste zusammen.

 

Betrachtung:

Zudem ist Jesus jetzt und immer das Kind Mariens. Himmel und Erde wiederholen es ihr ja täglich tausend- und aber tausendmal: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Liebes, Jesus.“ Darum ist sicherlich Jesus Christus für jeden einzelnen Menschen, der ihn besitzt, genauso das Kind und das Werk Mariens wie für die ganze Welt im Allgemeinen. Wenn daher ein Gläubiger Jesus in seinem Herzen gestaltet hat, dann darf er kühn bekennen: „Inniger Dank sei Maria! Was ich besitze, hat sie bewirkt und hervorgebracht und ohne sie besäße ich es nicht.“ Wenn schon der heilige Paulus von sich behaupten kann: „Noch einmal leide ich Geburtswehen um euch, bis Christus in euch Gestalt gewinnt“, dann können wir mit größerem Recht Maria sprechen lassen: Täglich leide ich Geburtswehen um die Kinder Gottes, bis mein Sohn Jesus Christus in der Fülle seines Mannesalters in ihnen Gestalt angenommen hat. In einem kühnen Gedankenflug geht der heilige Augustinus noch viel weiter als ich. Er erklärt nämlich, alle Erwählten seien in dieser Welt im Schoße der heiligen Jungfrau verborgen, um dem Bilde das Gottessohnes gleichförmig zu werden; diese gute Mutter bewahre, nähre und erhalte sie dort und fördere ihr Wachstum so lange, bis sie nach dem Tode sie zur ewigen Herrlichkeit gebiert. Denn das ist erst der eigentliche Tag ihrer Geburt, wie die Kirche den Tod der Gerechten nennt. Welch ein Geheimnis der Gnade ist doch dies, den Weltmenschen unbekannt, den Kindern Gottes nur wenig bekannt!

Heilig-Geist-Verehrung, das Geheimnis der Fruchtbarkeit: „Im sechsten Monat ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth zu einer Jungfrau. Sie war verlobt mit einem Manne namens Josef, aus dem Hause Davids. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sprach: ´Sei gegrüßt, du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen.` Bei diesen Worten erschrak sie und dachte nach, was dieser Gruß bedeuten solle. Der Engel sprach zu ihr: ´Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst empfangen und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit und seines Reiches wird kein Ende sein.` Maria sprach zum Engel: ´Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?` Der Engel antwortete ihr: ´Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das aus dir geboren wird, Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat in ihrem Alter noch einen Sohn empfangen und sie, die für unfruchtbar gilt, zählt schon den sechsten Monat. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.` Da sprach Maria: ´Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort`“(Lk 1,26-38, Evangelium vom 25. März).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; wie Maria Jesus in uns bildet:

Der heilige Augustinus nennt Maria forma dei, die lebendige Gussform Gottes und das ist sie auch wirklich; denn in ihr allein ist Christus als Mensch gebildet worden, ohne einen Zug seiner Gottheit dabei einzubüßen. Auch der Mensch kann nur in ihr allein zu einem getreuen Abbild Gottes gestaltet werden, soweit die menschliche Natur durch die Gnade Jesu Christi dessen fähig ist.

Ein Bildhauer kann eine Statue oder ein Bild auf zweierlei Art naturgetreu herstellen. Er kann entweder sein Geschick, seine Kraft, sein Können und die Güte seiner Werkzeuge darauf verwenden, das Abbild aus einem harten und formlosen Stoff heraus zu hauen, oder er kann es gießen. Ersteres ist lang und umständlich und vielen Zufälligkeiten ausgesetzt: ein ungeschickter Hieb mit Meißel oder Hammer kann das ganze Werk verderben. Das zweite Verfahren aber ist rasch, leicht und angenehm, fast mühe- und kraftlos, wenn nur der dazu verwendete Stoff recht gefügig ist und der Hand des Bildners keinen Widerstand entgegensetzt.

Maria ist Gottes erhabene Gussform, vom Heiligen Geist gebildet, um den Mensch gewordenen Gott durch die hypostatische Vereinigung und den vergöttlichten Menschen durch die Gnade zu formen. Kein Zug der Gottheit fehlt dieser Form. Wer in ihr gegossen wird und sich bereitwillig formen lässt, der empfängt ohne viel Qual und Mühe, auf eine sanfte und der menschlichen Schwäche angepasste Weise alle Züge Jesu Christi, des wahren Gottes. Dieser Weg ist sicher, ohne Gefahr einer Täuschung, denn der Teufel konnte niemals an Maria heran und wird es niemals können. Und schließlich ist dieser Weg heilig und unbefleckt, ohne Schatten des geringsten Sündenmakels. Betrachten wir eine Seele, die in Jesus Christus geformt ist auf die übliche Weise, wie jene es tun, die gleich Bildhauern auf ihr Können vertrauen und sich auf ihr Geschick verlassen. Wie sehr unterscheidet sie sich von einer ganz bildsamen, gelösten, ja gleichsam flüssig gewordenen Seele, die ohne jeden Eigenwillen sich in Maria ergießt und sich in ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes formen lässt! Wie viele Flecken und Fehler, wie viel Dunkel und Täuschung, wie viel Naturhaftes und Menschliches hat die erste Seele noch an sich, wie rein dagegen, wie vergöttlicht und wie christusähnlich ist die letztere!

Niemals gab es ein Geschöpf, niemals wird es eines geben, in dem Gott größer ist als in der himmlischen Jungfrau Maria – abgesehen von der Größe, die er in sich selbst hat -, nicht einmal in den höchsten Seraphim im Paradies. Maria ist Gottes Paradies und seine mit Worten nicht zu beschreibende Welt. Gott Sohn ist in sie eingegangen, um Wunder in ihr zu wirken, sie zu behüten und sein Wohlgefallen in ihr zu finden. Für den Menschen auf seiner Pilgerfahrt schuf Gott eine andere Welt, die fast allen Sterblichen hienieden unbekannt und für alle Engel und Heiligen des Himmels unbegreiflich ist. Sie sind voll heiligen Staunens, Gott in so erhabener Ferne zu erblicken, so abgesondert und verborgen in seiner Welt, der himmlischen Jungfrau Maria; und so rufen sie ohne Unterlass: Heilig, heilig, heilig!

Selig, ja tausendmal selig ist die Seele hienieden, die der Heilige Geist das Geheimnis Mariens erkennen lässt; der er diesen verschlossenen Garten auftut, auf dass sie darin eintrete; diesen versiegelten Quell, auf dass sie daraus schöpfe und in langen Zügen die lebendigen Wasser der Gnade trinke! Eine solche Seele wird in diesem liebenswerten Geschöpf nur Gott allein finden, ohne Beimischung von irgendetwas Geschaffenen; einen Gott, der zwar unaussprechlich erhaben und heilig ist, sich aber doch in unendlich erbarmender Güte ihrer Schwäche anpasst. Gott ist zwar überall; überall kann man ihn finden. Aber nirgends kann ein Geschöpf ihm so nahe kommen, nirgends findet es ihn der eigenen Schwäche mehr angepasst als in Maria, denn dazu ist er ja in sie herab gekommen. Überall anders ist er das Brot der Starken und der Engel; in Maria aber ist er das Brot der Kinder.

Man glaube nur ja nicht, wie manche irre geleitete Geister, dass Maria durch ihre Geschöpflichkeit die Vereinigung mit dem Schöpfer hindere; denn es ist ja nicht mehr Maria, die lebt, sondern Jesus Christus allein, Gott allein, der in ihr lebt. Ihre Umwandlung in Gott ist weit vollkommener als die der Heiligen. Maria ist nur für Gott geschaffen; sie hält die Seele in keiner Weise bei sich zurück, sondern sie versenkt sie in Gott und vereint sie umso vollkommener mit ihm, je mehr die Seele mit ihr vereint ist. Maria ist Gottes wunderbares Echo. Wenn man >>Maria<< ruft, dann antwortet sie >>Gott<<. Wenn man sie, wie die heilige Elisabeth, seligpreist, dann verherrlicht sie Gott. Hätten jene irre geleiteten Geister, die noch in ihren Gebeten vom Teufel erbärmlich getäuscht werden, Maria zu finden gewusst und durch Maria Jesus und durch Jesus Gott Vater, dann wären sie nicht so jämmerlich zu Fall gekommen. Wer einmal Maria gefunden hat und durch Maria Jesus und durch Jesus Gott Vater, der hat damit alles gefunden, was es an Gütern gibt. „Alles“, das will sagen, dass nichts ausgenommen ist. Alle Gnade findet er, alle Freundschaft Gottes, alle Sicherheit gegen Gottes Feinde, alle Wahrheit gegen die Lüge, leichten Sieg über die Hindernisse des Heils, jegliche Tröstung und Freude in Bitternissen des Lebens.

Wer die Gottesmutter durch eine echte Marienverehrung gefunden hat, der bleibt dadurch natürlich nicht verschont von Kreuz und Leid. Im Gegenteil, er wird sogar mehr davon bedrängt als ein anderer; denn Maria ist die Mutter der Lebenden und gibt daher allen ihren Kindern reichlich vom Baum des Lebens, nämlich vom Kreuze Christi. Aber wenn sie ihnen große Kreuze auflegt, erlangt sie ihnen auch die Gnade, sie geduldig, ja sogar freudig zu tragen. Die Kreuze, die sie ihren Kindern gibt, sind also eher Süßigkeit, es sind versüßte Kreuze und nicht bittere Kreuze. Wohl verkosten die Kinder Mariens zuweilen die Bitterkeit des Kelches, den Gottes Freunde trinken müssen. Aber nach der Traurigkeit schickt diese gute Mutter einen solchen Trost und eine solche Freude, dass sie daraus großen Mut schöpfen, noch schwerere und härtere Kreuze auf sich zu nehmen.

Es kommt also darauf an, Maria in Wahrheit zu finden, um jede Gnade überreich zu finden. Gott ist unumschränkter Herr und könnte darum auch unmittelbar das geben, was er gewöhnlich nur durch Maria gibt. Aber nach dem Plan, den die göttliche Weisheit nun einmal festgelegt hat, schenkt er sich – wie auch der hl. Thomas von Aquin lehrt – den Menschen in der jetzigen Ordnung der Gnade durch Maria. Um uns zu Gott zu erheben und mit ihm zu vereinigen, müssen wir den gleichen Weg gehen, auf dem er zu uns kam, um Mensch zu werden und uns seine Gnaden zu schenken; und dieser Weg ist Maria.

 

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast im Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige Wohnstätte des Heiligen Geistes bereitet; verleihe uns, die wir mit frommem Sinn dieses unbefleckte Herz feiern, die Kraft, nach deinem Herzen zu leben. Amen

 

 

 

  1. Tag

Mutter Christi und seines mystischen Leibes

 

Mariens ganze Größe und Hoheit ist begründet in ihrer Gottesmutterschaft. Sie ist aber nicht nur die Mutter Christi, sondern auch die Mutter seines geheimnisvollen Leibes. Denn vom Kreuz herab hat Christus ihr in der Person des Lieblingsjüngers die ganze Menschheit anvertraut. Darum ist Maria in Wahrheit auch unsere Mutter.

 

Betrachtung:

So wie die drei Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit beim ersten Kommen Jesu Christi in der Menschwerdung gewirkt haben, so wirken sie täglich auf unsichtbare Weise in der heiligen Kirche und so werden sie es halten bis Christus wiederkommt und die Zeit sich vollendet.

Gott Vater hat alle Wasser gesammelt und sie Meer genannt; er hat alle Gnaden gesammelt und sie Maria genannt. Der große Gott besitzt einen übervollen Schrein, eine Schatzkammer, in der er alle Schönheit, allen Glanz, alles, was selten und kostbar ist, eingeschlossen hat, selbst seinen eigenen Sohn. Diese unermessliche Schatzkammer ist niemand anderes als Maria. Die Heiligen nennen sie denn auch Gottes Schatzkammer, aus deren Fülle die Menschen ihre Reichtümer empfangen.

Gott Sohn hat seiner Mutter alles übergeben, was er durch sein Leben und Sterben erworben hat, seine unendlichen Verdienste und seine wunderbaren Tugenden. Das ganze Erbe, das sein Vater ihm verliehen hat, lässt er durch sie verwalten und verteilen; durch sie wendet er seine Verdienste seinen Gliedern zu, durch sie teilt er seine Tugenden mit und spendet seine Gnaden. Maria ist wie ein geheimnisvolles Strombett; sie ist die Leitung, durch die er sanft und reichlich die Wasser seines Erbarmens strömen lässt.

Der Heilige Geist hat seiner treuen Braut seine unaussprechlich großen Gaben anvertraut; er hat sie zur Ausspenderin seines ganzen Besitzes erwählt; darum ist sie es, die alle seine Gaben und Gnaden verteilt, an wen sie will, in welchem Maße sie will, wie sie will und wann sie will. Keine himmlische Gabe wird den Menschen verliehen, die nicht durch ihre jungfräulichen Hände ginge. Denn das ist der Wille Gottes, dass wir alles durch Maria empfangen; so will nämlich der Allerhöchste jene Magd auszeichnen, erhöhen und ehren, die sich während ihres ganzen Erdenlebens in tiefer Demut entäußert, erniedrigt und bis in die Tiefen ihres Nichts verborgen hat. Das ist die Auffassung der Kirche und der heiligen Kirchenväter.

Wenn ich zu den Gelehrten dieser Zeit spräche, dann würde ich alles, was ich jetzt einfach behaupte, ausführlich durch lateinische Zitate aus der Heiligen Schrift und den Kirchenvätern belegen. Nun spreche ich aber hauptsächlich zu den Armen und Einfachen; und da diese guten Willens sind und mehr Glauben besitzen als die meisten Gelehrten, nehmen sie das alles viel einfacher auf und haben auch mehr Verdienste dabei. Darum begnüge ich mich damit, ihnen einfach die Wahrheit zu erklären und ich halte mich nicht lange auf mit der Ausführung all dieser lateinischen Textstellen, die sie ja doch nicht verstehen. Einige Texte zitiere ich allerdings, jedoch ohne mich besonders darauf zu verlegen.

Johannes berichtet über Jesu letztes Vermächtnis: „Bei dem Kreuze Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas und Maria Magdalena. Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sprach er zu seiner Mutter: ´Frau, siehe da, dein Sohn!` Dann sprach er zu dem Jünger: ´Siehe da, deine Mutter!“ Von jener Stunde an nahm der Jünger sie in sein Haus“(Joh 19,25-27).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens – die echte Marienverehrung:

Es gibt verschiedene Arten echter Marienverehrung; denn von den falschen rede ich hier nicht.

Die erste Art besteht darin, dass man seine Christenpflichten erfüllt, die Todsünde meidet, mehr aus Liebe denn aus Furcht handelt, hin und wieder zu Maria betet, sie als Gottesmutter ehrt, jedoch ohne besondere Hingabe an sie.

Bei der zweiten Art bringt man der heiligsten Jungfrau mehr Hochschätzung, Liebe, Vertrauen, und Verehrung entgegen. Man wird Mitglied der Rosenkranz- oder Skapulierbruderschaft, man betet den Rosenkranz, ehrt die Marienbilder- und altäre, man preist Maria öffentlich und tritt in ihre Kongregationen ein. Wenn man die Sünde meidet, dann ist diese Art der Marienverehrung gut, fromm und lobenswert. Sie ist aber nicht so vollkommen wie die folgende; sie löst die Seele nicht von allem Geschaffenen und von sich selbst, um sie mit Jesus Christus zu vereinigen.

Die dritte Art kennen und üben nur ganz wenige; diese Art aber will ich euch lehren, ihr auserwählten Seelen.

Sie besteht darin, dass wir uns Maria gänzlich als Eigentum hingeben und durch sie an Jesus, so dass wir alles durch Maria, mit Maria, in Maria und für Maria tun. Und das will ich nun näher erklären. Wir wählen uns einen besonderen Tag aus, um uns frei und ohne Zwang, aus Liebe ganz und rückhaltlos hinzugeben, zu weihen und zu opfern. Wir schenken Leib und Seele, äußeren Besitz wie Haus, Familie, Einkommen und inneren seelischen Besitz wie Verdienste, Gnaden, Tugenden und Sühneleistungen.

Hier möchte ich ausdrücklich bemerken, dass wir bei der Ganzhingabe dem Heiland durch Maria das Liebste opfern, das unsere Seele besitzt. Kein religiöser Orden verlangt ein solches Opfer; wir verschenken nämlich das Recht, über den Wert unserer Gebete, Almosen, Abtötungen und Sühneleistungen eigenmächtig zu verfügen. Wir überlassen der Gottesmutter das volle Recht darüber. Sie wird sie verwenden nach ihrem Gutdünken zur größeren Ehre Gottes, die sie allein vollkommen kennt. Wir stellen Maria den ganzen Sühne- und Bittwert der eigenen guten Werke zur Verfügung. Nach dieser Ganzhingabe, die zwar an sich kein Gelübde ist, gehört das Gute, das wir tun, nicht mehr uns, sondern Maria. Sie kann damit einer Armen Seele im Fegefeuer Erleichterung verschaffen oder es zur Bekehrung eines Sünders oder für etwas anderes verwenden. Wir legen durch diese Hingabe auch unsere Verdienste in die Hände Mariens. Doch tun wir dies, damit sie sie bewahre, vermehre und veredle; denn die Verdienste, ebenso wie die heilig machende Gnade und die Glorie, die wir dadurch erwerben, sind nicht auf andere übertragbar. Aber wir übergeben Maria alle unsere Gebete und guten Werke, insofern sie fürbittenden und sühnenden Wert haben, zu ihrer beliebigen Verteilung und Verwendung. Wenn wir nun nach unserer Weihe an die Gottesmutter durch Gebet, Almosen, Abtötung und Opfer einer Seele im Fegefeuer zu Hilfe kommen, einen Sünder retten oder einem unserer Freunde beistehen möchten, dann müssen wir Maria demütig darum bitten und zufrieden sein mit ihrem Entscheid, wenn er uns auch unbekannt ist. Seien wir überzeugt, dass der Wert unserer Handlungen, ausgespendet durch dieselbe Hand, deren Gott sich zur Verteilung seiner Gnaden bedient, bestimmt zu seiner größeren Ehre verwendet wird.

Wie schon gesagt, besteht diese Weihe an Maria in der Ganzhingabe; wir schenken uns ihr als Eigentum. Hier ist zu bemerken, dass es drei Möglichkeiten gibt, einem anderen anzugehören. Die erste besteht im naturgegebenen Abhängigkeitsverhältnis aller Menschen, der guten wie der bösen, von Gott, ihrem Schöpfer. Die zweite beruht auf Zwang; so sind die Teufel und die Verdammten Gott unterworfen. Die dritte aber besteht in der liebenden und freiwilligen Ganzhingabe. Auf diese Art sollen wir uns Gott durch Maria weihen. Es ist die vollkommenste Weise, auf die ein Geschöpf sich seinem Schöpfer hingeben kann.

Bedenken wir jedoch, dass eine solche Hingabe kein bloßes Dienstverhältnis darstellt. Ein Diener wünscht Lohn für seine Dienste; der Liebende, der sich Gott ganz geschenkt hat, verlangt keinen Lohn dafür. Der Diener kann seinen Herrn verlassen, wann es ihm beliebt, er dient ihm nur für eine bestimmte Zeit, die Ganzhingabe aber gilt für immer.

Selig, ja tausendmal selig ist die großmütige Seele, die aus Liebe diese Ganzhingabe an Jesus durch Maria vollzieht, nachdem sie durch die Taufe die tyrannische Knechtschaft Satans abgeschüttelt hat!

 

Gebet:

Herr Jesus Christus, unser Mittler beim Vater, dir hat es gefallen, die allerseligste Jungfrau Maria, deine Mutter, auch uns zur Mutter zu geben, damit sie unsere Mittlerin bei dir sei. Gewähre gnädig denen, die dich um Wohltaten anflehen, die Freude, alles durch sie erlangt zu haben. Amen

 

 

 

  1. Tag

Mittlerin aller Gnaden

 

Maria hat uns in ihrem Sohn die Quelle aller Gnaden geschenkt: Sollte da Gott nicht auch weiterhin seine Gnaden auf diesem Weg mitteilen? Das erste Wunder Jesu in der Ordnung der Gnade, die Heiligung Johannes des Täufers im Mutterschoß und sein erstes Wunder in der Ordnung der Natur, die Verwandlung von Wasser in Wein, gehen, wie uns die Heilige Schrift berichtet, durch Mariens Vermittlung. Darauf beruht die Lehre der Kirche von der allgemeinen Gnadenvermittlung Mariens.

 

Betrachtung:

Es ist vollkommener, wenn wir uns Gott nicht ohne Mittler nahen, denn es bekundet mehr Demut. Wie ich eben gezeigt habe, ist unsere Natur verdorben. Wenn wir da auf unser eigenes Streben, unser eigenes Können und Mühen bauen, um zu Gott zu gelangen und ihm zu gefallen, werden sicherlich alle unsere guten Werke befleckt sein. Sie haben dann wenig Gewicht vor Gott und erschweren es ihm, sich mit uns zu vereinen und uns zu erhören. Nicht umsonst sind uns Mittler bei Gott gegeben. Der Herr sah unseren Unwert und unsere Ohnmacht und hatte Mitleid mit uns; um uns den Weg zu seinem Erbarmen zu öffnen, schenkte er uns mächtige Fürsprecher bei seinem Throne. Wenn wir also diese Fürsprecher missachten und uns dem Dreimalheiligen unmittelbar nahen, dann ist das ein Mangel an Demut und Ehrerbietung gegenüber Gottes Majestät und Größe. Das hieße, dem König der Könige weniger Ehrfurcht erweisen als einem irdischen König oder Prinzen, dem wir uns nicht gerne nahen ohne einen Freund, der für uns Fürsprache einlegt. Der Heiland ist unser Anwalt und der Mittler unserer Erlösung bei Gott Vater; durch ihn müssen wir mit der ganzen Kirche beten. Durch ihn haben wir Zugang zur göttlichen Majestät und niemals dürfen wir anders vor Gott erscheinen als unter Berufung auf Christus und angetan mit seinen Verdiensten.

Die Heiligung des Johannes: „In jenen Tagen machte sich Maria auf und ging eilends in das Gebirge nach einer Stadt in Judäa. Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Sobald Elisabeth den Gruß Mariens vernahm, frohlockte das Kind in ihrem Schoß und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Sie rief mit lauter Stimme: ´Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Woher wird mir die Gnade, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, sobald dein Gruß an mein Ohr klang, frohlockte das Kind vor Freude in meinem Schoß. Selig, die geglaubt hat, dass in Erfüllung gehen wird, was ihr vom Herrn gesagt wurde.` Da sprach Maria: ´Hochpreist meine Seele den Herrn; mein Geist frohlockt in Gott, meinem Helfer! Er hat in Gnaden geschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd; siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir getan der Allmächtige, sein Name ist heilig; und seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht mit jenen, die in Ehrfurcht ihm dienen. Mit seinem Arm wirkt er machtvoll, zerstreut, die Hoffart sinnen im Herzen. Mächtige stößt er vom Throne, doch die Geringen hebt er empor. Hungernden gibt er die Fülle der Güter; mit leeren Händen entlässt er die Reichen. Er nahm sich Israels an, seines Knechtes, eingedenk seines Erbarmens: wie es verheißen unseren Vätern; Abraham und seinem Stamm auf immerdar`“ (Lk 1,9-56).

 

Das Wunder von Kana: „Darauf war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu nahm daran teil. Auch Jesus und seine Jünger…Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu ihm: ´Sie haben keinen Wein mehr.` Jesus erwiderte ihr: ´Was habe ich mit dir gemeinsam, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.` Seine Mutter sagte dann zu den Dienern: ´Tut alles, was er euch sagt!` Nun standen dort sechs steinerne Wasserkrüge…Jesus gebot ihnen: ´Schöpft jetzt davon und bringt es dem Speisemeister!` Sie brachten es hin. Der Speisemeister kostete nun das Wasser, das zu Wein geworden war…`(Joh 2,1-9).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; Vorzüge der Ganzhingabe:

Wollte ich die Vorzüge der Ganzhingabe erschöpfend beschreiben, dann bräuchte ich eine große Erleuchtung. Darum fasse ich mich kurz.

Wer sich Jesus auf diese Weise durch Mariens Hände schenkt, der folgt dem Beispiel Gott Vaters, der uns seinen Sohn nur durch Maria geschenkt hat und uns seine Gnaden nur durch Maria mitteilt. Er folgt Gott Sohn nach, der nur durch Maria zu uns gekommen ist, der uns das Beispiel gegeben und uns gerufen hat, damit wir auf dem gleichen Weg zu ihm gehen, auf dem er zu uns gekommen ist, nämlich durch Maria. Wer sich so hingibt, der folgt dem Beispiel des Heiligen Geistes, der uns seine Gnaden und Gaben nur durch Maria schenkt. Ist es nicht recht und billig, so fragt der heilige Bernhard, dass die Gnade auf dem gleichen Weg zu ihrem Urheber zurückkehrt, auf dem er sie uns gesandt hat? Wenn wir so durch Maria zu Jesus gehen, dann ehren wir Jesus Christus wahrhaftig; denn wir bringen damit zum Ausdruck, dass wir wegen unserer Sünden nicht würdig sind, uns seiner unendlichen Heiligkeit unmittelbar und aus eigener Kraft zu nahen und dass wir seine heiligste Mutter Maria als Fürsprecherin und Mittlerin bei ihm brauchen, der unser Mittler ist. Wir kommen zu ihm und bekennen damit, dass er unser Bruder und unser Mittler ist. Wir demütigen uns gleichzeitig vor ihm und bekennen damit, dass er unser Gott und unser Richter ist. Mit einem Wort, wir üben die Demut, die stets das Herz Gottes gewinnt. Wenn wir uns Jesus auf diese Weise durch Maria weihen, dann legen wir damit alle unsere guten Werke in Mariens Hände. Diese Werke scheinen zwar gut, aber sie sind oft befleckt und nicht wert, angesehen und angenommen zu werden von Gott, vor dem nicht einmal die Sterne rein sind. Bitten wir doch unsere gute Mutter und Herrin, sie möge unser armseliges Geschenk in die Hand nehmen, es läutern, heiligen, erheben und veredeln, damit es Gottes würdig werde. Alles, was unsere Seele an Frucht bringt, ist gering vor Gott Vater.

Wir können nicht seine Freundschaft und Gnade damit gewinnen. Eher noch könnte ein armer Bauer, der Pächter bei einem König ist, seine Pacht mit einem wurmstichigen Apfel bezahlen. Was täte wohl solch ein armer Mensch, wenn er ein bisschen Verstand hätte und bei der Königin gut angeschrieben wäre? Sie, die dem armen Bauern gewogen und voll Ehrfurcht gegen den König ist, würde sicher die wurmstichigen und faulen Teile des Apfels entfernen. Sie würde ihn sogar auf eine mit Blumen geschmückte goldene Schale legen und der König könnte nicht umhin, ihn anzunehmen. Ja, er würde ihn sogar mit Freuden aus den Händen der Königin empfangen, die diesem Bauern gewogen ist. Willst du Gott etwas aufopfern, so sagt der heilige Bernhard, dann lege es in die Hände Mariens, sonst könntest du eine Zurückweisung erfahren.

Du lieber Gott! Wie wenig ist doch alles, was wir tun! Aber legen wir es durch unsere Hingabe in die Hände Mariens! Wenn wir uns ihr gänzlich schenken, soweit man sich verschenken kann; wenn wir uns ihr zu Ehren von allem entäußern, dann wird sie mit uns noch viel freigebiger sein und sich mit allen ihren Verdiensten und Tugenden uns schenken. Sie wird unsere Gaben auf die goldene Schale ihrer Liebe legen. Wie Rebekka den Jakob, so wird sie uns mit den schönen Gewändern ihres erst geborenen und einzigen Sohnes Jesus Christus bekleiden, nämlich mit seinen Verdiensten, über die sie das Verfügungsrecht hat.

Wer sich der heiligen Jungfrau auf diese Weise schenkt, der übt damit die Nächstenliebe im denkbar höchsten Grad, denn er schenkt Maria sein Teuerstes, damit sie nach ihrem Willen darüber verfüge und es Lebenden und Toten zu Gute kommen lasse.

Durch die Ganzhingabe bringen wir unsere Gnaden, Verdienste und Tugenden in Sicherheit; denn wir machen Maria zu deren Verwalterin, indem wir zu ihr sprechen; „Nimm hin, meine geliebte Herrin, was ich durch die Gnade deines lieben Sohnes an Gutem getan habe. Ich bin nicht fähig, es zu bewahren, denn ich bin zu schwach und unbeständig; zu viele und bösartige Feinde bedrohen mich Tag und Nacht. Täglich sieht man, wie Zedern vom Libanon in den Staub fallen und wie Adler, die sich bis zur Sonne erhoben, zu Nachtvögeln werden. So fallen auch tausend Gerechte zu meiner Linken und zehntausend zu meiner Rechten. Du aber, meine mächtige, meine unendlich mächtige Fürstin, halte mich, damit ich nicht falle; verwahre all mein Gut, damit es mir nicht geraubt werde. Alles, was ich habe, vertraue ich dir zur Verwahrung an. Ich weiß wie du bist, darum bringe ich mich dir ganz dar. Du bist getreu gegen Gott und Menschen und lässt nichts von dem verloren gehen, was ich dir anvertraue. Du bist mächtig und niemand kann dir entreißen, was du in Händen hast.“

Folge ihr und du verirrst dich nicht. Bete zu ihr und du verzweifelst nicht. Gedenke ihrer und du irrst nicht. Wenn sie dich hält, fällst du nicht. Wenn sie dich schützt, hast du nichts zu fürchten. Wenn sie dich führt, dann kommst du ans Ziel. „Sie hält ihren Sohn zurück, damit er nicht strafe; sie hält den Teufel zurück, damit er nicht schade; sie hält die Tugenden fest, damit sie nicht verderben; sie hält die Gnaden fest, damit sie nicht verwehen.“ Das sind die Worte des heiligen Bernhard, die im Wesentlichen all das ausdrücken, was ich eben gesagt habe. Gäbe es auch nur diesen einen Beweggrund, um mich zur Ganzhingabe zu veranlassen, nämlich dass sie ein sicheres Mittel ist, mich in der Gnade Gottes zu erhalten und diese Gnade in mir zu vermehren, ich müsste Feuer und Flamme sein.

Diese Ganzhingabe macht die Seele wahrhaft frei mit der Freiheit der Kinder Gottes. Da wir uns aus Liebe zu Maria freiwillig in die Abhängigkeit begeben, macht diese gute Herrin aus Dankbarkeit unser Herz groß und weit, so dass wir mit Riesenschritten auf dem Weg der Gebote Gottes voranschreiten. Überdruss, Traurigkeit und Skrupel hält sie von uns fern. Der Heiland lehrte Mutter Agnes von Jesus diese Hingabe als ein sicheres Mittel, den großen Qualen und Zweifeln zu entgehen, in denen sie sich befand. „Schenke dich meiner Mutter“, sprach er zu ihr. Sie tat es und im gleichen Augenblick hörten ihre Qualen auf.

Zur Beglaubigung dieser Hingabe müsste man hier alle die Verlautbarungen und Ablässe der Päpste aufzählen, ihre Empfehlungen durch die Bischöfe, ferner die Bruderschaften, die ihr zu Ehren errichtet wurden, sowie das Beispiel vieler großer Persönlichkeiten, die sie geübt haben; doch übergehe ich das alles.

 

 

Gebet:

Herr, mit den Bitten deiner Mutter, unserer Mittlerin, flehen wir zu dir, es möge diese Hingabe durch deine gnadenvolle Huld uns selbst zu einer ewigen Opfergabe für dich vollenden. Amen

 

                                              

  1. Tag

Königin der Apostel

 

Das Wesen des Apostolates besteht darin, Christus in den Menschenseelen hervorzubringen. Das aber ist nur eine Weiterführung der mütterlichen Aufgabe Mariens. Deshalb gehören Marienverehrung und Apostolat aufs engste zusammen. Wer in der Hingabe an Maria nur eine sentimentale Frömmigkeitsübung erblickt, ohne Verpflichtung zur Ausbreitung des Gottesreiches, der hat den eigentlichen Kern aller wahren Marienliebe noch nicht erfasst.

 

Betrachtung:

Die Gottesmutter wird dir Anteil schenken an ihrem Glauben, der auf Erden größer war als der Glaube aller Patriarchen, Propheten, Apostel und Heiligen. Jetzt, wo sie im Himmel herrscht, besitzt sie diesen Glauben nicht mehr, denn sie erkennt alle Dinge klar in Gott, im Licht der Glorie. Aber der Allmächtige hat ihr beim Eintritt in die Glorie die Macht gewährt, diesen Glauben in der streitenden Kirche für ihre treuesten Diener und Dienerinnen zu bewahren. Je mehr du dir darum das Wohlwollen dieser hohen Fürstin und getreuen Jungfrau erwirbst, desto mehr reinen Glauben wirst du in deinem ganzen Verhalten an den Tag legen: einen reinen Glauben, der dich lehrt, nicht nach fühlbaren und außergewöhnlichen Dingen zu streben; einen lebendigen, Liebe beseelten Glauben, der dir die Kraft gibt, alles aus reiner Liebe zu tun; einen felsenfesten, unerschütterlichen Glauben, indem du ruhig und standhaft verharrst inmitten von Stürmen und Ängsten; einen tätigen und durchdringenden Glauben, der dir wie ein geheimnisvoller Schlüssel Zugang verschafft zu allen Geheimnissen Jesu Christi, zum letzten Ziel des Menschen und selbst zum Herzen Gottes; einen mutigen Glauben, der dich treibt, ohne Zaudern Großes zu wagen und zu vollenden für Gott und die Rettung der Seelen; einen Glauben, der deine leuchtende Fackel sein wird, dein göttliches Leben, dein verborgener Schatz der göttlichen Weisheit und deine allmächtige Waffe. Durch ihn wirst du Lichtbringer sein in Dunkel und Todesschatten, entflammen die Lauen und jene, die des flammenden Goldes der Liebe bedürfen. Du wirst neu beleben, die im Tod der Sünde erstarrt sind. Durch deine gütigen und doch machtvollen Worte wirst du die steinernen Herzen rühren, die Zedern des Libanon stürzen und dem Satan und allen Feinden des Heiles Widerstand leisten. Schriftlesung der Vigilmesse vom 7. Dezember:

„Ich bringe wie ein Weinstock süßen Duft hervor und meine Blüten, sie sprossen schön und anmutig. Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Frucht und Erkenntnis und der heiligen Hoffnung. In mir ist die Gnade jedes Weges und jeglicher Wahrheit; in mir ist alle Hoffnung des Lebens und der Tugend. Kommt her zu mir alle, die ihr nach mir Verlangen hegt und sättigt euch an meinen Früchten. Denn mein Geist ist süßer als Honig und mein Erbe süßer als Honig und Wabenseim. Mein Andenken lebt fort durch die Geschlechter aller Zeiten. Wer von mir isst, den hungert nimmer mehr; wer von mir trinkt, den dürstet nimmer mehr. Wer auf mich hört, wird nicht zuschanden; wer sich um mich bemüht, wird nicht in Sünde fallen. Die mich zur Leuchte nehmen, werden das ewige Leben haben“(Sir 24,23-31).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; Innere Übung zur Ganzhingabe:

Ich habe vorhin gesagt, dass diese Hingabe darin besteht, alles mit Maria, in Maria, durch Maria und für Maria zu tun. Es genügt nicht, sich Jesus durch Maria einmal gänzlich zu weihen. Es ist nicht einmal hinreichend, es alle Monate oder alle Wochen zu tun. Dies wäre nur eine vorübergehende Hingabe, die die Seele nicht zu jener Vollkommenheit führte, zu der sie sich erheben kann. Es ist nicht schwer, Mitglied einer Bruderschaft zu werden. Es ist auch nicht schwer, sich zur Ganzhingabe zu entschließen und täglich einige mündliche Gebete zu verrichten, wie sie es vorschreibt; sondern die große Schwierigkeit liegt darin, in den Geist der Ganzhingabe einzudringen, der darin besteht, die Seele auch innerlich von Maria abhängig zu machen und durch sie von Jesus.

Ich habe viele Menschen gefunden, die mit einem bewundernswerten Eifer äußerlich diese heilige Weihe vollzogen haben. Aber ich habe nur selten welche gefunden, die sich deren Geist angeeignet haben und noch weniger, die darin ausharrten.

Das Wesen der Ganzhingabe liegt darin, dass man alles mit Maria tut, das heißt, man nimmt sich die heiligste Jungfrau zum vollendeten Vorbild für alles, was man zu tun hat. Bevor wir darum etwas unternehmen, müssen wir uns selbst und unseren besten Absichten entsagen. Wir müssen vor Gott unser Nichts bekennen, unsere völlige Unfähigkeit, irgendein gutes Werk im übernatürlichen Sinne, eine dem Heil förderliche Handlung zu verrichten. Wir müssen unsere Zuflucht zur Gottesmutter nehmen, uns mit ihr und ihren Absichten vereinen, wenn diese uns auch unbekannt sind. Durch Maria müssen wir uns mit den Absichten Jesu Christi vereinen, das heißt uns als Werkzeug in die Hände der heiligsten Jungfrau legen. Sie soll in uns wirken, sie soll mit uns und für uns tun, was ihr gut scheint, zur größeren Ehre ihres Sohnes und durch ihren Sohn Jesus Christus zur Ehre des Vaters. So soll das ganze innere Leben und jedes geistige Wirken von ihr abhängig sein.

Man muss alles in Maria tun, das heißt, man muss sich allmählich an die innerliche Sammlung gewöhnen, indem man sich eine annähernde Vorstellung, ein geistiges Bild von der Gottesmutter macht. Maria soll für die Seele die geweihte Stätte sein, an der sie ohne Furcht vor Zurückweisung alle ihre Gebete zu Gott empor sendet. Sie soll der Turm Davids sein, in dem die Seele sich vor allen ihren Feinden in Sicherheit bringt. Die flammende Leuchte soll sie sein, die das ganze Innere erhellt und von Gottesliebe brennt. Der heilige Ruheort, an dem die Seele in Maria und durch Maria Gott schaut. Mit einem Wort, Maria soll dieser Seele ein und alles sein, ihr Zufluchtsort in allen Dingen. Wenn sie betet, dann nur in Maria; wenn sie Jesus in der heiligen Kommunion empfängt, übergibt sie ihn Maria, damit er in ihr sein Wohlgefallen finde. Wenn sie handelt, dann nur in Maria; und überall, in allen Dingen entsagt sie sich selbst.

Man soll stets durch Maria zum Heiland gehen, sich ihrer Fürsprache und ihres großen Einflusses bei ihm bedienen und nicht allein zu ihm kommen, wenn man beten will.

Schließlich muss man alles für Maria tun. Wir gehören ja ganz dieser erhabenen Fürstin an und sollen darum bei jeder Betätigung ihren Dienst, ihren Vorteil und ihre Verherrlichung als nächstes und dadurch die größere Ehre und Verherrlichung Gottes als Ziel im Auge haben. Die Seele muss in all ihrem Tun der Eigenliebe absterben, die sich überall heimlich ein zu schleichen sucht. Sie muss immer wieder aus tiefstem Herzensgrunde beten: „O liebste Mutter und Herrin, dir zuliebe will ich dieses oder jenes tun; dir zuliebe dieses Leid annehmen, jenes Unrecht ertragen.“

Hüte dich wohl zu glauben, du auserwählte Seele, es sei vollkommener, geradewegs zu Gott zu gehen; dein Wirken, deine Absicht wird nur wenig Wert haben. Aber wenn du durch Maria gehst, dann wirkt Maria in dir und darum wird dieses Wirken erhaben und Gottes würdig sein. Hüte dich auch vor jeder Willensanstrengung, um das, was du sagst und tust, auch gefühlsmäßig aus zu kosten. Rede und handle immer in dem reinen Glauben, den Maria auf Erden hatte und den sie dir mit der Zeit mitteilen wird. Deiner Königin lasse die klare Anschauung Gottes, du armseliger kleiner Knecht, ihr lasse die Verzückung, die Wonnen, Freuden und Reichtümer. Dein Anteil aber sei nur der nackte Glaube, voll Widerwillen, Zerstreuung, Überdruss und Trockenheit. Sprich Amen zu allem, was Maria, deine Herrin, im Himmel tut. Das ist im Augenblick das Beste, was du tun kannst.

Hüte dich auch davor, dich zu betrüben, wenn du nicht gleich die tröstliche Nähe der Gottesmutter in deinem Innern fühlst; diese Gnade ist nicht für alle. Wenn Gott in seinem großen Erbarmen eine Seele damit begnadigt, dann kann sie diese Gnade sehr leicht wieder verlieren, falls sie nicht treu ist und sich nicht oft innerlich sammelt. Sollte dir dieses Unheil widerfahren, dann kehre still um und leiste deiner Herrin die gebührende Sühne.

 

 

 

Gebet:

Gott, du hast deinen Aposteln, die mit Maria, der Mutter Jesu, einmütig im Gebet verharrten, den Heiligen Geist gegeben: verleihe uns, dass wir unter dem Schutz der Königin der Apostel, die auch unsere Mutter ist, deiner Majestät treu zu dienen und die Herrlichkeit deines Namens durch Wort und Beispiel auszubreiten vermögen. Amen

 

 

  1. Tag

Die Frau der Apokalypse

 

Maria geht als Mutter immer dem Sohn voraus. Auch bei der Wiederkunft ihres Sohnes wird sie ihm die Wege ebnen. Als die sonnenumkleidete Frau wird sie den letzten Kampf der Heilsgeschichte gegen die Mächte der Tiefe führen. Mit dem Heiligen Geist, dessen Braut sie ist, wird sie zu den auserwählten Seelen jenes beglückende Wort sprechen: „Komm!“ So ist Maria die Pforte, die ins ewige Leben führt.

 

Betrachtung:

Durch Maria hat das Heil der Welt begonnen, durch Maria muss es auch vollendet werden.

Beim ersten Kommen Jesu Christi ist Maria fast gar nicht in Erscheinung getreten, damit die Menschen, die ja damals über die Person ihres Sohnes nur wenig unterrichtet und aufgeklärt waren, sich nicht durch eine zu starke und sinnenhafte Anhänglichkeit an Maria von der Wahrheit entfernten. Denn hätte man sie schon damals gekannt, dann wäre das sicher eingetreten wegen des wunderbaren Liebreizes, mit dem der Allerhöchste selbst ihr Äußeres ausgestattet hatte. Diese Gefahr war aber tatsächlich gegeben; so bezeugt Dionysius der Areopagite, dass er sie bei ihrem Anblick und ihrer unvergleichlichen Schönheit für eine Göttin gehalten hätte, wenn nicht der Glaube, in dem er wohl unterrichtet war, ihn eines andern belehrt hätte. Beim zweiten Kommen Jesu Christi aber muss Maria erkannt und vom Heiligen Geist geoffenbart werden, damit die Menschen durch sie auch Jesus Christus erkennen, lieben und ihm dienen. Denn die Gründe, die den Heiligen Geist veranlasst haben, seine Braut während ihres Erdenlebens nur wenig zu offenbaren, haben dann keine Geltung mehr.

Die große Marien-Vision des Apostels Johannes: „Am Himmel erschien ein großes Zeichen! Eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war gesegneten Leibes…

Noch ein anderes Zeichen erschien am Himmel: Ein großer, feuriger Drache…Sein Schweif fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg…Der Drache stellte sich vor die Frau, die gebären sollte, um ihr Kind gleich nach der Geburt zu verschlingen…Doch ihr Kind ward zu Gott auf seinen Thron gerückt…

Da erhob sich ein großer Kampf im Himmel. Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen und der Drache und seine Engel kämpften. Aber sie vermochten nicht stand zu halten und ihr Platz im Himmel ging verloren. So wurde der große Drache gestürzt: die alte Schlange, die Teufel und Satan heißt und welche die ganze Welt verführt…

Als der Drache sich auf die Erde hinab gestürzt sah, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte…Aber die Erde kam der Frau zu Hilfe…und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Munde(gegen sie) geschleudert hatte. Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen gegen ihre übrigen Kinder, die Gottes Gebote beobachten und am Zeugnis Jesu festhalten“(Off 12,1-18).

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; Die Früchte der Ganzhingabe:

Die Erfahrung wird dich unendlich viel mehr lehren, als ich dir sagen kann; und wenn du das Wenige, das ich dich gelehrt habe, treu erfüllst, dann wirst du in dieser Hingabe so viele Reichtümer und Gnaden finden, dass du staunst; und deine Seele wird von Jubel ganz erfüllt sein.

So wollen wir uns Mühe geben, liebe Seele und so handeln, dass durch die treue Übung dieser Hingabe die Seele Mariens in uns den Herrn lobpreise, der Geist Mariens in uns frohlocke in Gott, unserem Heiland; dieser Gedanke stammt vom heiligen Ambrosius. Und wir dürfen nicht glauben, es sei herrlicher und beglückender, im Schoße Abrahams zu wohnen, wie das Paradies genannt wird, als im Schoße Mariens. Denn in ihr hat der Herr seinen Thron aufgeschlagen, wie der fromme Abt Guerrikus sagt.

Die Ganzhingabe bringt eine Fülle von herrlichen Wirkungen in der Seele hervor, wenn man sie treu übt. Ihre wesentlichste Wirkung jedoch ist es, schon auf Erden das Leben Mariens in der Seele entspringen zu lassen, so dass nicht mehr die Seele lebt, sondern Maria in ihr; denn die Seele Mariens wird sozusagen ihre Seele. Wenn nun durch eine unaussprechliche, aber durchaus wirkliche Gnade die erhabene Gottesmutter in einer Seele als Königin herrscht, welche Wunder wirkt sie dann darin! Ihr ist es ja gegeben, große Wunder zu wirken, besonders innerlicher Art. So wirkt sie im Verborgenen, nicht einmal die Seele selbst weiß darum, denn sie würde durch ihre Kenntnis die Schönheit der Werke Mariens zerstören.

Maria ist immer und überall die fruchtbare Jungfrau. Darum bringt sie jeder Seele, in der sie herrscht, die Reinheit des Herzens und des Leibes, die Reinheit der Absichten und Pläne, die Fruchtbarkeit an guten Werken. Glaube nicht, liebe Seele, dass Maria, das fruchtbarste aller Geschöpfe, das den Gottmenschen hervorgebracht hat, in einer treuen Seele müßig bliebe. Sie bringt sie unaufhörlich zum Leben in Jesus Christus und Jesus Christus in ihr. Wie der heilige Paulus kann sie von sich sagen: „Meine Kinder, um die ich wieder Geburtswehen leide, bis Christus in euch gebildet ist“(Gal 4,19). Jesus Christus ist die Frucht Mariens, in jeder einzelnen Seele genauso wie für die ganze Welt im Allgemeinen. Aber besonders in der Seele, in der Maria wohnt, ist Jesus Christus ihre Frucht und ihr Meisterwerk. Schließlich wird Maria das ein und alles dieser Seele bei Jesus Christus. Sie erleuchtet den Geist mit ihrem reinen Glauben; sie vertieft das Herz durch ihre Demut, macht es weit und entflammt es durch die Liebe. Durch ihre Reinheit läutert sie es; sie adelt es und macht es groß durch ihre Mutterschaft. Aber wozu halte ich mich auf? Nur die Erfahrung kann diese Wunder Mariens lehren, Wunder, die den Gelehrten und Stolzen, aber auch den meisten Frommen kaum glaublich erscheinen.

Durch Maria ist Gott zum ersten Mal in die Welt gekommen, in Niedrigkeit und Selbstentäußerung. Ist daher nicht anzunehmen, dass Gott auch bei seiner Wiederkunft, die die ganze Kirche erwartet, durch Maria kommen wird, um über alles zu herrschen und die Lebendigen und die Toten zu richten? Wie das sein wird und wann das sein wird, wer kann es wissen?

Das aber weiß ich, dass Gott, dessen Gedanken die unsrigen überragen wie der Himmel die Erde, zu einer Zeit und auf eine Weise kommen wird, auf die die Menschen am wenigsten gefasst sind. Nicht einmal jene, die am meisten belesen und bewandert sind in der Heiligen Schrift, die übrigens in diesem Punkt recht dunkel ist, ahnen etwas davon.

Gegen das Ende der Zeiten – vielleicht sogar früher als man meint – wird Gott voraussichtlich große Heilige erwecken, die erfüllt sind vom Heiligen Geist und vom Geiste Mariens. Durch sie wird die himmlische Herrin große Wunder wirken in der Welt. Sie wird die Sünder vernichten und das Reich ihres Sohnes Jesus Christus über den Trümmern des Reiches der verderbten Welt aufrichten. Und diese heiligen Menschen werden all das durch jene Ganzhingabe an Maria vollbringen. Leider ist infolge meiner Unzulänglichkeit diese meine Darlegung unvollständig und wird der Größe der Sache nicht gerecht.

Außer der inneren Übung dieser Hingabe, von der wir eben gesprochen haben, gibt es auch äußere Übungen, die man nicht unterlassen oder vernachlässigen darf.

Die erste besteht darin, dass man sich an einem besonderen Festtag Jesus Christus durch die Hände Mariens schenkt, indem man sich ihr gänzlich hingibt. In dieser Meinung empfängt man dann auch die heilige Kommunion an diesem Tag und verbringt ihn im Gebet. Die Weihe soll man jedes Jahr mindestens einmal erneuern.

Die zweite Übung besteht darin, jedes Jahr am Weihetag der Gottesmutter zum Beweis der Ergebenheit und Abhängigkeit ein kleines Opfer zu bringen. Dieses Opfer kann in einer Abtötung bestehen, einem Almosen, einer Wallfahrt oder irgendwelchen Gebeten. Wie der hl. Petrus Damiani berichtet, hat sein Bruder, der selige Marinus, sich jedes Jahr am Weihetag vor einem Altar der Mutter Gottes öffentlich gegeißelt. Ein solcher Eifer wird weder gefordert noch angeraten; aber so muss man wenigstens, was man ihr gibt, mit demütigem und dankbarem Herzen darbringen.

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die unbefleckte Jungfrau Maria, die Mutter deines Sohnes, mit Leib und Seele aufgenommen in die Herrlichkeit des Himmels; wir bitten dich, verleihe, dass wir allezeit auf das Himmlische bedacht sind und so dereinst teilhaftig werden ihrer Herrlichkeit. Amen

 

 

 

  1. Tag

Notwendigkeit der Marienverehrung

 

Das katholische Volk vertraut auf die Wahrheit des Satzes: „Ein Marienkind geht niemals verloren.“ Wenn schon eine irdische Mutter kein Opfer scheut, um ihr Kind dem Tode zu entreißen, um wie viel mehr wird Maria alles aufwenden, um uns vor dem ewigen Verderben zu bewahren! Freilich dürfen wir nicht vermessentlich auf diese Wahrheit vertrauen, wenn wir nicht auch wie ein wahres Marienkind unser Leben nach dem Vorbild der Mutter und ihres göttlichen Sohnes gestalten.

 

Betrachtung:

Gott brauchte zwar Maria nicht unbedingt. Doch war es sein ausdrücklicher Wille, dass sie notwendig sei. Wenn darum Gott schon Mariens bedurfte, dann ist sie den Menschen zur Erreichung ihres Endzieles erst recht notwendig. Darum darf man die Marienverehrung nicht einfach der Verehrung der übrigen Heiligen gleichsetzen. Sie ist viel notwendiger und keineswegs unserem Belieben anheimgestellt.

Der gelehrte und fromme Suarez aus der Gesellschaft Jesu, der weise und fromme Justus Lipsius, Doktor von Löwen und viele andere haben klar bewiesen, dass die Marienverehrung zum Heile notwendig ist. Sie stützen sich auf die Auffassung der Kirchenväter, wie des heiligen Augustinus, des heiligen Diakons Ephrem von Edessa, des heiligen Cyrill von Jerusalem, des heiligen Germanus von Konstantinopel, des heiligen Johannes von Damaskus, der heiligen Anselm, Bernhard, Bernardin, Thomas, Bonaventura und vieler anderer. Ebenso haben sie bewiesen, es sei ein sicheres Zeichen für das Fehlen der Gotteskindschaft, wenn jemand keine Achtung und Liebe für die seligste Jungfrau hege. Dies geben sogar Ökolampad und andere Irrlehrer zu. Andererseits sei aber eine echte und vollkommene Liebe und Hingabe an sie ein sicheres Zeichen der Auserwählung. Die Vorbilder des Alten und Neuen Testaments beweisen dies, die Auffassung und das Beispiel der Heiligen bekräftigen es, die Vernunft und die Erfahrung lehren und zeigen es; selbst die Teufel und die bösen Geister haben es oft unter dem Zwang der Wahrheit widerwillig bekennen müssen. Von den vielen Textstellen bei den heiligen Kirchenvätern und Lehrern, die ich gesammelt habe, um diese Wahrheit zu beweisen, will ich der Kürze halber nur einen Ausspruch des heiligen Johannes von Damaskus anführen: „Die Liebe zu dir, o Maria, ist eine Waffe des Heiles, die Gott jenen verleiht, die er retten will.“

Ich könnte als Beweis hier einige Begebenheiten anführen. Es wird in der Lebensbeschreibung des hl. Franziskus erzählt, er habe einst in Verzückung eine große Leiter gesehen, die in den Himmel führte. Auf der obersten Sprosse stand die Gottesmutter und es wurde ihm bedeutet, dass er dort zu ihr hinaufsteigen müsse, um in den Himmel zu gelangen. In der Lebensgeschichte des heiligen Dominikus wird berichtet, die heilige Jungfrau habe bei einer Teufelsaustreibung den Dämonen geboten, die Macht der Marienverehrung offen zu bekennen.

Klarer als jede andere Schriftstelle erschließt uns die Notwendigkeit der Marienverehrung das >>Ave Maria<<:

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. – Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen

 

Geistliche Lesung: Geheimnis Mariens; Wachsen in der Ganzhingabe:

Auserwählte Seele, hat der Heilige Geist dich verstehen gelehrt, was ich eben geschrieben habe? Dann danke Gott; denn es ist ein Geheimnis, das fast der ganzen Welt unbekannt ist. Hast du den verborgenen Schatz im Acker Mariens gefunden, die kostbare Perle des Evangeliums, dann verkaufe alles, um sie zu erwerben. Bringe dich selbst zum Opfer, lege dich in Mariens Hände, gehe voll Seligkeit ganz in ihr auf, um Gott allein in ihr zu finden.

Wenn der Heilige Geist den wahren Baum des Lebens in deine Seele gepflanzt hat, nämlich die Ganzhingabe, die ich dir eben erklärt habe, dann musst du deine ganze Sorge darauf verwenden, ihn zu pflegen, damit er dir zur rechten Zeit seine Frucht bringe. Diese Ganzhingabe ist das Senfkorn, von dem im Evangelium die Rede ist. Wenn es auch scheinbar das kleinste von allen Samenkörnern ist, so wird es doch sehr groß: ja, es wächst zu solcher Höhe, dass die Vögel des Himmels, nämlich die auserwählten Seelen, ihre Nester in seinen Zweigen bauen, in seinem Schatten Schutz finden vor der Sonnenhitze und sich dort in Sicherheit vor den wilden Tieren verbergen.

Wenn dieser Baum in ein treues Herz gepflanzt ist, dann will er ganz frei stehen, ohne jede menschliche Stütze; denn dieser Baum ist göttlich und will nicht, dass etwas Geschaffenes ihn im Streben zu Gott, seinem Ursprung, aufhält. Darum dürfen wir uns nicht auf unser Geschick oder unsere natürlichen Talente, auf unser Ansehen oder unseren Einfluss bei den Menschen stützen. Zu Maria müssen wir unsere Zuflucht nehmen und nur auf ihre Hilfe zählen. Die Seele, in der dieser Baum gepflanzt ist, muss wie ein guter Gärtner stets damit beschäftigt sein, ihn zu behüten und zu betrachten. Denn dieser Baum ist lebendig und soll auch die Frucht des Lebens hervorbringen. Sein Gedeihen und Wachsen erfordert, dass die Seele ihn im Auge behalte und beständig betrachte. Eine Seele, die nach Vollkommenheit strebt, denkt oft an ihn, ja sie macht aus dieser Betrachtung ihre Hauptbeschäftigung.

Dornen und Disteln, die mit der Zeit den Baum ersticken und ihn am Fruchttragen hindern könnten, müssen ausgerissen und abgeschnitten werden. Das heißt, wir müssen durch Abtötung und Selbstüberwindung alle unnützen Vergnügungen und alle eitlen Beschäftigungen mit den Geschöpfen treulich aufgeben und abbrechen. Mit anderen Worten, wir müssen unser Fleisch kreuzigen, das Stillschweigen bewahren und unsere Sinne abtöten.

Wir müssen darüber wachen, dass die Raupen dem Baum nicht schaden. Diese Raupen sind die Eigenliebe und die Liebe zur Bequemlichkeit, die die grünen Blätter auffressen und die schönen Hoffnungen auf die Frucht des Baumes zunichtemachen. Denn Eigenliebe und Marienliebe vertragen sich nicht miteinander. Die wilden Tiere dürfen nicht an den Baum heran. Diese wilden Tiere sind die schweren Sünden, die durch ihre bloße Berührung den Baum schon töten könnten. Nicht einmal ihr Atem darf ihn berühren, nämlich die lässlichen Sünden, denn auch diese bilden eine große Gefahr, wenn man sie nicht ernst nimmt.

Dieser göttliche Baum muss oft begossen werden durch eifriges Beten, Beichten und Kommunizieren, durch öffentliches und privates Gebet, sonst trägt er nicht länger Frucht. Wenn der Wind den Baum rüttelt und schüttelt, darf uns das nicht beunruhigen, denn es muss so sein. Der Wind der Versuchung wird wehen, um ihn zu entwurzeln, Schnee und Frost werden ihn umgeben, um ihn zum Absterben zu bringen. Das heißt, die Hingabe an die Gottesmutter wird Angriff und Widerspruch erfahren. Aber wer den Baum ruhig weiter pflegt, hat nichts zu fürchten.

Du auserwählte Seele, wenn du den Lebensbaum, den der Heilige Geist in dir neu gepflanzt hat, so pflegst, dann sei sicher, dass er in kurzer Zeit zu solcher Höhe wachsen wird, dass die Vögel des Himmels darin wohnen werden. Und eine solche Vollkommenheit wird er erreichen, dass er endlich zur rechten Zeit die Frucht der Herrlichkeit und der Gnade bringen wird, nämlich Jesus Christus, den anbetungswürdigen Heiland, der immer die einzige Frucht Mariens gewesen ist und es immer sein wird. Selig das Herz, in das Maria, der Baum des Lebens, eingepflanzt ist; seliger jenes, in dem er wächst und blüht; seliger noch das Herz, in dem er Frucht trägt. Am allerseligsten aber jenes, das diese Frucht verkostet und bewahrt bis zum Tode und in alle Ewigkeit. Amen

Wer besitzt, bewahre den Besitz!

GOTT ALLEIN!

 

 

Gebet:

Herr, allmächtiger Gott, du wolltest, dass wir durch die makellose Mutter deines Sohnes alles haben sollen: verleihe uns, dass wir unter dem Schutze einer so mächtigen Mutter die Gefahren des gegenwärtigen Lebens meiden, auf dass wir das ewige Leben erlangen, Amen.

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Abschnitt

Dritte Woche

 

Jesus kennen und lieben

 

„Die dritte Woche“, sagt der heilige Ludwig Maria, „sollen wir dazu verwenden, Jesus Christus zu erkennen.

Man kann nicht lieben, was man nicht kennt. Was man nur halb kennt, kann man nicht aus ganzen Herzen lieben. Jesus Christus kennen, heißt genug Erkenntnis besitzen. Hättest du alles Wissen der Welt und wüsstest nicht um ihn, du wüsstest nichts.“

Wir bitten Maria, uns in die Erkenntnis Jesu Christi einzuführen; uns ihren göttlichen Sohn zu offenbaren, damit er durch sie uneingeschränkt in uns herrsche. Wir entsagen dem Satan und erwählen Jesus Christus zu unserem König, zu unserem einzigen Herrn und Gebieter.

Tagesordnung für die dritte Woche:

Tägliche Gebete:

>>Litanei vom Heiligen Geist<<(siehe S. 244)

>>Meerstern, ich dich grüße<<(siehe S. 239)

>>Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu<<(siehe S. 247)

>>Gebet des heiligen Augustinus<<(siehe S. 249)

Geistliche Übungen:

Betrachtung, Gewissenserforschung, Tugendübungen: Akte der Gottes- und Nächstenliebe. Freudiges Ertragen von Leid, Verzeihung des uns zugefügten Unrechtes.

 

Tägliches Gebet vor der Betrachtung in der dritten Woche:

O Maria, unbefleckte Braut und Gottesmutter! Lob, Dank und Anbetung sei der Allerheiligsten Dreifaltigkeit für alle Gnaden, die sie dir verliehen hat! Durch dich wollte Jesus vom Vater durch den Heiligen Geist zu uns kommen. Du bist auch unsere Mutter, unsere Herrin und Königin. Führe uns zu Jesus!

Erflehe mir Licht und Liebe vom Heiligen Geist, damit ich Jesus immer besser erkenne und mehr liebe. Durch die Ganzhingabe an dich will ich mit dir Jesus auf ewig gehören.

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.

 

  1. Tag

Die Liebe Christi zu uns: Seine Menschwerdung

 

Die seit Ewigkeiten verborgene unsichtbare Liebe Gottes ist sichtbar erschienen in Jesus Christus. Wer vermag dieses Geheimnis zu ergründen? Bitten wir die Mutter der schönen Liebe, sie möge uns die Liebe Christi erkennen lassen, die alle Erkenntnis übersteigt(vgl. Eph 3,19).

 

Betrachtung:

Die vorherbestimmte Zeit für die Erlösung des Menschen war nun endlich gekommen. Da schuf sich die Ewige Weisheit eine würdige Wohnung. Im Schoße der heiligen Anna bildete sie das wunderbare Kind Maria und empfand mehr Freude darüber als über die Erschaffung des Weltalls. Unmöglich, die Gnaden zu nennen, welche die Allerheiligste Dreifaltigkeit diesem lieblichen Menschenkind verliehen hat; nicht auszudrücken aber auch die Treue, mit der Maria diesen Gnaden ihres Schöpfers entsprochen hat.

Der überquellende Strom der unendlichen Güte Gottes, eingedämmt seit Erschaffung der Welt durch die Sünden der Menschen, ergießt sich mit ungestümer Fülle in das Herz Mariens. Die Ewige Weisheit verleiht ihr alle Gnaden, die Adam und seine Nachkommen erhalten hätten, wenn sie treu geblieben wären.

Welch ein Wunder! Die Ewige Weisheit, unser Herr und Heiland, wollte aus dem Schoße seines Vaters herabsteigen in den Schoß einer Jungfrau, um darin unter den Lilien ihrer Reinheit zu ruhen; er ist in ihr Mensch geworden und hat sich so ihr ganz geschenkt. Zu diesem Zwecke sandte er ihr den Erzengel Gabriel, um sie von ihm zu grüßen und ihr Jawort zur Menschwerdung zu erbitten. Der Erzengel führte seinen Auftrag aus; er versicherte Maria, dass sie trotz ihrer Mutterschaft Jungfrau bleiben werde und erlangte von ihr jene wunderbare Einwilligung, auf welche die Allerheiligste Dreifaltigkeit mit allen Engeln und der ganzen Schöpfung seit Jahrtausenden gewartet hatte. Maria demütigte sich vor ihrem Schöpfer und sprach: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!“

Im gleichen Augenblick, da Maria ihre Zustimmung zur Gottesmutterschaft gab, geschahen mehrere Wunder. Der Heilige Geist formte aus dem reinen Herzblut Mariens einen winzigen, aber vollkommenen Leib; Gott schuf die vollkommenste Seele, die jemals geschaffen wurde. Die Ewige Weisheit, der Sohn Gottes, vereinte sich wesenhaft mit diesem Leib und dieser Seele. Und damit ist das große Wunder des Himmels und der Erde vollendet, damit offenbart sich das verschwenderische Übermaß der Liebe Gottes: DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN. Gott, die Ewige Weisheit, ist Mensch geworden, ohne dass er aufhörte, Gott zu sein; und dieser Gottmensch heißt Jesus Christus, d.h. Erlöser.

Worte der Heiligen Schrift: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahin gab, damit jeder, der an ich glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“(Joh 3,16).

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit“(Joh 1,14).

„Er hat mich geliebt und sich für mich dahin gegeben“ (Gal 2,20).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch IV, Kap. 2):

Im Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit, die so groß ist wie du, o mein Gott und Herr, gehe ich hin zu dir, ein Kranker zu seinem Heiland, ein Durstiger zur Quelle des Lebens, ein Dürftiger zum König des Himmels, ein Knecht zu seinem Herrn, ein Geschöpf zu seinem Schöpfer, ein Trostloser zu seinem freundlichen Tröster.

Aber woher wird mir das, dass du zu mir kommst(vgl. Lk 1,43)? Wer bin ich, dass du dich selbst mir hingibst? Ich, ein Sünder, wie darf ich es wagen, vor dir zu erscheinen, und du, der Heilige, wie kannst du so gütig sein, zu einem Sünder zu kommen? Du kennst doch deinen Knecht und weißt wohl am besten, dass er nichts Gutes in sich hat, das ihn einer solchen Gabe würdig machte. Wahrhaftig, ich gestehe meine Unwürdigkeit, ich erkenne deine Güte, ich preise deine Vaterhuld, ich danke deiner Liebe, die keine Grenze hat. Denn das, was du hierin und in allem zu meinem Besten tust, das tust du nicht um meiner Verdienste, sondern bloß um deiner Liebe wegen, das tust du nur, um deine Gnade noch herrlicher an mir zu beweisen und mir selbst noch mehr Liebe und mehr Demut in das Herz zu legen. Weil dir dies nun wohlgefällig, weil es sogar deinem Gebote gemäß ist, so kann ich nicht anders: was du gebietest, muss auch mir gefallen und vor allem deine Herablassung. O dass mir nur meine Sünde nicht in den Weg träte!

O du. Die Liebe und die Lieblichkeit selbst! Welche Verehrung, Dank und Lobpreisung bin ich dir schuldig dafür, dass du mich mit deinem heiligsten Leibe speisest? Es ist doch kein Menschenverstand fähig, die unbegreifliche Würde dieser deiner Liebe zu begreifen!

Was werde ich aber bei dieser Kommunion, im Hingang zu meinem Herrn, den ich nicht nach Würde verehren kann und doch mit voller Andacht empfangen möchte, Besseres und Nützlicheres tun können, als mich ganz vor dir erniedrigen und deine grenzenlose Liebe im stillen Lobpreis erhöhen? Das will ich tun, mein Gott; wie nichts fühle ich mich vor dir und werfe mich im Abgrund meines Nichts hin vor dir und lobe dich und will dich ewig loben, ewig deinen Namen über alle Namen erhöhen.

Du bist der Heiligste unter den Heiligen und ich der Unreinste unter den Unreinen. Du neigst dich zu mir und ich bin nicht wert, zu dir auf zu schauen. Du kommst zu mir, du willst bei mir sein, du ladest mich selbst zu deinem Gastmahl ein. Du willst mir die Speise des Himmels, das Brot der Engel zu essen geben(vgl. Ps 77,25), kein anderes Brot als dich selbst, das lebendige Himmelsbrot, das vom Himmel herab gekommen ist und der Welt das Leben gibt(vgl. Joh 6,33). O Übermaß der Liebe, wie groß und herrlich erscheinst du in deinem Lichte? Wie werde ich dir dafür genug danken, genug dich loben können? Wie hast du mir doch nichts als lauter Heil und Segen zugedacht, da du dieses Gastmahl einsetztest! Wie lieblich und süß ist das Mahl der Liebe, indem du dich selbst zur Speise gibst! Wie wundervoll ist dein Werk, wie all vermögend deine Macht, wie unaussprechlich die Wahrheit deines Wortes! Denn du sprachst und es ward alles(vgl. Ps 148,5), was du werden hießest; du sprachst und es ward auch dieses, wie du es werden hießest. Wahrhaftig, eine wundervolle und bei aller Unbegreiflichkeit für den menschlichen Verstand glaubwürdige Sache, dass du, mein Herr und Gott, unter den geringen Gestalten des Brotes und Weines zugegen bist und, indem dich der Mensch genießt, unverzehrt bleibst, ewig unser Gott und unser Herr! Du, dem alles zu Gebote steht, der keines Dinges bedarf, du wolltest durch dies dein Sakrament in uns wohnen.

Bewahre du mir Leib und Seele unbefleckt, damit ich mit frohem und reinem Gewissen öfters deine Geheimnisse würdig feiere und was du zu deiner Ehre und zum immer währenden Denkmal deiner Liebe gestiftet hast, zu meinem ewigen Heile empfangen kann. So freue dich denn, meine Seele und danke dem Herrn für diese so edle Gabe und für den erquickenden Trost, den er uns in diesem Tal der Tränen zurückgelassen hat. Denn so oft du dieses Geheimnis dankbar erwägst und den Leib Christi genießest, so oft wirst du aller Verdienste Christi teilhaftig, so oft wird das Werk der Erlösung wie von neuem in dir vollbracht.

Denn die Liebe Christi ist ein unerschöpfliches Gut und seine vollgültige Versöhnung ist so unerschöpflich wie seine Liebe. Deshalb musst du dich jedes Mal mit erneuertem Sinn und Herzen vorbereiten und das große Geheimnis des Heiles aufmerksam betrachten. Und wenn du Messe liest oder hörst, so soll dir diese Handlung so wichtig, neu und erfreuend sein, als wenn Christus erst im Leibe der heiligen Jungfrau menschliche Gestalt annähme oder am Kreuze hängend für das Heil der Menschen litte und stürbe.

 

Gebet:

Herr, wir haben durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt; nun bitten wir: Gieße unserem Geist deine Gnade ein, damit wir durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Amen

 

 

 

 

  1. Tag

Die Liebe Christi in der Erlösung

 

Christus ist gekommen, um sein Leben als Lösegeld für alle hinzugeben. Durch seinen blutigen Tod am Kreuz hat er uns der grausamen Knechtschaft Satans entrissen und uns die Tore des Paradieses geöffnet. Möge die Schmerzensmutter, die unter dem Kreuz das Opfer ihres Sohnes mit vollzog, uns niemals vergessen lassen, um welch teuren Preis wir erkauft sind.

 

 

Betrachtung:

Viele Gründe bestehen für uns, Jesus Christus, die Mensch gewordene Weisheit, zu lieben; aber der stärkste Beweggrund liegt nach meiner Meinung in den Leiden, die er für uns erduldet hat, um uns seine Liebe zu beweisen. Christi Leiden bezog sich zunächst auf zeitliche Güter. Abgesehen von der Armut, die bei seiner Geburt, seiner Flucht nach Ägypten und das ganze Leben lang sein Los war, wurden ihm bei seinem bitteren Leiden sogar noch seine Kleider genommen. Er litt sodann an seiner Ehre und seinem Ruf; denn er wurde mit Schmähungen überhäuft. Man hieß ihn einen Gotteslästerer, Aufwiegler und Besessenen. Er litt in seiner Weisheit; denn er wurde als Nichtwisser und als Schwindler angesehen und wie ein Narr behandelt. Er litt in seiner Macht; denn man hielt ihn für einen Zauberer und Magier, der durch einen Bund mit dem Teufel falsche Wunder wirkte. Einer von seinen Jüngern verkaufte und verriet ihn, der erste unter ihnen verleugnete ihn, die anderen verließen ihn. Unser geliebter Heiland litt an allen Gliedern seines Leibes; sein Haupt wurde mit Dornen gekrönt, Haar und Bart ihm ausgerissen, seine Wangen geschlagen, sein Angesicht angespien, Nacken und Arme mit Stricken gefesselt, Schultern und Rücken gebeugt unter der Last des Kreuzes, Hände und Füße von Nägeln durchbohrt, sein Herz von einer Lanze geöffnet und sein ganzer Leib von Geißelhieben zerrissen. Seine heilige Seele wurde gemartert von den Sünden aller Menschen; er musste sie erkennen als Beleidigungen seines geliebten Vaters und als Quelle des Verderbens für viele, die trotz seines bitteren Leidens der Verdammnis anheimfallen würden.

Aus all dem müssen wir mit den Kirchenvätern und dem heiligen Thomas schließen, dass unser guter Jesus mehr gelitten hat als alle Märtyrer zusammen, einschließlich jener, die bis zum Ende der Zeiten noch kommen werden.

Und damit stehen wir vor dem größten „Geheimnis des Königs“, nämlich vor seinem Kreuz. Wie sind doch die Gedanken und Wege der Ewigen Weisheit entfernt und verschieden von jenen selbst der weisesten Menschen! Der Heiland will die Welt erlösen, die Teufel verbannen und fesseln, den Menschen den Himmel öffnen und dem ewigen Vater unendliche Ehre erweisen. Eine große Aufgabe! Wie wird die Ewige Weisheit sie wohl lösen? Sie ist ja allmächtig; sie braucht nur zu wollen und alles geschieht. Aber diese Macht ordnet sich ganz der Liebe unter. Sie will Mensch werden, um dem Menschen ihre Liebe zu beweisen; sie will selbst auf die Erde herabsteigen, damit er zum Himmel emporsteige. Was sollte man nun denn erwarten? Doch wohl, dass die Weisheit in Glanz und Herrlichkeit erscheine, begleitet von Millionen und aber Millionen von Engeln oder wenigstens von Millionen erwählter Menschen; dass sie durch ihre Majestät siege und die Herzen der Menschen durch ihre Erhabenheit und ihre Reichtümer gewinne?

Weit gefehlt; die Ewige Weisheit wirft vielmehr ihren Blick auf ein Ding, das den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit ist; auf ein verächtliches Stück Holz, die Strafe der ärgsten Verbrecher, die Schmach der Unglücklichsten; auf einen Galgen, auf ein Kreuz. Auf dieses Kreuz blickt sie und erwählt es vor all dem, was glänzend und erhaben ist im Himmel und auf Erden; das Kreuz soll das Werkzeug ihrer Eroberungen und der Schmuck ihrer Majestät sein. Wie erstaunlich ist doch diese Wahl! Wie sind doch Gottes Pläne und Gedanken erhaben und unfasslich! Und glaubt ja nicht, Jesus habe sich nach seinem Tode vom Kreuze getrennt und es verworfen, um einen glorreichen Triumph feiern zu können. Keineswegs! Das Band zwischen Jesus und dem Kreuz ist unlösbar, die Verbindung ewig.

Niemals das Kreuz ohne Jesus, noch Jesus ohne Kreuz.

Durch seinen Tod hat er die Schmach des Kreuzes so glorreich gemacht, dass es Engeln und Menschen verehrungswürdig geworden ist. Bei seiner zweiten Ankunft wird dieses Kreuz ihm auf einer strahlenden Wolke vorangehen und mit dem Kreuz und durch das Kreuz wird er die Welt richten.

So erwartet die Ewige Weisheit nun den großen Tag ihres Triumphes beim letzten Gericht; bis dahin aber will sie, dass das Kreuz das Kennzeichen, das Mal und die Waffe all ihrer Erwählten sei. Sie nimmt kein Kind an, das nicht dieses Zeichen trägt; sie nimmt keinen Jünger an, der es nicht auf der Stirn trägt, ohne zu erröten; der es nicht auf dem Herzen trägt, ohne zurück zu schrecken und auf den Schultern, ohne es nach zu schleppen oder abzuwerfen. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“

Heilige Schrift: „Gott ist die Liebe. Gottes Liebe hat sich an uns darin geoffenbart, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn das Leben haben. Darin zeigt sich die Liebe: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt und seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünden gesandt“ (1 Joh 4,9-10).

„Er hat uns alle Fehltritte vergeben, hat die Schuldschrift, die uns mit ihrer Anklage belastete, ausgelöscht und vernichtet, da er sie ans Kreuz heftete“ (Kol 2,14).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch IV, Kap. 8):

Jesus spricht: Wie ich mich am Kreuze mit ausgestreckten Armen und mit entblößtem Leibe für deine Sünden Gott, dem Vater, freiwillig geopfert, wie ich mich ganz geopfert habe, so dass an mir und in mir nichts übrig blieb, was nicht ein Sühneopfer der Gerechtigkeit ward: so sollst auch du dich selbst und dich ganz, mit allen deinen Kräften und Neigungen, sollst dich freiwillig und mit innigster Andacht täglich in der heiligen Messe mir opfern. Was sollte ich denn von dir anderes fordern, als dass du dich ganz an mich ergebest? Alles, was du mir sonst geben magst, dich ausgenommen, das ist in meinen Augen nichts; denn ich will nicht deine Gabe haben, sondern dich. So wie du, in Hinsicht auf deine volle Seligkeit, kein Genüge daran finden könntest, wenn du alle übrigen Dinge hättest und mich allein nicht hättest, so kann ich kein Wohlgefallen daran haben, wenn du mir alle übrigen Dinge gäbest und dich allein nicht gäbest. Opfere dich mir und gib dich ganz für Gott allein dahin und dein Opfer wird angenehm sein. Siehe, ich habe mich ganz für dich dem Vater geopfert; ich hab meinen Leib und mein Blut zum Trank und zur Speise dahin gegeben, damit wir ganz eins, ich dein und du mein, werden und bleiben könnten. Willst du aber immer nur an dir hängen bleiben und nie dich selbst meinem Wohlgefallen opfern, so wird dein Opfer nicht vollständig und unsere Vereinigung kann nicht innig und ganz werden.

Wenn du also Gnade und Freiheit erlangen willst, so musst du bei allem, was du im Äußeren tust, eine inwendige Aufopferung deiner selbst, eine Hingabe deines ganzen Willens in die Hände Gottes vorangehen lassen. Denn deshalb findet man so wenig Menschen, welche die wahre Freiheit und das rechte Licht haben, weil es so wenig Menschen gibt, die sich ganz verleugnen und opfern.

Mein Wort, das ich einst ausgesprochen habe, bleibt noch immer in seiner ganzen Kraft: Wer nicht allen Dingen absagt, der kann nicht mein Jünger sein (vgl. Lk 14,33). Wenn du also mein Jünger werden willst, so gib dich ganz mit allen deinen Neigungen mir zum Opfer hin.

 

Gebet:

Gott, du hast deinen Eingeborenen zum Erlöser der Welt bestellt und uns durch ihn nach seinem Sieg über den Tod erbarmungsvoll das Leben wieder geschenkt; verleihe uns, dass wir in Gedanken an diese Wohltaten dir in ewiger Liebe verbunden bleiben und die Frucht dieser Erlösung zu empfangen verdienen. Amen

 

 

 

  1. Tag

Die Liebe Christi im Allerheiligsten Altarsakrament

 

Zwei große Geschenke der Liebe hat Jesus Christus uns vor seinem Tod gegeben: sein Fleisch und Blut im Allerheiligsten Altarssakrament und seine Mutter. In der heiligen Kommunion empfangen wir den Leib, den Jesus aus Maria genommen hat. Darum kann niemals ein Gegensatz bestehen zwischen wahrer Marienliebe und liturgisch-eucharistischer Frömmigkeit.

 

Betrachtung:

Und so ist die Ewige Weisheit denn selbst Mensch geworden, um den Menschen noch näher zu kommen, um ihnen ihre Liebe noch deutlicher zu zeigen. Sie ging so weit, dass sie zu einem kleinen Kind wurde; sie wurde ganz arm und schließlich starb sie für die Menschen am Kreuz. Sie wollte dem Menschen ihre Liebe beweisen, indem sie für ihn starb, um ihn zu retten; und doch konnte sie es nicht über sich bringen, ihn zu verlassen. Darum fand sie ein wunderbares Geheimnis, um zu sterben und doch zu leben und bis ans Ende der Zeit bei den Menschen zu bleiben: So hat sie aus Liebe die heilige Eucharistie erfunden. Und um in diesem Geheimnis ihre Sehnsucht zu stillen, hat sie sich nicht gescheut, die ganze Ordnung der Natur zu ändern und um zu stürzen. Nicht unter dem Glanz eines Diamanten oder eines anderen Edelsteines verbirgt sie sich; denn sie will nicht nur äußerlich bei den Menschen bleiben; vielmehr verbirgt sie sich unter der Gestalt eines kleinen Stückchen Brotes, das des Menschen eigenste Nahrung ist; sie wollte vom Menschen genossen werden und so bis ins Innerste seines Herzens dringen, um dort ihr Wohlgefallen zu finden. Das tut nur einer, der glühend liebt.

Die Übung der Ganzhingabe bei der heiligen Kommunion:

 

  1. Vor der heiligen Kommunion

Demütige dich zutiefst vor Gott. Entsage dir selbst und allen deinen Absichten, auch wenn die Eigenliebe sie dir noch so gut erscheinen lässt. Erneuere deine Hingabe mit den Worten: „Ich bin ganz dein, meine geliebte Herrin und alles, was ich habe, ist dein.“ Bitte die liebe Gottesmutter, sie möge dir ihr Herz leihen, damit du darin ihren Sohn empfängst, so wie sie ihn empfangen hat. Sage ihr, es sei nicht vereinbar mit der Ehre ihres Sohnes, in ein so beflecktes und wankelmütiges Herz wie das deine einzugehen, das seiner Ehre nur Abbruch tun oder ihn gar verlieren würde. Wolle sie aber bei dir verweilen, um ihren Sohn zu empfangen, dann könne sie das kraft ihrer Herrschaft über die Herzen; und sie werde ihren Sohn auf die rechte Art empfangen, ohne Makel, ohne Gefahr, ihn zu beleidigen oder zu verlieren. Sage ihr voll Vertrauen, dass deine Ganzhingabe zwar nur wenig zu ihrer Ehre beiträgt, dass du ihr aber durch die heilige Kommunion dasselbe Geschenk machen willst, das der ewige Vater ihr gemacht hat und das ehrenvoller für sie ist, als würdest du ihr alle Güter der Welt schenken. Sage ihr schließlich, dass Jesus sie einzig liebt und auch jetzt noch seine Wonne und Ruhe in ihr zu finden wünscht. Zwar sei deine Seele armselig und unrein; doch sei er ja auch ohne Zaudern in den Stall von Bethlehem gekommen, weil sie darin war. Bitte sie um ihr Herz mit den zärtlichen Worten: „O Maria! Dich nehme ich zu mir als mein alles; schenk mir dein Herz Maria!“

 

  1. Während der heiligen Kommunion

Sobald du nach dem Vaterunser bereit bist, Jesus Christus zu empfangen, sprich dreimal: „O Herr, ich bin nicht würdig…“ Das erste Mal sollst du es gleichsam dem ewigen Vater sagen, dass du wegen deiner bösen Gedanken und deiner Undankbarkeit gegen einen so guten Vater nicht würdig bist, seinen eingeborenen Sohn zu empfangen; aber sage ihm, Maria, seine Magd, sei ja da und trete an deine Stelle. Sie flöße dir Vertrauen und Hoffnung auf sein Erbarmen ein.

Dann sprich zum Sohn: „O Herr, ich bin nicht würdig…“ Sage ihm, du seist nicht würdig, ihn zu empfangen wegen deiner eitlen und bösen Worte und deiner Treulosigkeit in seinem Dienst; aber dann bitte ihn, er möge sich deiner erbarmen, weil du ihn in das Haus seiner und deiner Mutter führen würdest. Du würdest nicht von ihm lassen, bis er bei ihr eingekehrt sei. Sage ihm, dass du dich nicht wie Esau auf deine Verdienste, deine Kraft und deine Vorbereitung verließest, sondern dass du nur auf Maria, deine liebste Mutter, vertraust, so wie der junge Jakob auf die Fürsorge seiner Mutter Rebekka vertraute. Du seist zwar ein Sünder wie Esau, aber mit dem Beistand und im Schmuck der Verdienste und Tugenden seiner heiligen Mutter, wagst du es trotzdem, ihm zu nahen.

Dann sprich zum Heiligen Geist: „O Herr, ich bin nicht würdig…“ Sage ihm, dass du nicht wert seist, das Meisterwerk seiner Liebe zu empfangen, weil alles, was du tust, lau und sündig sei und weil du seinen Eingebungen widerstanden hättest. Doch du setztest dein ganzes Vertrauen auf seine Braut Maria. Darum sprich mit dem heiligen Bernhard: „Auf sie setze ich mein ganzes Vertrauen, sie ist der ganze Grund meiner Hoffnung.“ Du darfst den Heiligen Geist sogar bitten, wieder über seine unzertrennliche Braut Maria herab zukommen, ihr Schoß sei so rein und ihr Herz so brennend von Liebe wie nur je zuvor. Ohne seine Herabkunft in deine Seele würden weder Jesus noch Maria darin gebildet, noch würdig aufgenommen werden.

 

  1. Nach der heiligen Kommunion

Nach der heiligen Kommunion sammle dich innerlich, schließe die Augen und führe Jesus in das Herz Mariens. Gib ihn seiner Mutter. Sie wird ihn voller Liebe empfangen, ihm einen würdigen Platz einräumen, ihn voll Ehrfurcht anbeten, ihn in Vollkommenheit lieben, ihn innig umarmen und ihm in Geiste und in der Wahrheit noch viele Dienste erweisen, von denen wir bei der Finsternis unseres Geistes nichts wissen.

Du kannst auch in tiefster Demut in deinem eigenen Herzen verharren in der Gegenwart Jesu, der in Maria wohnt. Oder du kannst wie ein Diener an der Tür des Palastes verweilen, in dem der König mit der Königin spricht. Und während sie miteinander reden, ohne deiner zu bedürfen, durchschweife im Geiste Himmel und Erde und bitte alle Geschöpfe, anstatt deiner Jesus in Maria anzubeten und zu lieben. Du kannst auch selbst, in Vereinigung mit Maria, Jesus bitten, dass durch seine heilige Mutter sein Reich auf Erden komme. Du kannst ihn bitten um die göttliche Weisheit oder Liebe, um Verzeihung für deine Sünden oder um irgendeine andere Gnade, aber stets durch Maria und in Maria. Sage mit einem Seitenblick auf dich selbst: „Herr, sieh nicht auf meine Sünden, sondern lass deine Augen in mir nur die Tugenden und Verdienste Mariens sehen.“ Dann gedenke deiner Sünden und füge hinzu: „Ich habe diese Sünden begangen, der ich mir selbst der ärgste Feind bin, den ich zu bekämpfen habe.“ Oder auch: „Erlöse mich von dem sündigen und trügerischen Menschen, der ich selbst bin“. Oder: „Mein Jesus, du musst wachsen in meiner Seele, ich aber muss abnehmen. Maria, auch du musst wachsen in mir und ich muss kleiner werden. O Jesus und Maria, wachst in mir und auch in den Seelen.“

Es gibt noch unendlich viele Gedanken, die der Heilige Geist eingibt und die er auch dir eingeben wird, wenn du eine wahrhaft innerliche Seele bist, abgetötet und treu der großen und erhabenen Hingabe, die ich dich gelehrt habe. Aber denke daran, dass Jesus umso mehr geehrt wird, je mehr du in deiner Kommunion Maria wirken lässt. Und du lässt Maria umso mehr für Jesus und Jesus in Maria wirken, je tiefer du dich demütigst, je besser du in Frieden und Schweigen auf ihn horchst, ohne sehen, verkosten oder fühlen zu wollen. Denn überall lebt der Gerechte aus dem Glauben und besonders in der heiligen Kommunion, die ja ein Werk des Glaubens ist.

Die Einsetzung der Eucharistie: „Sehnlichst habe ich verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu halten, bevor ich leide“(Lk 22,15).

„Der Herr nahm in der Nacht, da er verraten wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: ´Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Andenken!` Ebenso nahm er nach dem Mahle auch den Kelch und sprach: ´Dieser Kelch ist der Neue Bund mit meinem Blute. So oft ihr ihn trinkt, tut dies zu meinem Andenken!` Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, feiert ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt.

Wer daher unwürdig das Brot isst oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leib und Blut des Herrn“ (1. Kor 11,23-27).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch IV, Kap. 13):

Der Jünger Jesu:

Wann wird denn die selige Stunde schlagen, wann wird mir die Gnade werden, dass ich dich endlich finde, vor dir mein ganzes Herz ausgieße, deiner nach Herzenslust genieße und, von allen Geschöpfen unbesehen und unangefochten, fern von allen Zeugen und den verschmähenden Blicken der Menschen, mit dir allein rede und du mit mir, wie ein Freund zum Freunde, wie ein Geliebter zu seinem Geliebten beim freundlichen Mahle?

Das ist jetzt mein Gebet, das der glühende Wunsch meines Herzens, dass ich ganz mit dir vereinigt werde und von allem Irdischen und Zeitlichen abgeschieden und, durch die heilige Kommunion, durch die wiederholte Feier des großen Opfers am Kreuze, neu belebt, das Himmlische und Ewige kosten und lieben, lieben und genießen lerne.

O mein Gott und Herr, wann werde ich meiner ganz vergessen und eins mit dir sein, ganz eins mit dir und wie verschlungen im Abgrund deines heiligen Wesens! Du in mir und ich in dir, das ist mein Wunsch. Lass mich eins mit dir werden und eins bleiben, das ist mein Gebet. Wahrhaftig, du bist mein Geliebter, mein Auserwählter aus Tausenden(vgl. Hld 5,10); das ist die Himmelslust meiner Seele, bei dir zu sein, alle Tage meines Lebens. Wahrhaftig, du bist mein Friedensfürst; denn in dir finde ich den vollkommenen Frieden und die wahre Ruhe und außer dir nichts als Plage und Schmerz und Pein ohne Ende. Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott(vgl. Jes 45,15); die Gottlosen wissen nichts um deinen geheimen Ratschluss, aber die Demütigen und Einfältigen sind deine Vertrauten. Wie freundlich ist dein Geist, o Herr! Um deine Freundlichkeit gegen deine Kinder zu beweisen, erquickst du sie mit dem schmackhaftesten Brot, das vom Himmel kam. Wie bist du, unser Gott, doch allen, die an dich glauben, so unaussprechlich nahe! Kein anderes Volk ist so groß, kein anderes Volk kann sich eines solchen traulichen Umgangs mit seinem Gott rühmen(vgl. Dt 4,7), wie wir uns deiner Nähe freuen. Um unser Herz täglich zu erquicken und gen Himmel empor zu richten, gibst du dich selbst uns zum täglichen Genuss, zum täglichen Mahl der Liebe hin. Wo ist ein Volk so selig wie das Christenvolk? Wo ist unter der Sonne ein Geschöpf, das solche Liebe erfährt, wie die andächtige Seele, die ihr Herr besucht, um sie mit seinem verklärten Fleisch zu speisen?

O unaussprechliche Gnade, o wunderbare Milde, o Liebe ohne Maß, die sich ganz zum Besten des Menschen geopfert hat! Was werde ich aber für diese Gnade, für diese Liebe, die alle Begriffe übersteigt, dem Herrn wiedergeben können? Es ist kein Geschenk, das ich ihm geben, keines, das ihm gefälliger sein kann als dies: mein Herz; das will ich ihm ganz, ohne Rückbehalt geben, das soll vollkommen eins mit ihm werden. Und dann, dann wird mein Innerstes ein ewiges Jubellied sein. Dann wird er zu mir sagen: „Ich bin gern bei dir; magst du denn auch gern bei mir sein?“ Und ich werde ihm antworten: „Lieber Herr, sei so gütig und bleibe bei mir, ich will gern bei dir sein. Denn das ist mein einziges Verlangen, dass mein Herz eins mit dir werde und eins mit dir bleibe ewig!“

 

Gebet:

Du unser Schutzherr, schaue uns an, o Gott, blicke in das Antlitz deines Gesalbten, der sich zum Sühneopfer gab für alle und gib, dass vom Sonnenaufgang bis zum Untergang dein Name verherrlicht werde unter den Völkern und dass an allen Orten deinem Namen das reine Opfer dar gebracht werde. Gott, du hast uns in dem wunderbaren Sakrament das Gedächtnis deines Leidens hinterlassen; wir bitten dich, lass uns die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so verehren, dass wir auch an der Frucht deines Erlösungswerkes immerdar Anteil haben. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. Tag

Unsere Antwort auf die Liebe Christi:

Erkenntnis Christi

 

Um Christus unsere Gegenliebe zu bezeugen, müssen wir ihn zunächst immer besser zu erkennen suchen. Das geschieht durch gläubiges Lesen der Heiligen Schrift und liebende Betrachtung. Auch hier ist Maria uns Vorbild, denn es heißt von ihr: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“(Lk 2,20).

 

Betrachtung:

Kann man lieben, was man nicht kennt? Kann man glühend lieben, was man nur ungenügend kennt? Warum lieben wir die Mensch gewordene Ewige Weisheit, unseren anbetungswürdigen Heiland, so wenig? Doch nur, weil wir ihn nicht kennen oder zu wenig kennen!

Es gibt kaum einen Menschen, der sich mit dem Apostel Paulus in die überragende Wissenschaft Christi so vertiefte, wie es sich gebührt; und dabei ist diese Wissenschaft von allen Erkenntnissen im Himmel und auf Erden die edelste, die süßeste, die nützlichste und die notwendigste.

Die Ewige Weisheit begann außerhalb Gottes zu erstrahlen, als sie nach einer ganzen Ewigkeit Licht, Himmel und Erde schuf. Der Evangelist Johannes sagt uns, dass „alles durch das Wort geschaffen wurde“(Joh 1,3), das heißt, durch die Ewige Weisheit. Die Ewige Weisheit hat nicht nur alles geschaffen; sie wohnt auch allen Dingen inne, sie „umschließt, erhält und erneuert sie“(Sap 1,7;7,27). Sie, die zugleich Schönheit und erhabenste Einfachheit ist, hat nach der Erschaffung der Welt die herrliche Ordnung festgesetzt, die wir darin finden. So großartig die Macht und der Zauber der Ewigen Weisheit sich in der Erschaffung, der Schönheit und Ordnung des Weltalls offenbarte, so erstrahlte sie noch viel herrlicher in der Erschaffung des Menschen, denn dieser ist ihr wunderbares Meisterwerk. Er ist das lebende Abbild ihrer Schönheit und Vollkommenheit, das erhabene Gefäß ihrer Gnaden und der wunderbare Schrein ihrer Reichtümer. Sie hat sozusagen leuchtende Abbilder ihres eigenen Verstandes, ihres Gedächtnisses und ihres Willens geschaffen und sie der Seele des Menschen verliehen; er sollte das lebendige Ebenbild Gottes sein. Sie entfachte in seinem Herzen den Brand der reinen Gottesliebe; sie schuf ihm einen Leib von strahlend lichter Schönheit. Alle die mannigfachen Reize der Engelwelt, der belebten Welt und der übrigen Schöpfung hat sie im Menschen zusammengefasst.

Alles am Menschen war schattenlose Helle, unentstellte Schönheit, fleckenlose Reinheit, ungestörte Ordnung ohne Fehl und Makel. Sein Geist nahm teil am Lichte der Ewigen Weisheit; durch sie besaß er die vollkommene Erkenntnis des Schöpfers und der Geschöpfe. In seiner Seele hatte er die Gnade Gottes, die ihn in der Unschuld bewahrte und ihn wohlgefällig machte in den Augen des Allerhöchsten. In seinem Leibe besaß er die Unsterblichkeit. In seinem Herzen aber trug er die reine Gottesliebe, frei von aller Todesfurcht; so war er in der Lage, Gott stetig, unausgesetzt und uneigennützig um seiner selbst willen zu lieben. Ja, der Mensch war so vergöttlicht, dass er ständig in Verzückung war, ganz hinein genommen in Gott; dabei hatte er keine Leidenschaft zu besiegen und keinen Feind zu bekämpfen.

Jesus Christus ist das letzte Ziel aller Marienverehrung.

Unser Erlöser Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, muss das Endziel aller unserer Andachtsübungen sein; sonst wären sie falsch und irreführend. Jesus Christus ist Alpha und Omega, Anfang und Ende aller Dinge. Unsere ganze Arbeit besteht nach dem Apostelwort darin, alle Menschen in Jesus Christus vollkommen zu machen. In ihm allein wohnt die ganze Fülle der Gottheit und jede Fülle der Gnade, Tugend und Vollkommenheit; in ihm allein haben wir alle geistlichen Segnungen empfangen. Er ist der einzige Lehrer, von dem wir lernen dürfen, der einzige Herr, dem wir angehören, das einzige Haupt, dem wir geeint sein müssen, das einzige Vorbild, dem wir nach streben müssen, der einzige Arzt, der uns heilen soll, der einzige Weg, auf dem wir wandeln dürfen, das einzige Leben, das uns beseelen muss und unser ein und alles in allen Dingen. Er allein genügt. Unter dem Himmel ist uns kein anderer Name gegeben, in dem wir das Heil finden können, als der Name Jesu. Gott hat unserem Heil, unserer Vollkommenheit und unserer ewigen Seligkeit keine andere Grundlage gegeben als Jesus Christus; jedes Gebäude, das nicht auf diesem Grundstein ruht, ist auf Flugsand gebaut und wird unfehlbar früher oder später einstürzen. Jeder Gläubige, der nicht mit ihm vereint ist wie die Rebe mit dem Weinstock, wird abfallen, verdorren und zu nichts anderem taugen, als ins Feuer geworfen zu werden. Wenn wir in Jesus Christus sind und Jesus Christus in uns, dann haben wir keine Verdammnis zu fürchten; nicht die Engel des Himmels, nicht die Menschen der Erde, nicht die Dämonen der Hölle noch irgendein Geschöpf kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Jesus Christus. Durch ihn, mit ihm und in ihm vermögen wir alles; wir können den Vater in der Einheit des Heiligen Geistes jede Ehre und Verherrlichung erweisen; wir können selbst vollkommen werden und unserem Nächsten ein Wohlgeruch des ewigen Lebens sein.

Wenn wir also die wahre Marienverehrung zeigen, dann tun wir das nur, um die Verehrung Jesu Christi umso vollkommener zu gestalten; wir wollen nur einen leichten und sicheren Weg zu Jesus Christus weisen. Würde die Marienverehrung die Seelen von Christus entfernen, dann müsste man sie als Blendwerk des Teufels verwerfen; aber wie ich schon gezeigt habe und noch ausführlicher zeigen werde, ist genau das Gegenteil der Fall: wir brauchen gerade diese Verehrung, um Jesus Christus ganz zu finden, ihn innig zu lieben und ihm treu zu dienen.

Der Apostel Paulus über die Erkenntnis und Liebe Christi: „Dessentwegen beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus…Möge er euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, dass ihr durch seinen Geist mit Kraft innerlich stark werdet, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und dass ihr in der Liebe fest gewurzelt und fest gegründet seid. Dann vermögt ihr mit allen Heiligen die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe zu erfassen und die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt“(Eph 3,14-19).

„Innerlich gefestigt und in Liebe vereint, sollen sie(die Christen) zum ganzen Reichtum des vollen Verständnisses gelangen, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes(des Vaters), das ist Christus(Jesus). In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen“(Kol 2,2-3).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch I, Kap. 5):

Wahrheit muss man in den heiligen Schriften suchen – Wahrheit nicht Beredsamkeit.

Die Heilige Schrift soll in dem nämlichen Geiste gelesen werden, in dem sie verfasst worden ist. Es muss dir beim Schriftlesen weit mehr um das Heilsame der Lehre als um das Feine des Ausdruckes zu tun sein. Und ein Buch, das noch so gemein und kunstlos, dabei aber mit Salbung geschrieben ist, sollst du so gern lesen als ein anderes, in dem alles tief gedacht und fein ausgedrückt ist.

Nie soll dich das Ansehen eines Schriftstellers irre machen; nie sollst du darauf Acht haben, ob die großen Gelehrten ihn für Ihresgleichen halten oder nicht. Denn die Liebe zur reinen Wahrheit, und nur diese Liebe, soll dich zum Lesen treiben. Frage nicht lange, wer das gesagt hat, sondern sieh nur immer auf das, was da gesagt wird. Denn die Menschen, die heute lehren, sind morgen nicht mehr; aber „die Wahrheit des Herrn, die bleibt ewig“(Ps 116,2). Und der Herr redet auf mancherlei Weise zu uns, ohne alles Ansehen der Person. Was uns im Schriftlesen so oft im Wege steht, das ist die Neugier. Wir wollen da noch grübeln und begreifen, wo wir weiter nichts als vorbeigehen sollten. Wenn dich das Lesen wirklich besser machen soll, so lies mit Demut, mit Einfalt, mit aller Treue gegen die erkannte Wahrheit und lass dich die eitle Lust, ein großer Schriftgelehrter zu heißen, nicht anfechten. Frage gern und höre schweigend, was die heiligen Männer lehren. Lass es dich auch nicht verdrießen, auf die Gleichnisreden der Alten zu horchen. Denn es liegt Verstand darin und sie sind nicht umsonst da.

 

Gebet:

Gott, du hast deinen eingeborenen Sohn den Heidenvölkern durch den führenden Stern geoffenbart: gewähre gnädig, dass auch wir, die dich schon aus dem Glauben erkannt haben, zur Anschauung deines erhabenen Glanzes geführt werden. Amen

 

 

 

  1. Tag

Treue zum Taufgelübde

 

In der Taufe haben wir uns zum ersten Mal zu Christus bekannt. Durch ein feierliches Gelöbnis haben wir uns seinem Dienst geweiht. Aber wie leichtfertig setzen wir uns über diese heilige Verpflichtung hinweg! Und doch sind wir Christi unumschränktes Eigentum. Bestätigen wir also diese totale Abhängigkeit durch den bewussten Vollzug unserer Hingabe an Jesus durch Maria. Unsere himmlische Mutter wird uns dann helfen, in Zukunft unser Taufgelübde treuer zu erfüllen.

 

Betrachtung:

Ich habe bereits erwähnt, dass man diese Hingabe auch gut als vollkommene Erneuerung der Taufgelübde bezeichnen kann.

Jeder Christ war vor seiner Taufe Eigentum des Teufels. In der Taufe hat er entweder durch seinen Mund oder durch den Mund der Paten dem Satan, seiner Pracht und seinen Werken feierlich widersagt und hat sich Jesus Christus zu seinem Herrn und höchsten Gebieter erkoren, um sich ihm aus Liebe ganz hinzugeben. Das Gleiche tun wir nun auch durch die Hingabe, von der die Rede ist. Wie es im Weihegebet heißt, widersagen wir dem Satan, der Welt, der Sünde und uns selbst und schenken uns durch die Hände Mariens ganz dem göttlichen Heiland. Ja, wir tun sogar noch mehr, denn bei der Taufe spricht man ja meist nur durch den Mund eines anderen, nämlich des Paten, man schenkt sich Jesus Christus nur durch einen Stellvertreter. Diese Hingabe aber vollziehen wir selbst, aus freiem Willen und in klarer Erkenntnis.

Bei der heiligen Taufe schenkt man sich dem Heiland nicht durch die Hände Mariens, wenigstens nicht ausdrücklich. Man schenkt Christus den Wert all seiner guten Werke; man bleibt auch nach der Taufe völlig frei, diese zuzuwenden, wem man will, oder sie für sich selbst zu behalten. Aber durch diese Hingabe schenken wir uns dem Heiland ausdrücklich durch die Hände Mariens und übergeben ihm den Wert all unserer guten Werke.

Nach dem heiligen Thomas geloben die Menschen bei der Taufe, dem Teufel und seiner Pracht zu widersagen. Und der heilige Augustinus erklärt, dass dieses Gelübde das größte sei und absolut unerlässlich. Die Lehrer des kirchlichen Rechts sagen: „Das erste und entscheidende Gelöbnis, das wir ablegen, ist das Taufgelübde.“ Brechen nicht fast alle Christen die Treue, die sie Jesus Christus bei ihrer Taufe gelobt haben? Schuld an dem allgemeinen religiösen Tiefstand ist doch nur die Tatsache, dass man im Leben die Versprechen und Gelöbnisse der heiligen Taufe vergisst und fast niemand das Bündnis, das er mit Gott durch seinen Taufpaten geschlossen hat, auch persönlich bestätigt. Die Kirchenversammlung von Sens, die Ludwig der Fromme zur Abstellung der großen Übelstände unter den Christen einberufen hatte, erblickte die Hauptursache dieser Sittenverderbnis darin, dass man im Leben die heiligen Taufgelübde vergisst und sich ihrer nicht mehr bewusst ist. Sie fand kein besseres Mittel, um einem so großen Übel zu begegnen, als die Christen zur Erneuerung ihrer heiligen Taufgelübde anzuhalten.

Der Katechismus des Konzils von Trient, der die Erkenntnisse dieser heiligen Versammlung getreu wiedergibt, ermahnt die Pfarrer, das gleiche zu tun. Sie sollen ihre Gemeinden dazu bringen, sich gläubigen Herzens darauf zu besinnen, dass sie auf immer an Christus gebunden und ihm als ihrem Herrn und Erlöser geweiht und zu eigen sind. Die Worte lauten: „Der Pfarrer soll die Gläubigen durch Belehrung zur Erkenntnis bringen, wie angemessen es ist,…dass wir uns selbst unserem Erlöser und Herrn auf immer schenken und weihen als sein Eigentum.“

Die Konzilen, die Kirchenväter und auch die Erfahrung bezeichnen also das Wiederbesinnen auf die Taufverpflichtungen und die Erneuerung der Taufgelübde als das beste Mittel, um den religiösen Verfall unter den Christen aufzuhalten. Liegt es da nicht nahe, dies auf eine vollkommene Weise zu tun, indem wir uns dem Heiland durch die Hände seiner heiligsten Mutter weihen? Ich betone: „auf eine vollkommene Weise“, weil man nur durch Maria sich Jesus Christus auf vollkommene Weise weihen kann.

Man kann nicht einwenden, diese Hingabe sei etwas Neues oder Überflüssiges. Sie ist nicht neu, denn die Konzilen, die Kirchenväter und viele andere ältere und neue Schriftsteller erwähnen diese Weihe an den Heiland und bezeichnen die Erneuerung der Taufgelübde als etwas, das von alters her geübt wurde und allen Christen zu empfehlen ist. Und sie ist nicht überflüssig, denn die Hauptquelle des religiösen Verfalls – und daher auch der sittlichen Verderbnis der Christen – liegt in dem Vergessen und in der Gleichgültigkeit gegenüber diesem Brauch. Mancher wird vielleicht Folgendes einwenden: wenn wir dem Heiland durch die Hände Mariens den Wert all unserer guten Werke, unserer Gebete, Abtötungen und Almosen schenken, dann nimmt uns diese Hingabe die Möglichkeit, den Seelen unserer Verwandten, Freunde und Wohltäter zu helfen. Darauf entgegne ich zunächst: ist es anzunehmen, dass unsere Freunde, Verwandten oder Wohltäter dadurch eine Einbuße erleiden, dass wir uns rückhaltlos dem Dienst des Heilands und seiner heiligsten Mutter hingegeben und geweiht haben? Das hieße doch wohl, der Macht und Güte Jesu und Mariens Unrecht tun; sie werden unseren Verwandten, Freunden und Wohltätern schon zu helfen wissen, entweder aus dem Wenigen, was wir an geistlichen Gütern besitzen oder auf andere Weise.

Zweitens aber hindert uns diese Hingabe durchaus nicht, für andere zu beten, seien es Lebende oder Verstorbene. Nur die Zuwendung unserer guten Werke untersteht dem Willen Mariens; und gerade darum werden wir mit noch größerem Vertrauen beten. So wird zum Beispiel ein reicher Mann, der sein ganzes Vermögen einem großen Fürsten geschenkt hat, den er ehren will, diesen Fürsten mit umso größerem Vertrauen bitten, einen Freund zu unterstützen, der ihn um Hilfe ersucht hat. Ja, damit würde er dem Fürsten sogar eine Freude machen, da er ihm Gelegenheit gibt, seine Dankbarkeit gegenüber einem Manne zu beweisen, der sich entäußert hat, um ihn zu bereichern, der sich arm gemacht hat, um ihn zu ehren. Das gleiche müssen wir vom Heiland und von der Gottesmutter sagen; sie werden sich niemals an Dankbarkeit übertreffen lassen.

Ein anderer wendet vielleicht ein: wenn ich der Gottesmutter den gesamten Wert meiner Werke übergebe, damit sie ihn zuwendet, wem sie will, dann werde ich vielleicht lange im Fegefeuer leiden müssen. Dieser Einwand entstammt der Eigenliebe und der Unkenntnis von Gottes und Mariens Freigebigkeit und widerlegt sich selbst. Sollte eine glühende und großherzige Seele, die Gottes Sache höher stellt als ihre eigene, die Gott rückhaltlos alles schenkt, was sie hat, die gar nicht mehr tun könnte und ganz aufgeht in der Verherrlichung Jesu und in der Sorge für das Kommen seines Reiches durch Maria, die sich ganz hin opfert – ich frage, sollte eine so hochherzige und freigebige Seele etwa in der anderen Welt bestraft werden, weil sie freigebiger und selbstloser war als die anderen? Nie und nimmer! Wir werden noch sehen, wie freigebig sich der Heiland und seine heiligste Mutter gerade gegenüber solchen Seelen zeigen in dieser Welt und in der anderen, in der Ordnung der Natur, der Gnade und der Glorie. Betrachten wir nun in aller Kürze die Gründe, die für die Ganzhingabe sprechen, ferner die wunderbaren Wirkungen, die sie in den treuen Seelen zeitigt und dann ihre äußeren Übungen.

Der heilige Apostel Paulus lehrt uns: „Wir wissen ja, dass wir alle, die wir auf Christus getauft sind, auf seinen Tod getauft sind! Wir sind also durch die Taufe auf den Tod mit ihm begraben. Wie aber Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferstanden ist, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn sind wir mit ihm durch die Ähnlichkeit mit seinem Tod verwachsen, so werden wir es auch durch die Ähnlichkeit mit seiner Auferstehung sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch ans Kreuz geschlagen wurde, damit der sündige Leib vernichtet wird und wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. Wer gestorben ist, ist von der Sünde befreit. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, auch an seinem Leben teilzunehmen. Wissen wir doch, dass Christus, von den Toten auferstanden, nicht wieder stirbt. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Mit seinem Tod ist er ein für allemal tot für die Sünde, mit seinem Leben aber lebt er nur für Gott. So betrachtet auch ihr euch als solche, die tot sind für die Sünde, die aber leben für Gott in Christus Jesus. Darum darf nicht mehr die Sünde in eurem sterblichen Leibe herrschen…“(Röm 6,3-12).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch II, Kap. 7):

Wohl dem, der es versteht, was es heißt, Jesus zu lieben und um Jesu willen sich selbst zu verschmähen. Man muss manches Liebe um des Liebsten willen verlassen; denn Jesus will allein über alles geliebt sein. Um die Liebe zu den Geschöpfen ist es ein trügerisches, unstetes Ding; aber die rechte Liebe zu Jesus hält, steht ewig fest mit dem ewig Lebenden.

Den musst du lieben, den als deinen Freund behalten, der dich auch dann nicht verlässt, wenn dich alles verlässt, und der dich nicht zu Grunde gehen lässt, wenn alles andere zu Grunde geht. Einmal musst du dich doch von allen Geschöpfen scheiden, du magst wollen oder nicht. Halte dich fest an Jesus im Leben und im Sterben und überlasse dich ganz der treuen Liebe desjenigen, der allein noch helfen kann, wo alle andere Hilfe zu kurz kommt. Es ist die Natur deines Geliebten, dass er sein Reich mit keinem anderen teilen will; er will dein Herz ganz allein für sich haben; er will darin wie ein König auf seinem Throne herrschen.

O könntest du dein Herz für ihn ganz leer machen, leer von allen Geschöpfen, so müsste er bei dir Herberge nehmen und würde sie am liebsten bei dir nehmen. Im Grunde wirst du doch finden, dass fast alles verloren ist, was du nicht bei Jesus suchst und so gern bei Menschen finden möchtest. Ach, traue nicht und stütze dich nicht auf ein Moosrohr, das der Wind hin und her bewegt. Denn alles Fleisch ist Heu und alle Herrlichkeit des Fleisches fällt ab wie eine Heublume(vgl. Jes 40,6).

Du bist leicht betrogen, wenn du nur auf das siehst, was an den Menschen weiter nichts als Glanz und Anstrich ist. Sobald du bei anderen deinen Trost und Gewinn suchst, so wirst du meistenteils nur Schaden und Herzensleid dabei gewinnen. Wenn du Jesus überall suchst, so wirst du ihn überall finden. Wenn du aber dich selbst suchst, so wirst du dich selbst auch überall finden, aber zu deinem eigenen Verderben. Denn der Mensch, der Jesus nicht sucht, schadet sich selber ungleich mehr, als alle Welt und alle seine Feinde ihm je schaden können.

 

 

Gebet:

Allmächtiger, ewiger Gott, sei zugegen bei den Geheimnissen deiner großen Liebe, sei zugegen beim Vollzug der Sakramente. Sende aus den Geist der Kindschaft neue Völker zu erschaffen, die das Wasser der Taufe dir gebiert. Und was wir Schwache und Niedrige jetzt vollziehen sollen im heiligen Dienst, das fülle du an mit deiner wirksamen Kraft. Amen.

 

 

 

 

  1. Tag

Umwandlung in Christus

 

Wenn wir Christus immer besser erkennen, wenn wir ihm immer treuer nachfolgen und ihn mit immer größerer Liebe in der heiligen Kommunion empfangen, dann werden wir allmählich in ihn umgestaltet. Wer aber wüsste mehr um die Gesetze jenes inneren Werdens und Wachsens Christi in uns, als die Mutter, die an sich selber die Wahrheit des Täuferwortes erfuhr: „ER muss wachsen und ich muss abnehmen“?

 

Betrachtung:

Maria ist der Baum des Lebens. Wenn sie in unserer Seele gut gepflegt wird durch die Treue in der Übung der Ganzhingabe, dann trägt sie zur gegebenen Zeit Frucht. Und ihre Frucht ist Jesus Christus. Ich sehe so viele fromme Menschen, die Christus auf allen möglichen Wegen, durch alle möglichen Übungen suchen; und wie oft müssen sie nach viel nächtlicher Arbeit bekennen: „Wir haben uns die ganze Nacht gemüht und nichts gefangen“. Und man kann ihnen erwidern: „Ihr habt viel gearbeitet und wenig gewonnen. Jesus Christus ist noch sehr schwach in euch.“ Auf dem unbefleckten Weg Mariens und durch die heilige Übung der Ganzhingabe arbeitet man jedoch bei Tag, an einer heiligen Stätte – und man arbeitet nicht schwer. In Maria gibt es keine Nacht, weil keine Sünde in ihr ist, ja nicht einmal der kleinste Schatten. Maria ist eine heilige Stätte, sie ist das Heiligtum, in dem die Heiligen gebildet und geformt werden.

Ein Vergleich:

Bewusst gebrauche ich den Ausdruck: die Heiligen werden in Maria geformt. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob man eine Statue aus dem Stein haut, oder sie einfach in einer Form abgießt. Die Bildhauer haben viel Arbeit und brauchen lange, um eine Statue auf erstere Art herzustellen; beim zweiten Verfahren aber haben sie nicht viel Arbeit damit und brauchen wenig Zeit. In einem kühnen Bild nennt der heilige Augustinus Maria die Gussform Gottes: „Würdig bist du, Gottes göttliche Gussform genannt zu werden.“ Wer in diese göttliche Gussform geworfen wird, ist bald in Jesus Christus gebildet und geformt und Jesus Christus in ihm. Mit wenig Kosten, in kurzer Zeit wird er vergöttlicht, weil er in der gleichen Form gegossen wird, die einen Gott geformt hat.

Jene Seelenführer und Frommen, die Jesus Christus in sich selbst oder in anderen durch andere Übungen als diese bilden wollen, möchte ich mit Bildhauern vergleichen, die auf ihre Technik, ihren Fleiß und ihre Kunst vertrauen und einem harten Stein unzählige Hammerschläge versetzen oder ein schlecht poliertes Stück Holz unzählige Male mit dem Schnitzmesser bearbeiten, um das Bild Jesu Christi daraus erstehen zu lassen. Oft gelingt es ihnen nicht, die Ähnlichkeit mit Jesus Christus herauszuarbeiten, sei es, weil sie nicht die Kenntnis und Erfahrung der Person Jesu Christi besitzen, sei es, weil ein schlecht geführter Schlag das Werk verdirbt. Aber wer sich das Geheimnis der Gnade zu Eigen macht, das ich kundtue, den vergleiche ich passend mit einem Gießer, der die schöne Form Mariens gefunden hat, in der Jesus Christus als Gottmensch gebildet wurde. Er verlässt sich nicht auf sein eigenes Können, sondern einzig auf die Güte der Gussform und so gießt und versenkt er sich in Maria, um in ihr ein treues Abbild Jesu Christi zu werden.

Ist das nicht ein schöner und treffender Vergleich? Wer aber fasst ihn ganz? Ich möchte, dass du es seist, lieber Marienverehrer. Denke aber daran, dass man nur flüssiges Erz in eine Gussform schütten kann; das heißt: wie Erz in Feuer flüssig wird, so muss der alte Adam in dir vergehen, um in Maria zum neuen Menschen geformt zu werden.

Jesus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens…Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und den werde ich auferwecken am Jüngsten Tage. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich isst, durch mich leben“(Joh 6,48. 53-57).

„Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt…Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt viele Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, wird wie ein Rebzweig weggeworfen und er verdorrt…Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so mögt ihr bitten um was ihr wollt, es wird euch zuteilwerden“ (Joh 15,4-7).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch III, Kap. 5):

Vater im Himmel, Vater meines Herrn Jesu Christi, ich preise dich, dass du meiner Dürftigkeit nicht vergessen konntest. O Vater aller Erbarmungen und alles Trosts Gott(vgl. 2 Kor 1,3), ich danke dir, dass du mich, obgleich alles Trosts unwert, dennoch deines erquickenden Trosts zuweilen froh werden lässt. Preisen, verherrlichen, anbeten möchte ich dich immer und immer, dich und deinen Eingeborenen von Ewigkeit zu Ewigkeit. O du mein heiliger Freund, mein Gott und mein Herr, o dass du kämest in mein Herz! All mein Inneres frohlocke dir im festlichen Jubel entgegen. Du bist mein Ruhm, du die Freude meines Herzens, du meine Hoffnung, du meine Zufluchtsstätte in den Tagen der Trübsal(vgl. Ps 3,4). Aber siehe, weil meine Liebe noch so schwach und meine Tugend noch so dürftig ist, so wird mein Herz deine Tröstung und deiner Stärkung nicht wohl entbehren können. So suche mich denn öfter heim und unterweise mich in deiner heiligen Wahrheit. Erlöse mein Herz von allen Leidenschaften, die es gefangen halten und heile es von allen Neigungen, die es krank machen, damit ich, innwendig von allen Banden erlöst und von allen Krankheiten geheilt, endlich ganz rein und tüchtig werde zum Lieben, stark zum Leiden und mutvoll zum Ausdauern. Es ist ein großes Ding um die Liebe. Die Liebe ist in Wahrheit ein großes Gut. Sie allein macht alle Bürden leicht und duldet alles Ungleiche mit gleichem Mute. Sie trägt die schwersten Lasten und fühlt sie nicht. Sie macht alles Bittere süß, alles Widerliche schmackhaft. O die edle Liebe Jesu! Sie treibt zu großen Taten und weckt das Verlangen, immer noch größere zu tun. Was rechte Liebe ist, dringt aufwärts und will nicht unten auf der Erde kriechen. Die Liebe will frei sein, fern von allem Weltsinn, damit ihr innerer Blick unbefangen bleibt, von keinem irdischen Gut geblendet, von keinem zeitlichen Ungemach niedergeschlagen wird. Lieblicher, mächtiger, erhabener, umfassender, seliger, vollkommener, edler als die Liebe ist im Himmel und auf Erden nichts. Denn sie ist aus Gott geboren und kann eben deswegen, weil sie aus Gott geboren ist, über alle Geschöpfe schwingend nur in Gott ruhen. Schnell ist der Lauf der Liebe, hoch ihr Flug, lauter ihre Freude, frei und unaufhaltsam ihr Sinn. Die Liebe gibt alles und hat alles in allem. Denn sie findet ihre Ruhe nur indem einen höchsten Gut, das die Quelle alles Guten ist. Die Liebe sieht nicht auf die Gabe, sie schwingt sich zum Geber, hoch über allen Gaben, hinauf. Sie kennt kein Maß und über alles Maß flammt ihr Eifer empor. Die Liebe fühlt keine Last, findet in der Arbeit keine Arbeit, fragt in ihrem Streben nie: wo nehme ich Kräfte her? Klagt nicht über Unmöglichkeit, denn sie glaubt: ich kann alles und darf es auch. Eben darum taugt sie zu allem, vollendet vieles und bringt zu Stande, was jeder, der nicht liebt, ohnmächtig liegen lässt. Die Liebe wacht und schläft im Schlafe nicht. Keine Mühe ermüdet sie, keine Beklemmung beklemmt sie, kein Schrecken erschreckt sie; wie eine lebendige Flamme, wie eine hoch brennende Fackel dringt sie mächtig in die Höhe und bricht überall sicher durch. Wer liebt, versteht den Schrei der Liebe, fasst den unendlichen Sinn des Wortes Liebe. Ein Machtschrei in Gottes Ohr ist die glühende Empfindung einer Seele, die da ohne Worte spricht: Mein Gott, meine Liebe! Du ganz mein, ich ganz dein!

Gebet um Liebe:

Herr, erweitere mein Herz und fülle es aus mit Liebe, dass mein Innerstes kosten möge , wie süß es sei, lieben und von Liebe zerfließen und im Meer der Liebe schwimmen! Die Liebe halte mich fest, wenn ihre Flamme Maß und Grenze überschreitet und in heiligen Entzückungen mich über mich erhebt. Das Lied der Liebe möchte ich singen lernen und dir, meinem Geliebten, in der Höhe nachwandeln und im Lobgesang deines Namens, im Jubel der Liebe aufgelöst werden. Lieben möchte ich dich mehr als mich und mich nur um deinetwegen und alle, die dich lieben, möchte ich in dir lieben können, wie es das Gesetz der Liebe gebietet, das du lichthell in unsere Seelen geschrieben hast.

Das Wort des Herrn:

Die Liebe ist schnell tätig, aufrichtig, fromm, lieblich, froh, mild, stark, geduldig, treu, klug, langmütig, mannhaft und sucht in keiner Sache sich selbst. Denn wo einer sich selbst sucht, da hat er die Liebe schon verloren. Die Liebe ist vorsichtig, demütig, offen, gerade, nicht weichlich, nicht leichtsinnig, nicht auf Eitelkeiten bedacht, nüchtern, keusch, standhaft, ruhig und in allen Sinnen wohl bewahrt. Die Liebe ist untertänig und gehorsam den Obern, ist in ihrem eigenen Auge gering und schlecht, ist Gott ganz ergeben, voll Dank und Zuversicht und harrt auch dann auf ihn, wenn sie keinen Geschmack an ihm findet; denn ohne Schmerzgefühl lebt es sich in der Schule der Liebe nicht.

Wer nicht entschlossen ist, für seinen Geliebten alles zu leiden und ihm jeden Wink von seinem Auge abzusehen, der ist nicht wert, den schönen Namen eines Liebenden zu tragen. Wer liebt, muss um seines Geliebten willen sich alles Bittere süß und alles Schwere leicht sein lassen. Alles Ungemach mag über ihn kommen; aber kein Ungemach darf ihn von seinem Geliebten losreißen.

 

Gebet:

Gott, dein eingeborener Sohn ist in der Natur unseres Fleisches erschienen und wir durften ihn schauen, der uns im Äußeren gleichförmig ward; lass uns nun, wir bitten dich, durch ihn auch innerlich umgestaltet werden. Amen

 

 

 

  1. Tag

Die Ganzhingabe an Jesus durch Maria

 

Wie stehen am Ende unserer Vorbereitung auf die Ganzhingabe. Alle unsere Überlegungen haben uns gezeigt, wie schön und angemessen diese Hingabe ist. Die höchste Tat der Liebe hier auf Erden ist zugleich die selbstverständlichste. So wollen wir denn großmütigen Herzens, bewusst und in voller Freiheit jene Hingabe vollziehen, welche die einzig entsprechende Antwort auf Gottes Liebe ist.

Betrachtung:

Da unsere Vollkommenheit darin besteht, Jesus Christus gleichförmig, mit ihm vereint und ihm geweiht zu sein, ist zweifellos die vollkommenste aller Frömmigkeitsformen jene, die uns dem Heiland am vollkommensten angleicht, vereint und weiht. Da nun Maria von allen Geschöpfen Christus am ähnlichsten ist, so macht unter allen Frömmigkeitsformen die Marienverehrung die Seele am meisten dem Heiland gleichförmig und weiht sie ihm. Je mehr daher eine Seele Maria geweiht ist, umso mehr gehört sie Jesus Christus. Darum besteht die vollkommene Weihe an Jesus Christus in der Ganzhingabe an die Gottesmutter. Das ist nun die Frömmigkeitsform, die ich lehre; mit anderen Worten: sie ist nichts anderes als eine vollkommene Erneuerung der Taufgelübde.

Diese Frömmigkeitsform besteht also darin, dass man sich der Mutter Gottes völlig hingibt, um durch sie ganz Jesus Christus anzugehören. Wir müssen ihr schenken:

  1. unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern;
  2. unsere Seele mit all ihren Fähigkeiten;
  3. unsere gegenwärtigen und zukünftigen äußeren Güter;
  4. unsere inneren und geistigen Güter, das heißt: unsere Verdienste, Tugenden und guten Werke und zwar die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen. Kurz, alles, was wir in der Ordnung der Natur und in der Ordnung der Gnade besitzen und alles, was wir in Zukunft in der Ordnung der Natur, der Gnade und der Glorie noch besitzen mögen, müssen wir ihr schenken und zwar rückhaltlos. Nicht einen Heller, nicht ein Haar, nicht das geringste gute Werk dürfen wir ausnehmen; und das alles für die ganze Ewigkeit. Dabei dürfen wir keinen anderen Lohn für unsere Gabe und unseren Dienst beanspruchen oder erhoffen, als die Ehre, durch Maria und in Maria Jesus Christus zu gehören. Und selbst, wenn diese liebenswerte Herrin nicht das freigebigste und dankbarste aller Geschöpfe wäre, müssten wir dies tun.

 

In diesem Zusammenhang muss bemerkt werden, dass in unseren Werken ein Zweifaches zu unterscheiden ist, nämlich die Genugtuung und das Verdienst, mit anderen Worten: der genugtuende oder fürbittende Wert eines guten Werkes liegt darin, dass eine gute Handlung Sündenstrafen tilgt oder eine neue Gnade erlangt. Der verdienstliche Wert oder das Verdienst eines guten Werkes liegt dagegen darin, dass heiligmachende Gnade mehrt und die ewige Herrlichkeit verdient. In dieser Ganzhingabe an die Gottesmutter schenken wir ihr nun den genugtuenden oder fürbittenden und den verdienstlichen Wert, mit anderen Worten: die Genugtuung und das Verdienst all unserer guten Werke. Wir schenken ihr unsere Verdienste, Gnaden und Tugenden, nicht damit sie sie anderen zuwende(denn unsere Verdienste, Gnaden und Tugenden sind, genau genommen, unübertragbar; einzig Jesus Christus, der bei seinem Vater für uns zum Bürgen geworden ist, konnte uns seine Verdienste zuwenden), sondern damit sie diese für uns bewahre, vermehre und veredle, wie wir später noch erklären werden. Und wir schenken ihr, was wir an Genugtuung leisten, damit sie es zuwende, wem sie will – zur größeren Ehre Gottes.

Daraus folgt: Durch diese Hingabe schenken wir uns Jesus Christus durch die Hände Mariens, also auf die vollkommenste Art, alles, was wir ihm schenken können. Und das ist viel mehr als bei den anderen Frömmigkeitsübungen, bei denen man ihm nur einen Teil seiner Zeit, seiner guten Werke oder seiner Bußübungen und Abtötungen schenkt. Hier schenken und weihen wir alles, selbst noch das Verfügungsrecht über unsere inneren Güter und über die Genugtuung, die wir Tag für Tag durch unsere guten Werke leisten; das wird nicht einmal in einem Orden verlangt. In den Ordensgemeinschaften schenkt man Gott die irdischen Güter durch das Gelübde der Armut, die leiblichen Güter durch das Gelübde der Keuschheit, den eigenen Willen durch das Gelübde des Gehorsams und manchmal auch die körperliche Freiheit durch das Gelübde der Klausur; aber man schenkt ihm nicht das freie Verfügungsrecht über den Wert der eigenen guten Werke. Man gibt nicht das kostbarste und teuerste Gut des Christen hin, nämlich die Verdienste und Sühneleistungen. Daraus folgt, dass ein Mensch, der sich freiwillig auf solche Art Jesus Christus durch Maria geweiht und geopfert hat, nicht länger über den Wert irgendeines seiner guten Werke verfügen kann. Alles, was er leidet, alles, was er Gutes denkt, sagt oder tut, gehört Maria, damit sie darüber verfüge nach dem Willen ihres Sohnes und zu dessen größerer Ehre. Diese Abhängigkeit tut jedoch in keiner Weise den Standespflichten Abbruch, die man zur Zeit hat oder in Zukunft haben wird, z.B. der Pflicht eines Priesters, der von Amts wegen oder aus einem sonstigen Grund den genugtuenden und für bittenden Wert einer heiligen Messe einer bestimmten Person zuwenden muss; denn man vollzieht die Hingabe nur in der von Gott gewollten Ordnung und im Rahmen der Standespflichten. Wir weihen uns also gleichzeitig der Gottesmutter und Jesus Christus. Maria ist dabei das vollkommene Mittel, das Jesus Christus gewählt hat, um uns mit sich selbst zu vereinen; und der Heiland ist dabei das Endziel, dem wir als unserem Erlöser und unserem Gott alles verdanken, was wir sind.

Der heilige Paulus ruft zur unerschütterlichen Treue auf: „Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns? Wenn er seines eigenen Sohnes nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle dahin gegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? …Wer vermag uns zu scheiden von der Liebe Christi? Etwa Trübsal oder Bedrängnis oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?…Ich bin überzeugt: weder Tod noch Leben, weder Engel und Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Mächte, weder Hohes noch Niedriges, noch sonst etwas Erschaffenes vermag uns von der Liebe Gottes zu scheiden, die da ist in Christus Jesus, unserm Herrn“(Röm 8,32.35.38.39).

 

Geistliche Lesung(Nachfolge Christi, Buch IV, Kap. 9):

Der Jünger Jesu:

Herr, dein ist alles im Himmel und auf Erden. Dein ist alles, weil du der Schöpfer aller Dinge bist; es soll aber auch alles dein sein, insofern es dir deine Kinder aus dem freien Triebe ihrer Liebe opfern. Darum möchte auch ich mich selbst als ein freiwilliges Opfer dir hingeben und aus freier Wahl ewig dein sein und bleiben. So bringe ich denn in Einfalt meines Herzens mich selbst ganz dir zum Opfer dar und weihe mich heute zu deinem Dienste und zur Lobpreisung deines Namens auf ewig. Nimm mich also auf mit dem heiligen Opfer deines Leibes, das ich dir heute in Gegenwart der Engel, dieser unsichtbaren Zeugen und Mitanbeter, darbringe, damit es mir und deinem ganzen Volke zum Segen werde. Ich lege alle meine Sünden und Laster, die ich von der ersten Stunde des erwachenden Gewissens bis auf diesen Augenblick in deinem Angesicht und vor deinen heiligen Engeln begangen habe, auf deinen Sühnealtar, damit du sie mit dem Feuer deiner Liebe verbrennen, alle Makel, die sie in mir zurückgelassen haben, austilgen, mir die Gnade, die ich durch die Sünde verloren habe, wieder schenken und das Siegel der vollkommenen Verzeihung, den Friedenskuss geben mögest. Was kann ich für alle meine Sünden tun, als sie mit demütigem Herzen und tränendem Auge bekennen und deine Gnade ohne Unterlass anflehen? So flehe ich denn zu dir, o mein Gott! So erhöre mich denn und lass mich Gnade finden, indem ich vor dir dastehe und weine. Alle meine Sünden sind jetzt ein Gräuel in meinen Augen; nicht mehr will ich sie begehen; immer mit Reue und Schmerzen will ich an sie denken, will den Sinn der Reue nimmer aus meiner Seele kommen lassen, will Buße tun, solange ich lebe, will deiner Gerechtigkeit in allem ein Genüge tun, so gut ich es vermag.

Verzeih, o mein Gott, verzeih mir alle meine Sünden um deines heiligen Namens willen. Mache selig die unsterbliche Seele, die du mit deinem kostbaren Blute erlöst hast. Siehe, deinen Erbarmungen übergebe ich mich ganz, in deine Hand lege ich mich und alle meine Hoffnung nieder. Handle mit mir nicht nach meinem bösen, ungerechten Sinne, sondern nach deinem guten, liebenden Herzen. Jetzt lege ich auch all mein Gutes, so wenig und unvollkommen es immer sein mag, als Opfergabe auf deinen Altar, damit du es dir gefällig und angenehm machst, damit du alles Mangelhafte mir zum Guten lenkst und mich, den trägen, unnützen Knecht, immer vorwärts zum Ende der Laufbahn, zur Seligkeit, treibst und hin führst. Ich lege auch auf deinen Altar nieder alle heiligen Wünsche aller Andächtigen und die geheimen Anliegen meiner Eltern und Freunde, Brüder und Schwestern und aller meiner Lieben, die mir oder andern aus Liebe zu dir wohl getan haben, die sich und die Ihrigen in mein Gebet und Opfer empfohlen haben, sie mögen noch mit uns auf Erden den Pilgerrock tragen oder schon heimgegangen sein; ich bitte für sie alle, dass sie alle deine helfende Gnade und deine tröstende Hilfe, Schutz vor Gefahren und Befreiung von Strafen erfahren und, von allem Übel erlöst, dir in heiliger Feier Dank- und Jubellieder singen mögen.

Endlich opfere ich dir auch meine Gebete und Sühnopfer auf, besonders für die, welche mich beleidigt, betrübt, gelästert, beschädigt, gekränkt haben und für alle die, welche ich betrübt, gekränkt, beschädigt und geärgert habe; verzeih uns allen miteinander alle Sünden und alle Beleidigungen, mit denen wir einander betrübt haben. Nimm von unserem Herzen hinweg alles, was Argwohn, Zorn, Verbitterung, Zank heißt und das zarte Band brüderlicher Liebe auflösen oder schwächen kann.

Erbarme, erbarme dich, o Herr, aller, die deiner Gnade bedürfen und bilde aus uns solche Menschen, die tüchtig und wert sind, deine Gnade zu genießen und vollmündig werden, das ewige Leben zu erwerben.

 

Gebet:

Wir bitten dich Herr: Der Heilige Geist entflamme uns mit jenem Feuer, das unser Herr Jesus Christus auf die Erde sandte und von dem er wollte, dass es gewaltig entbrenne. So nimm dieses geistige Opfer, das wir darbringen und mache uns selber so zur vollendeten Opfergabe für dich. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Weihetag

 

Am Ende der dritten Woche“, sagt der heilige Ludwig Maria, „sollen wir beichten und kommunizieren in der Absicht, uns Jesus Christus durch die Hände Mariens aus Liebe gänzlich als Eigentum zu weihen. Nach der heiligen Kommunion beten wir die Weiheformel und unterzeichnen sie noch am Tag der Weihe.“ Wer zudem dem Säkularinstitut FAMILIE FÜR DAS LEBEN als Assoziierte/ oder Aspirant/in an- bzw. eingegliedert werden möchte, sende dass unterzeichneten Weiheformulars(S. 255) an den Superior des Werkes. Mit Eingang und Gegenzeichnung durch den Superior ist man in das Säkularinstitut aufgenommen. Weiter der Heilige: „Es ist gut, wenn wir am Weihetag Jesus Christus und seiner heiligsten Mutter irgendein Opfer bringen, als Buße für unsere frühere Untreue gegenüber den Taufgelübden und als Bekräftigung unserer Abhängigkeit von der Herrschaft Jesu und Mariens. Dieses Opfer kann der Frömmigkeit und den Möglichkeiten jedes einzelnen angepasst sein, z.B. können wir fasten, ein Opfer bringen, ein Almosen geben, eine Kerze spenden. Wenn wir auch nur eine Kleinigkeit schenken, diese aber freudigen Herzens, so genügt das Jesus vollauf, der nur auf den guten Willen schaut.

 

 

 

 

 

Weiheakt der vollkommenen Hingabe

Vor dem Weihe-Akt der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria grüßen wir Maria mit der Hymne: >>Meerstern, ich dich grüße<<(S. 239)

 

ZWEI SÄULEN WEIHE

 

„O mein Jesus, du ewige, Mensch gewordene Weisheit! Aller Liebe und Anbetung bist du wert. Du bist wahrer Gott und wahrer Mensch, der einzige Sohn des ewigen Vaters und der allzeit reinen Jungfrau Maria. In tiefster Ehrfurcht bete ich dich an im Schoße und in der Herrlichkeit deines Vaters, wo du von Ewigkeit her bist; und ich bete dich an im jungfräulichen Schoße deiner heiligsten Mutter Maria zur Zeit deiner Menschwerdung.

Ich sage dir Dank, dass du dich selbst entäußert hast und Knechtsgestalt annahmst, um mich der grausamen Knechtschaft Satans zu entreißen. Ich lobe und preise dich, weil du in allem deiner heiligsten Mutter Maria Untertan sein wolltest, damit auch ich durch sie dir ganz zu Eigen werde. Doch, wie undankbar und treulos bin ich gewesen! Was ich so heilig dir versprochen und gelobt bei meiner Taufe, habe ich nicht gehalten; was meine Pflicht war, habe ich nicht erfüllt. Ich bin nicht länger wert, dein Kind zu heißen, ja nicht einmal dein Knecht. Nichts ist an mir, was deinen Abscheu nicht verdient und deinen Zorn. Darum wage ich nicht länger, mich deiner heiligsten und erhabenen Majestät allein zu nahen. So flieh` ich denn zu deiner heiligsten Mutter; sie möge für mich bitten. Du schenktest sie mir ja als Mittlerin bei dir. Durch sie hoffe ich, die wahre Reue und die Verzeihung meiner Sünden zu erlangen, durch sie die Weisheit zu erwerben und zu bewahren.

 

So grüße ich dich denn, Maria, Unbefleckte, lebendiger Tabernakel der Gottheit! In dir verborgen will die ewige Weisheit von Engeln und Menschen angebetet sein. Dich grüße ich, Königin des Himmels und der Erde. Deiner Herrschaft ist alles Untertan, was unter Gott ist. Ich grüße dich, du sichere Zuflucht der Sünder! Dein Mitleid blieb noch keinem versagt. Erhöre mein Flehen um die göttliche Weisheit! Nimm darum die Gaben und Gelübde an, die ich dir weihe, wenn ich auch arm und niedrig bin.

 

Ich, N. N., ein treuloser Sünder/eine treulose Sünderin, erneuere und bekräftige heute in deine Hände meine Taufgelübde. Für immer widersage ich dem Satan, seiner Pracht und seinen Werken. Ich gebe mich ganz Jesus Christus hin, der Mensch gewordenen Weisheit, um mein Kreuz ihm nach zu tragen alle Tage meines Lebens und ihm treuer zu sein, als ich es bisher war. In Gegenwart des ganzen himmlischen Hofes erwähle ich dich heute, o Maria, zu meiner Mutter und Herrin. Dir weihe und schenke ich als dein Gut und Eigentum meinen Leib und meine Seele, all meinen äußeren und inneren Besitz, ja selbst den Wert all meiner guten Werke, der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen. Ganz und voll, ohne jede Ausnahme, sollst du das Recht haben, über mich und all des Meine nach deinem Gutdünken zu verfügen in Zeit und Ewigkeit zur größeren Ehre Gottes. (Anm.: dieser fett gedruckte Abschnitt beinhaltet die eigentliche Marienweihe).

 

Nimm, gütigste Jungfrau, meine Ganzhingabe an, wenn sie auch nur geringen Wert hat. Die ewige Weisheit wollte sich deiner mütterlichen Gewalt unterwerfen; diese Unterwerfung will ich ehren und nachahmen. Auch soll dies Opfer meiner Ganzhingabe euer beider Macht bekennen über mich armen, sündigen Menschen, und danken soll es für die Gnadengaben, mit denen die Allerheiligste Dreifaltigkeit dich geschmückt hat. Von nun an will ich als dein treuer Diener stets deine Ehre suchen und dir gehorsam sein in allen Dingen.

O wunderbare Mutter, bring du mich deinem lieben Sohne dar als sein ewig Eigen. Durch dich hat Jesus mich erkauft, durch dich möge er mich nun aufnehmen. O Mutter der Barmherzigkeit, verleihe mir die Gnade, von Gott die wahre Weisheit zu erlangen.

Nimm mich, ich bitte dich, in die Zahl jener Seelen auf, die du liebst und lehrst, leitest, nährst und schützest als deine Kinder, die dir ganz gehören. O du getreue Jungfrau, mach mich in allen Dingen zu einem vollkommenen Jünger und Nachfolger der Mensch gewordenen Weisheit, deines Sohnes Jesus Christus. Gib mich ihm so ganz zu eigen, dass ich durch deine Fürbitte und nach deinem Vorbild zum Vollalter Christi auf Erden und zur Fülle seiner Herrlichkeit im Himmel gelange.

 

Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, den ich im Allerheiligsten Sakrament des Altares wahrhaftig gegenwärtig glaube und bekenne, ich bitte dich mit der ganzen Inbrunst meines dich aufrichtig liebenden Herzens, würdige dich, mich in die Zahl jener bevorzugten Kinder deiner heiligen Kirche aufzunehmen, mit denen du den Bund der Liebe geschlossen hast. Ich verspreche dir von ganzem Herzen, mit deiner allmächtigen Gnade, alle Obliegenheiten des Liebesbundes getreu und gewissenhaft zu erfüllen. Heilige Maria, Mutter des Lebens, du meine Mutter und mächtige Fürsprecherin am Throne meines Erlösers, hl. Erzengel Michael, hl. Paschalis Baylon, hl. Josef, hl. Franziskus, hl. P. Pio, hl. Teresia vom Kinde Jesu, hl. Philomena, hl. Johannes Paul II., hl. Mutter Teresa, alle lieben Engel und Heiligen Gottes, bittet für mich!“ Amen

(Anm.: dieser fett gedruckte Abschnitt beinhaltet die eigentliche Weihe an die Heilige Eucharistie nach dem Liebesbund des Göttlichen Herzens Jesu. Wer diesen Teil ebenfalls betet, ist zu den täglichen Aufopferungsgebeten am Morgen und am Abend sowie zur Einhaltung der Statuten verpflichtet, sofern er/sie der Gemeinschaft FAMILIE FÜR DAS LEBEN angehören möchte).

 

Die FAMILIE FÜR DAS LEBEN verlangt zudem von allen Mitgliedern zum Abschluss der “Zwei Säulen Weihe“ das Heilungsgebet durch Tauferneuerung(

Heilungsgebet durch Tauferneuerung

Herr Jesus Christus, bedecke durch dieses Kreuzzeichen uns alle, unsere Familien und unseren Besitz mit deiner Liebe, deiner Kraft und deinem Blut, damit der Feind uns nicht schaden kann:

+ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

Jesus, ich bitte dich um Verzeihung für alle Sünden meiner Vorfahren, Eltern und Verwandten. Ich übergebe sie dir am Kreuz und stellvertretend für meine Vorfahren, Eltern und Verwandten verzeihe ich allen, die sie verletzt haben.

Ebenso bitte ich um Verzeihung für alle meine eigenen Sünden und fasse den festen Vorsatz, all denjenigen zu verzeihen, die mich verletzt haben. Möge dein Kostbares Blut mich von all meinen Sünden reinigen und mich von den Fesseln des Nichtvergebens, von Flüchen und Sünden befreien.

 

Im Namen Jesu, durch das Blut, das Er vergossen hat, durch seine hl. Wundmale, auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, der Unbefleckten Empfängnis, die den Kopf der Schlange zertreten hat, auf die Fürsprache des hl. Josef und des hl. Erzengels Michael, widersage ich dem Satan, all seinen Werken und all seinen Verlockungen!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist der Ungeduld und des Ärgers; jedem Geist der Abneigung, allem zurück gehaltenen Groll und aller Aggressivität; allem Zorn und Hass; jedem Geist des Richtens und Verurteilens, der Anklage, des Streites, der Unversöhnlichkeit und der Verbitterung!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist der Entmutigung und Traurigkeit; jeder Melancholie und Einsamkeit; der Fehlschläge und Frustration, dem Misstrauen gegenüber der Liebe Gottes und der Liebe den Nächsten; der Selbstablehnung und Selbstverurteilung!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist der Angst, der Angst vor dem Satan, der Angst vor Menschen, Tieren und Dingen, der Angst vor der Zukunft, vor Krankheit und vor dem Tod; der Höhenangst und der Angst vor Dunkelheit; der Angst vor Unfällen und Katastrophen, der Angst, einen lieben Menschen zu verlieren; der Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sprechen und das Evangelium Jesu zu bezeugen!

Im Namen Jesu widersage ich den Geistern der Minderwertigkeitskomplexe und des Selbstmitleids; der falschen Sorge, der Anspannung, des Schreckens und des Schocks, des Traumas, der Krankheit und des Todes!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist der Eifersucht, des Neides und der Schadenfreude sowie der Faulheit; des Vortäuschens falscher Tatsachen und der Übertreibung!

 

Im Namen Jesu widersage ich dem Geist der gefühlsmäßigen oder psychischen Instabilität; der Selbstzerstörung, der Verzweiflung und der Selbstmordgedanken!

 

Im Namen Jesu widersage ich dem Geist der Rache; jedem Wunsch nach Scheitern und Tod eines meiner Brüder und Schwestern; jeder Ungerechtigkeit und Bloßstellung von Menschen, jeder üblen Nachrede, Lüge und Schmähung!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist der Rebellion gegen Gott und seinen heiligen Willen, jeder Rebellion gegen meine Brüder und Schwestern und gegen mich selbst, wenn ich meine Schwächen nicht annehme!

 

Im Namen Jesu widersage ich den Geistern der Geldgier, der Gier nach Besitz, Dingen, Menschen; jedem Geist des Materialismus und Konsums; jedem Geist des Stehlens und Plünderns!

 

Im Namen Jesu widersage ich den Geistern der Unmäßigkeit, der Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Tabak, Drogen, Glücksspielen und Internet!

 

Im Namen Jesu widersage ich jedem Geist eines anstößigen Sprachgebrauchs und schlechter Witze; jedem Geist unkeuscher Praktiken und der Lust; jedem Geist der sexuellen Selbstbefriedigung und Unzucht; jedem Geist der Prostitution und des Ehebruchs; jeden Geist der Orgien und des Hedonismus!

 

Im Namen Jesu widersage ich allen pornographischen Magazinen und Filmen, aller Literatur, jedem Film und jeder Musik, die dem Evangelium Jesu Christi widersprechen; jedem Geist der Weltlichkeit und einem nicht christlichen Lebensstil, der Sinneslust und des falschen Vergnügens!

 

Im Namen Jesu widersage ich dem Geist des Stolzes, der angeberischen Arroganz, der Selbstgerechtigkeit, der Vorurteile, des ungesunden Wettbewerbs, der eitlen Selbstverherrlichung, des sich Vergleichens und der Parteilichkeit!

 

Im Namen Jesu widersage ich dem Geist der Götzenanbetung, der Hexerei, der schwarzen und weißen Magie, allen spiritistischen Machenschaften, Operationen, Behandlungen und Medikationen; allen Gegenständen des Aberglaubens, des Okkultismus, der New Age Bewegung und all den Kräften des Bösen, die mich dadurch in Besitz genommen haben(z.B. durch Verehrung falscher Götter, auf Grund von Besuchen nicht christlicher Kultstätten, durch Astrologie, Hellseherei, Numerologie, Channeling, durch Erstellen von Horoskopen und durch Handlesen, durch Totenbefragung und den Gebrauch von Glück bringenden Amuletten, von Tarotkarten und Mandalas, durch Pendeln, Yoga, Zen-Meditation, Reiki, Chakras, Tischrücken, Bach-Blüten, I Ching, automatisches Schreiben und Geistheilungen, durch Geisterführer, Regression in ein früheres Leben, durch Aufbewahren okkulter Gegenstände im Haus und durch ähnliche esoterische und okkulte Praktiken)!

 

Im Namen Jesu widersage ich dem Geist des Unglaubens, des Sakrilegs und des Atheismus, des Zweifels, der Unlust zum Beten, Kirchengehen und Bibellesen!

 

Im Namen Jesu widersage ich allen Flüchen, Verwünschungen und Festlegungen, die je ausgesprochen wurden, um meine Familie zu verletzen und widerrufe Festlegungen und Flüche, die ich selbst gegen mich oder andere ausgesprochen habe!

 

Jesus, ich erwähle dich als meinen Herrn und Gott, als meinen Heiland und Erlöser. Dir übergebe ich mein Leben! An dich glaube ich! Dich liebe ich und dir will ich treu sein!

 

Jesus, heile jetzt meine negativen Emotionen und alle Wunden meines Herzens und Geistes. Sende das Schwert deines Hl. Geistes, um alle Verwünschungen, Hexereien, Voodoo, Zauber und alles negativ Genetische und Generationsübergreifende, Süchte und Abhängigkeiten – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gegen meine Person, meine Beziehungen und Familie, Finanzen, Besitztümer, Fahrzeuge, meine Arbeit und Freizeit zu trennen und zu zerbrechen!

 

Jesus, wasche mich rein mit deinem Kostbaren Blut, ganz besonders mein Herz, mein Unbewusstsein, mein Unterbewusstsein und meine bewussten Gedanken, mein Gewissen, mein Gedächtnis, meine Erinnerungen und Vorstellungen, meine Gefühle, meinen Verstand und meinen Willen.

 

Jesus, wasche mich mit deinem Kostbaren Blut. Wasche mein Gehirn, mein Nervensystem, das Blut in meinen Adern, mein Fleisch, meine Knochen, meine inneren- und die Geschlechtsorgane.

 

Jesus, wasche mich mit deinem Kostbaren Blut. Wasche meine Augen, Ohren, und Nase, meinen Tastsinn, meinen Mund und meine Zunge, meine Hände, Füße, mich selbst ganz und gar.

 

Sende mir vom Himmlischen Vater deinen Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, den Geist der Heiligkeit.

 

Gott Heiliger Geist, verleihe mir deine sieben Gaben. Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Erfülle mich mit deinen Früchten: mit Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit und salbe mich mit den charismatischen Gaben, um die christliche Gemeinschaft aufzubauen zur Ehre Gottes des Vaters. Amen!      

 

 


) zu beten – ideal wäre der Zeitpunkt kurz vor der Heiligen Beichte! -, wie es uns besonders am 31. Tag der Weihe(Treue zum Taufgelübde) empfohlen wird, um den eigenen Beschluss der Ganzhingabe zu besiegeln, zur Heilung der Wunden und um allen negativen Einflüssen und Behaftungen abzusagen!


 

GEBETE

 

Meerstern, ich dich grüße

Mutter Gottes, süße,

allzeit Jungfrau, reine,

Himmelspfort’ alleine!

Ave klang die Kunde

aus des Engels Munde

uns den Frieden spende,

Evas Namen wende.

Lös das Band der Sünden,

spende Licht den Blinden,

allem Böse wehre,

alles Gut begehre.

Dich als Mutter zeige,

dass durch dich sich neige

unserm Fleh’n auf Erden,

der dein Sohn wollt’ werden.

Jungfrau, auserkoren,

mild und rein geboren,

uns von Schuld befreie,

Keuschheit uns verleihe.

Gib ein reines Leben,

mach den Weg uns eben,

dass in Himmelshöhen

froh wir Jesus sehen.

Vater, ich dich ehre,

Sohn, dein Lob ich mehre,

beider Geist ich preise, drei auf gleiche Weise. Amen

 

 

 

Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein,

besuch das Herz der Kinder dein,

erfüll uns all mit deiner Gnad’,

die deine Macht erschaffen hat.

Der du der Tröster wirst genannt,

vom höchsten Gott ein Gnadenpfand,

du Lebensbrunn, Licht, Lieb’ und Glut,

der Seele Salbung, höchstes Gut.

O Schatz, der siebenfältig ziert,

o Finger Gottes, der uns führt,

Geschenk, vom Vater zugesagt,

du, der die Zungen reden macht.

Zünd an in uns dein Gnadenlicht,

gieß Lieb ins Herz, die ihm gebricht,

stärk unsres Leib’s Gebrechlichkeit

mit deiner Kraft zu jeder Zeit.

Treib weit von uns des Feinds’ Gewalt,

in deinem Frieden uns erhalt’,

dass wir, geführt von deinem Licht,

in Sünd’ und Leid verfallen nicht.

Gib, dass durch dich den Vater wir,

und auch den Sohn erkennen hier,

und dass als Geist von beiden dich

wir allzeit glauben festiglich.

Gott Vater Lob auf höchstem Thron

und seinem auferstand’nen Sohn;

dem Tröster auch sei Lob geweiht, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen

Lauretanische Litanei

Herr, erbarme dich unser

Christus, erbarme dich unser

Herr, erbarme dich unser

Christus, höre uns

Christus, erhöre uns

Gott Vater vom Himmel,

erbarme dich unser,

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

erbarme dich unser,

Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,

erbarme dich unser

Heilige Maria, bitte für uns

Heilige Gottesgebärerin

Heilige Jungfrau über allen Jungfrauen

Mutter Christi

Mutter der göttlichen Gnade

Du reine Mutter

Du keusche Mutter

Du unversehrte Mutter

Du unbefleckte Mutter

Du liebenswürdige Mutter

Du wunderbare Mutter

Du Mutter des guten Rates

Du Mutter des Schöpfers

Du Mutter des Erlösers

Du weise Jungfrau

Du ehrwürdige Jungfrau

Du lobwürdige Jungfrau

Du mächtige Jungfrau

Du gütige Jungfrau

Du getreue Jungfrau

Du Spiegel der Gerechtigkeit

Du Thron der Weisheit

Du Ursache unserer Freude

Du Kelch des Geistes

Du ehrwürdiger Kelch

Du erlesener Kelch der Hingabe

Du geheimnisvolle Rose

Du starker Turm Davids

Du elfenbeinerner Turm

Du goldenes Haus

Du Bundeslade

Du Pforte des Himmels

Du Morgenstern

Du Heil der Kranken

Du Zuflucht der Sünder

Du Trösterin der Betrübten

Du Helferin der Christen

Du Königin der Engel

Du Königin der Patriarchen

Du Königin der Apostel

Du Königin der Märtyrer

Du Königin der Bekenner

Du Königin der Jungfrauen

Du Königin aller Heiligen

Du Königin, ohne Erbsünde empfangen

Du Königin, in den Himmel aufgenommen

Du Königin des heiligen Rosenkranzes

Du Königin des Friedens

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – verschone uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erhöre uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erbarme dich unser, o Herr

V: Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin

A: Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

 

V: Lasset uns beten:

Herr und Gott, wir bitten dich: gewähre uns, deinen Dienern, immerdar Gesundheit des Leibes und Heil der Seele; höre auf die himmlische Fürsprache der seligen, allzeit jungfräulichen Mutter Maria; nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit, dereinst aber gib uns die ewige Freude, durch Christus, unsern Herrn

A: Amen

 

 

 

Litanei vom Heiligen Geist

         Herr, erbarme dich unser

Christus, erbarme dich unser

Herr, erbarme dich unser

Christus, höre uns

Christus, erhöre uns

Gott Vater vom Himmel,

erbarme dich unser,

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

erbarme dich unser

Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,

erbarme dich unser

Heiliger Geist, mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht

Heiliger Geist, Herr und Spender allen Lebens

Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe

Geist der Wahrheit und der Liebe

Geist der Weisheit und des Verstandes

Geist des Rates und der Stärke

Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit

Geist der Furcht des Herrn

Geist der Freude und des Friedens

Geist der Demut und Milde

Geist der Geduld und Langmut

Geist der Güte und Erbarmung

Geist der Keuschheit und Jungfräulichkeit

Geist der Treue und Wahrhaftigkeit

Geist der Heiligkeit und Gerechtigkeit

Geist der Vollkommenheit

Geist der auserwählten Kinder Gottes

Sei uns gnädig – verschone uns, o Herr

Sei uns gnädig – erhöre uns, o Herr

Von allem Übel – erlöse uns, o Herr

Von aller Sünde

Von den Nachstellungen des bösen Feindes

Von Unglauben und Aberglauben

Von Kleinmut und Verzweiflung

Von freventlicher Vermessenheit

Vom Widerstreben gegen die erkannte Wahrheit

Von einem verstockten und unbußfertigen Herzen

Von aller Feindseligkeit und Gehässigkeit gegen unseren Nächsten

Von aller Unlauterkeit

Von aller Unwahrheit

Von Hoffart und Überheblichkeit

Von Missgunst und Neid

Von aller Oberflächlichkeit und Blindheit des Geistes

In der Stunde unseres Todes

Wir armen Sünder – wir bitten dich, erhöre uns

Dass du unsere heilige Kirche leiten und erhalten wollest

Dass du den Heiligen Vater und alle Bischöfe erleuchten und stärken wollest

Dass du unsere Seelsorger heiligen wollest

Dass du dem ganzen christlichen Volk ein Herz und eine Seele verleihen wollest

Dass du alle Irrenden zur Erkenntnis der Wahrheit und zur Einheit des Glaubens führen wollest

Dass du allen Völkern einen dauerhaften Frieden schenken wollest

Dass du die Gläubigen mit deinen Gaben erfüllen wollest

Dass du uns eine tiefe Erkenntnis deiner unbefleckten Braut Maria verleihen wollest

Dass du die Seelen der Verstorbenen in die ewige Freude führen wollest

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden Welt – verschone uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erhöre uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erbarme dich unser, o Herr

Sende aus deinen Geist und alles wird neu geschaffen(Alleluja)

Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern(Alleluja)

 

Lasset uns beten:

O Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt; gib, dass wir in diesem Geiste erkennen, was Recht ist und seines Trostes uns allezeit erfreuen, durch Christus, unsern Herrn. Amen

Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu

Herr, erbarme dich unser

Christus, erbarme dich unser

Herr, erbarme dich unser

Christus, höre uns

Christus, erhöre uns

Gott Vater vom Himmel,

erbarme dich unser,

Gott Sohn, Erlöser der Welt,

erbarme dich unser

Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,

erbarme dich unser

Herz Jesu, des Sohnes des ewigen Vaters

Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen

Mutter vom Heiligen Geist gebildet

Herz Jesu, mit dem Worte Gottes

wesentlich vereinigt

Herz Jesu, von unendlicher Majestät

Herz Jesu, du heiliger Tempel Gottes

Herz Jesu, du Zelt des Allerhöchsten

Herz Jesu, du Haus Gottes und Pforte

des Himmels

Herz Jesu, du Feuerherd der Liebe

Herz Jesu, du Wohnstatt der Gerechtigkeit

und Liebe

Herz Jesu, voll Güte und Liebe

Herz Jesu, du Abgrund aller Tugenden

Herz Jesu, allen Lobes würdig

Herz Jesu, du König und Mitte aller Herzen

Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind

Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt

Herz Jesu, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat

Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben

Herz Jesu, du Sehnsucht der ganzen Schöpfung

Herz Jesu, geduldig und voll großer Erbarmung

Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen

Herz Jesu, du Quell des Lebens und der Heiligkeit

Herz Jesu, du Sühne für unsere Sünden

Herz Jesu, mit Schmach gesättigt

Herz Jesu, voll Qual ob unserer Missetaten

Herz Jesu, gehorsam geworden bis zum Tod

Herz Jesu, von der Lanze durchbohrt

Herz Jesu, du Quell allen Trostes

Herz Jesu, unser Leben und unsere Auferstehung

Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung

Herz Jesu, du Opferlamm für die Sünder

Herz Jesu, du Heil aller, die auf dich hoffen

Herz Jesu, du Hoffnung aller, die in dir sterben

Herz Jesu, du Wonne aller Heiligen

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden Welt – verschone uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erhöre uns, o Herr

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt – erbarme dich unser, o Herr

Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen,

bilde unser Herz nach deinem Herzen.

 

Lasset uns beten:

Allmächtiger, ewiger Gott, blicke hin auf das Herz deines geliebten Sohnes, sowie auf das Lob und die Genugtuung, die es im Namen der Sünder dir darbringt und gewähre denen, die deine Barmherzigkeit anflehen, gnädig Verzeihung im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen

Gebet des heiligen Augustinus

„Du bist Christus, mein Heiliger Vater, mein gütiger Gott, mein großer König, mein guter Hirte, mein einziger Lehrer, mein bester Helfer, mein schönster Geliebter, mein lebendiges Brot. Du bist mein Hoherpriester in Ewigkeit, mein Führer zur ewigen Heimat, mein wahres Licht, meine heilige Wonne. Du bist für mich der gerade Weg, die herrliche Weisheit, die lautere Einfachheit, die friedvolle Eintracht. Du bist mein ganzer Schutz, mein köstliches Erbe, mein ewiges Heil. Christus Jesus, du liebster Herr, warum nur habe ich jemals in meinem Leben etwas anderes geliebt, etwas anderes begehrt als dich, Jesus, meinen Gott? Wo war ich, wenn ich deiner nicht gedachte? Von nun an aber soll all mein Sehnen erglühen und dem Herrn Jesus entgegen strömen. Auf, eilt, meine Wünsche, ihr habt genug gezögert; eilt nun zu auf euer Ziel, sucht ihn, nach dem ihr strebt. Jesus, wer dich nicht liebt, sei von der Liebe ausgeschlossen; wer dich nicht liebt, den erfülle Bitterkeit…O liebster Jesus, lass jede Regung meines Herzens eine Regung der Liebe zu dir, des Entzückens in dir, der Bewunderung für dich sein. Du Gott meines Herzens und mein Erbe, Christus Jesus, lass mich vergehen und lebe du in mir! Lass das Feuer deiner Liebe in meiner Seele entbrennen und zu einer heiligen Flamme anwachsen. Ewig soll dieser Brand auf dem Altar meines Herzens lodern; lass ihn mein innerstes Wesen durchglühen und die Tiefen meiner Seele verzehren, so dass der Tag meines Endes auch der Tag meiner Vollendung in dir sei. Amen.“